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Gengerstefeld der Uni Gießen im Zwielicht: Illegale Anlage führt zu Ermittlungsverfahren

Vorne links: Das erste, beschädigte Gerstenfeld. Dahinter mit Elektrozaun und Bewegungsdrähten gesichert das neue Feld.
Vorne links: Das erste, beschädigte Gerstenfeld. Dahinter mit Elektrozaun und Bewegungsdrähten gesichert das neue Feld.
Gießen | Der Umzug des Gengerstenfeldes von Gießen zum AgroBioTechnikum nach Groß Lüsewitz hat für die Uni Gießen nicht die gewünschte Beruhigung gefunden. Im Gegenteil: Der Widerstand der örtlichen Bevölkerung, Bauern und Brauereien dort ist deutlich stärker. Jetzt drohen den Versuchsverantwortlichen aus dem Institut für Phytopathologie auch noch juristische Folgen: Die Staatsanwaltschaft Rostock ermittelt wegen illegaler Anlage eines Versuchsfeldes – bis zu drei Jahre Haft könnten verhängt werden. Vorausgegangen waren bereits erneute Verstöße gegen die Sicherheitsauflagen beim wieder mit sofortiger Vollziehung von den Behörden durchgeboxten Feld.

Das Gentechnikdrama in mehreren Akten: Seit 2006 versuchen Prof. Kogel und sein Team, die bereits das Gießener „IFZ für Umweltsicherung“ (welch ein Etikettenschwindel!) zu großen Teilen in lange Flure voller Gentechniklabore verwandelt haben, transgene Gerste im Freiland auszusäen. Ihr Versuch traf nicht nur auf massiven Widerstand, sondern war eine Aneinanderreihung von Pannen bis zum doppelten Gentechnik-GAU: In beiden Aussaatjahren 2006 und 2007 wuchs transgene Gerste außerhalb
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der kontrollierten Flächen. Die Versuchsleitung verschwieg das, ging aber bewusst weitere Risiken ein. So wurde auflagenwidrig auf einen Mäuseschutz verzichtet. Besonders dreist: Für den Versuch täuschten Kogel vor, die Umweltauswirkungen der Gengerste untersuchen zu wollen. Doch tatsächlich entwickelte er seit Jahren Methoden und Produkte. So wurden Steuergelder missbraucht für riskante Experimente.
Am 31.3.2008 machte eine Besetzung der Fläche am Alten Steinbacher Weg dem Spuk ein Ende. Doch Kogel gab nicht auf. Die Uni wiederholte ihren Antrag und suchte einen neuen Acker für den Feldversuch. Sie fand ihn 20km östlich Rostock auf den Flächen des dubiosen AgroBiotechnikums. Die Einrichtung steht im Verdacht, systematisch Fördermittel in eigene Firmenkonstruktionen zu leiten. Rund um dieses Gründerzentrum ist ein enger Filz von Gentechnikkonzernen, Kontrollbehörden und Forschungsinstituten entstanden. Dort suchen Kogel & Co. nun ihr neues Heil - neben Weizen-, Mais- und Kartoffelversuchen.

Für ein Gerstenversuchsfeld liegt seit dem 4. Mai 2009 eine Genehmigung des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Az. 6781-01-0200). Mehr war auch nicht beantragt - insgesamt eine Fläche von 9,6 qm. Trotz erheblicher
Kurz nach der Strafanzeige: Das vordere Gerstefeld ist totgespritzt. Die Gerste verwelkt (gelbgrün).
Kurz nach der Strafanzeige: Das vordere Gerstefeld ist totgespritzt. Die Gerste verwelkt (gelbgrün).
Bedenken von rund 1400 EinwenderInnen vor allem gegen die Versuchsleitung und die mit der Durchführung vor Ort beauftragte Firma wegen mehrerer Verstöße gegen das Gentechnikgesetz in den Jahren davor hatte die Bundesbehörde die Genehmigung erteilt und eine sofortige Vollziehung verhängt, um AnwohnerInnen, betroffenen LandwirtInnen usw. die Möglichkeit zu nehmen, Bedenken auch wirksam einzubringen.
Noch am selben Tag (4.5.2009) wurde der Versuch in das Standortregister eingetragen, so dass ab dem dritten Tag nach der Genehmigung eine Aussaat rechtlich möglich war. Diese geschah am 12. Mai (Auskunft LALLF) - für einen wissenschaftlichen Versuch eine bemerkenswerte Verspätung von 2-3 Monaten gegenüber dem üblichen Aussaatzeitpunkt von Gerste.

