Bürgerreporter berichten aus: Gießen | Überall | Ort wählen...

Der Hongkong-Chinese, der ein Ami war

Gießen | Mit dem »demokratischen Protest« in Hongkong ist es so eine Sache. Der bekannte Aktivist Kong Tsung-gan, seit den »Regenschirm«-Unruhen 2015 eine ständig im Westen herumgereichte Figur, ist verschwunden. Nicht in ominösen chinesischen »Straflagern«, sondern – vermutlich – von seinen Auftraggebern zurückgezogen: Denn Kong, laut Twitter-Profil ein asiatischer Mann mit dicker Sonnenbrille, heißt in Wahrheit Brian Patrick Kern, kommt aus den USA und ist mit Amnesty International verbandelt. Das, was Kern betrieb, könnte man »Yellowfacing« nennen: Ein weißer US-Amerikaner gibt sich als Chinese aus und wettert gegen die »kommunistische Diktatur«. Einen »Liebling der westlichen Presse« nannte die Webseite ­thegrayzone.com, die den Skandal aufdeckte, den Aktivisten Kern alias Kong.

Tatsächlich wird Hongkongs separatistische Bewegung von wenigen Anführern dirigiert, die sämtlich zweifelhafte Kontakte zu westlichen Agenturen haben. Einen hat diese Tätigkeit am Montag ins Gefängnis gebracht, den Medienmogul Jimmy Lai (Foto). Lai, einst antikommunistischer Flüchtling, hat es in Hongkong mit einer stramm gegen die Volksrepublik ausgerichteten Medienholding zu Vermögen gebracht: »Einer der bekanntesten Aktivisten für Freiheit und Demokratie«, meint die FAZ. Als »Vertreter der Demokratiebewegung« sei Lai »der Verschwörung mit [dem] Ausland bezichtigt« worden, bejammert ND aktuell den Verlust. Lai war tatsächlich Stammgast in den USA, er hatte sich mit US-Vizepräsident Michael Pence getroffen und Donald Trump angefleht, Hongkong endlich zu »befreien«: »Mr. President, Sie sind der einzige, der uns retten kann«, hatte Lai noch im Mai gebarmt.
Helle Panke Antiquariat_Aug_2020

Wenn das keine Verschwörung mit dem Ausland ist, was dann? Wer solche »Demokraten« wie Lai und »Kong«/Kern hat, der braucht keine Feinde mehr.

(aus "junge Welt" vom 11.8.2020

Mehr über

Der Autor hat diesem Beitrag leider keine Tags (Stichwörter) zugeordnet!
Stöbern Sie in den Stichworten (Hilfe), um verwandte und ähnliche Beiträge zu entdecken:

Kommentare zum Beitrag

Ralf Praschak
934
Ralf Praschak aus Gießen schrieb am 12.08.2020 um 20:04 Uhr
Warum lieben Linke eigentlich immer vermeintlich "linke" Diktaturen?

Das Sicherheitsgesetz gibt es nicht, was Hong Kongs Sonderstatus quasi erledigt hat?

Man muss sich nur die Bilder der Regenschirm-Bewegung und der jetzigen Proteste anschauen, um zu erkennen, dass die Demokratiebewegung nicht gesteuert ist, sondern sehr viele Menschen ihre eigentlich verbrieften Freiheiten behalten wollen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Proteste_in_Hongkong_2014
https://de.wikipedia.org/wiki/Proteste_in_Hongkong_2019/2020

Sicher mag es unter sovielen Menschen auch Personen geben, die von anderen beeinflußt, vereinnahmt oder gar gesteuert werden oder einfach nur politische Verbündete suchen, um diesen ungleichen Kampf führen zu können.

Aber wo ist denn der Beweis über wenige Anführer und die Steuerrung der Bewegung?
Dies als separatistisch zu bezeichnen ist auch mehr als bezeichnend!
Stefan Walther
4.859
Stefan Walther aus Linden schrieb am 12.08.2020 um 22:02 Uhr
Herr Praschak, ich stimme Ihnen weitestgehend zu, nur den ersten Satz Ihres Kommentars sollten Sie schon näher erläutern:
was sollen "linke Diktaturen" sein? Etwa das derzeitige chinesische System? Was bitte soll daran "links" sein, der Name der regierenden Partei sagt über den Inhalt nichts aus, Lug und Trug, nichts weiter, Kapitalismus pur... Diktatur ja, aber nicht die Diktatur des Proletariats...
Und wer ausser der DKP verteidigt als Linker ( man sollte mit Verallgemeinerungen wie immer vorsichtig sein ) das chinesische System?

