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Ein Hoch auf die Planwirtschaft

Gießen | Mehr als 50.000 Menschen sind in Deutschland inzwischen an Covid 19 gestorben. Vom 16.12. bis 19.1. starben allein trotz des sog. „Lock-downs“ 25.000 Menschen, relativ etwa so viel wie im Land des Corona-Leugners Trump, den USA.

Denn bei allen Ausgangssperren und Kontaktbeschränkungen blieb ein wichtiger Hotspot außen vor: die Betriebe, deren Produktion, koste es was es wolle, weiterlief - für den Profit. Und weil da die Arbeiter gebraucht wurden, müssen folgerichtig deswegen auch Kitas und Schulen offen bleiben. Wenn es, wie behauptet, um das Wohl der Kinder ginge, hätten wir nicht diese Misere im Bildungswesen.

Andere Länder, in denen nicht die Konzernherren die Politik bestimmen und in denen nicht die Profitrate das Maß aller Dinge ist, haben die Pandemie sehr viel besser in den Griff bekommen, allen voran China.
Hier wurde sofort alles nicht zwingend Notwendige geschlossen, einschließlich der Produktionsstätten - bei Fortzahlung der Löhne. Mit diesen und weiteren Maßnahmen wie Maskenpflicht und sofortige Massentests, blieb die Todesrate mit 4512 bis Mitte Januar verschwindend gering. Der Einwand, dazu sei nur ein „totalitärer Staat“ fähig, in dem die Menschenrechte nichts zählten, verfängt nicht. Denn das wichtigste ist erst mal das Recht auf Leben – ohne einkalkulierte „Kollateraltoten“ zugunsten der Wirtschaft.

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Auch andere nicht-kapitalistische Länder - Stand 19.1.21 – wie Laos (0 Tote), Eritrea (6 Tote), Vietnam (35 Tote) und Cuba, (170 Tote) haben die Pandemie besser bewältigt als die reiche BRD und die anderen Hochburgen des freien Kapitalismus: England, Italien, Frankreich…

Corona zeigt einmal mehr die Notwendigkeit gesellschaftlicher Planung im Interesse der gesamten Bevölkerung. Dass das Gesundheitswesen staatlich sein muss und nicht der Profit bestimmen darf, fordert inzwischen sogar der „stern“ in einer von Wissenschaftlern initiierten Petition an den Bundestag.

Gleiches gilt im Prinzip auch für das Bildungswesen, und letztlich für alle Bereiche. „Eigentum verpflichtet“ steht im Grundgesetz und kann zum Wohl der Allgemeinheit verstaatlicht werden. Wären die Produktionsmittel nicht privat sondern gesellschaftlich, könnten die herrschenden Missstände - Arbeitslosigkeit, Armut, Wohnungsnot… - gelöst werden. Dann kämen die Gewinne allen zugute, und die, die die Werte schaffen, könnten auch über deren Verwendung bestimmen, d. h. in einer sozialistischen Gesellschaft.
Erika Beltz

Kommentare zum Beitrag

Ulrich Nass
147
Ulrich Nass aus Buseck schrieb am 23.01.2021 um 12:30 Uhr
Einfach mal die inzwischen alte Brille absetzen. Marx war übrigens viel weiter im Denken.
Ulrich Nass
147
Ulrich Nass aus Buseck schrieb am 23.01.2021 um 13:50 Uhr
.. . ich hege Sympathie für soziale Utopien, kämpfe zumindest mit Worten gegen Ungerechtigkeit, Ausbeutung, Rassismus, Klimakrise, für Chancengleichheit,Emanzipation usw.
Was mich nervt, das ist die Beschreibung unserer heutigen Welt mit überkommenen Begrifflichkeiten. Da gibt es Verfalldaten, die man beachten sollte. China ist der größte Alptraum in der Geschichte. China ist auf dem Weg, die ultimative Synthese von Hightech und Totalitarismus zu vollziehen. Es überkommt mich tiefes Grauen. Und Putin ( ich habe ihn lange verteidigt) ist ein Zyniker erster Güte. Furchtbar. Man muss ihm mit Stärke begegnen. Er hat es nicht besser verdient. Dass Konzernherren die Wirtschaft bestimmen ist mit Blick auf die Corona-Pandemie und andere globale Krisen eine irritierend vereinfachende Sicht auf unsere Welt. Ich verweise auf die Phänomene Komplexität, Nichtlinearität etc. . . .
Ach ja, Karl Marx war ein kluger Mann. Aber auch er konnte seine Theorien und Analysen nur aus seiner Zeit ableiten.
Er teilt den Irrtum mit vielen 'Großen' unserer Geschichte. Es ist sehr einfach die Unfähigkeit, in die Zukunft zu schauen.
Martin Wagner
2.762
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 23.01.2021 um 14:37 Uhr
Herr Nass, es ist allgemein bekannt, dass Erika in der Partei DKP Mitglied ist; also eine gewisse Neigung zu Marx und Engels (und bei dieser Partei wohl auch Lenin) zu erwarten ist.