Einer Änderungsmitteilung im Standortregister zufolge wurde das Feld jedoch kurze Zeit später durch Fremdeinwirkung so stark beschädigt, dass eine Neuaussaat notwendig war. Trotz der nun noch weiter fortgeschrittenen Zeit erfolgte diese Neuaussaat. Im Standortregister blieb der bisherige Eintrag unverändert enthalten plus dem Hinweis auf eine Neuaussaat, bei dem aber nicht vermeldet wurde, dass diese auf einer anderen Fläche und somit als zweites Feld erfolgen würde. Die Größe des im Standortregisters angegebenen Feldes betrug weiterhin 9,6 qm. Und es blieb weiterhin nur ein Feld im Standortregister angegeben.

Wie erste Beobachtungen von NachbarInnen und anderen Interessierten bzw. Betroffenen vor Ort ergaben, erfolgte die Neuaussaat am 24.5. nicht auf der gleichen Fläche, sondern neben dem beschädigten Feld. Das beschädigte Feld wurde nicht entfernt, sondern auch dort wuchs die (offensichtlich arg gerupfte) gentechnisch veränderte Gerste weiter. Damit standen ca. 4 Wochen zwei Versuchsfelder mit gentechnisch veränderter Gerste auf dem eingezäunten Gelände der Firma biovativ. Da nur eines genehmigt und im Standortregister eingetragen ist, ist folglich eines der beiden ohne Genehmigung angelegt - was den Straftatbestand des § 39, Abs. 2 des Gentechnikgesetzes erfüllt, der da lautet: „Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer 1. ohne Genehmigung nach § 14 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 gentechnisch veränderte Organismen freisetzt“.

Eine genauere Inaugenscheinnahme unter mehreren ZeugInnen am 9. Juni 2009 brachte die letzten Klärungen. Es wurden Beweisfotos gemacht, die deutlich beide Felder zeigen. In den Folgetagen wurde die Landesverwaltung informiert, die für solche Versuchsflächen als Überwachungsbehörde fungiert. Von dort erfolgte jedoch nichts. Am 20. Juni reichte eine an der Ortsbegehung beteiligte Person Strafanzeige wegen illegalem Betriebs eines Genversuchs ein und streute dieses auch öffentlich.

Nun plötzlich wurde gehandelt: Einen Werktag später wurde die alte Gengerstenfläche totgespritzt. Ein Foto der absterbenden Fläche liegt vor. Wie zu erwarten war, kam es von Seiten der VersuchsbetreiberInnen und der Genehmigungs- und Kontrollbehörde zu Versuchen, die offensichtliche Straftat zu vertuschen. Dabei zeigte sich schlechte Absprache, denn ...
a. Kerstin Schmidt behauptete gegenüber der Ostseezeitung, die erste Fläche sei nach der Anlage des zweiten Feldes totgespritzt worden (was erwiesenermaßen gelogen ist).
b. die Landesüberwachungsbehörde behauptete, die Fläche sei absichtlich stehengelassen worden, um sie besser abspritzen zu können (was, wenn es überhaupt stimmen und keine Notlüge sein sollte, in keiner Weise den Betrieb eines zweiten Feldes ohne entsprechende Genehmigung und Eintrag in das Standortregister legitimiert).
c. das BVL segnete das zweite Feld ebenfalls ab, verkündete aber, dass es Aufgabe der Justiz sei, zu prüfen, ob es illegal sei, mit der Genehmigung von einem Feld gleich zwei Felder zu betreiben. Bei Bauanträgen für Häuser würde wohl niemand eine derart dümmliche Frage in den Raum stellen ... Gegen einer Journalistin behauptete das BVL wiederum, das ursprüngliche Gerstenfeld sei totgespritzt worden - also die Version von Kerstin Schmidt.
d. Prof. Inge Broer, Gesellschaftervorsitzende von biovativ (fast alle weiteren Versuchsflächen sind ihre ...), behauptete, mit allem nichts zu tun zu haben. Kerstin Schmidt sei in der Presse falsch wiedergegeben worden (eine versteckte Kritik an den Notlügen von Schmidt?).
e. Bleibt noch die Uni Gießen. Sie stellt die beiden rechtlich entscheidenden Personen bei Gerstenversuch: Prof. Kogel und Dr. Langen. Beide schweigen bisher. Ob sie das durchhalten, ist unklar. Am 15.7. müssen sie als Zeugen vor dem Landgericht Gießen (Verfahren ab 8.30 Uhr) aussagen. Es geht um genau das Gerstenfeld - die Feldbefreiung im Jahr 2006, als das Feld noch in Gießen stand.

