Bürgerreporter berichten aus: Gießen | Überall | Ort wählen...

Eine Entdeckung in Brandenburg: Das märkische Meer

Der Badestrand von Bad Saarow
Der Badestrand von Bad Saarow
Gießen | Ja, ich muss zugeben, es hat uns in Folge der Corona-Krise statt nach Kroatien nach Brandenburg verschlagen – zum Glück muss man hinzufügen! Nach Auswaschung der Reiseziele in Deutschland ( u. a. Bayern und die Ostsee) blieb im Sieb der Scharmützelsee mit dem Kurort Bad Saarow hängen. Naja, eigentlich schon zu kühl für unser Empfinden, wenn man erst Mitte/Ende September dort hinkommt. Dennoch war Brandenburg eine Versuchung, das große Unbekannte, kannten wir doch nur die Landeshauptstadt Potsdam von einem früheren Besuch.
Kurz und gut, wir buchten. Und so kamen wir nach gut 550 km an den See und in unser Hotel. Der erste Eindruck täuschte nicht: Kein zugebautes Ufer erwartete uns, sondern ein gut bewaldeter Seerand hinter dem sich die Bebauung, zunächst mit Villen, dann mit durchaus moderner Bebauung geradezu zu verstecken suchen. Eine preußische Siedlung par excellence mit einem mondänen Bahnhofsgebäude und vielen Gebäuden des frühen 20. Jahrhunderts. Es verwundert nicht, denn der Ort wurde erst nach 1900 vollends gegründet und bebaut und ist somit noch sehr modern. Er zog aber damals bereits Besucher aus dem
Mehr über...
Städte (27)See (138)Reise (372)Erholung (16)Deutschland (104)
nahen Berlin an, was die neu gebaute Eisenbahnlinie umso mehr beförderte. Und die ganz Reichen? Die kamen evtl. mit dem Wasserflugzeug, sicher ein Ankommen mit Statement – und dies 1932! Lohnend ist hierzu die sonntägliche Ortsführung. Schließlich entdeckten auch Künstler und andere Prominente den jungen Ort, der durch ein Moorbad zum Kurstandort wurde.
Max Schmeling heiratete und wohnte hier eine Zeit lang. Sehr schön ist auch das Gebäude des Strandbads, welches 1911 errichtet wurde. Die Therme sind ein Besuchermagnet mit großen Innen- und Außenbecken, Saunaanlage u.v.m. Gespeist werden sie von einer recht neu entdeckten Quelle.
Das sehr gute, noch sommerliche Wetter verbaute es uns zuerst, die nähere Umgebung zu erkunden. Wir nutzten die Annehmlichkeiten des Hotels (Liegewiese, Innen und Außen-Pool). Die Ausflüge mochten noch ein bisschen warten, denn kühleres Wetter war schon angekündigt. So kam es, dass wir bestenfalls in Bad Saarow schlenderten: durch den Kurpark und die den Ort ursprünglich prägende Villenkolonie sowie das Hafengebiet von dem aus wir eine Rundfahrt auf dem See unternahmen. 11 km ist der See lang und hat durch Kanäle eine Verbindung bis nach Berlin-Köpenick. Eine Hinterlassenschaft der letzten Eiszeit, so
Blick in die Therme
Blick in die Therme
war zu erfahren. Wir genossen die zweistündige Schifffahrt sehr, denn das Wetter war dafür wie geschaffen. Das Schiff fuhr über Wendisch Rietz im Süden wieder über Diensdorf zurück nach Bad Saarow. Der See ist für Segelboote sehr geeignet und so sieht man viele dieser Wasserfahrzeuge. Eine reizvolle Halbinsel reicht weit in den See und ist die eigentliche Keimzelle des späteren Ortes. Des Weiteren befinden sich im See zwei Inseln („Werl“ genannt, was slawisch „Insel“ bedeutet). Sie werden von zahlreichen Kormoranen als Wohnstätte verwendet.
Zweimal gingen wir mit unseren Nordic-Walking-Stöcken los, gut 5 km nach Wendisch Rietz, wo zu DDR-Zeiten ein Jugend-Lager seinen Standort hatte. Die andere Strecke war der Max-Schmeling-Rundweg, den wir aber nur mit Umwegen meisterten und ihn so ungewollt um das Doppelte erweiterten – was soll’s?