Oder anders ausgedrückt: eine gewisse Werbung für Ihre Partei ist da immer drin. (Hier etwas versteckt durch die Nennung bestimmter Länder.)

Aber sie machen es sich etwas zu einfach, denn die Tendenz des Artikels geht doch in die richtige Richtung. Warum werden fast nur die breiten Massen der Bevölkerung finanziell und mit Einschränkungen zur Pandemiebekämpfung heran gezogen.

Warum findet - so gut wie garnicht - eine Diskussion statt, dass jetzt nach fast einem Jahr endlich auch einmal die Kapitalisten ran müssen.

Wenn ich mir ausnahmsweise irgendwelche Verblödungskanäle im Flimmerkasten in den letzten Woche anschaue (ich halte mich eher an die "Öffentlich-Rechtlichen"), so ist dort zumeist von allen möglichen die Rede, aber dass die Reichen mal (mit)bluten müssen darüber wird keine Silbe verwendet.

Bei den Öffentlich-Rechtlichen TV ist so etwas nur ab 23.30 h zu hören (aber immerhin!).

Kurz zu Erikas Satz: (.......) "Corona zeigt einmal mehr die Notwendigkeit gesellschaftlicher Planung im Interesse der gesamten Bevölkerung." (......)

Das stimmt ohne Abstriche - hoffentlich werde ich das noch erleben.
Ulrich Nass
147
Ulrich Nass aus Buseck schrieb am 23.01.2021 um 16:53 Uhr
Herr Wagner, zu Ihrem Kommentar hab ich keine Einwände. Dass die Beltzens alte DKPler sind weiß ich doch. Hab ja schließlich mit der Band in den 79igern einige Jahre den DKP Fasching gespielt. Alter Saalbau Wieseck, Ulenspiegel, wir waren die lokale Band beim Hannes Wader Konzert in der Hessenhalle etc. Kenne den'Brieträger', mit Reinhard Hamel hab ich in meinem Dorf Fußball gespielt, Dr. Hühn aus WZ etc. - ich komme aus einem SPD-Haus und bin äußerst kritisch gegenüber politischen Theorien und Ideologien. Nationalismus, Fahneschwenken, Hymnesingen das is nix für mich. Zu viele dumm Lügen und Legenden Ciao
367
Frauke Weber aus Gießen schrieb am 23.01.2021 um 17:14 Uhr
Mal zurück zum Beitrag, den finde ich im Wesentlichen korrekt. Was fehlt ist die Ökologie, bei gesellschaftlicher Planung könnte auch die Umwelt besser geschützt werden.
Ulrich Nass
147
Ulrich Nass aus Buseck schrieb am 23.01.2021 um 19:51 Uhr
Ja Frauke.
Wolfgang Seibt
64
Wolfgang Seibt aus Wettenberg schrieb am 25.01.2021 um 10:20 Uhr
Ein Hoch auf die Planwirtschaft! ? Hier, im goldenen Westen? Aber nur wenn es der Markt wieder einmal nicht richtet. Wenn die Gewinne nicht mehr automatisch sprudeln. Dann ist die Planwirtschaft gefragt und die Steuerzahler müssen als Notgroschen – wobei die Empfänger sich mit Groschen nicht zufrieden geben – einspringen und die fest eingeplanten Gewinne realisieren. Wenn es irgendwann wieder wie gewohnt läuft, dann haben Staat, also Steuerzahler, wieder die Klappe zu halten und sich jeglicher Eingriffe zu enthalten. Unsere Parteien im Bundestag folgen auch artig, denn Planwirtschaft klingt so nach DDR und ist eben immer pfui. Solange diese Parteien die Fahne des Neoliberalismus schwenken, solange sind sie für viele Menschen eben nicht wählbar. Egal welch schmückende Namen sie sich gegeben haben.
Dass in den unzähligen Fernsehkanälen nichts darüber zu hören ist, dass auch die Reichen mal (mit)bluten müssen, könnte etwas mit den Besitzverhältnissen der Sender zu tun haben, also nachvollziehbar.
Stefan Walther
4.991
Stefan Walther aus Linden schrieb am 25.01.2021 um 11:30 Uhr
Ich werde hier jetzt nicht wieder eine Diskussion führen "sind das wirklich sozialistische Länder usw." und ob China dabei ein Vorbild ist, das sei mal dahin gestellt!