Deutlich zeigt sich an den Reaktionen, wie stark die Neigung zur Vertuschung besteht, wie eng die Gentechnik-Seilschaften hier zusammenarbeiten und sich gegenseitig zu schützen versuchen.

Hintergründe über die Versuche bei Thulendorf auf www.aggrobiotechnikum.de.vu, speziell zu den Gerstenflächen: www.projektwerkstatt.de/gen/sonder09gerste.htm. Zu den Seilschaften in der Gentechnik: www.biotech-seilschaften.de.vu. Und zum bevorstehenden Prozess in Gießen: www.projektwerkstatt.de/gen/prozess.htm.

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Kommentare zum Beitrag

Dr. Tim Mattern
417
Dr. Tim Mattern aus Wettenberg schrieb am 26.06.2009 um 23:04 Uhr
Gengerste, Genmais ...

Ich hab mal gelernt, dass jedes Lebewesen Gene hat. Bin ich dann ein Genmensch?
Jörg Bergstedt
92
Jörg Bergstedt aus Gießen schrieb am 26.06.2009 um 23:09 Uhr
Wenn jedes Lebewesen Gene hat (was etwas umstritten ist, aber wohl jedes mehrzellige), dann bedarf es dieser Vorsilbe nicht. Denn dann gäbe es keinen Unterschied zwischen Genmensch und Mensch. Insofern bezeichnet die Vorsilbe eine Besonderheit. Auch in den bürgerlichen Medien ist das Gengerstenfeld in den Jahren 2006 bis 2008 immer so bezeichnet worden. Ansonsten wäre es interessanter, Argumente auszutauschen.
Dr. Tim Mattern
417
Dr. Tim Mattern aus Wettenberg schrieb am 26.06.2009 um 23:17 Uhr
Ich bin auch dagegen, gentechnisch veränderte Organismen (GVO) im Freiland auszubringen. Forschung wird benötigt, kein Zweifel, aber die hat im Labor zu bleiben, wo die GVO kontrollierbar bleiben und sich nicht ungehindert ausbreiten können. Da teile ich also die Auffassung von z. B. Greenpeace.

