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Wanderausstellung Dietrich Bonhoeffer vom 1.11.-15.11.20 in der Kulturkirche St. Thomas Morus

Dietrich Bonhoeffer "Dem Rad in die Speichen fallen" vom 1.11.-15.11. in der Kulturkirche St. Thomas Morus
Dietrich Bonhoeffer "Dem Rad in die Speichen fallen" vom 1.11.-15.11. in der Kulturkirche St. Thomas Morus
Gießen | In den frühen Morgenstunden des 9. April 1945, vor 75 Jahren, wurde Dietrich Bonhoeffer ermordet.

Vom 1. bis 15. November ist die Wanderausstellung „Dietrich Bonhoeffer, dem Rad in die Speichenfallen“ mit Unterstützung der Gießener Kulturstiftung zu Gast in der Kulturkirche St. Thomas Morus, Grünberger Straße 80.


Freiheit als „Dasein für andere“

Im August 1944 schrieb Dietrich Bonhoeffer im Gefängnis an einer „Schrift“, mit der er hoffte, „für die Zukunft der Kirche einen Dienst tun zu können“. Entsprechend seiner lebenslangen theologischen Auffassung ging es Bonhoeffer nicht etwa um ein Wort zur Lage der Kirche nach dem erhofften Ende der NS-Diktatur und des Krieges und erst recht nicht um die Restauration der verfassten Kirche. Er wollte vielmehr ein neues Nachdenken über die Aufgabe und damit das Wesen der Kirche in der und für die Menschheit insgesamt.

Bonhoeffer sah die „Wirklichkeit“ der Welt und des menschlichen Lebens bestimmt von der Wirklichkeit Jesu Christi in der Weltwirklichkeit. Kirche war ihm darum „Christus als Gemeinde existierend“. „Stellvertretend“ treten Christen und Christinnen für einander und „für andere“ ein. Darin erweist sich ihre Menschlichkeit; und darin besteht ihre christlich bestimmte Freiheit. In Freiheit sind Christen und Christinnen „für andere da“.


Bonhoeffer liegt nicht hinter, sondern vor uns!

Die innerdeutsche gesellschaftliche Diskussion der letzten Monate hat sich um einen anderen Freiheitsbegriff gedreht. Die Freiheit der eigenen Meinungsäußerung und die Freiheit der eigenen Lebensgestaltung sind hohe Güter unserer Kultur und verankert in unserer Verfassung, dem Grundgesetz. Sie stehen aktuell in Spannung zur Notwendigkeit von Gesundheits- und Lebensschutz. So wird die Frage des „Maskentragens“ zum Kampfplatz und Symbol dessen, was in unserer Gesellschaft zählt.
In den ersten sechs Monaten der Corona-Pandemie in Deutschland sind andere gesellschaftliche Fragen wie der Klimaschutz oder die Lage für die Geflüchteten auf den griechischen Inseln in den Hintergrund getreten. Erst durch das Feuer und die Verwüstung des Lagers auf Lesbos sowie die verheerenden Waldbrände an der US-amerikanischen Pazifikküste sind beide Themen wieder in den Fokus gerückt.


Täglich von 18 Uhr bis 19:30 Uhr geöffnet

Bonhoeffers geistiges Erbe in seiner ganzen Tiefe und Vielfalt ernst zu nehmen und weiterzutragen, dazu lädt die Ausstellung in der Kulturkirche St. Thomas Morus, Grünberger Straße 80, in Gießen vom 1.11.-15.11. täglich zu besichtigen zwischen 18 Uhr und 19:30 Uhr

Die 13 Tafeln der Ausstellung entstanden 1998 im Institut für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Johannes-Kepler-Universität in Linz/Österreich. Eine Kopie dieser Tafeln erwarb der Dietrich-Bonhoeffer-Verein 2014. Der Verein, gegründet 1983, fördert die Wahrnehmung christlicher Verantwortung in Kirche und Gesellschaft. In Leben und Werk Bonhoeffers sieht der Verein eine unverändert gültige, in die Zukunft weisende Herausforderung zu kritischem Glauben, Denken und Handeln.
Die Ausstellung möchte u.a. über Leben und Wirken des evangelischen Theologen informieren sowie bewusst machen, wie wichtig Überzeugungstreue und Zivilcourage angesichts von Ausgrenzung, Entrechtung und Rechtsextremismus sind.

