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Uniklinikum: Gegen Asklepios kampfbereit

Gießen | Seit der Privatisierung des Uniklinikums Gießen/Marburg (UKGM) vor 15 Jahren muss sich die Belegschaft gegen profitorientierte Zumutungen des Betreibers, bis vor kurzem die Rhön Kliniken AG, wehren. Immer mehr Patienten mit immer kürzeren Liegezeiten, Personalabbau, Ausgliederung nicht klinischer Tätigkeiten an den billigsten Anbieter – all das macht die Arbeit immer schwerer und unbefriedigender. Bei seinem Kampf hatte das Personal stets die Gewerkschaft ver.di an seiner Seite und mit Klaus Hanschur einen Betriebsratsvorsitzenden, der sich traute, der Geschäftsleitung die Stirn zu bieten.
Jetzt ist Hanschur, der schon vor der Privatisierung 15 Jahre Personalratsvorsitzender war, in Rente gegangen. Etwa gleichzeitig wurde die Rhön AG an die Asklepios-Gruppe angeschlossen, ohne dass die Landesregierung als Vorbesitzer irgendeinen Einfluss nehmen konnte. Asklepios ist als knallhartes Unternehmen bekannt, in dem der Druck auf die Beschäftigten und die Ausgliederung unprofitabler Bereiche auf der Tagesordnung stehen. In vielen Asklepios-Kliniken gibt es nicht einmal Tarifverträge und deswegen noch schlechtere Gehälter
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und Arbeitsbedingungen. Auf den Nachfolger von Hanschur, Marcel Iwanyk, werden deswegen schwere Zeiten zukommen, in denen gemeinsam mit dem Personal und ver.di Verschlechterungen abzuwehren sind. Gute Arbeitsbedingungen im Klinikum sind im Interesse aller Menschen im Einzugsbereich, denn jeder kann einmal auf die Behandlung dort angewiesen sein. Der erste Kampf gegen Asklepios läuft gerade mit Warnstreiks für bessere Bezahlung und Eingruppierungen.
Parallel dazu versucht Asklepios in der Region eine gute Presse zu bekommen. Im Krankenhaus Lich richtete man eine neue Kardiologische Abteilung ein, in der gemeinsam mit dem UKGM die Versorgung von Herzpatienten verbessert werden soll. Kurz darauf wurden mit großem Presserummel 22 Krankenschwestern von den Philippinen begrüßt, die am UKGM arbeiten sollen. Wenn die Arbeitsbedingungen an deutschen Kliniken besser wären, würden nicht so viele ausgebildete Pflegekräfte nach wenigen Jahren ihren Beruf aufgeben – es wäre nicht nötig, in fernen Ländern Arbeitskräfte abzuwerben. Die Privatisierungen und Profitorientierung im Gesundheitswesen sind eine Fehlentwicklung, die beendet und rückgängig gemacht werden muss.

 
 
 

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Kommentare zum Beitrag

Dieter Petersen
1.447
Dieter Petersen aus Gießen schrieb am 29.09.2020 um 23:58 Uhr
Ein unglaublicher Fehler, der schon vor Jahren von der Regierung durchgezogen wurde. Es war vielleicht sogar damals kurzfristig eine richtige Entscheidung, hätte aber im Verlauf der sichtbaren Probleme über Jahre längst korrigiert werden müssen. Die UNIKLINIK wirkt für mich wie ein VW Werk für Kranke, riesig, unpersönlich und unübersichtlich. Wírklich krank ist aber das System, was es den Konzernsbonzen erlaubt, die Renditegier ins unermessliche zu treiben und ganz nebenbei, wenn ohne große Kosten möglich, Kranke heilt. Die Führung der Kliniksmonster achtet als oberste Priorität auf die Gewinne, die der Vorstand gnadenlos verlangt. Menschen, deren Berufung es ist, anderen zu helfen, werden mit den schlimmsten Arbeitsbedingungen bestraft, die es sonst nicht viel gibt. Das Kartellamt scheint 12 Monate im Jahr Urlaub zu machen und alle schauen beim Kaputtsparen der Gesundheitsversorgung zu.
DLRG Kreisgruppe Gießen e.V.
407
DLRG Kreisgruppe Gießen e.V. aus Gießen schrieb am 30.09.2020 um 00:17 Uhr
...
Christian Momberger
11.275
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 30.09.2020 um 00:17 Uhr
Ich wünsche dem neuen BR-Vorsitzenden viel Erfolg! Kenne ihn von früher/privat ein wenig persönlich.

