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Demonstration zum Landgericht, Prozess der "Feldbefreier" weiter vertagt

Gießen | Mit einer Demonstration gegen Gentechnik und die Inhaftierung zweier sogenannter „Feldbefreier“ zogen am Mittwoch etwa 60 Mitstreiter der Angeklagten und Sympathisanten durch die Gießener Innenstadt. Ziel war das Landgericht, wo um 14 Uhr die Gerichtsverhandlung in zweiter Instanz fortgesetzt wurde und trotz fast achtstündiger Verhandlung zu keinem Schluss kam.
Hintergrund der Anklage ist die teilweise Zerstörung eines Versuchsfeldes der Gießener Universität vor drei Jahren, das mit genetisch veränderter Gerste bepflanzt war. Jörg B. (45) und Patrick N. (28) wurden auf Grund ihrer Beteiligung in erster Instanz zu jeweils sechs Monaten Haft verurteilt. Dagegen wurde Berufung eingelegt. Beide Angeklagten beziehen sich auf den Notstandsparagraphen, der Straftaten nicht ahndet, die Gefahren von sich selbst oder anderen abwenden.
Gegenstand der Gerichtsverhandlung vor der achten kleinen Strafkammer waren die vor zwei Wochen gestellten Anträge zur Befangenheit des Richters und weiteren Beweisanträgen. Alle wurden als „bedeutungslos“ und „nichtig“ zurückgewiesen. Einer 45-minütigen Gegenvorstellung Jörg B.‘s folgte
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ein ausgiebiger Applaus der etwa 35 Mitstreiter, welche nach der Demonstration ihren Weg in den Gerichtssaal fanden. Doch nicht alle Demonstranten konnten an dem Prozess teilhaben. Viele mussten auf richterliche Anordnung hin vor dem Landgericht ausharren, da der Saal nicht genug Platz für alle bot. Durch Gelächter und Spott der Zuschauer mussten Richter und Staatsanwältin ein ums andere Mal ihre Ausführungen unterbrechen. Da sie entgegen aller Vermutungen noch immer nicht abgeschlossen werden konnte, wird die Verhandlung am 9. Oktober fortgesetzt.
Die vorherige Demonstration lief dagegen ohne Zwischenfälle ab. Der Zug aus etwa 60 Gentechnik-Gegnern begann mit samt Traktor seinen Weg beim Kirchplatz, wo unter anderem Udo Lirnemann von der Bürgerinitiative Marburg eine Rede vor den Anwesenden hielt. Auch wurde ein Rollenspiel aufgeführt, mit dem man eine „Feldbefreiung“, also das Zerstören gentechnisch veränderter Felder, nachstellte. Mit Megaphon, Bannern und Flugblättern bewaffnet, versuchte man, Passanten auf das Thema und die kommende Verhandlung aufmerksam zu machen. "Gentechnik verursacht Monotonie" hieß es auf einem der Plakate. "Gentechnik essen, das kannst du vergessen" schallte es aus einem kleinen Bus. Vor dem Uni-Hauptgebäude
wurde ein kritisches Lied über die Gießener Universität von einem Teil der 8-köpfigen lokalen Gruppe „Aktionsbündnis gegen Gentechnik Gießen“ vorgetragen. Immer wieder kamen Demonstranten, auch aus anderen Städten zu Wort, um ihre Solidarität zu bekunden. Schließlich endete der Zug pünktlich zu Beginn des Prozesses vor dem Landgericht.
Simone Ott, Mitglied der Gruppe, war im Großen und Ganzen zufrieden mit der Demonstration. Sie habe zwar auf mehr Unterstützung gehofft, für die kurze Mobilsierung von nur zwei Wochen seien jedoch einige zusammengekommen. Dieser Meinung war auch Peter Schwarz, einer der Demonstranten. Man merke, dass 80 Prozent der Bevölkerung gegen Gentechnik seien, so Schwarz. Er denke, dass das Thema wichtig für die Menschen sei.
Auch der kürzlich auf Grund einer Verfassungsbeschwerde aus dem Gefängnis entlassene Imker Michael Grom nahm sowohl an der Demo, als auch an der Verhandlung teil. Er machte auf sich aufmerksam, als er nach einer „Feldbefreiung“ eine Schadensersatzforderung nicht zahlte und inhaftiert wurde. Lautstark sprach er vor dem Landgericht von einer „Ungerechtigkeit“ bezogen auf den Prozess und den drohenden Ausgang von Gefängnisstrafen. Man wolle hiermit ein Exempel statuieren.
Mit der Verschiebung des Urteils musste zudem ein Demonstrant zumindest vorerst seine Drohung nicht wahrmachen, in einen Hungerstreik zu treten.

 
 
 
 
 
 
 
 

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