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Auf den Spuren des Völkerkundlers Theodor Koch-Grünberg

von Eckhard Scheldam 16.10.20093666 mal gelesen1 Kommentar
Die Klasse 7f mit Karin Bautz (ganz links), Ursula Koch und Eckhard Scheld
Die Klasse 7f mit Karin Bautz (ganz links), Ursula Koch und Eckhard Scheld
Gießen | Die 7f der WvO aus Dillenburg führte ein spannendes Gespräch mit Ursula Koch, der jüngsten Tochter Theo Kochs, im Museum im Spital in Grünberg

Am 7.Oktober 2009, einen Tag vor dem 85. Todestag des Ethnologen Theodor Koch, besuchte die Klasse 7f der Wilhelm-von-Oranien-Schule aus Dillenburg das Museum im Spital in Grünberg. Ihr Deutschlehrer Eckhard Scheld hatte schon 1972 während seines Studiums in Berlin eine Ausstellung über den Forscher im Völkerkundemuseum gesehen, nun den Kontakt mit der Grünberger Museumsleiterin Karin Bautz hergestellt, um der Klasse anhand eines Ausstellungsbesuches einen Eindruck von der Leistung des Südamerikaforschers zu vermitteln. Die Schülerinnen Luisa Becker, Annika Gaubatz, Luisa Koob und Luisa Weiffenbach waren die ersten, die ihm Beiträge über diese Fahrt zuschickten:
"In Museum im Spital in Grünberg gibt es seit 2007 eine große Sonderausstellung über die Forschungen des Grünberger Ethnologen Theodor Koch im brasilianischen Regenwald. Theodor Koch-Grünberg wurde am 9. April 1872 in Grünberg geboren. Als Forscher bereiste er später die Flüsse Rio Negro, Rio Branko, den Amazonas
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Ursula Koch (1)Theodor Koch (1)Phonograph (1)Museum im Spital (9)Karin Bautz (2)
und den Orinoko. Im Auftrage des Völkerkundlichen Museum in Berlin sammelte er Exponate der verschiedenen Völker Südamerikas. 50 Originalexponate, die Theodor Koch aus Südamerika mitgebracht hatte, wurden dem Museum u.a. von der Tochter des Forschers zur Verfügung gestellt. Die Ausstellung zeigt Musikinstrumente, Jagdgeräte, Federschmuck, viele historische Fotos und Informationen über Theodor Koch. Auch sein damaliges Reisegepäck, unter anderem mit Reisebesteck, Kompass und Fotoausrüstung ist dort ausgestellt. Seine erste Reise zu den Indianern im Amazonas-Regenwald war von 1898 bis 1900. Mit dem Phonographen zeichnete er ab 1910 Melodien und Klänge der Indios auf. Museumsleiterin Karin Bautz zeigte uns den Phonographen, mit dem Theo Koch Tonaufnahmen von Gesängen der Indianer anfertigte und spielte uns dazu ein paar Aufnahmen von einer CD vor. Außerdem kann man im Museum auch einen zehnminütigen Ausschnitt aus einem Film über den Völkerforscher sehen, in dem auch seine Tochter Ursula Koch mitwirkt.
Der Höhepunkt des Tages war das Gespräch, das wir mit Frau Ursula Koch (86), der jüngsten Tochter von Theodor Koch führen konnten. Frau Koch war durch die freundliche Vermittlung von Frau Koch extra aus Gießen nach Grünberg gekommen, um mit uns über ihren Vater zu sprechen. Die erste Frage an Frau Koch war: "Sind sie stolz auf ihren Vater?" Sie antwortete: "Ja, sehr! Heute, als ich in das Museum kam, habe ich wieder gemerkt, was ich für einen tollen Vater habe, obwohl ich erst ein Jahr alt war, als mein Vater starb." Museumsleiterin Karin Bautz, die so gut diesen Besuch vorbereitet hatte, ergänzte stolz: "Unmittelbar nach dem Tod von Theodor Koch im brasilianischen Urwald im Jahre 1924 beschloss der Grünberger Stadtrat, eine Straße nach Theo Koch zu benennen und seit 1953 trägt die Schule in Grünberg den Namen Theodor Koch-Schule.
Eine weitere Frage lautete: "Kamen Sie auch schon einmal auf die Idee, zu einer Reise nach Südamerika aufzubrechen?" Frau Koch antwortete: "Ich habe zwar schon einmal überlegt, eine Reise zu starten, aber ich habe es nicht verwirklicht; allerdings hat meine Nichte schon das Ehrengrab meines Vaters in Manaus besucht."
Eine Schülerin wollte dann von Ursula Koch wissen, wie ihre Familie von dem Tod des Vaters erfahren habe. Frau Koch erklärte: "Wir erfuhren von dem Tod durch den Telegrafen; denn mein Vater befand sich zu der Zeit, als er starb, am Rande der Zivilisation, unweit einer Missionsstation in Vista Alegre und noch nicht im Regenwald. Aber es war sehr schlimm für meine Mutter, als sie es erfuhr. Zum Glück hatte sie ja noch uns, ihre Kinder. Das letzte, was ich von meinem Vater bekommen habe, war ein Muschelkästchen, das in Expeditionskisten nach seinem Tode eintraf. Dieses Kästchen ist noch heute in meinem Besitz."
Die Museumsleiterin, erklärte uns, dass sie öfter Besuch von Leuten aus anderen Ländern erhalte, die sich für Theodor Koch-Grünberg interessierten. In diesem Jahr sei sogar der Indianerhäuptling Xoha Karajá aus Brasilien zu Gast im Museum gewesen. Zum Schluss führte sie uns noch zu dem Diebsturm in Grünberg, der mit über 100 Stufen der bekannteste Turm in Grünberg ist und von dem man eine weite Aussicht hat.
Es war ein sehr interessanter und schöner Tag im Museum im Spital. Besonders gut hat es uns gefallen, dass Frau Koch persönlich anwesend war und aus ihrem Leben und dem Leben ihres Vaters erzählte.

Kommentare zum Beitrag

Hermann Menger
2.234
Hermann Menger aus Gießen schrieb am 21.10.2009 um 18:50 Uhr
Sehr interessanter Artikel!
Schön, dass nicht nur die TKS etwas mit Theo Koch zu tun hat, sondern auch die WvO in Dillenburg.
An unserer Schule, der TKS in Grünberg, ist der 7. Oktober unbeachtet vorüber gegangen ...
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) Eckhard Scheld

von:  Eckhard Scheld

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Interessensgebiet: Gießen
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