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Ausstellung zur Lahn als Schifffahrtsstraße

Gießen | 1844 vereinbarten die drei Lahnanrainerstaaten Nassau, Preußen und Hessen, die Lahn von der Mündung bis Gießen dergestalt schiffbar zu machen, dass sie von Kähnen mit 31,4 m Länge, 3,1 m Breite und 62,8 cm Tiefgang befahren werden konnte. Als „wünschenswert“ wurde eine durchgängige Wassertiefe von 93,7 cm bezeichnet. Es dauerte bis 1859, bis alle vereinbarten Maßnahmen abgeschlossen waren, Nadelwehre, Schleusen und „Häfen“ gebaut und an beiden Ufern Leinpfade angelegt waren. Der erhoffte rege Schiffsverkehr jedoch blieb aus, weil wenige Jahre später, 1863, die Lahntalbahn zwischen Oberlahnstein und Wetzlar den Betrieb aufnahm und den Gütertransport an sich zog.
1903 gründete sich in Limburg der Lahnkanal-Verein, der nun eine Vollkanalisierung der Lahn forderte, um sie für größere Motorschiffe schiffbar zu machen. Getragen wurde er hauptsächlich von den Bergbaubetrieben der Lahngebiets, die hofften, dass ein preisgünstigerer Transport der Erze ins Ruhrgebiet den immer tiefer in die Krise rutschenden Eisenerzbergbau stabilisieren könnte. In seiner rund 70-jährigen Geschichte verfolgte der Verein, der sich später
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zeitweise in Fulda-Lahnkanal-Verein umbenannte, teilweise sehr hochgesteckte, oft unrealistische Ziele. So etwa sollte die Lahn für 1000 t-Schiffe befahrbar und über Kanäle mit der Weser und dem Main verbunden werden. Immerhin aber konnte 1925 ein Ausbau der unteren Lahn für Motorschiffe bis 190 t von der Mündung bis nach Steeden durchgesetzt werden. Vor allem die Kalksteinbrüche profitierten davon.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Forderungen des Lahnkanal-Vereins bescheidener und beschränkten sich im Wesentlichen auf einen Ausbau bis Wetzlar, um für den Erzbergbau günstigere Frachtbedingungen zu schaffen. Um 1960 sah es kurzzeitig so aus, als sollten die Planungen Realität werden. Im Prinzip waren alle dafür – nur nicht das Bundesverkehrsministerium, das den Löwenanteil der Kosten hätte tragen müssen. Mitte der 1960er Jahre verflogen die Hoffnungen auf einen weiteren Ausbau der Lahn. Bis zu seiner Auflösung 1976 entfaltete der Verein zur Förderung der Lahnschiffahrt, wie er sich mittlerweile nannte, kaum noch Aktivitäten.
Der Geschichte der Lahnschifffahrt und des Lahnkanalvereins widmet nun das Hessische Wirtschaftsarchiv eine Wanderausstellung, die zuerst vom 28. September bis 23. Oktober 2020 in der Geschäftsstelle der Volksbank Mittelhessen in der Goethestraße in Gießen gezeigt wird. Im Mittelpunkt dieser Ausstellung werden Fotografien von Schiffen, Brücken, Wasserkraftwerken, Schleusenanlagen und Verladestellen an der Lahn stehen, die zwischen 1950 und 1963 vom Lahn-Kanalverein in Auftrag gegeben wurden. Erstmals wird auch ein Modell des ersten, 1914 gebauten Selbstfahrerschiffes auf der Lahn, der „Eduard Kaiser“, benannt nach dem Generaldirektor der Buderus’schen Eisenwerke, zu sehen sein. Von diesem Lastschiff existierten bislang nur Pläne, auf deren Grundlage der renommierte Modellbauer Dr. Hans-Joachim Hüther das Schiff maßstabsgerecht rekonstruiert hat.

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