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The Dark Knight - Zauberhaftes und Schauderhaftes im Zeichen des Bösen

Gießen | Endlich ist es soweit: Das lange Warten hat ein Ende. Wer in Deutschland ins Kino gehen will, um sich den Nachfolger des Films »Batman Begins« von Regisseur Christopher Nolan anzuschauen, muss dennoch Geduld haben. Bei diesem Streifen wird es garantiert weiterhin lange Warteschlangen vor den Kinokassen geben. Batman und Joker, unumstritten ein Blockbuster, sind auch in den kommenden Tagen und Wochen auch in Deutschland in. Um nicht in der »Rasierloge« sitzen zu müssen – so nenne ich die ersten drei Reihen im Kino -, muss ich mich wohl rechtzeitig in die Schlange einreihen, um einen guten Sitzplatz zu ergattern. Möchte ich doch nicht nur Teilsequenzen auf der Leinwand verfolgen, sondern den gesamten Inhalt.

Anarchie in Gotham City: Der psychotische Joker stürzt die Stadt in ein riesengroßes Chaos. Seine Gräueltaten will er erst in dem Moment beenden, wenn Batman seine wahre Identität preisgibt und seine Waffen niederlegt. Da die öffentliche Meinung stark auf Batman drückt, geht dieser ein Bündnis mit Harvey Dent ein, welcher als Staatsanwalt dem organisierten Verbrechen den Kampf angesagt hat. Doch der Joker zwingt Batman immer näher an die Grenze zwischen Gerechtigkeit und Rache.

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Was ist das Besondere an »The Dark Knight«? Als Ausgangspunkt wähle ich einfach mal Quoten. Die Zuschauerzahlen in den Staaten schießen steil nach oben. Es scheint, dass sie den Rekord von »Titanic« einholen, ja, vielleicht sogar übertreffen. Am Eröffnungstag strömten in den USA so viele Zuschauer in die Kinos, dass die Tageseinnahmen sich auf 66,4 Millionen US-Dollar beliefen. Nach dem Wochenende darauf wurden über 156 Millionen US-Dollar gemeldet. Somit überflügelte »The Dark Knight« den Superhelden-Konkurrenzstreifen »Spiderman 3« mit rund 5 Millionen, welcher mit 151,1 Millionen Dollar bisher als größte Einnahmequelle innerhalb einer Woche galt.
Ein zweiter Aspekt: Nichts, aber auch gar nichts hatte die US-amerikanischen Familien, die mit ihren Sprösslingen bei Coca Cola und Popcorn ihre Comic-Helden-Verfilmung anschauen wollen, auf solche Szenen vorbereitet, in welchen ein Menschenschädel mit einem Bleistift durchbohrt wird, oder der Superheld Batman seinen Kontrahenten The Joker mit der Stirn gegen die Wand hämmert. FSK 13 (einzige Einschränkung: Nur in Begleitung eines Elternteils). Typisch »Made in USA«.
Ein dritter Aspekt: Es ist die letzte Rolle, die Heath Ledger als Bösewicht auf der Kinoleinwand zeigt. Hatte er doch am 22. Januar 2008 mit einer Überdosis an Schlaf- und Schmerzmedikamenten seinem jungen Leben ein Ende gesetzt. Im siebten Teil der Batman-Saga brilliert er als psychotischer Killer und stellt alle bisherigen Schauspieler in dieser Rolle in den Schatten. Seit »Das Schweigen der Lämmer« mit Anthony Hopkins gab es nirgendswo so viel eiskalte Rückenschauder wie in diesem Streifen. Der Joker in »The Dark Knight« ist eben nicht recht bei Verstand und lehnt alle positiven Zielsetzungen, Ideale, Werte und Normen bedingungslos ab. Sieht man ihn auf der Leinwand, verschmiert mit weißer Schminke, mit kohlrabenschwarzen Augen und gelben Zähnen, kommt mir Gustav Gründgens als »Mephisto« in den Sinn. Der Joker ist jedoch gemeiner und brutaler.
Einen anderen Vergleich gefällig? Kein Problem. Erinnert sei an dieser Stelle an den Film »Das Testament des Dr. Mabuse« von 1933. Fritz Lang kreierte mit Dr. Mabuse den Prototypen eines psychopathischen Gewaltverbrechers, der das Chaos zum obersten Gesetz erheben will, eine gespaltene, einsame Persönlichkeit, wobei er sich nicht für die Ursachen dieser Persönlichkeitsspaltung interessiert, sondern für die Folgen. Bemerkenswert ist dabei ein Zitat aus dem Film, in welchem Rudolf Klein-Rogge als Dr. Mabuse sein Testament schreibt:

»Die Seele der Menschen muss in ihren tiefsten Tiefen verängstigt werden – durch unerforschliche und scheinbar sinnlose Verbrechen. Verbrechen, die niemandem Nutzen bringen, die nur den einen Sinn haben, Angst und Schrecken zu verbreiten, denn der letzte Sinn des Verbrechens ist, eine unbeschränkte Herrschaft des Verbrechens aufzurichten, einen Zustand vollkommener Unsicherheit und Anarchie, aufgebaut auf den zerstörten Idealen einer Welt, die zum Untergang verurteilt ist.«
(Aus dem Testament des Dr. Mabuse »Herrschaft des Verbrechens«)

Der Vergleich hinkt? Mitnichten. Es ist meine rein persönliche Sichtweise, wie ich den Film interpretiere. Es geht hier nicht mehr um den Kampf zwischen Gut und Böse allein, auch nicht um die Zerstörung des jeweiligen Gegenspielers oder um die Anhäufung materieller Reichtümer. So zum Beispiel verbrennt der Joker eine meterhohe Pyramide aus Banknoten.
Batman und Joker liefern sich einen regelrecht philosophischen Streit um die Seelen der Bürger von Gotham City. Und der Fiesling Joker will um die wahre Identität des Flattermannes wissen und setzt noch einen drauf: Rachel Dawes und Harvey Dent platziert er zwischen Ölfässer. Beide sollen ihre Wahl treffen, wer von ihnen überleben darf. Doch es geht noch besser und mega-brutaler. In zwei voll besetzten Fähren sind Bomben versteckt. Deren Auslöser befinden sich in den Händen der Passagiere des anderen Schiffes. Wer zuerst den Auslöser betätigt – und damit die anderen in die Luft sprengt - hat gewonnen und kommt mit dem Leben davon. Makaberes Spiel, hohles Versprechen, denn der Joker strebt einen »Zustand vollkommener Unsicherheit und Anarchie« an.
So schließt sich der Kreis und der Vergleich mit »Dr. Mabuse«.

Letztendlich ist es dem Erfolg in den Staaten höchstwahrscheinlich zuzuschreiben, dass »The Dark Knight« sehr erwachsen, politisch … ja, in die heutige Zeit passend, in der das Thema Terrorismus auf der Tagesordnung steht, auf den Zuschauer einwirkt. Materielle Werte sind dem Joker egal. Er will die Welt brennen sehen. Und Batman kommt da für die Gesellschaft gerade recht: Als Antiheld ist er bereit, das Böse zu bekämpfen.
Nach 152 Minuten Filmvergnügen kommt schon eine erste Reaktion: Der siebte Teil der Batman-Serie ist vorbei – und der Zuschauer wünscht sich einen achten. Doch vorher gibt es einen neuen »Dr. Mabuse«, und der kommt aus Deutschland. Universum Film hat die Verfilmungsrechte von der CCC Filmkunst erworben und plant Dreharbeiten eines neuen Doktor Mabuse Films für 2009/2010. Großes Actionkino wird jetzt schon angekündigt.

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von:  Wolfgang Brandt

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