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Wider den Stalinismus

Gießen | Dieser Leserbrief, als Anwort auf den Leserbrief von Erika Beltz in der GAZ v. 29.12.2020 gedacht, wurde von der Gießener Allgemeinen Zeitung nicht akzeptiert. Man will keine zweite Runde. Eine ziemlich bescheuerte Haltung.


Leserbrief zu

Stele für Ria Deeg. Unvollständiges Ensemble, GAZ 29.12.2020


Stalin ist „verbrannt“

Ria Deeg hat in dem besagten Interview von 1991 auf die Frage der Interviewerin „Wie sah man denn als Kommunist die Sowjetunion“ im Zusammenhang geantwortet und das von mir zitierte Bekenntnis zu Stalin abgelegt. Es handelt sich um einen Block von Argumenten und keine aus dem „Zusammenhang gegriffenen Aussagen.“ Im Übrigen sprach ich nicht von der „glühenden“ sondern von der „überzeugten“ Stalinistin Deeg. Diese Aussage bestätigt nun Erika Beltz selbst in ihrer Entgegnung, indem sie von Deegs „Anerkennung und Dankbarkeit gegenüber Josef Stalin“ spricht und eine Reihe angeblicher Stalin-Würdiger auflistet. Um die Stalinistin Deeg zu salvieren, soll der politische Massenmörder Stalin salonfähig gemacht werden. Aus Tenor und Inhalt des Leserbriefes spricht eine seit einiger Zeit im
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Gang befindliche Umwertung des Rolle Stalins. Sahra Wagenknecht lobte vor Jahren Stalins fortschrittliche Rolle bei der Modernisierung der Sowjetunion, handelte sich von Klaus Bednarz das Etikett „Neo-Stalinistin“ ein, was von zwei Gerichten bestätigt wurde. In Putins Rußland wird seit einigen Jahren Stalin als Held, als Superstar gefeiert, es gibt ein „Stalin-Revival“.

Man befördert die Sache eines freiheitlichen menschenfreundlichen Sozialismus nicht, indem man das erste große und fehlgeschlagene sozialistische Experiment und die Figur, die im Zentrum stand, Stalin, auf die eine oder andere Art umzudeuten versucht, aus Stalin den großen gesellschaftlichen Systemingenieur macht, dem man seinen Tribut zollt. Stalin ist, in welcher Funktion auch immer, weltgeschichtlich als Figur „verbrannt“ und insofern auch alle, die sich auf die eine oder andere Weise mit ihm affiliierten.

Prof. Dr. Bruno W. Reimann

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Kommentare zum Beitrag

Martin Wagner
2.760
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 17.02.2021 um 18:57 Uhr
Herr Professor sie wenden sich gegen die Erstellung einer Gedenkstele für Ria Deeg in Giessen, weil ein Teil der Befürworter * für die Erstellung in der Gesamtwertung der Persönlichkeit Ria Deeg auch deren - in wieweit ist nach der Quellenlage nicht ganz eindeutig - Lob für Josef Stalin erwähnen.

Sie mutmassen, dass darin so etwas wie ein Stalin-Revival gesehen werden kann. Ich will nicht ausschliessen, dass in manchen Köpfen solche Gedanken kreisen. Aber der Kreis der Stelen-Befürworter ist politisch viel breiter.

Wollen sie alle Befürworter mit Ihrem Bannfluch belegen?

Mich erinnert das an die Praxis in den Endfünfzigern bzw. Anfangsechziger, wo reihenweise Gegner des KPD-Verbotes aus dem Nichtparteienspektrum den staatlichen Verfolgungsbehörden gemeldet und (oft auch) abgeurteilt wurden. In der juristischen Fachliteratur läuft das unter dem Begriff "Kontaktschuld". Ich hoffe, dass Sie mir zustimmen können, dass solche Zeiten wirklich vorbei sein müssen.

Ich bleibe dabei: Gerade Giessen hat sehr wenige mit einer Stele zu würdigenden Antifaschisten. Ria Deeg gehört dazu. Eine Stele ist überfällig.

(Ich hoffe der herrschende Block im Giessener Rathaus wird bei der Kommunalwahl 14.3. soweit abgemahnt, dass die Antikomunisten nicht mehr die Mehrheit haben und die Stelenaufstellung endlich erfolgen kann.)


* Meist zu finden in der Partei der Ria Deeg und die von Ihnen angesprochene Erika Deeg angehörten bzw. angehört.
Kurt Wirth
3.479
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 18.02.2021 um 14:14 Uhr
Ich kann ja nichts dafür, daß sich auf Ihre Beiträge, Herr Prof.Reimann, erst mal immer dieselben Kommentatoren melden.