Ja, es ist schon merkwürdig dass die Junge Welt ( und auch der Beitrageinsteller ) kein einziges kritisches Wort ( wie immer ) zu China sagt und die Massen in Hongkong als mehr oder weniger dumme Schafherde darstellt, die "wenigen Anführern" blind folgen - das ist einfach nur absurd!
Kurt Wirth
3.142
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 13.08.2020 um 12:18 Uhr
"Ein Land - zwei Systeme" - so wird in China der Status von Hongkong umschrieben. Das beinhaltet per se schon einen gravierenden Widerspruch. Und in abgemilderter Form gilt das auch für ganz China. Wer A sagt wie Audi muß auch B sagen wie Kong.

Nach meiner elementarmarxistischen Bildung bestimmt letztlich die (ökonomische) Basis den (ideologischen) Überbau. Die Produktionsweise und die Produktionsverhältnisse drängen auf adäquate Kultur, Gesetze usw. usf. Insofern braucht man sich nicht zu wundern, wenn sich im kapitalistischen Hongkong (und perspektivisch auch in ganz China) die "bürgerliche Demokratie" durchsetzen möchte. Dementsprechend ist es in Hongkong auch eine kleinbürgerlich dominierte Protestbewegung und nicht etwa eine "Hungerrevolte von Arbeitern".

Im Zeitalter der Globalisierung läßt es sich auch nicht verhindern, daß internationale Vernetzungen stattfinden (von "Verschwörung mit dem Ausland" zu sprechen, ist heutzutage lächerlich. Auch RT Deutsch und sputnik News können in der BRD ungestört arbeiten - von Ausnahmen abgesehen). Ein Abkapselungsversuch wird auf die Dauer nicht gelingen.

Nun trete ich aber auch nicht für ein "Zurückdrehen" der kapitalistischen Entwicklung Chinas ein. Letztlich war sie maßgeblich für die Entwicklung der Produktivkräfte und Zurückdrängung von Hunger und Armut. Maos dorfeigene Kleinhochöfen zur Stahlproduktion waren relativ wirkungslos. Der "große Sprung" und die "Kulturrevolution" brachten auch nicht die erhofften Fortschritte.

Für eine gedeihliche Zukunftsentwicklung Chinas habe ich erst mal auch keine Ratschläge. Sich nicht in zu starke Abhängigkeit der gesamtkapitalistischen Entwicklung zu begeben und Aktivierung der "schweigenden Mehrheit" für gesellschaftliche Belange wären vielleicht Ansatzpunkte.
Stefan Walther
4.859
Stefan Walther aus Linden schrieb am 13.08.2020 um 21:57 Uhr
Literaturhinweise an dich Kurt sind ja sinnlos, schade denn dann könntest du dich mal intensiv mit dem "Großen Sprung nach vorn" und vor allem auch mit der Entwicklung z.B. der Produktivkräfte und dem Kampf gegen Hunger und Armut gerade während der Großen Proletarischen Kulturrevolution beschäftigen.

Aber solltest du dich doch noch überwinden können etwas authentisches darüber zu lesen, immer wieder / immer noch empfehlenswert:

http://www.amazon.de/Quer-durch-China-Kulturrevolution-1966-1971/dp/3880210403/
Kurt Wirth
3.142
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 14.08.2020 um 07:37 Uhr
Bei Amazon kaufe ich grundsätzlich nicht ein.
Michael Beltz
7.768
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 14.08.2020 um 10:43 Uhr
Haben denn die beiden Kritiker nicht bemerkt, dass es in dem obigen Artikel nicht um China geht? Wenn ein aus den USA geschickter CIA Agent sich als Chinese verkleidet und " Demokratie" im Ausland/Hongkong lehren will, dann ertönt aus dem bürgerlichen Lager Jubel. Denken wir ein paar Jahre zurück: Chile...Pinochet. Hat wikipedia auch schon für den "demokratischen" Faschisten gejubelt?
Hongkong: Das Volk soll entscheiden. Richtig! Stefan, du forderst doch stets, dass die Arbeiterklasse die Macht erlangen soll
aber wo steht hier die Arbeiterklasse? Oder ist es doch so, dass eine kleinbürgerliche Protestbewegung die Sache mit internationaler Begleitung durch die Medien forciert.
Dass die "Piraten" als kleinbürgerliche Partei das so sehen wie Ralf, ist eben so. Ich mag die mir bekannten Piraten dennoch als Personen.
Zur DKP: bei uns laufen seit einiger Zeit teilweise interessanten Diksussionen über China. Für mich derzeit die wichtigste mir bekannte Agitation: Kein Krieg gegen Russland und China.

