Bürgerreporter berichten aus: Gießen | Überall | Ort wählen...

Zypries: Neuerungen bei Patientenverfügung

Brigitte Zypries empfielt das Verfassen von Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht
Brigitte Zypries empfielt das Verfassen von Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht
Gießen | Zum Thema "Patientenverfügung: Endlich Rechtssicherheit für Patientinnen und Patienten" hat am Freitag Bundesjustizministerin Brigitte Zypries im Bürgerhaus Kleinlinden gesprochen. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Rüdiger Veit lud wegen Änderungen von Wirksamkeit und Reichweite der Patientenverfügung zu dieser Informationsveranstaltung.

Er betonte im Grußwort, dass die im Bundestag nach jahrelangen Debatten am 18. Juni beschlossene Neuerung ein parteiübergreifender Erfolg sei und das Thema Selbstbestimmung im Krankheitsfall "eine der wichtigsten Entscheidungen überhaupt". Ab 1.September ist der schriftlich festgehaltene Wille des Patienten rechtlich bindend, wenn die Möglichkeit sich selbst zur Behandlung zu äußern nicht mehr gegeben ist. Betreuer oder Bevollmächtigte müssen dann in Absprache mit den behandelnden Ärzten klären, ob dem Willen des Erkrankten entsprochen wird. Es bedarf somit bei Einigkeit keiner Einbindung des Vormundschaftsgerichts.
Das Verfassen einer Patientenverfügung ist allerdings keine Pflicht. Man sollte aber entweder Ärztinnen und Ärzten vollständig vertrauen oder eine ausführliche Patientenverfügung verfassen, Formulierungen wie "Ich wünsche keine lebensverlängernden Maßnahmen" sind nicht praktikabel.
Mehr über...
Vortrag (47)recht (2)Politik (57)patientenverfügung (1)Krankheit (5)Hospiz (6)
Die Justizministerin empfiehlt, sich hinreichend zu informieren und vor dem Verfassen mit Vertrauten, Seelsorgerin oder Hospizverein zu sprechen.

Besonders wichtig ist auch das Einsetzen einer Vorsorgevollmacht, auch Patiententestament genannt. Denn wenn dieser Gesundheitsbevollmächtigte nicht benannt ist, wird gerichtlich eine Betreuungsperson bestellt, die sich zu der persönlichen Einstellung der dementen oder im Koma liegenden Person nicht äußern kann. Hier können auch mehrere Bevollmächtigte eingesetzt werden, etwa hierarchisch EhepartnerIn, Freunde und Verwandte. Wird diese Vollmacht notariell oder anwaltlich beglaubigt, finden sich die Informationen in einem Zentralregister, das aber bisher nur deutschlandweit einsehbar ist und etwa bei einem Unfall im Urlaub angefordert werden kann.

Der Grundsatz der Selbstbestimmung gilt jederzeit. Nach der ärztlichen Diagnose und Therapievorschlägen ist die Entscheidung über die Behandlung auch im Falle einer Schwersterkrankung Patientinnen und Patienten überlassen. Zypies brachte dieses Grundrecht auf den Punkt: "Vor unvernünftigen Entscheidungen wird man in diesem Land nicht geschützt."
Norbert Weigelt, Leiter der Krankenpflegeschule und die Bundesjustizministerin
Norbert Weigelt, Leiter der Krankenpflegeschule und die Bundesjustizministerin
Der schmale Grad zwischen unterlassener Hilfeleistung und Körperverletzung werde von Ärztinnen und Ärzten täglich beschritten, so Zypries. Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung brächten mehr Transparenz in die Krankenhäuser und Pflegeheime.
Nicht zu verwechseln ist die Patientenverfügung mit aktiver Sterbehilfe, bei der tödliche Medikamente verabreicht werden. Im Falle einer unheilbaren Erkrankung im Endstadium kann der Patient aber verfügen, Geräte abzustellen. Hierbei ist auch das Thema Organspende wichtig, so kann etwa eine Klausel eingefügt werden, ob bei Hirntod Organe entnommen werden können, die Zahl der Organspenden ist in Deutschland nach wie vor gering.

