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Verschlusssache: Das unbekannte Register deutscher Dreckschleudern

Gießen | Nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit und den Medien ist am 30. Juni 2009 das “Pollutant Release and Transfer Register” (PRTR) vom Umweltbundesamt im Internet veröffentlicht worden. Eigentlich wäre es schon eine Meldung wert gewesen: Das Portal bietet nämlich sehr detailierte Informationen über den Schadstoffausstoß der Industrie in unserer unmittelbaren Nachtbarschaft.

Auf der Portalseite www.prtr.bund.de heißt es unter anderem: “Das PRTR umfasst 91 Schadstoffe, die maßgeblich zu Luftverschmutzung, Klimaveränderung und Gewässerbelastung beitragen”. Ein Blick auf die Deutschland-Karte verrät, dass eine hohe Konzentration an Industrien mit Schadstoffausstoß vor allem im Ruhrgebiet und in Süd-Ostdeutschland zu finden ist. Der Portalnutzer kann sich die Standorte von acht Industriezweigen und Unternehmen aus dem Energiesektor anzeigen lassen, darunter zum Beispiel die Chemische Industrie, die Metallindustrie aber auch Intensivtierhaltung, Abfall und Abwasser. Laut Umweltbundesamt sind insgesamt über 4.000 Unternehmen verpflichtet, jährlich “ihre Daten zu Schadstoffemissionen in Luft, Wasser und Boden sowie über den Verbleib des Abfalls und des Abwassers” im PRTR zu veröffentlichen.

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Wer möchte, kann sich daher auch über den Schadstoffausstoß eines ganz bestimmten Betriebes informieren.

So erfährt man zum Beispiel, dass die in Ludwigshafen am Rhein ansässige BASF SE im Jahr 2007 die unglaubliche Summe von 5.270.000.000 kg Kohlendioxid (CO2) in die Luft geblasen hat. 210.000 kg davon waren übrigens versehentlich in die Umwelt gelangt – auch das liest man auf dem PRTR-Portal. Ganz schön viele Informationen also, die hier mehr oder weniger klammheimlich abrufbar gemacht wurden.

Das Register geht laut Pressemitteilung des Umweltbundesamtes vom 3. Juni 2009 auf ein “Abkommen der UN-Wirtschaftskommission für Europa (UN-ECE) sowie der EU-Verordnung über die Schaffung eines Europäischen Schadstofffreisetzungs- und verbringungsregisters vom 18. Januar 2006 (E-PRTR-Verordnung)” zurück, welches “am 6. Juni 2007 in nationales Recht umgesetzt” wurde. Leider hat das offensichtlich jedoch kaum jemanden interessiert.

Gestern hat der Bundestag übrigens die “Verordnung über die Versteigerung von Emissionsberechtigungen nach dem Zuteilungsgesetz 2012″ beschlossen.

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