Mögliche Kritik an mir: wikipedia gab es damals noch nicht
Kurt Wirth
3.142
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 14.08.2020 um 12:55 Uhr
Den ersten Satz verstehe ich nicht, Michael. Hongkong gehört seit 1997 sehr wohl zu China. In dem jw-Artikel ist auch von "Hongkongs separatistischer Bewegung" die Rede.
Stefan Walther
4.859
Stefan Walther aus Linden schrieb am 14.08.2020 um 13:45 Uhr
@ Kurt: was soll das? Das Buch kann man natürlich auch direkt beim Verlag Neuer Weg ( oder bei mir als Agentur von "people to people" ) bestellen. Es geht hier doch nicht um Amazon, es geht um Inhalte!

@ Michael: natürlich geht es auch um China wenn es um Hongkong geht, das eine kann man doch nicht vom anderen trennen. Und, hat denn in China, oder in Hongkong, die Arbeiterklasse die Macht? Hier wie dort leben die Herrschenden auf Kosten der Arbeiterklasse ( in China sind es die Partei-Bürokraten und Oligarchen ). Schöne Grüße an den Geschäftsmann in Shanghai, der sich gerade für 1,5 Millionen eine mit Diamanten besetzte Schutz-Maske anfertigen lässt... wer das wohl alles bezahlt...
Und dass es sich in Hongkong um einen von Kleinbürgerlichen geprägten Protest handelt, dafür fehlen hier immer noch die Beweise. Dass das restliche imperialistische Lager jubelt, das ist klar, das ist aber kein Grund dafür die protestierenden Massen, egal ob in Belarus, Hongkong, Israel, Libanon... oder sonstwo zu diffamieren.

Krieg gegen Russland und China? Nun, es wäre ja mal interessant wie es mit einer Analyse der derzeitigen Beteiligung der EU, Deutschlands, Russlands und Chinas usw. usf. an den jetzt geführten Kriegen aussieht, von Syrien über die Ukraine, Jemen, Afghanistan, im Pazifik... nur um einige aktuelle Beispiele zu nennen.
Michael Beltz
7.768
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 14.08.2020 um 20:11 Uhr
Kurt. schon klar. Mir ging es in erster linie um die weltweiten Umtriebe der USA und ihrer CIA.
Michael Beltz
7.768
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 16.08.2020 um 10:26 Uhr
Vergleichar wäre z.B. Mr. KernTsung-gan mit Frau Nahles oder Klöckner, wenn diese sich dunkelbraun geschminkt, ein Kopftuch aufgesetzt und als unterdrückte Muslima im arabischen Frühling die Führung der Bewegung übernommen hätten.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) Michael Beltz

von:  Michael Beltz

offline
Interessensgebiet: Gießen
Michael Beltz
7.768
Nachricht senden
Aktuellste Beiträge des Autors:
Antrag zur Ehrung von Ria Deeg
Der Magistrat wird gebeten, im Gedenken an die Antifaschistin und...
Morddrohung gegen Janine Wissler
Inzwischen werden Morddrohungen in vielfacher Art gegen linke...

Weitere Beiträge aus der Region

dm Drogerie Markt aus Lollar stattet D- und C-Juniorinnen mit Hygiene- und Pflegeartikel aus
+++dm Drogerie Markt aus Lollar stattet D- und C-Juniorinnen mit...
LUARENZIA - BERICHT AUS DEM NEUEN ZUHAUSE
Laurenzia war das erste und hoffentlich letzte Corona-Opfer aus dem...
Zweckmässigkeit und Kunst wusste das Bauhaus zu verbinden
101 - Jahre Bauhaus
Vortrag mit „Lichtbildern“ und Diskussionsmöglichkeit der VHs...

Dieser Beitrag als Banner

Um diesen Beitrag als Banner auf deine eigene Homepage einzubinden, kopiere einfach folgenden Link und füge diesen Code in deiner Homepage ein.
Link:
Übrigens: unter "Meine Seite" findest du auch einen Banner zum Einbinden der letzten Beiträge, die du selbst verfasst hast.