Was mich nur immer stört - egal welches Medium, welcher Verband es verwendet - sind diese Wörter Genmais, Gengerste usw. Das wollte ich damit nur mal gesagt haben.
Auch wenns etwas umständlicher ist "transgene Gerste" zu schreiben und nicht jeder Bundesbürger weiß, was er sich unter Bt-Mais vorzustellen hat, finde ich die korrekte Verwendung von Begriffen wichtig. Am Ende glauben die Leute noch, "Gene" seien was gefährliches. Genauso wie man Leuten erzählen kann, dass man kürzlich Natriumchlorid in Kochsalz entdeckt hat und wie manche Kinder glauben, dass Kühe lila sind.
Florian Theis
243
Florian Theis aus Gießen schrieb am 27.06.2009 um 00:45 Uhr
Ich bin auch dafür die dinge beim richtigen Namen zu nennen.... Ansonsten haben wir wieder irgendwelche übereifrigen Deppen in den Magistraten die Versuchen Dihydrogenmonoxid zu verbieten. :D
Lena Daum
40
Lena Daum aus Gießen schrieb am 28.06.2009 um 10:16 Uhr
Ich finde es sehr bedauerlich, dass ständig gegen diese Freilandversuche vorgegangen wird. Unter kontrollierten Bedingungen und nicht ständiger Störung, würde solch ein Versuch auch reibungslos über die Bühne gehen. Ich habe einfach eher das Gefühl, dass die Leute sich engagieren, und das ist ja auch gut so, sich aber in keinster Weise über die wissenschaftliche Thematik informiert haben. Kein Wunder, es wird ja auch nicht ansatzweise in den Medien über die Theorie des ganzen Verfahrens, sowie über die molekularbiologischen Aspekte berichtet, da es ja "zu schwer und zu langweilig" für die meisten Zuschauer wäre. Ersteinmal zu wissen, was ist DNA, was ist Gentechnik usw. müßte eigentlich Grundlage für einen Protest sein. Ich persönlich, habe ein viel größeres Augenmerk auf die Firma Monsanto, die es wirklich weiß, die Gentechnik auf die übelste Art und Weise zu nutzen, anstatt Prof. Kogel ständig seine Versuchsfelder zu zertrampeln. In Deutschland ist es noch alles kontrolliert, in den USA beispielsweise, wächst bereits der Bt-Mais in Hülle und Fülle, und das alles wegen Monsanto. Genauso wie fast überall auf der Welt. Monsanto ist ein Paradabeispiel, wie man eben nicht mit GVOs umgehen sollte.
Wäre die Gentechnik nicht gewesen, hätten wir niemals solch ertragreiche Ernten wie heute, und Gentechnik kann die Zukunft sein. Ich weiß, ich mache mir im Moment nicht gerade viele Freunde, aber man muß in dieses Thema sehr tief einsteigen, um einen wirklich objektiven Blickwinkel zu bekommen.
Wie gesagt, für mich sind Unternehmen wie Monsanto, die wirklichen Übeltäter.

Liebe Grüße
Lena
Jörg Bergstedt
92
Jörg Bergstedt aus Gießen schrieb am 28.06.2009 um 11:36 Uhr
Feldbefreier haben keine Ahnung?
Dieser Vorwurf ist so alt und langweilig wie die ganzen Versuche, ständig von der Debatte abzulenken. Denn der Vorwurf, keine Ahnung zu haben, ist ja gerade der Trick, dass die sogenannten ForscherInnen nicht offenbaren müssen, dass es ihnen vor allem um Geld und Karriere geht. Statt also solche Vermutungen in die Welt zu setzen, wäre ein Blick z.B. auf www.gendreck-giessen.de.vu passend. Dort wird der Versuch mit Gerste haarklein auseinandergenommen, während Leute wie Kogel und Fanclub ständig mit platter Polemik gegen die KritikerInnen vorgehen. Es ist genau umgekehrt: Die GentechnikbefürworterInnen haben erstens keine Argumente und zweitens auch meist wenig Ahnung. Der Beauftragte für Biologische Sicherheit des Gersteversuches, Dr. Gregor Langen, musste in der Gerichtsverhandlung ja sogar zugeben, von Gerste keine Ahnung zu haben. Daraufhin verbot der Richter alle Sachfragen an die Uni-Zeugen, damit es nicht zu peinlich wird für die sogenannten WissenschaftlerInnen. Aber deren Titel suggerieren ständig, dass die tolle Ahnung haben. Wer sich selbst überzeugen will, wie peinlich schlecht die sind, kann zum Prozess am Gießener Landgericht am 15.7. ab 8.30 Uhr kommen ... und bitte nicht ständig dieses Zeug von den unwissenden GentechnikgegnerInnen nachplappern, ohne das auch nur ein Stück überprüft zu haben. Das ist auch höchst "unwissenschaftlich" ...
Astrid Weber
85
Astrid Weber aus Buseck schrieb am 28.06.2009 um 12:22 Uhr
Ich finde es etwas seltsam mit dem Finger auf Monsanto zu zeigen und nicht auf die Uni Gießen. Die Chefin von Monsanto benennt in einem Interview mit Süddeutsche.de ganz klar, was passiert, wenn transgene Pflanzen in der Natur ausgebracht werden:

sueddeutsche.de: Hinter diesem Fall steht doch eine grundsätzliche Frage: Wie kann verhindert werden, dass Gen-Pollen auf andere Pflanzen übergehen?
Lüttmer-Ouazane: Dafür hat der Gesetzgeber eine eindeutige Regelung geschaffen. Die Vermischung muss minimiert werden. Ausschließen kann man so etwas nie. Schließlich befinden wir uns in freier Natur und nicht in einem klinisch sauberen Raum.
(Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/51/471589/text/4/)

Daher frage ich mich nun: wenn sich die Pflanzen von Monsanto außerhalb vom Feld vermehren können, wieso soll das die transgene gerste der Uni Gießen nicht können?
Udo Wierlemann
7
Udo Wierlemann aus Allendorf (Lumda) schrieb am 05.10.2009 um 14:23 Uhr
Ich finde es sehr bedauerlich, das in Laboren Geld quasi zum Fenster rausgeschmissen wird, wenn man doch schon vorher weis, dass man die gentechnisch veränderten Organismen nicht freilassen darf, weil sie sonst durch ungezügelte Vermehrung die gesamte Umwelt verändern.

Ich möchte das mal mit der Radioaktivität bei der Kernspaltung vergleichen. Als erste schmissen die USA solche Bomben. Andere führten wissenchaftliche Tests dann in abgeschlossener oder entfernter Umgebung (siehe Mururoa Atoll) durch. Faktisch eine Atombombe nach der anderen, mit dem Wissen das man das besser wegen der unwiederruflichen Dauertötlichkeit besser nicht zu Hause macht.

Mururoa (eigentlich Moruroa; in der Landessprache in etwa: „großes Geheimnis“) ist ein rund 300 Quadratkilometer großes unbewohntes Atoll im Südpazifik, welches seit 1966 als Kernwaffentestgelände Frankreichs bekannt wurde. Mururoa befindet sich im Südosten des Tuamotu-Archipels, welcher zu Französisch-Polynesien gehört. Mururoa gehört zur Gemeinde Tureia.

Von 1966 bis 1996 wurden auf Mururoa im Südpazifik 41 Atombomben in der Atmosphäre und 147 Atombomben unterirdisch gezündet. Nach weltweiten Protesten werden die Explosionen inzwischen am Computer simuliert. Im Jahr 2000 zogen die Franzosen von dem Atoll ab. Bis heute ist das Atoll Sperrgebiet. In rund 140 Bohrschächten lagern dort große Mengen radioaktiven Mülls.

Die früheren Arbeiter und Bewohner der Nebeninseln fühlen sich aber bis heute von Frankreich im Stich gelassen. Denn sie kämpfen noch heute mit den Folgen der Atomtests. Die französische Regierung bestreitet bis heute eine überhöhte Strahlendosis in Polynesien. Tatsächlich erkranken in Französisch-Polynesien jedoch bis zu fünf Mal mehr Menschen an Schilddrüsenkrebs als in anderen Pazifikregionen.

Was bedeutet das für die Gentechnik in Lebensmitteln? Das bedeutet hier ganz einfach: Es spielt keine Rolle ob es gestern ein Techniker von Monsanto aus den USA war, oder heute einer aus Giessen ist, bei dem noch nichts geschen sei. Es wird mit tödlicher Sicherheit in Zukunft einer dabei sein, der irrt. Das war in allen bereichen der Wissenschaft bisher so und warum soll es hier anders kommen. Daher ist die Gentechnik in Lebensmitteln genauso zu ächten wie der freie Handel mit Schußwaffen oder Atomtechnologie.
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