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Tag der Einheit

Gießen | Tag der Einheit- für alle Zonenflüchlinge kein Tag der Freude.
Geflohen, um in Freiheit zu leben – bestraft, weil sie nicht „drüben“ blieben
Von etwa 320.000 „Republikflüchtlingen“, Ausgewiesenen, Abgeschobenen oder Freigekauften spricht die „Interessengemeinschaft ehemaliger DDR-Flüchtlinge“ (IEDF).
Das sind die Menschen, die alles verloren, beim „Rübermachen“ ihr Leben aufs Spiel gesetzt hatten und obendrein auch noch in Kauf nehmen mußten, daß zurückgebliebene Familienmitglieder nach allen Regeln kommunistischer Brutalität schikaniert wurden.
Sie wurden zwar im Westteil Deutschlands, stürmisch begrüßt. Presse-Funk- und Fernsehberichte – alle bejubelten den Mut und die Opferbereitschaft der ehemaligen DDR-Bürger.
Sie wurden nun zu Bundesbürgern, mit allen Rechten und Pflichten. Auch in die Deutsche Rentenversicherung wurden diese Flüchtlinge in Deutschland-West eingruppiert, genauso wie jeder andere Bundesbürger.
Aber dann folgte ein jähes Erwachen. Durch die Wiedervereinigung – zu der ja letztlich diese Menschen einen besonderen Beitrag leisteten – verloren sie einen erheblichen Teil ihrer Rentenansprüche.
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Plötzlich wurden diese jetzigen Bundesbürger rückwirkend(!) so gestellt, als ob sie in der verhassten DDR verblieben wären. Ihre Rentenanwartschaften, die sie nach der Einbürgerung in die BRD in einem ordentlichen Aufnahmeverfahren erhalten hatten, die ihnen auch jährlich per Rentenbescheid zugesichert wurden, wurden in einer „Nacht und Nebelaktion“ still und heimlich liquidiert. Ein unfaßbarer Vorgang. Denn es gab nachweislich kein Gesetzgebungsverfahren für die Enteignung der Rentenanwartschaften von DDR-Flüchtlingen nach Fremdrentengesetz. Deshalb war es eine ungesetzliche Enteignung.
Besonders zynisch ist, daß viele der ehemaligen Unterdrücker – SED-Funktionäre, Staats- und Stasi-Mitarbeiter etc. – die in der DDR die eigene Bevölkerung geschunden hatten, weit bessere Renten erreichen als die Flüchtlinge. Dank einer starken Lobby der ehemaligen „Genossen“ werden die Täter von einst also belohnt, dafür aber die Opfer der DDR-Diktatur erneut gedemütigt und bestraft. Täterschutz geht in dieser Demokratie offensichtlich vor Opferschutz! Ein nicht nachvollziehbarer Akt politischer Willkür, aber auch ein Stück Wahrheit der „deutschen Einheit“. Die Flüchtlinge von einst, sind eindeutig die wahren Verlierer der Wiedervereinigung.
Und die Täter von einst sitzen heute an den Schaltstellen der Politik und der Verwaltung, in denen über ihre ehemaligen Landsleute entschieden wurde und wird. Diese ehemaligen Kader sind sehr gut vernetzt, während die ehemals Verfolgten über keinerlei Lobby verfügen.
Auffällig dabei ist, das ausgerechnet die Partei, die sich Christlich nennt, und von einer Pastorentochter geführt wird, welche FDJ- Sekretärin war und in der UDSSR studierte, sich von Anfang an vehement weigert diesen eindeutigen Rechtsbruch zu korrigieren.

Kommentare zum Beitrag

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Katja Müller aus Gießen schrieb am 11.10.2020 um 21:53 Uhr
Herr Berthold, das ist keine Wiedervereinigung, das war eine Annektion.
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Harry Berthold aus Gießen schrieb am 13.10.2020 um 14:00 Uhr
Ja Frau Müller, das kann Jeder so sehen, wie es zu seinem Weltbild passt.
Tatsächlich ändert es aber nichts an der Tatsache, das nachweislich, rechtswidrig, alle „Altübersiedler" aus der DDR (nach 1936- 90) um einen Teil ihrer Rentenansprüche betrogen wurden.
Tatsächlich wurden ihnen diese Ansprüche, seit ihrer Eingliederung, auch ins BRD Rentensystem, jährlich per Rentenbescheid, nach Fremdrentengesetz FRG zugesichert. Klammheimlich wurden nun diese BRD Bürger, wie von Zauberhand, wieder in das verhasste "Zonenregime“ zurück gebiemt. Dieser Vorgang entbehrt jeglicher rechtlichen Grundlage.
Über diesen Gesetzesbruch, am Parlament vorbei, (selbst Minister Norbert Blühm wusste von nichts und zeigte sich im Nachhinein entsetzt) wurden „natürlich“ die Betroffenen nicht einmal in Kenntnis gesetzt. Ein nicht geringer Teil weiß ja bis heute nichts, über diesen „Rentendiebstahl“ unseres angeblichen Rechtsstaates und wählt diese Betrüger auch noch.
Und auch in der Öffentlichkeit wird wohlweislich dieser Rentenbetrug kaum kommuniziert, so das ein nicht geringer Teil der Betroffenen noch gar nicht ahnt, in welch einem Rechtsstaat wir hier leben.
Der Zonenterror lässt Grüßen.
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Katja Müller aus Gießen schrieb am 17.10.2020 um 19:38 Uhr
Mit dem Rentendiebstahl haben Sie völlig Recht. Da geht auch noch um ganz andere Ansprüche.
Es gibt heute noch die Trennung von Ost und West. Auch da haben Sie völlig Recht. Bürger in Ost und West bekommen teilweise nicht die mal gleichen Gehälter für die gleiche Arbeit- und dann auch unterschiedliche Renten.
Möchte gerne wissen wer den Solizuschlag bekommen hat. Die Ost- Bürger bestimmt nicht
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