Aber völlig richtig was im Beitrag angesprochen wurde: eine Planwirtschaft ist der kapitalistischen Marktwirtschaft weit überlegen, das sieht man ja zur Zeit am Krisenchaos wenn es um Impfstoffe, Medikamente usw. geht... da zählt nur der Profit.
Ja, so langsam kommen auch die bürgerlichen Politiker um das Thema "Betriebe" nicht mehr herum, zu groß die Proteste auch innerhalb der Belegschaften, die selbst für Gesundheitsschutz aktiv geworden sind... ob den Worten auch Taten folgen werden, ich bezweifle das, denn wer hat das Sagen?

Herr Seibt, eine freie Marktwirtschaft gibt es schon lange nicht mehr, der ( kapitalistische ) Staat führt die Geschäfte der Konzerne, subventioniert sie mit unseren Steuergeldern usw., deshalb ist eine Forderung nach Verstaatlichung Unsinn...
Kurt Wirth
3.495
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 25.01.2021 um 13:58 Uhr
Ich habe da mit einigen im Beitrag angeschnittenen Punkten auch meine Probleme.

In den Betrieben werden ja nicht nur Profite produziert, sondern auch und vor allem lebensnotwendige Güter und Dienste. Eine Komplettschließung könnte nur über eine mehr oder weniger kurze Zeit erfolgen. Abgesehen davon arbeiten ohnehin 75% der Beschäftigten im Dienstleistungsbereich und nur 25% in der Produktion.

In China erfolgte meiner Kenntnis nach keine Komplettschließung im ganzen Land, sondern nur eine zeitweise komplette Abriegelung einzelner Orte und Regionen. Bei der immensen Größe des Landes arbeiteten immer noch genügend Teile der Wirtschaft weiter, um die Versorgung ohne größere Probleme aufrecht zu erhalten. Das war auch noch vergangene Woche so, als in der Umgebung Pekings örtliche Abriegelungen erfolgten. Zudem bezeichnet China selbst offiziell sein Wirtschaftssystem nicht als Planwirtschaft, sondern als "sozialistische Marktwirtschaft", welche eben bestimmte Mängel der Planwirtschaft vermeiden soll. Neben China haben im übrigen auch andere, ausgesprochen kapitalistische Länder in Asien (Südkorea, Japan) die Pandemie relativ gut bewältigt.

Ironie der Geschichte: die ersten Corona-Infektionen in Deutschland erfolgten ja durch eine Mitarbeiterin des (kapitalistischen) Unternehmens Webasto, die aus dem chinesischen Tochterunternehmen in Wuhan in Deutschland zur Fortbildung war.
Kurt Wirth
3.495
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 25.01.2021 um 14:10 Uhr
Nachtrag: Seit Ende 2020 macht die Pandemie auch den zuvor als "Musterschüler" geltenden Staaten wie Japan, Südkorea, Singapur immer mehr zu schaffen. Insoweit muß ich das zurücknehmen.
62
Erika Beltz aus Gießen schrieb am 25.01.2021 um 16:58 Uhr
Hallo Kurt, selbstverständlich wurde nicht in ganz China mit 1,5 Milliarden Einwohnern alles dicht gemacht, sondern nur großräumig in den betroffenen Gebieten - wie es auch in allen Medien geschildert wurde, und auch nicht absolut alles, sondern nur alles nicht zwingend Notwendige.
Übrigens soll im März der nächste Fünfjahresplan für China beschlossen werden.
Kurt Wirth
3.495
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 25.01.2021 um 18:16 Uhr
Und wie viele Milliardäre plant man bis dahin? Und wiederum wird wohl wieder ein Parteitagsbeschluß zur Bekämpfung der Korruption gefaßt werden.

