Bürgerreporter berichten aus: Gießen | Überall | Ort wählen...

Worüber an der Universität Gießen seit 1945 nicht gesprochen wurde

Gießen | Prof. Kliewe - Abwurf von pestinfizierten Ratten über Feindesland

Es gab auch an der Gießener Universität „Rassenforscher“, über die bereits einiges bekannt ist. Es gab aber auch weitaus gefährlichere Forscher, die nach 1945 mit Hilfe einer geneigten Umwelt so weiter machen konnten, als sei nichts passiert. Von Kliewe stammte die ‚Idee’, über Feindesland pestinfizierte Ratten abzuwerfen. Der Mediziner und Bakteriologe Heinrich Kliewe wurde 1931 außerordentlicher Professor an der Universität Gießen. Er trat am 1.4.1933 in die NSDAP ein, wurde Mitglied der SA und des NS-Dozentenbundes. 1941 wurde er Oberkriegsarzt und für ihn wurde im Hygienisch-bateriologischen Institut der Militärärztlichen Akademie Berlin eine Abteilung zur Bearbeitung aller Fragen des biologischen Krieges eingerichtet. Er war Mitglied der Arbeitsgemeinschaft „Blitzableiter“, welche unter seiner Leitung die Pläne zum „Abwurf von pestinfizierten Ratten“ erstellte. 1944 wurde er in den Wissenschaftler Beirat des Bevollmächtigten für das Gesundheitswesen Karl Brandt, einem der berüchtigsten Nazi-Ärzte, der in Nürnberg angeklagt wurde, berufen.
Mehr über...
Heinrich Kliewe produzierte in dem Biowaffen-Forschungszentrum Kloster Nesselstedt bei Posen einen Nährboden für Anthrax und andere bakterielle Krankheitserreger, die die IG Farben dann in Serie produzierten. Hitler stoppte 1942 die offensiven Biowaffenaktivitäten der Abteilung Kliewe, nicht weil er das Genfer Protokoll akzeptiert hätte, sondern weil er – wie es amerikanische Forscher einschätzen – eine „fast pathologische Bakteriophobie“ und „Furcht vor gegnerischer Vergeltung“ hatte, denn die „Angloamerikaner waren vorbereitet, im Falle eines deutschen Ersteinsatzes von Biowaffen gleichartige Vergeltungsschläge zu führen: Sie hatten fünf Millionen Stück Rinder-Trockenfutter ("cattle cakes") produziert, mit Milzbrandsporen kontaminiert und abwurfbereit verpackt.“ (so von Aken, Geißler, Whitby u.a.) Kliewe arbeitete im Geheimen weiter an der Entwicklung bakteriologischer Vernichtungswaffen.
Im Deutschland des Wegsehens wurde er 1946 Professor an der Universität Mainz und bekam 1960 das Große Bundesverdienstkreuz. Da keiner der Gießener Universitätspräsidenten (und Historiker) je Interesse an einer wirklichen Aufarbeitung der Universitätsgeschichte hatten, sind diese Fakten bislang nicht bekannt und werden in meiner Arbeit „Die Gießener Universität 1933“ zu lesen sein.
(aus einem Leserbrief)

Kommentare zum Beitrag

Martin Wagner
2.760
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 21.02.2021 um 19:13 Uhr
Danke für den faktenreichen Artikel.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) Bruno W. Reimann

von:  Bruno W. Reimann

offline
Interessensgebiet: Gießen
Bruno W. Reimann
494
Nachricht senden
Aktuellste Beiträge des Autors:
Otto Eger - der "herzensgute" "Nazi" - eine Satire
"Peter Gruhne: Otto Eger: „Herzensguter Mensch“, Mitläufer oder...
Der neue, islamische Antisemitismus, vor allem in den Schulen
Das Phänomen des neuen, islamischen Antisemitismus macht deutlich,...

Weitere Beiträge aus der Region

„Bei früheren Fluten haben wir nie Hinweise aus dem staatlichen Frühwarnsystem erhalten“, berichten die Frauen auf der Flussinsel Bolorampur, „jetzt sorgen wir dafür, dass die Informationen bei uns ankommen.“ Foto: Noor A. Gelal
Soroptimist International Club Gießen gibt wichtige Unterstützung für Frauen in Bangladesch
Wetzlar – Das Gießener Frauen-Netzwerk „Soroptimist International“...
von links Tobi Winter, Gerhard Kerzmann, Nawid Mdjidian, Michel Winter, Astrid Eibelshäuser
SPD Gießen-Süd übergibt Fair-Trade Fußbälle an Menschen Tore Vielfalt
Die Spitzenkandidatin der SPD Gießen für die Kommunalwahl am...
Krokusse und andere Frühblüher
Frühling die Zeit de Krokusse, Christrosen, Schneeglöckchen und...

Dieser Beitrag als Banner

Um diesen Beitrag als Banner auf deine eigene Homepage einzubinden, kopiere einfach folgenden Link und füge diesen Code in deiner Homepage ein.
Link:
Übrigens: unter "Meine Seite" findest du auch einen Banner zum Einbinden der letzten Beiträge, die du selbst verfasst hast.