Die Eröffnung findet im Rahmen der Wortgottesfeier am Allerheiligen-Sonntag, den 1. November 2020 um 18:30 Uhr statt in der St. Thomas Morus Kirche statt.

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Kommentare zum Beitrag

Florian Schmidt
4.937
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 27.10.2020 um 06:20 Uhr
Präsentiert die Kirche wieder ihr Feigenblatt wenn es um ihre Beteiligung am Nationalsozialismus geht. Bonhoeffer ist sowas wie die "Du komst aus dem Gefängnis frei" Karte beim Monopoly.
Jakob Handrack
1.229
Jakob Handrack aus Gießen schrieb am 27.10.2020 um 06:31 Uhr
Wen meinen Sie eigentlich immer mit "der Kirche"? Was viele Kirchenkritiker oft übersehen, ist, dass es eine homogene Organisation wie "die Kirche" nicht gibt. Es gibt zwar eine Amtskirche, wahrscheinlich meinen Sie diese, aber darüberhinaus ist Kirche absolut vielfältig und unterschiedlich. Deshalb trifft z.B. die pauschale Aussage "Die Kirche ist reich" nur bedingt zu. Das trifft sicher auf viele Pfarreien, einige Bistümer und ein paar Orden zu. Aber nicht auf alle.
Was den Vorwurf angeht, sich von einer Verantwortung der Kirche im Nationalsozialismus "reinwaschen" zu wollen, so wird dies 1. im obigen Artikel mit keinem Satz behauptet und trifft 2. auch nicht zu. Der Förderverein St. Thomas Morus e.V. besteht erst seit 2013, dessen Mitglieder und Vorstände sind alle nach 1945 geboren.
Florian Schmidt
4.937
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 27.10.2020 um 08:22 Uhr
Ich hatte oft genu Diskussionen mit Christen. wenn man dann mal so ins plaudern kommt, etwa über die Glorifizierung der Reichsprogromnacht durch hohe Kirchenfunktionäre kommt reflexartig: "Aber Bonhoeffer. Und auch sonst stellt sich die Kirche ja gerne als Opfer da, obgleich viele ihrer heutigen Privilegien und Einnahmen direkt auf die Zeit des Nationalsozialismus zurückgehen. Stichwort Reichskonkordat.
Und ja, einzelne Bistümer sind extrem gut über den Winter gekommen, wieso verteilt die Kirche aber ihre Milliarden nicht intern sondern hält lieber beim Staat die Hand auf. Die Katholen kassieren noch immer Wiedergutmachungen für angebliche enteignungen aus dem Jahre 1803 und speisen die Opfer ihrer perversen Angestellten mit Peanuts ab. 50.000€ So ein Bischoff kassiert als Jahresgehalt fast 100.000 und bekommt das Geld nicht von der Kirche sondern aus Steuermitteln. Mal ganz zu schweigen wo noch alls Geld vom Staat reingepum pt wird. Es gibt also noch viel zu kritiseren.
Übrigens ist ja bald wieder Gedenken an die Reichsprogromnacht, die gröpßte Sause zu Luthers Geburtstag die es je gegeben hat.
Jakob Handrack
1.229
Jakob Handrack aus Gießen schrieb am 27.10.2020 um 13:03 Uhr
Ja, da haben Sie sicher mit vielen Recht, was Sie ansprechen. Nur was hat das mit der obigen Ausstellung zu tun? Es geht darum, einen Mann zu erinnern, der in seinem Denken auch heute noch etwas zu sagen hat. Die vermeintliche Opfer- oder Täterrolle der katholischen wie evangelischen Kirche spielt hier überhaupt keine Rolle, noch wurde hier der Versuch gemacht, die Person Bonhoeffer hier "vorzuschieben".
Hermann Menger
2.373
Hermann Menger aus Gießen schrieb am 03.11.2020 um 20:16 Uhr
Hab mir heute die Bonhoeffer - Ausstellung angeschaut und fand sie sehr interessant! Dietrich Bonhoeffer ist für uns ein großes Vorbild. Es gibt zu ihm eine relativ neue, umfangreiche Biographie von Eric Metaxas, die ich sehr empfehlen kann.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) Jakob Handrack

von:  Jakob Handrack

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Jakob Handrack
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