Und ja die in dem Artikel geäußerte Kritik und auch der des Vorredners kann ich mich nur anschließen.
Friedel Steinmueller
3.924
Friedel Steinmueller aus Heuchelheim schrieb am 30.09.2020 um 08:36 Uhr
Das ist wirklich eine Fehlentwicklung. Und dieser Begriff drückt es noch viel zu milde aus.
Operationen wie am Fliessband, die möglicherweise absolut nicht vonnöten wären; von vielen unnützen Behandlungen und sonstigen Therapien noch ganz zu schweigen.
Dann das oftmals durch Schichtarbeit, schlechter Entlohnung und widrigen Arbeitsbedingungen völlig überlastete Personal.
Dann kommt ja noch die aktuelle Coronakrise hinzu mit denen wir es noch Monate zu tun haben werden.
Es ist einfach ein Desaster was sich da im Gesundheitswesen abspielt.
Grauenhaft die Vorstellung und ein Schlag ins Gesicht für Alle die damit konfrontiert werden. Diese Umstände müssen ein Ende haben, sonst droht ein gesundheitlicher Notstand!
Christine Stapf
8.236
Christine Stapf aus Gießen schrieb am 30.09.2020 um 10:17 Uhr
Herr Steinmüller, wie Sie richtig feststellen, viele unnötige OP`s. Die Krankenkasse zahlt Fallpauschalen, und so wird den Menschen eine OP "schmackhaft" gemacht, es geht nur ums Geld. Meinem Mann wollte man schon vor Jahren ein neues Kniegelenk verpassen, was er bis heute nicht hat, man konnte ihn nicht ködern. In meinem Umfeld gab es Knie- und Hüftgelenk OP`s, die unnötig waren, jedoch glaubten diese Menschen wenn das der Doktor sagt, sie können heute schlechter laufen als vorher. Man kann nur hoffen, dass man gesundheitlich fit bleibt und nicht ein Klinikbett braucht.
Friedel Steinmueller
3.924
Friedel Steinmueller aus Heuchelheim schrieb am 30.09.2020 um 10:22 Uhr
@Ja Frau Stapf!
Man braucht oftmals Geduld, um z.B.einen Orthopäden zu finden, der nicht gleich ans Messer denkt.
Leider wird gerade bei Hüft - und Kniegelenken der große Profit gemacht.
Mit dem oftmals durchschlagenden - für die Patienten nicht selten - niederschmetternden "Erfolg!"
H. Peter Herold
29.118
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 30.09.2020 um 11:31 Uhr
Falsch Martina. Die kürzeren Liegezeiten, bedingt durch so genannte Fallpauschalen ht nicht die Klinik veranlasst. Sind so vorgegeben worden. Ich würde sagen "Gesetzlich veranlasst".
Lieber Friedel, die letztte Entscheidung zur OP hat der Patient. Andere an meiner Stelle hätten schon lange neue Kniegelenke, auch wenn es nmicht immer besser wird. Habe es bei meiner Frau erlebt.
Peter Eschke
106
Peter Eschke aus Gießen schrieb am 30.09.2020 um 12:51 Uhr
Das Land Hessen ist ja noch mit einem kleinen Prozentsatz Miteigentümer des UKGM. Ich hätte erwartet, dass die Partei Die Grünen, die damals ja gegen einen Verkauf des Klinikums waren, sich in der Landesregierung, der sie ja jetzt angehören, für Widerstand und neue Verhandlungen in dieser Sache stark machen. Dies ist leider nicht geschehen. Abschließend wäre auf den Artikel 40 der Verfassung des Landes Hessen hinzuweisen:
"Art. 40 [Gemeineigentum]
Gemeineigentum ist Eigentum des Volkes. Die Verfügung über dieses Eigentum und seine Verwaltung soll nach näherer gesetzlicher Bestimmung solchen Rechtsträgern zustehen, welche die Gewähr dafür bieten, daß das Eigentum ausschließlich zum Wohle des ganzen Volkes dient und Machtzusammenballungen vermieden werden."
Zu prüfen wäre, ob der Weiterverkauf oder eventuell sogar der Erstverkauf an Rhönklinikum verfassungswidrig war bzw. ist.
Friedel Steinmueller
3.924
Friedel Steinmueller aus Heuchelheim schrieb am 30.09.2020 um 18:18 Uhr
@Hallo Peter Herold!
Die letzte Entscheidung hat der Patient. Das ist klar.
Eine OP darf man ablehnen. Aber das kann auch manchmal ein Risiko sein.
H. Peter Herold
29.118
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 30.09.2020 um 22:41 Uhr
Ja und jede OP von sich aus auch
Friedel Steinmueller
3.924
Friedel Steinmueller aus Heuchelheim schrieb am 01.10.2020 um 09:00 Uhr
Das meine ich ja!
Ich habe selbst viel Erfahrung mit Krankenhäusern und Ärzten.
Was die behandelnden Ärzte und Personal angeht, war ich immer sehr zufrieden.
Ich hatte zum Beispiel keine Entscheidungsfreiheit für manche Operationen.
Sonst würde ich hier nicht schreiben können.
H. Peter Herold
29.118
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 01.10.2020 um 09:29 Uhr
Wenn notwendig und indieziert, dann ja, wobei ich mir immer noch das ja vorbehalte. Ich muss ja auch schriftlich zustimmen schon wegen der Kosten ;-)
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) Martina Lennartz

von:  Martina Lennartz

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