Ein kurzer Ausflug, zugegeben an dem einen Regentag in unserem 10-tägigen Aufenthalt führte uns in die Kreisstadt Beeskow. Ein schmucker Ort mit Stadtmauer, mächtiger Kirche, die unlängst wieder aufgebaut wurde. Die kleinen Altstadthäuschen sind pittoresk und wunderschön restauriert und laden zum Spaziergang ein. Es bietet sich auch an, ein Museum mit Musikautomaten anzuschauen, was wir allerdings verwarfen.
Bahnhof Bad Saarow
Bahnhof Bad Saarow
Bei kühlerem Wetter zog es uns wieder in die Umgebung. Die Domstadt Fürstenwalde war ein nächstes Ziel, sie ist die größte Stadt des Landkreises Oder-Spree. Im Krieg praktisch total vernichtet, ragt der Dom mit seinem Turm wie ein stummer Zeuge der Ereignisse aus der Ansammlung von Häusern hervor: 68 Meter misst der Turm und die wieder aufgebauten Teile lassen sich im Innern durchaus erkennen. Das Museum der Stadt gibt Einblicke in die Geschichte der Stadt und der Umgebung. Große Teile der Stadt wurden von den sowjetischen Besatzern beansprucht. Also ähnlich wie in Gießen, dass ja stark von den Amerikanern geprägt wurde.
Tags darauf ging der Abstecher nach Rüdersdorf bei Berlin in den Museumspark, ein altes Kalkwerk, zugeben, ich war skeptisch. Aber es lohnte sich auf jeden Fall, denn es gibt dort Kalköfen, die bis ins 18. Jahrhundert zurück reichen. Ferner kann man mit einem Landrover in den Steinbruch fahren und die riesigen Bagger und LKW bestaunen, was wir aber nicht taten, denn man kann auch so in den großen Abbaubereich sehen. Für gut 50 Jahre kann dort noch abgebaut werden. Zusammengefasst lässt sich sagen, es war ein entspannter Gang über das recht große Museumsareal mit all den historischen Bauten der Kalkgewinnung. Auf der Rückfahrt ging es noch nach Erkner, wo der Literaturnobelpreisträger Gerhart Hauptmann vier Jahre lang wohnte.
Das ehemalige Moorbad
Das ehemalige Moorbad
Ein neuer Tag, ein neuer Ausflug. Es ging nach Eisenhüttenstadt, also ganz in den Osten des Kreises. Ein absolut lohnendes Ziel, ist es doch ein Flächendenkmal ersten Ranges: 1950 wurde aus dem kleinen Oder-Dorf Fürstenberg die Stadt „Stalinstadt“, die um ein Stahlwerk gebaut wurde – nach streng sozialistischem Vorbild der Bauten in der UdSSR. Im Grunde ein Klassizismus mit sozialistischem Antlitz, so wie in Berlin die ehem. Stalinallee (heute: Unter den Linden). Wohldurchdacht mit vier Wohnvierteln und sozialen Gebäuden wie Gaststätte, Theater, Kaufhallen Schulen und Kinderkrippen. 1961 wurde die Stadt dann in Eisenhüttenstadt umbenannt. So hatte die Stadt Ende der 1980er Jahre gut 53.000 Einwohner. Heute sind es noch 23.000. Nach dem Besuch fuhren wir zurück über Frankfurt/Oder, der viertgrößten Stadt in Brandenburg mit dem gut 90 Meter hohen Oderturm und dem schmucken Rathaus. Die in Backsteingotik gebaute Marienkirche hat gewaltige Ausmaße und erinnert an diejenige von Lübeck.
Summa summarum ein gelungener Urlaub in Deutschland. Zu sagen bleibt noch, dass wir trotz der landschaftlich ruhigen Lage öffentliche Verkehrsmittel nutzen konnten (Fahrpreis des Buses in der Kurkarte enthalten). Durchaus beeindruckt waren wir von der waldbetonten Umgebung des Sees. In den „alten“ Bundesländern sind die Seeufer oft verbaut und auch unzugänglich, was es hier praktisch kaum gibt. Das Herz eines Naturfreundes müsste an diesem See deutlich höher schlagen. Angler und Wassersportler kommen hier ebenfalls auf ihre Kosten. Und so lautet das Fazit: uneingeschränkt empfehlenswert.