Daß Stalin immer noch nicht "verbrannt" ist, dazu tragen Sie mit Ihren Beiträgen ja munter weiterhin bei, ungewollt. Sarah Wagenknecht hatte mit ihrem Hinweis auf die "Modernisierung", sprich Industrialisierung und Elekrifizierung, völlig recht. Seine entscheidende historische Aufgabe, den Faschismus zu besiegen, hat er gelöst. Freilich kann man darüber diskutieren, ob es nicht mit anderen Begleitumständen und mit diesem und jenem besser auch gegangen wäre. Schwarz-Weiß-Schablonen und Schematismus sind, wie immer, auch hier fehl am Platze.

Und ich freue mich auch, wenn Sie die Diskussion über Ria Deeg weiter beleben. Allein eine "Säulenheilige" mehr in der Plockstrasse wäre ja auch nicht der Sinn der Sache. Die Verbreitung des dazugehörigen Wissens gehört mit dazu.
Martin Wagner
2.760
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 19.02.2021 um 10:24 Uhr
Richtig Herr Wirth - ich werde einmal das Maul halten.
Kurt Wirth
3.479
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 19.02.2021 um 13:37 Uhr
So war das nicht gemeint. Eher eine Aufforderung zu weiteren Meinungsäußerungen.
67
Dieter Bender aus Wettenberg schrieb am 22.02.2021 um 10:00 Uhr
Die Urteile von Herrn Professor Dr. Bruno W. Reimann über Stalinisten sollte man nicht allzu ernst nehmen. Ich bekam auf einen Leserbrief zum Thema Ria Deeg (GA vom 20.2.2021) von ihm folgende Mitteilung: "Falls Sie der Verfasser des Leserbriefes in dem heutigen GA sind: Offenbar feiern die Stalinisten (nach eigenem Zeugnis und nicht nach Zurechung von anderen) fröhliche Urständ. Sie sind wohl auch ein Stalinist, wenn Sie das alles nicht wahrnehmen! " Auf meine Einrede: "Sehr geehrter Herr Professor Dr. Bruno W. Reimann, wie kommen Sie eigentlich dazu, einen Menschen, den Sie gar nicht kennen, als Stalinisten zu beschimpfen. Ich hätte einem deutschen Professor zumindest mehr Anstand zugetraut." kam dann (ungekürzt) zur Antwort: "wer für einen Stalinisten, eine Stalinistin eintritt, ist selbst einer! Reimann"
Bruno W. Reimann
494
Bruno W. Reimann aus Gießen schrieb am 22.02.2021 um 11:43 Uhr
In seinem Leserbrief im GA vom 20.2.2021 umgeht Dieter Bender die Frage des Verhältnisses von Ria Deeg zu Stalin und schreibt stattdessen, jedoch deutlich bezogen auf Deeg, dass nicht entscheidend ist, „was andere meinen mögen, was dieser gedacht haben könnte.“ Zu Deegs Verhältnis zu Stalin liegen indes Selbstbekenntnisse vor, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lassen. Indem Bender dies alles ausklammert, täuscht er die Giessener Öffentlichkeit willentlich über die politische Einstellung von Ria Deeg. Vielleicht ist für ein solches Verhalten das Wort „Stalinist“ zu hart und ich nehme es erst einmal zurück, sage aber, dass Bender ein affines Verhältnis zu Stalin hat, sonst würde er sich anders verhalten. Auch dass Deeg einem Giessener „Arisierer“ 1989/90 politisch die Stange gehalten hat, taucht in solcher Apologetik nicht auf. Im Übrigen gleichen sich die Verhaltensweisen von Linken und Rechten, wenn es darum geht ihre ‚Mohren’ zu waschen.

P.S. Die Gießener Linke täte gut daran, ihr Verhältnis zu Stalin zu klären, immerhin sitzt Bender auf Platz 9 der Liste zu den Kreistagsswahlen.
Stefan Walther
4.989
Stefan Walther aus Linden schrieb am 22.02.2021 um 20:53 Uhr
Jetzt überschätzen Sie sich aber gewaltig Herr Reimann: Sie glauben doch nicht im ernst dass wir uns von einem Anhänger der reaktionären Totalitarismustheorie vorschreiben lassen wen wir wo auf unsere Kreistagskandidatenliste setzen.

Zu Ihren ständigen Wiederholungen - Wiederholungen machen eine Sache nicht besser und auch nicht wahrer - äußere ich mich nicht mehr.
Bruno W. Reimann
494
Bruno W. Reimann aus Gießen schrieb am 22.02.2021 um 21:28 Uhr
Herrn Walther, ich sehe, daß Sie die meisten Sätze meiner Beiträge einfach nicht verstehen! Darum beende ich die Kommunikation mit Ihnen!
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) Bruno W. Reimann

von:  Bruno W. Reimann

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Bruno W. Reimann
494
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