Mit der Definition "soziale Marktwirtschaft" beziehe ich mich auf einen Vortrag von Ding Xiaoquin, (Professor of Political Economy an der Shanghai University of Finance and Economics, Secretary General of the World Association for Political Economy and Managing Editor of the World Review of Political Economy, President of Shanghai Academy of New Silk Road Economic Development) bei der Tagung des isw München im Oktober 2019. Dazu gibt es eine zusammenfassende Broschüre "Der Aufstieg Chinas und die Krise des neoliberalen Kapitalismus".

Da führt der Genannte auch aus: "Ferner beweist die bisherige Praxis, dass die Marktwirtschaft Ressourcen effektiver als die traditionelle Planwirtschaft zuordnen und die wirtschaftliche sowie soziale Entwicklung fördern kann." Und damit will ich mich nur auf das Thema "Planwirtschaft" beschränken.

Zweifelsohne sehe ich auch, daß die Entwicklung Chinas in den letzten ca. 40 Jahren beispiellos ist in der Geschichte. Der Sprung direkt aus dem Feudalismus in den Sozialismus ist (Mao) nicht geglückt. Es mußte sozusagen die "kapitalistische" Phase der gesellschaftlichen Entwicklung nachgeholt werden. Und damit hat sich China faktisch in die globale kapitalistische Welt weitgehend integriert und übernimmt sogar eine führende Rolle darin. "Sozialistische Inseln" wie Kuba, Vietnam können da längerfristig keinen eigenen Weg beschreiten.

Wenn man einen Blick auf frühere Parteitage und 5- und 10-Jahrespläne sozialistischer Staaten wirft, so gab es da schon Zielstellungen bis in den "entwickelten Sozialismus" und den Kommunismus. Und "Überholen ohne einzuholen". Oft blieben das letztlich Sonntagsreden, Proklamationen und Deklamationen.

Um die Kurve zu Corona zu kriegen: ich habe auch den Aufruf "zero-covid" unterschrieben. Inzwischen mehr als 86.000 Leute haben da auf europäischer Ebene für eine konsequentes "Runter auf Null" mit Einschluss der Arbeitsplätze unterschrieben, egal ob Planwirtschaft oder nicht.
62
Erika Beltz aus Gießen schrieb am 25.01.2021 um 19:18 Uhr
Ich auch.

Hier kann man unterschreiben: https://zero-covid.org/
Stefan Walther
4.991
Stefan Walther aus Linden schrieb am 25.01.2021 um 19:38 Uhr
warum nur Kurt? warum muss ich jetzt schon wieder darauf eingehen weil man solch eine Aussage einfach nicht im Raum stehen lassen kann?
= beschäftige dich doch mal konkret und intensiv mit der Entwicklung Chinas, vor allem mit dem angeblichen Scheitern des Sozialismus, wie und wann und warum der Kapitalismus dort auch restauriert wurde, dann können wir gern diskutieren! Und wieso hatten alle sozialistischen Länder - vor allem auch die Sowjetunion - die Revolution in China und den dortigen Sozialismus in höchsten Tönen gelobt und gefeiert? Und erst mit der so genannten Abrechnung mit Stalin änderte sich auch diese Position zu China. All das muss man analysieren bevor man sich ein Urteil bildet....

Ja, ja, wer hat die meisten Millionäre und Milliardäre und gleichzeitig bittere Armut u.a. von mehreren hundert Millionen Wanderarbeitern? Die "sozialistische Marktwirtschaft"? Schon auch irgendwie lustig wie sich die Kapitalisten mit dem Parteibuch in der Tasche mit den absurdesten Mitteln und Begründungen rechtfertigen wollen... aber auch das chinesische Volk ist nicht blöd!

und zu Corona = wenn du nicht mehr Japan usw. als Beispiele nehmen willst, dann vielleicht Australien und Neuseeland?
Kurt Wirth
3.495
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 25.01.2021 um 21:33 Uhr
Nur noch zu den Zahlen, mit denen in Sachen Corona immer operiert wird (und auch im Beitrag): Nur die bloße Zahl von Infizierten oder auch Toten eines Landes gibt ja erst nicht viel her. Man muß das schon in Relation setzen zur Bevölkerungszahl und dann auch zur Zahl der Getesteten. Wenn wenig getestet wird, gibt es auch wenig Infizierte. Der prozentuale Anteil der Getesteten, die infiziert sind wäre eine relativ aussagefähige Größe. Wird aber selten genannt.
Wenn die Südgeorgischen Inseln Null Coronafälle melden. ist das nicht die Überlegenheit der Planwirtschaft.