Der Badestrand von Bad Saarow
Blick in die Therme
Bahnhof Bad Saarow
Das ehemalige Moorbad
Partie am Scharmützelsee
"Schwedenhaus" in Bad Saarow
Kalkofenbatterie in Rüdersdorf
Seilscheibenaufzug-Pfeiler Kalkbruch
Gaststätte "Aktivist" in Eisenhüttenstadt
Baustil in Eisenhüttenstadt
Rathaus Frankfurt/O.
In der Marienkirche Frankfurt/O.

Dies könnte Sie zum Thema auch interessieren

Der Deutsch-Rumänische Verein Gießen stellt sich vor
(kk) Alles beginnt in diesem Jahr. Karsten Kopp, Initiator des...
David and the 3 Goliaths...Akustik Rock Musik
Live Musik mit David & the 3 Goliaths am See!
Am Freitag, den 24.Juli 2020 spielt die Akustik-Rock-Band "David &...
Deutschland singt und Pohlheim auch
Deutschland singt und Pohlheim auch!
Seit Wochen wird deutschlandweit für die Aktion „3. Oktober...
Eibsee am Fuße der Zugspitze
am Schmalsee bei  Mölln
Herbst an der Möllner Seenkette im Naturpark Lauenburgische Seen
Der Naturpark Lauenburgische Seen umfaßt insgesamt ca. 40 Seen und...
im Hintergrund die markante Pyramide des Thaneller
Am Plansee
Der Plansee liegt unweit von Reutte in Tirol in den Ammergauer Bergen...

Kommentare zum Beitrag

Stefan Walther
4.896
Stefan Walther aus Linden schrieb am 04.10.2020 um 20:19 Uhr
Und ich dachte schon, Sie würden hier nichts mehr schreiben Herr Klein...
Schöner Bericht der Lust auf Urlaub macht. Für uns heißt das "statt nach Portugal geht`s ab Mittwoch in den Spreewald und dann in die Lüneburger Heide", mal sehen...
Dr. Manfred Klein
1.413
Dr. Manfred Klein aus Gießen schrieb am 04.10.2020 um 22:54 Uhr
Na, da wünsche ich schönen Urlaub. Schön, dass Sie noch da sind. Andere Baustellen haben mich vom Schreiben an dieser Stelle abgehalten.
Christine Stapf
8.283
Christine Stapf aus Gießen schrieb am 05.10.2020 um 09:23 Uhr
Grüß dich Manfred. Da hätten wir dank deiner Hilfe mal wieder ein schönes Ziel mit unserem Wohnmobil.

Stefan, der Spreewald ist sehr schön, die Fahrt über Wasser empfand ich als sehr romantisch. Am Samstag werden wir auch wieder Zwischenstadion in der Lüneburger Heide machen.
Unser Land ist wunderschön, man muss nur die Augen aufmachen :-)
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) Dr. Manfred Klein

von:  Dr. Manfred Klein

offline
Interessensgebiet: Gießen
Dr. Manfred Klein
1.413
Nachricht senden
Aktuellste Beiträge des Autors:
Apropos Philosophie: Einsamkeits-Exerzitien und Mehrsamkeit
Der geneigte Leser möge die folgenden Zeilen verzeihen. Sitze ich...
Quelle: Zweitausendeins.de
Vhs-Kurs: Nichts, gar nichts?
1999 erschien Ludger Lütkehaus‘ Buch mit dem Titel "Nichts". Darin...

Weitere Beiträge aus der Region

"Bleiben Sie zuhause" - ein Hohn für Menschen ohne Zuhause
Der Winter bringt Menschen ohne festen Wohnsitz in Lebensgefahr, ob...
Der Vorsitzende des SPD Ortsverein Wieseck Oliver Persch und die Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz ehren Wolfgang Bellof für 50 Jahre Mitgliedschaft in der SPD in Wieseck
SPD-Ortsverein Wieseck stellt Kandidat*innen zur Kommunalwahl auf
Der SPD-Ortsverein Wieseck hielt unter verschärften und streng...
Mit den Kindern über die neuen Trikots freuen sich Stephanie Orlik von den SWG (hinten links) und Trainer Jens Hausner (hinten rechts.) Das Bild entstand vor dem zweiten Lockdown, also zu einer Zeit, in der das Kindertraining noch möglich war.
Neue Trikots für Rugby-Nachwuchs
Motivationsschub für die Kids der Rugby Kelten vom TSV...

Dieser Beitrag als Banner

Um diesen Beitrag als Banner auf deine eigene Homepage einzubinden, kopiere einfach folgenden Link und füge diesen Code in deiner Homepage ein.
Link:
Übrigens: unter "Meine Seite" findest du auch einen Banner zum Einbinden der letzten Beiträge, die du selbst verfasst hast.