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Schifoahn!!! - aber wie denn?

von Kurt Wirtham 02.12.2020552 mal gelesen15 Kommentare
der alte, inzwischen durch 6-er-Kabinen ersetzte Lift am Hohen Ifen (Kleinwalsertal)
der alte, inzwischen durch 6-er-Kabinen ersetzte Lift am Hohen Ifen (Kleinwalsertal)
Gießen | Schiiiifoahn - singt der Liedermacher Wolfgang Ambros:
http://www.youtube.com/watch?v=mNkEs0bEe9s

Die Frage betrifft ja nur einen kleinen Teil der Menschheit, ist aber dieses Jahr unter Coronabedingungen höchst interressant geworden. Drängen Merkel und Söder schon seit längerem darauf, dieses Weihnachten und Neujahr den Wintersport europaweit einzustellen, wollten Österreich und die Schweiz die Wintersaison um jeden Preis retten. Deutschland, Frankreich und Italien hatten bereits faktisch entsprechende Vergnügen verunmöglicht. Zum einen, weil es schwierig bis unmöglich ist, eine Unterkunft zu bekommen, zum andern, weil es als "Sportveranstaltung" nach dem Infektionsschutzgesetz unterbunden wurde. Zumindest bis 1.Januar. In Frankreich stehen die Hotels und Gaststätten wiederum zur Verfügung, aber die Lift- und Seilbahnanlagen bleiben außer Betrieb. Nach der letzten Regelung mußten auch Reisende, die aus Österreich nach Deutschland kamen, auch Tagesausflügler unter 24 Std., in eine 10-tägige Quarantäne gehen.

Nun hat Österreich heute
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überraschend insofern eingelenkt bzw. auch den Spieß umgedreht: Reisende aus Ländern mit Inzidenzwerten ab 100 (und damit auch Deutschland) dürfen nicht mehr nach Österreich einreisen oder müssen dort 10 Tage in Quarantäne. Weiterhin bleiben alle Hotels und Gasthöfe geschlossen - aber die Liftanlagen und Seilbahnen dürfen laufen. Somit bleibt der Skibetrieb in Österreich bis voraussichtlich 10.Januar nur der einheimischen Bevölkerung vorbehalten.

Speziell im Allgäu stellt sich immer die Frage (die meist erst ein paar Tage später geklärt ist): Wie verhält es sich mit den beiden österreichischen Enklaven Jungholz und Kleinwalsertal?. Wegen ihrer Unzugänglichkeit von Österreich aus wurden sie schon zu Zeiten von Kaiser Wilhelm II. vertraglich zu sog. Zollanschlußgebieten. Österreichische Briefmarken und Wehrpflicht in Österreich, aber deutsche Währung und deutsches Telefonnetz und nach Deutschland in die weiterführenden Schulen. Und vielerlei andere Spezialitäten, wie viele Jahre deutsche Bankfilialen zum Geldverstecken nach österreichischem Recht. In der zweiten Corona-Welle waren diese Gebiete meist von den österreichischen Grenzregelungen ausgenommen - hier konnte man noch bis heute als Tagestourist hinfahren, ohne nach der Rückkehr in Quarantäne gehen zu müssen. Und so war das seitens Bayerns auch weiter vorgesehen.

Theoretisch könnte nun der Fall eintreten, daß die Lifte und Seilbahnen in Jungholz und Kleinwalsertal in Betrieb gehen können (könnte evtl. eingeklagt werden,da hier die "Aufstiegshilfen" rechtlich als öffentliche Verkehrsmittel gelten) und Tagestouristen aus Deutschland dies nutzen können. Übernachtungen wären kompliziert, da die Unterkünfte sowohl in Deutschland wie in Österreich geschlossen bleiben. Warten wir ab. In "normalen" Wintern sieht man schon viele hessische und Gießener Kennzeichen auf den riesigen Parkplätzen, aber noch mehr holländische und Hamburger.

Selbst wenn irgendwo diese "Aufstiegshilfen" in Betrieb gehen, wird das unter Coronabedingungen kompliziert. Die Betreiber argumentieren, auf den Pisten gibt es kein Problem. Das stimmt. Aber wer die Menschentrauben an den Kassen und Einstiegen kennt, und den Hochbetrieb in den Restaurants und den sanitären Anlagen, der kann sich vorstellen, wie kompliziert es wäre, das Ganze zu "entzerren". Es würde zu einer erheblichen Verlangsamung führen: manch einer führe zwei Stunden da hin, macht dann eine Abfahrt, und fährt wieder zwei Stunden nach Hause. Staus noch nicht inbegriffen.

Nun gibt es natürlich noch andere Möglichkeiten,sich in winterlicher Natur zu bewegen: Skitouren, Schneeschuhgehen, Langlauf, Skiwandern, Winterwandern. Alpenverein, Bergwacht und Naturschutz befürchten schon einen Massenansturm und erhebliche Schäden z.B. in der Tierwelt und an jungen Tännchen. Die Umsätze der Sportgeschäfte deuten bereits auf dieses "Ausweichen" hin.