Allerdings sind der Ausverkauf von Särgen, Überstunden im Bestattungsgewerbe, Häufung von Todesanzeigen, Überbeanspruchung der Intensivbetten,und letztlich die hinterher festgestellte statistische Übersterblichkeit mehr als eindeutige Anzeichen. Allerdings zu spät.
Stefan Walther
4.991
Stefan Walther aus Linden schrieb am 25.01.2021 um 22:23 Uhr
Das sehe ich ähnlich Kurt. Die Überlegenheit der Planwirtschaft würde sich z.B darin ausdrücken dass nicht private Konzerne in Konkurrenz, mit reinen Gewinninteressen, bestimmen wann und wieviel Impfstoff produziert und wo und wie verkauft und geliefert wird. Das gilt genauso für Medikamente, beginnend schon in der Forschung... und am Ende werden dann noch Patente vergeben.

Ob es jetzt schon zu spät ist, um zum Thema "Betriebe" zurück zu kommen, das wird sich noch zeigen. Fest steht, dass wir uns da keinesfalls auf die Einsicht der Politiker verlassen dürfen. Gerade in Industriebetrieben haben die Beschäftigten gezeigt dass sie selbst es sind die am besten Gesundheitsschutzmaßnahmen durchsetzen können: zusätzliche Pausen, regelmäßiges Lüften, zeitlicher Abstand zwischen den Schichten, Meldungen von Corona-Fällen in den Betrieben und sofortiger Arbeitsstopp in betroffenen Abteilungen und einiges mehr. Manches was zu Beginn der Pandemie durchgesetzt wurde, wurde leider wieder - aus Profitgründen - abgeschafft, ein ständiger Kampf...
Ralf Praschak
981
Ralf Praschak aus Gießen schrieb am 26.01.2021 um 11:54 Uhr
Kleine Zwischenfrage:
Welchen planwirtschaftlich entwickelten Impfstoff gibt es denn in ausreichender Menge, frei für alle Länder?
Stefan Walther
4.991
Stefan Walther aus Linden schrieb am 26.01.2021 um 13:25 Uhr
Ich hatte bewusst im Konjunktiv geschrieben Herr Praschak "würde sich z.B. darin ausdrücken...". Sie müssten ja, wenn Sie die Kommentare richtig gelesen haben, feststellen, dass selbst das angeblich nicht-kapitalistische China keine Planwirtschaft ( mehr ) hat.
Nun, spricht das jetzt gegen oder für die Überlegenheit einer Planwirtschaft, das mag jede(r) selbst beurteilen...
Kurt Wirth
3.495
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 26.01.2021 um 13:59 Uhr
Hier habe ich zuällig und lediglich betr. Kuba Kenntnis:
Seit 28.Juli 2020 wird dort ein Impfstoff namens Soberana 2 getestet. Die Ergebnisse sollten jetzt im Januar vorliegen und man hofft, im ersten Halbjahr 2021 mit der Impfung der kubanischen Bevölkerung beginnen zu können.

Es wäre wohl etwas viel verlangt, wenn das kleine Kuba (ich glaube, so viel Einwohner wie Bayern) so große Mengen herstellen könnte, um die ganze Welt damit zu versorgen. 2004 hat Kuba einen Impfstoff gegen Lungenentzündung und Meningitis bei Kindern ("Hib" heißt das Bakterium) in Betrieb genommen und hat es bislang in einem 5-fach-Impfstoff in 40 Millionen Dosen angewendet, auch in anderen Ländern.

Man sollte da im Auge haben, daß Kuba größte Probleme hat, bestimmte medizinische Geräte und Rohstoffe zu importieren: Die USA belegen weltweit alle Firmen, die mit Kuba Handel betreiben, ihrerseits mit Sanktionen. Das geht bis zu den Airlines, welche die Güter nach Kuba bringen. So wurde die Bestellung von Beatmungsgeräten in der heißen Corona-Phase bei deutschen und schweizerischen Firmen nach Intervention der USA nicht ausgeführt. Ob da nun z.B. China ausgeholfen hat? Mir ist nichts bekannt.

