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Zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust

Gießen | Anlässlich des Tages des Gedenkens an die Opfer des Holocaust erinnert das Bündnis gegen Antisemitismus und Antizionismus Gießen (BgAA) an die Opfer der antisemitischen Vernichtung während des Nationalsozialismus:

"Am 27. Januar 1945 befreiten vorrückende sowjetische Truppen das Konzentrationslager Auschwitz.

Auschwitz war nicht nur eine der Stätten, in der die nationalsozialistische Praxis der Vernichtung von Juden und Jüdinnen ihren Kulminationspunkt fand, sondern dient heute auch weltweit als Chiffre für eben jene. Auschwitz ist zum Synonym für das Morden geworden: in den Vernichtungslagern, auf Waldlichtungen, an Wegesrändern und Schluchten, auf offener Straße oder während der Todesmärsche.

Dabei war die Shoah – die Vernichtung der Juden und Jüdinnen – nicht nur ein (weiterer) Massenmord unter anderen: „Was den Holocaust kennzeichnete, war sein programmatischer und totaler Charakter: Er zielte auf eine vollständige Ausrottung der Juden; alle Juden […] sollten getötet werden. Zudem war die Judenvernichtung offensichtlich nicht funktional. Sie war offenbar kein Mittel zu einem anderen Zweck. […] Nicht nur sollte die Judenvernichtung eine totale sein, sie war offenbar selbst Zweck – Vernichtung um der Vernichtung willen – ein Zweck der absolute Priorität beanspruchte.“ (Postone 2000: 127)

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Der Antisemitismus “ist Teil der objektiven Struktur der Vergesellschaftung in der Moderne, es liegt aber in der subjektiven Potenzialität, ob ein Individuum diese Struktur internalisiert oder sie reflektiert und dann kritisiert” (Salzborn 2018: 22). Ebenso wenig wie der Antisemitismus ein ausschließlicher Bestandteil des Nationalsozialismus’ ist, genauso wenig ist er ein genuines Produkt der Moderne, auch wenn sich seine Qualität in der Moderne wesentlich wandelte und eine mörderische Zuspitzung erfahren hat.

Nichtsdestotrotz muss darauf insistiert werden, dass der Antisemitismus integraler Bestandteil des Nationalsozialismus war und zwar der zentrale integrale Bestandteil; und nicht eine Randerscheinung.
Ebenso war der Antisemitismus weit über die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei hinaus verbreitet – auch bei denjenigen, die dem Nationalsozialismus (zunächst) ablehnend gegenüberstanden oder sich in (scheinbarer) Gegnerschaft zu ihm sahen. Auch konnten die Deutschen sich auf die Unterstützung von Teilen der einheimischen Bevölkerung, in den von ihnen besetzten Gebieten, und deren Denunziationen verlassen, wenn es um die Jagd auf Jüdinnen und Juden ging – auch wenn es in den einzelnen Ländern dabei zu gravierenden Unterschieden kam.

Mit der militärischen Niederlage des nationalsozialistischen Deutschlands verschwand der Antisemitismus nicht von der Weltbühne, auch wenn seine Form, seine Ausdrucksweise sich im Laufe der Zeit veränderten – die „antisemitische Regression [ist dabei] quer zu allen politischen Kategorialisierungen anzutreffen“ (Salzborn 2018: 27), das ihm zugrunde liegende revolutionäre Ansinnen ungebrochen .

Mit der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor 76 Jahren kann darum nicht schon die Entlastung eintreten, als die die militärische Niederlage des Dritten Reichs und das Ende des Zweiten Weltkriegs häufig bedacht werden.

Zum heutigen Holocaust-Gedenktag erinnern wir der Opfer des antisemitischen Vernichtungswahns.

Postone, Moishe 2000: „Der Holocaust und der Verlauf des 20. Jahrhunderts“, in: ders. 2005 „Deutschland, die Linke und der Holocaust“, ca ira Verlag, Freiburg i. Brsg. (S. 119-164).

Salzborn, Samuel 2018: „Globaler Antisemitismus. Eine Spurensuche in den Abgründen der Moderne.“, Beltz Juventa, Weinheim."

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