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Neuausgabe "Signale aus der Zelle" ab sofort erhältlich

Gießen | Vor 20 Jahren starb die Gießener Kommunistin und Antifaschistin Ria Deeg. Im deutschen Faschismus hatte sie mit Mut und Ausdauer Widerstand geleistet. Als sie dafür im Zuchthaus landete, belasteten sie die Haftbedingungen gesundheitlich schwer. In der neu gegründeten BRD kämpfte sie dann nach dem KPD-Verbot 1956 weiter. Sie und ihr Mann Walter hingen mit ganzem Herzen an der Entwicklung der Sowjetunion und den anderen sozialistischen Staaten.

Nach der Konterrevolution blieb Ria ihren Idealen treu. Es hatte sich doch nichts verbessert. Im Gegenteil! Der deutsche Imperialismus triumphierte nach zwei von ihm begonnen Weltkriegen und der historischen Niederlage von 1945 erneut. Das Kapital hatte ein wesentliches Ziel erreicht: die Zerstörung des antifaschistischen, besseren Deutschlands, der Deutschen Demokratischen Republik.

Ria blieb Revolutionärin und stritt weiter für eine sozialistische Alternative zum Kapitalismus. Internationale Solidarität, vor allem mit Kuba, Chile, Nicaragua und Vietnam, blieb für sie Verpflichtung. Sie engagierte sich mit den kurdischen Genossinnen und Genossen, solidarisierte sich
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mit den Kämpfen in Peru und Kolumbien. Die Solidarität mit Betroffenen der Berufsverbote, mit politischen Gefangenen und der Kampf gegen Isolationshaft und Vorverurteilung in Strafprozessen waren für sie selbstverständlich. In den 90er Jahren war sie besonders aktiv bei den Grauen Panthern.

Dass sie als Frau noch spürbarer ausgebeutet wird als ihre männlichen Genossen, war Ria bewusst. Sie hielt es mit Clara Zetkin, welche die Emanzipation der Arbeit vom Kapital und die Erkämpfung des Sozialismus als Voraussetzung für die Befreiung der arbeitenden Menschen sah - natürlich auch der Frau. Ihr war jedoch klar, dass auch ihren Genossen „(...) der Philisterzopf im Nacken hängt, wie dem ersten besten Spießbürger.“

Ria blieb bis ins hohe Alter offen für Diskussionen und die Veränderungen der Welt. Für die Jüngeren war sie Vorbild, Lehrerin und Genossin!

Die Stadt Gießen ehrte Ria 1987 mit der goldenen Ehrennadel, der höchsten Auszeichnung der Stadt Gießen. Im Jahr 2000 starb unsere Genossin Ria. Am 20. Juli 2007, im Jahr ihres 100. Geburtstages, wurde sie im Rahmen einer Feierstunde der Stadt zur Würdigung antifaschistischer Widerstandskämpfer geehrt. Im Jahr 2011 wurde der Antrag des Kommunisten Michael Beltz, eine Stele zur Ehrung von Ria an prominenter Stelle aufzustellen, abgelehnt. 2015 beschloss der Magistrat, dass Ehrungen erst 20 Jahre statt 10 Jahre nach dem Tod vorgenommen werden dürfen (Lex Ria Deeg).

Im August diesen Jahres jährte sich der Todestag von Ria Deeg zum 20. Mal – und der Antrag wurde für die kommende StVV erneut gestellt: Eine Stele von Ria muss errichtet werden! Eine solche Ehrung wäre ein sichtbares Zeichen gegen die heutigen Faschisierungsprozesse in unserer Gesellschaft.

Die vorliegende Neuausgabe enthält den kompletten Text mit Rias Bericht über ihren antifaschistischen Wider­stand aus der Broschüre „Signale aus der Zelle“, der Ausgabe von 1992, die zahlreichen Würdigungen Rias im einleitenden Teil der Gedenkausgabe von 2007 sowie weitere Texte. Diese Ausgabe soll die Diskussion um die überfällige Ehrung für Ria Deeg befeuern.
(Henning Mächerle, DKP Gießen)

Die Broschüre ist für 5.- € auf Rückfrage an mich oder über G.Linhart@gmx.de erhältlich.