Es ist eben schwer, "sozialistische Inseln" am Leben zu erhalten...

Ich habe die Information aus der "Granma" (deutsch) Nov.2020.
Siehe aber auch:
http://de.euronews.com/2021/01/21/made-in-kuba-bevolkerung-wird-noch-in-diesem-jahr-mit-eigenem-impfstoff-versorgt
Kurt Wirth
3.495
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 26.01.2021 um 22:27 Uhr
@Herr Praschak:
Ich glaube, Ihre "Kleine Zwischenfrage" verblaßt inzwischen angesichts des "Impfchaos" in Europa. Hier stellt sich der Kapitalismus eindeutig bloß.
Ralf Praschak
981
Ralf Praschak aus Gießen schrieb am 26.01.2021 um 22:35 Uhr
Inwiefern?
Kurt Wirth
3.495
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 27.01.2021 um 08:14 Uhr
Es wird weniger produziert als angekündigt, es wird weniger geliefert als bestellt, es wird gekungelt um die Bevorzugung einzelner Länder, es gibt Zweifel an der behaupteten Qualität. Aber Hauptsache, erst mal die Marktanteile erobern.
Ralf Praschak
981
Ralf Praschak aus Gießen schrieb am 27.01.2021 um 11:06 Uhr
Das ist halt das Problem mit Plänen. Die Realität kann sich ändern - insbesondere wenn es um Mangelverwaltung geht.

Ich hoffe wir sind uns einig, dass die Entwicklung, das Testen und die Produktion eines Impfstoffes inkl. Qualitätssicherung kein einfaches Unterfangen ist, oder?
Und eben auch kostenintensiv.

Das es nach einem Jahr überhaupt mehrere funktionierende und zugelassen Impfstoffe gibt, ist sowieso schon erstaunlich genug, wenn man die bisherigen Entwicklungszeiten von Impfstoffen betrachtete.
Plus eine komplett neue Methode: mRNA als Impfplattform.

Notwendigkeit, Wettbewerb und Vorfinanzierung durch Bestellungen diverse Länder haben dies sicher beschleunigt. Aber es sind ja auch nicht alle erfolgreich: Merck, Sanofi, Curevac, ...

Wer wie beliefert wird, sind ja vertragliche Konditionen. Da waren andere Länder wohl besser oder erfolgreicher als die EU, z.B. Israel. Hat in diesem Fall aber auch einen Pluspunkt für die restliche Welt, dass es aufgrund der hohen Impfquote jede Menge Daten gibt und sich beobachten lässt, wie sich dies auf die Pandemie auswirkt.

Pauschale Qualitätsprobleme an allen Impfstoffen?
Es gab bisher "Gerüchte" um den britischen von AstraZeneca, oder?
https://www.tagesschau.de/faktenfinder/astrazeneca-impfstoff-109.html

Welchen Marktanteil hat man denn, wenn man nicht liefern kann oder unwirksam ist?

Sicherlich ist der ganze Prozess von Bestellung, Lieferung und Verimpfung alles andere als optimal gelaufen.
Gibt da auch Episoden wie die 5-6 Dosen und gekürzte Lieferungen, weil Mengen statt Ampullen vereinbart worden sind:
https://www.tagesschau.de/faktenfinder/biontech-impfdose-101.html

Aber aus der Retroperspektive die gemachten Fehler bis Probleme mit dem Wissen von heute zu bewerten, ist halt nur bedingt hilfreich.

Allerdings dürften viele dieser Dinge eher politischer Natur sein anstatt eine Frage von Markt- oder Planwirtschaft.
Am Ende ist es doch wichtig, dass nun möglichst alle Menschen rasch, wirksam und sicher geimpft werden können, die wollen. Danach kann man mit dem Fingerzeigen anfangen. Ist aber nur meine Sicht ;)
Kurt Wirth
3.495
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 27.01.2021 um 13:54 Uhr
Da stimme ich ja bis zur Fertigstellung und Zulassung zu, daß das alles nicht einfach war/ist. Mir ging es um das nachträgliche Brechen und Nichteinhalten von Verträgen und gemachten Zusagen. Es ist offensichtlich, daß sich jede(r) Pharmafirma/-konzern den größtmöglichen Anteil am Kuchen sichern wollte, ins blaue hinein.
Ralf Praschak
981
Ralf Praschak aus Gießen schrieb am 27.01.2021 um 14:10 Uhr
Da wäre halt ein Transparenzgesetz hilfreich - auch auf EU-Ebene. Dann könnten die Verträge eingesehen werden. Wenn ich es richtig gelesen habe, hat Israel seine Verträge online gestellt, oder?