Zypries freute sich, wieder ihre Studienstadt zu Gast zu sein und beantwortete Fragen der Anwesenden, wobei auch eine Richterin, ein Arzt und ein Rechtsanwalt aus der praktischen Anwendung des Gesetzes zu berichten wussten.

Formulierungshilfen bieten etwa die AWO und die evangelische Kiche an, weitere Informationen sind auf den Webseiten des Bundesministeriums der Justiz zu finden oder zu bestellen http://www.bmj.bund.de

Brigitte Zypries empfielt das Verfassen von Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht
Brigitte Zypries... 
Norbert Weigelt, Leiter der Krankenpflegeschule und die Bundesjustizministerin
Norbert Weigelt, Leiter... 

Dies könnte Sie zum Thema auch interessieren

Rechtsextremismus - eine neue Herausforderung für den Sport
Vortrag von Jürgen Tolksdorf Dienstag, 1. Dezember, 19:00 Uhr,...
Was soll in Berlin entschieden werden? (Foto: pixelio/Tom Kleiner)
Frage der Woche: Was wünschen Sie sich von den Politikern in Wiesbaden und Berlin?
Das Kindergeld steigt an, die Mehrwertsteuer für Hotelübernachtungen...
Politik ist scheiße - Der andere Jahresrückblick
Januar: Yes he can? Im Januar wurde der erste schwarze Präsident der...
Lama Ole Nydahl
Buddhismus im Westen - Lama Ole Nydahl in Gießen: 3.11.09 Kongresshalle 20:00 Uhr
Am Dienstag den 03.11.2009 wird Lama Ole Nydahl, einer der...
Politik- oder Politikerverdrossenheit?
Es wurde in den letzten Jahren bereits eine Art Tradition, dass...
Das Symbol des Abends
Was James Bond und Mutter Teresa verbindet
Zu einer Abendveranstaltung statt eines Frühstücks hatte diesmal der...
ACHTUNG!! ACHTUNG!!
Ja, da hört man es in den letzten Tagen unausweichlich, ob man möchte...

Kommentare zum Beitrag

Werner Döring
329
Werner Döring aus Gießen schrieb am 23.08.2009 um 17:11 Uhr
Gut, dass die Bundesregierung nach langem Hin und Her endlich entschieden hat und die Ministerin zu diesem heiklen Thema informiert. Vordrucke einer Patientenverfügung kann man im Internet herunterladen.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) Fiona Sara Schmidt

von:  Fiona Sara Schmidt

offline
Interessensgebiet: Gießen
Fiona Sara Schmidt
361
Nachricht senden
Aktuellste Beiträge des Autors:
Helge Braun zu Gast im Türkisch-Deutschen Gesundheitsverein
Helge Braun besucht Türkisch-Deutsche Gesundheitsstiftung
Dr. Yasar Bilgin, Vorsitzender der Türkisch-Deutschen...
Abdul-M. Kunze, Gerda Weigel-Greilich, Terry Pfeiffer, Catérine Miville, Herbert Gietzen
Spielreiche Familien-Theatertage
Vom 17.-21. März finden wieder das Theaterfestival „Spielreich“ im...

Weitere Beiträge aus der Region

die sehen doch besonders lecker aus-oder?
So ein Käse..,die Arbeitswoche kann beginnen...
Immer das gleiche, kaum ist das langersehnte Wochenende vobei geht"...
Antilope Canyon
Die wenig bekannte Attraktion ”Antilope Canyon” liegt am Lake Powell....
Der Turngauvorsitzende Dr. Dennys Sawellion und seine Stellvertreterin für den Vogelsbergkreis Ute de Tullio (links) zeichnen Heidi Stein aus Ilbeshausen mit dem Pluspunkt Gesundheit aus
Heidi Sein aus Ilbeshausen erhält den Pluspunkt Gesundheit
Im Rahmen der diesjährigen Gau-Gymnastikschau Vogelsberg in der...

Dieser Beitrag als Banner

Um diesen Beitrag als Banner auf deine eigene Homepage einzubinden, kopiere einfach folgenden Link und füge diesen Code in deiner Homepage ein.
Link:
Übrigens: unter "Meine Seite" findest du auch einen Banner zum Einbinden der letzten Beiträge, die du selbst verfasst hast.