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Ria Deeg (1907-2000), die Getreue Stalins, soll durch die Stadt Gießen geehrt werden

Gießen | Deeg: „Väterchen Stalin“, „Verbrechen von Stalin“ als „Übertreibungen und Hetze gegen die Sowjetunion“, „maßlos übertrieben“, die Partei hat immer recht“


In der TV-Sendung „Kommunist sein in Hessen“ (Hessen 3, 14.12.1991) legte Deeg ein Bekenntnis zu "Väterchen Stalin" und zum Stalinismus ab. Als sie von der Moderatorin gefragt wurde: "Wie sah man denn als Kommunist die Sowjetunion?“, antwortete sie: „Also ich muss sagen, das fällt mir irgendwie schwer, etwas darüber zu sagen aus dem einfachen Grunde, weil ich mich heute frage, wieso hat man das eigentlich so lange hingenommen und die Solidarität mit der Sowjetunion derart stark war, dass man ja diese Verbrechen von Stalin einfach hingenommen hat. Und ich muss sagen für mich jetzt persönlich, ich hab’ sie immer für unheimliche Übertreibungen und ganz einfach Hetze gegen die Sowjetunion aufgefaßt. Verstehen Sie, das ist für Sie vielleicht schwierig, aber ich möchte mich daran zurückerinnern. In der Haftzeit, da war Stalin für uns der Halt, ich will mal sagen, ganz einfach auf einen Nenner gebracht, das Väterchen Stalin, der während der Revolution also der
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Mann war, der Vater des Ganzen, und für uns also in der Haftzeit war das einfach der Mann, der Führer und das blieb so. Und als dann nach seinem Tod also dann so die Wahrheit ans Licht kam, die habe ich aber nie, als Kommunistin, nie so als Wahrheit empfunden. Ich hab mir immer gedacht, das ist maßlos übertrieben und hab’ dann versucht zu erklären, wenn ich danach gefragt worden bin, hab ich gesagt, ja also ihr müsst bedenken, welche Zeit damals herrschte. Die Sowjetunion musste sich rundum gegen ihre Feinde wehren, sie war überfallen, besetzt von sämtlichen Ländern rundum und jeder wollte ja eine Scheibe rausschneiden aus der Sowjetunion. Und der ist einfach mit dem Gedanken des Klassenkampfes, ja das hat er so im Hirn gehabt, das konnte er nie richtig loswerden und wurde mit der Zeit blind gegen das, was wirklich war, richtete sich sogar gegen seine eigenen Freunde und Genossen. Das ist zwar keine Entschuldigung, aber, ich versuchte mir das immer so zu erklären. Aber ich bin heute der Meinung, dass das nicht genügt, dass das nicht immer richtig ist. Dass wir doch, wir Kommunisten von der alten Sorte, doch immer sehr gläubig waren. Wobei wir doch auf der anderen Seite so sehr gegen Glauben sind und dagegen wettern. Aber in dieser Sache waren wird doch eigentlich sehr gläubige Leute und haben vieles hingenommen, ohne nachzuforschen und wenn wir nachgeforscht haben, dann haben wir halt gesagt: die Partei hat immer recht. Und das war ein großer Fehler!“


Nachsatz zu Stalins Verbrechen

"Der russische Schriftsteller Wadim Erlikman stellte beispielsweise folgende Schätzung an:
• 1,5 Millionen exekutiert,
• 5 Millionen starben im Gulag,
• 1,7 Millionen verloren bei der Deportation ihr Leben (von den 7,5 Millionen Deportierten)
• 1 Million umgekommene Kriegsgefangene und deutsche Zivilisten,
Danach ergibt sich eine Gesamtzahl von ungefähr 9 Millionen Opfern der Säuberungen.
Stalins Biograf Dimitri Wolkogonow schätzt dagegen, dass 1929 bis 1953 19,5 bis 22 Millionen Menschen durch die so genannten Säuberungen zu Tode kamen.
Gunnar Heinsohn gibt eine Zahl von mindestens 20 Millionen Opfern an, davon 4,4 Millionen in den Jahren des „Großen Terrors“ 1936–1939."

Stalin war neben Mao und Hitler einer der drei größten Massenmörder des 20. Jahrhunderts.

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Kommentare zum Beitrag

Kurt Wirth
3.495
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 09.11.2020 um 17:53 Uhr
Es ist Ihr gutes Recht, Herr Reimann, Ihre Beiträge zu löschen und damit die dazu eingestellten Kommentare, um sie jungfräulich wieder neu reinzusetzen.

Auch hier möchte ich wiederum anmerken: In den Äußerungen von Ria Deeg in der Rundfunksendung kann ich kein Bekenntnis zum Stalinismus erkennen. Im Gegenteil stellt sie ihre frühere Haltung zu Stalin in Frage.

Daß es in den Zeiten von Verfolgung, Gefängnis, KZ und kurzen Perioden illegaler Arbeit für Kommunisten und andere Widerständler nahezu unmöglich war, von allen Informationen aus dem Ausland und der kommunistischen Weltbewegung abgeschnitten, alles richtig einzuschätzen, versteht sich doch von selbst.

Für ihr wichtigstes Ziel, die Beseitigung des Faschismus, sahen sie in Stalin, der Sowjetunion und der Roten Armee ihre wichtigste Stütze. Nicht viel anders, m.E., sahen das auch die anderen Alliierten der anti-Hitler-Koalition.
Bruno W. Reimann
494
Bruno W. Reimann aus Gießen schrieb am 09.11.2020 um 18:00 Uhr
Die Linken sind, wenn es um ihr Eingemachtes geht, genau so verkommen wie die Rechten!!!
Bruno W. Reimann
494
Bruno W. Reimann aus Gießen schrieb am 09.11.2020 um 18:12 Uhr
Das Gespräch in Hessen3 wäre eine Möglichkeit gewesen, sich vom Stalinismus loszusagen. Da hat Ria Deeg nicht getan. Sie war eine Stalinistin und blieb es auch. Sie hat ja auch, und das sagt etwas über ihren politischen Charakter, Gießener Altrechtsradikale und NS-Mitgänger, wie den Rechtsanwalt Jakob Friedrich Zimmer salviert.
128
Julius Epstein aus Gießen schrieb am 10.11.2020 um 12:29 Uhr
Herr Reimann, Danke für Ihren Beitrag. Als Opfer des Stalinismus sehe ich auch die Millionen Hungertoten durch verfehlte Agrar- und Industriepolitik.
Hartmut Roeschen
752
Hartmut Roeschen aus Laubach schrieb am 10.11.2020 um 21:48 Uhr
Herrn Wirth ist vollkommen zuzustimmen: Ria Deeg sah im Nachhinein ihren Glauben an Stalin kritisch. Also was wollen Sie eigentlich, Herr Reimann?
Und wenn Ria Deeg sich auch im hohen Alter immer noch nicht vom Stalinismus distanziert hätte - fest steht: sie bekämpfte in den 30-Jahren und so lange es ihr möglich war den Nationalsozialismus. Das TAT sie! Und das ist entscheidend, nicht, was sie vielleicht FÜHLTE oder DACHTE. Ihr Widerstand - selbst in auswegloser Situation - sollte uns Nachgeborenen ein Beispiel sein! Sie und auch ihr Mann Walter sollten endlich geehrt werden.
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