War nicht das ganze Projekt Covid-19-Impstoff ein Weg ins Blaue?
Niemand wusste, ob es was wird, wie lange es dauert, ob es wirkt, wie lange es dann anhält, wie es bei Mutationen hilft.

Die Politik - insbesondere die EU - hat das Risiko breit gestreut und dabei nicht nur mit Konzernen Verträge abgeschlossen sondern auch mit StartUps wie BioNTech oder Curevac. Deswegen kann es in der EU gar nicht um den größtmöglichen Anteil gegangen sein.

Erst diese Verträge bzw. das Geld dahinter haben die parallelen Entwicklungen ja möglich gemacht - in der kurzen Zeit.
Ralf Praschak
981
Ralf Praschak aus Gießen schrieb am 27.01.2021 um 17:46 Uhr
Hier ein Link zum Thema Impfstoffproduktion:
https://app.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/pharmaindustrie-warum-die-massenproduktion-von-corona-impfstoffen-nur-muehsam-anlaeuft/26846764.html
Martin Wagner
2.762
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 27.01.2021 um 18:39 Uhr
Was mir an der bisherigen Diskussion nicht gefällt ist der in einigen Beirägen durchschauende Ansatz: Wir müssen nur bestimmte Parteien ran lassen, dann wird Alles besser.

Völlige Unfug; wer sich auch nur ansatzweise mit der Entwicklung des Parteienwesens in der BRD auseinander gesetzt hat, weiss, dass in diesem System nur die Karrieristen / frechsten Absahner und eben nicht die Fachkundigsten ans Ruder kommen.

Ich bleibe dabei. Bei dem unterirdischen Niveau der Leutchen des herrschenden Blockes in der BRD hat die Bevölkerung noch Glück gehabt, dass die wenigstens nicht so blöd waren und sind und nicht einfach den Kopf in den Sand zu stecken und wenigstens auf ein paar Fachkundige gehört haben.

Was sagt ein kleiner Blick über den Tellerrand? Wenn es auch weh tut; letztendlich dürfen wir diesen "Nasen" auch noch dankbar dafür sein. D.h. aber: Es wird drängender diese ..... mit ihrer Arschkriechermentalität den Kapitalisten gegenüber zu entmachten.
Kurt Wirth
3.495
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 30.01.2021 um 08:23 Uhr
Eine dpa-Meldung vom 29.1.21: Laut einem australischen Thinktank hat Neuseeland das weltweit beste Corona-Management. Gefolgt von Vietnam, Taiwan und Thailand. Deutschland liegt auf Platz 55. 98 Länder wurden analysiert. USA sind auf Platz 94. Schlußlicht ist Brasilien. Ruanda hat Platz 6 und Togo Platz 15. China wurde wegen Fehlens öffentlich verfügbarer Testdaten in die Untersuchung nicht mit aufgenommen.

Es ging um die 36 Wochen, nachdem in einem Land der 100. Infektionsfall bestätigt wurde. Untersucht wurden die Infektions- und Todeszahlen sowie Tests pro 1000 Einwohner.
Ralf Praschak
981
Ralf Praschak aus Gießen schrieb am 30.01.2021 um 11:13 Uhr
Hier ist das Ranking zu finden:
https://interactives.lowyinstitute.org/features/covid-performance/#rankings
(Plus weitere Infos und die Methodik in englisch)

"Traue keiner Statistik, ..."

Ein Staat als Insel, Halbinsel oder mit vielen Wassergrenzen kann ein Vorteil sein gegenüber Staaten mit viel Pendel- oder Reiseverkehr.

Politisches System, Entschlossenheit der politisch Entscheidenden, Qualität der wissenschaftlichen Beratung, Umgang mit Pannen und Fehlern, Mobilität der Bevölkerung, Akzeptanz der Maßnahmen, erkennbare Strategie, Kommunikation, ..., Zufall, Glück bzw. Pech, ... dürften u.a. weitere Kriterien sein, wie erfolgreich ein Land ist oder halt auch nicht.
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