Zu guter Letzt bleibt ja auch noch die Frage: Gibt es genug Schnee? Von Natur aus bis dato überhaupt nicht. Die Bahnbetreiber haben aber die letzten Wochen munter Kunstschnee produziert, zu 3,50 bis 5,00 Euro pro Kubikmeter. Und 150.000 Kubikmeter braucht so eine größere Liftanlage. Aber dies ist auch in Nicht-Corona-Zeiten riskant. Hat es doch schon öfter warmer Regen wieder weggeschwemmt.

In der Rhön, am Vogelsberg und Hohen Meißner wird die Lage nicht anders sein. Die meisten Chancen hat man wohl an dem höchsten Berg Schleswig-Holsteins, dem 168 m hohen Bungsberg: Der Lift ist 250 m lang, die Abfahrt 300 m. Die Abfahrt dauert etwa 25 Sekunden und die Liftauffahrt 90 Sekunden. Aber auch dort war schon mal eine Beschneiungsanlage in Betrieb. Manche Winter war der Lift aber auch gar nicht in Betrieb. Die längste Saison war 54 Tage.

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Kommentare zum Beitrag

H. Peter Herold
29.392
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 02.12.2020 um 20:52 Uhr
Es ist ein Vorgeschmack auf künftige Winter. Sozusagen eine Generalprobe. Denn es wird wenig oder gar keinen Schnee mehr geben.
Mich stört es nicht.
Christian Momberger
11.303
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 02.12.2020 um 20:53 Uhr
Danke für die interessanten Gedanken und Einblicke Kurt. Für mich als begeisterten Skifahrer ist es natürlich sehr schade, dass man diesen Winter nicht fahren können. Aber die Sorgen und Problematik bzgl. der Schlangen/Menschentrauben an der Liftanlagen und auf den Hütten sehe ich.
Hoffen wir das wir 2021/22 deutlich weiter sind und dann auch wieder (normal) Skifahren können.
H. Peter Herold
29.392
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 02.12.2020 um 20:56 Uhr
Lieber Christian wenn es Schnee gibt.
Christian Momberger
11.303
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 02.12.2020 um 21:04 Uhr
Ja, den braucht es natürlich, Peter.
Kurt Wirth
3.392
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 02.01.2021 um 22:31 Uhr
In Baden-Württemberg, auf der Schwäbischen Alb und im Schwarzwald, hat man nun folgendes Schlupfloch gefunden: Personen oder Personengruppen in coronabedingungsadäquater Zusammensetzung (z.B. eine Familie, oder ein paar Personen aus soundsovielen Haushalten) können Skilifte stundenweise für sich allein buchen. Kostet so etwa 130,00 bis 150,00 Euro die Stunde.
Christian Momberger
11.303
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 02.01.2021 um 22:55 Uhr
Interessant.
H. Peter Herold
29.392
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 03.01.2021 um 00:15 Uhr
Verzicht auf Gruppenaktivitäten wäre sicher sinnvoller
Christian Momberger
11.303
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 03.01.2021 um 00:18 Uhr
Ja, das stimmt. Aber eine Familie, die sowieso zusammen lebt, einen Haushalt bildet, warum soll die nicht was zusammen machen dürfen.
H. Peter Herold
29.392
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 03.01.2021 um 08:03 Uhr
Ja schon, aber sind da nicht noch andere?Habe gestern Bilder vom Harz gesehen. Eine KATASTROPHE
Christian Momberger
11.303
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 03.01.2021 um 10:28 Uhr
Absolut Peter.
H. Peter Herold
29.392
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 03.01.2021 um 16:26 Uhr
Auch Winterberg musste sich mit Straßensperrungen wehren
Kurt Wirth
3.392
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 03.01.2021 um 18:35 Uhr
Ich hatte ja mit einer höheren Zunahme der Ansteckungen und Inzidenzwerte über die ganzen Feiertage gerechnet. Summa summarum fanden da ja doch viele Kontakte statt, wenn auch verteilt. Mal sehen, wie sich die Zahlen weiter entwickeln. Die Todesfälle steigen allerdings kontinuierlich. Da können die Ansteckungen aber auch schon mehr oder weniger lang zurückliegen.

Nun wird auch immer wieder eingeflochten, es fanden weniger Tests statt und die Ämter melden nicht oder verzögert (ohnehin ein Armutszeugnis). Von daher wäre auch immer die Zahl der postitiv Getesteten pro einer bestimmten Anzahl Getesteter (1000 oder 10000 oder so) aussagekräftiger.
H. Peter Herold
29.392
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 03.01.2021 um 19:39 Uhr
Bin gespannt wenn ich geimpft werde. Mit 82?
Kurt Wirth
3.392
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 04.01.2021 um 23:40 Uhr
Wenn jemand 82 geworden ist, deutet das auf eine überdurchschnittliche Immunabwehr hin - kann also warten :-)
H. Peter Herold
29.392
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 05.01.2021 um 05:32 Uhr
Gute Idee und Abstand halten
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) Kurt Wirth

von:  Kurt Wirth

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Kurt Wirth
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