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Kommentare zum Beitrag

H. Peter Herold
29.455
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 28.10.2020 um 08:11 Uhr
Schön aufgezählt, aber die DDR hat sich selber zerstört. Das dortige System war nicht lebensfähig. Ja und auch die große Sowjetunion hat sich aufgelöst.
Martin Wagner
2.758
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 29.10.2020 um 09:23 Uhr
Die Broschüre ist sicher sehr interessant. Werde sie mir besorgen.

Apropo Antrag im Stadtparlament (Würdigung von Ria Deeg). Wie weit ist der eigentlich im Geschäftsgang?
Stefan Walther
4.987
Stefan Walther aus Linden schrieb am 29.10.2020 um 22:35 Uhr
Tja Peter, das wäre mal ne Diskussion die sich lohnen würde zu führen "wer hat die DDR oder auch die Sowjetunion zerstört, wann und wie, was war das dort für ein System usw.".
Ich befürchte nur, zumindest ist das meine bisherige Erfahrung bei diesem wichtigen Thema, dass gerade bei den "DDR-Verteidigern" kaum Bereitschaft besteht die Auseinandersetzung darüber zu führen...

Ansonsten: ja die Broschüre ist mit Sicherheit zu empfehlen!
367
Frauke Weber aus Gießen schrieb am 30.10.2020 um 14:15 Uhr
Persönlich habe ich Frau Deeg nicht gekannt, aber ich habe die Broschüre gelesen und Hochachtung für diese mutige Frau. Was aber hier in der Einleitung steht kann ich mit ihren persönlichen Erinnerungen und dem, was in den verschiedenen Vorworten der alten Ausgabe von 2007 über sie geschrieben wurde, nicht in Einklang bringen. Frau Deeg stand für den Kampf um Frieden und Sozialismus, für die Interessen der Arbeiterklasse und gegen die Gefahr des auch zu ihrer Zeit schon wieder aufkommenden Faschismus. Von ihrer Solidarität mit der lateinamerikanischen Guerilla oder den sich im Hungerstreik befindenden Häftlingen – ohne beides diskriminieren zu wollen – ist nichts bekannt. Diese beliebige Aneinanderreihung von politischen Themen, die zudem teilweise schief ist, wird ihr nicht gerecht. Schade.
H. Peter Herold
29.455
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 30.10.2020 um 14:46 Uhr
Ich nehme an Martina hat nur geschrieben was sie wusste.
Martina Lennartz
6.355
Martina Lennartz aus Gießen schrieb am 30.10.2020 um 20:42 Uhr
Zu Frauke Weber:
Das Vorwort entstand aus den Berichten und Infos von vielen verschiedenen Menschen, die Ria kannten.
Ria war vielseitig interessiert und hat sich mit vielen verschiedenen Dingen beschäftigt.
Das Vorwort setzt keine Prioritäten, was evtl dann " schief" erscheint.
Aber wie gesagt, teilte sie mit verschiedenen Menschen unterschiedliche Dinge.
Ihr Hauptanliegen war der Antifaschismus und der Kampf für Frieden. Das ist absolut richtig.
Die weiteren Texte und ergänzenden Vorworte machen das wiederum deutlich.
Aber danke für die Rückmeldung.
Martina Lennartz
6.355
Martina Lennartz aus Gießen schrieb am 30.10.2020 um 20:47 Uhr
http://www.giessener-zeitung.de/giessen/beitrag/135537/ehrung-der-antifaschistin-ria-deeg-erneut-abgelehnt/


Dass der Antrag wieder erst mal mit fadenscheinigen Gründen und Hinhaltetaktik abgelehnt wurde, ist unglaublich peinlich.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) Martina Lennartz

von:  Martina Lennartz

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