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TEIL 2 - Wohin mit gelesenen Bücher? ODER Bücher im Hof

Sende aus dem Verkauf zu Gunsten der Bildungsarbeit
Sende aus dem Verkauf zu Gunsten der Bildungsarbeit
Gießen | ***Das ist der 2. Teil - da ich das im ersten Anlauf nicht vollständig hinbekommen habe. Die Bilder dazu im 1. Teil mw***


Zweitbücher verschenken

Unter diesem Stichwort lassen sich verschiedene Möglichkeiten zusammenfassen. Empfehlenswert ist auch dazu ein neuerer Artikel in einer der Gießener Lokalzeitungen. (2)

>> öffentliche Bücherschränke sind weit verbreitet – siehe dazu eine Liste im Internet (3)

öffentlicher Bücherschrank per Glasschrank im Philosophikum II der Universität / vor dem Audimax
Mir nicht bekannt. Information aus dem Internet

halb - öffentlichen Bücherschrank in dem Vorraum des „Literarischen Zentrums“
Das Literarische Zentrum befindet sich in den ehemaligen Räumlichkeiten der Stadtbibliothek; also in einem Nebengebäude der Kongresshalle (über den Parkplatz hinter der Halle, ein paar Stufen zur Wieseck hin hoch).
“Halb-öffentlich“ übrigens deswegen, weil der Vorraum nur zu bestimmten Zeiten allgemein zugänglich ist. Zu den Corona – Zeiten hat das Zentrum seltener auf; bitte im Detail unter www.lz-giessen.de vorher informieren. Eine Besonderheit stellt hier die Chance für den Bücher – Abgeber dar, dass die Hilfskräfte des Zentrums die gespendeten Bücher mit einem Stempel versehen, so dass das so gekennzeichnete Buch nicht unerlaubterweise von irgendeinem „Mitnehmer“ irgendwo verkauft werden kann.

Mehr über...
öffentlicher Bücherschrank in der Plockstraße
Der Schrank befindet sich auf der Rückseite der Volksbank – ein Steinwurf zu den „3 Schwätzern“ entfernt. Gehe dort regelmäßig hin, manchmal 3 - 4 mal in der Woche (je nachdem, ob der Schrank „überquillt“). Bringe im Umfang eines Rucksackes Bücher vorbei bzw. nehme Bücher mit. Hatte vor Jahren - genauer 2013 bis 2015 (4) - über eine Stadtparlamentsfraktion die Aufstellung dieses Schrankes angeregt und fühle mich seit dieser Zeit für den einigermaßen geordneten Betrieb – ohne offizielle Beauftragung; die gibt es nicht – verantwortlich. Dieser Schrank wird gut frequentiert. Vor allen Dingen, weil er dazu einlädt vor bzw. nach dem Innenstadtbesuch (wegen Einkauf oder Arbeitsstätte) eine Tasche mit Büchern zu bringen und / oder mitzunehmen.

privater öffentlicher Bücherkiste
Im „Vorspann“ habe ich ja diese Version im Hof des Eckhauses Stephanstraße – Goethestraße (unten drin ist die Gaststätte „Vanilla-Bar“) beschrieben. Der Schrank in der Plockstraße ist fast ständig überbelegt. Oft stehen die Bücher in zwei Reihen! (Wie könne Menschen so vertrottelt sein und Bücher in die 2. Reihe rein stellen?) Diesen Überschuss nehme ich zu meinem „privaten Bücherschrank im Hof“ mit. Das will ich so weiter so betreiben.

Bücher in Zu-Verschenken-Kisten
Es gibt auch die spontane Variante von den Bücherkisten vor der Haustür. Die Verschenke-Kisten sind meist mit Hausrat / Kleidung „gemischt“. Sie setzen auf Zufälligkeit bezüglich potentieller Interessenten und öfters bekommen dort Bücher bei Regen so starke Wasserschäden, dass eine weitere Nutzung nicht mehr möglich ist.

Jugendwerkstatt in der Weststadt
In Gießen nahm bis vor ein paar Monaten die Jugendwerkstatt (eine caritative Einrichtung in der Hand eines kirchlichen Sozialkonzerns) Gebrauchtbücher an, welche dann im so genannten Sozialkaufhaus für wenig Geld verkauft wurden. Seit einigen Monaten bietet die Jugendwerkstat diesen Service nicht mehr an.

Wertstoffhof in der Lahnstraße
Auch dort warfen die Mitarbeiter nicht gleich die bei ihnen angelieferten Bücher in den Container, sondern legte diese auf Tischen aus. Neulich gab ich da was ab; jetzt in Corona-Zeiten machen sie das Angebot auch nicht mehr (logisch, denn die Interessenten können sich ja an den Tischen zu nahe kommen).

Abgabe bei einem von einer gemeinnützigen Organisation organisierten Bücherverkauf
Wer bei sich Platz hat zu einer Zwischenlagerung bekommt dort auch eine größere Menge Bücher los. Aber die Organisationen dafür werden aber seltener. Früher machte das einmal im Jahr einer der vielen Gießener Service-Clubs. Eine Gruppe für verfolgte Schriftsteller macht das so gegen Weihnachten.


halb-öffentliche Bücherecken
In den letzten Jahren gibt es immer mehr Bücherecken in halb-öffentlichen Räumlichkeiten. Gehe ich zum Arzt, zum Zahnarzt, in die Klinik oder ins Blutspende – Zentrum (also irgendwohin, wo Menschen mehr oder weniger lange Wartezeiten zu überbrücken haben) habe ich immer ein paar Bücher im Rucksack. Entweder gibt es dort (zumeist bei den Zeitschriften) so eine Ecke oder es besteht die Bereitschaft eine solche Ecke zu eröffnen.

Zweitbücher in Hotels dort liegen lassen
Bin nicht reich, komme aber ab und zu am Urlaubsort in ein Hotel. Seit Jahrzehnten ist es dort üblich, dass die Gäste ausgelesene Bücher – zumeist in der Nähe der Rezeption – für andere Gäste liegen lassen. Trotz begrenzten Gewichts des Reisegepäcks schaffe ich es so zwischen 15 und 20 Taschenbücher mitzunehmen.

Bewerbung der abzugebenden Bücher per Aushänge im Lebensmittelmarkt, beim Bäcker, beim Metzger usw.
Auch eine klassische Variante. Nicht „verstaubt“ – zumindest finde ich bei meinem Markt öfters solche Zettel.

Bookcrossing
Eine relativ spezielle Form des Verschenkens, ist das Bookcrossing – System (5). Dabei wird über das Internet ein gebrauchtes Buch „in die Freiheit“ entlassen oder „auf Reise geschickt“. Das heißt konkret ein Buch wird im Netz mit einer Nummer registriert (und natürlich genauer dabei beschrieben), wetterfest eingepackt und dann an einem geeigneten Ort in der Öffentlichkeit abgelegt (mein Favorit dabei sind die zahlreichen Elektroschränken an Gießener Straßen, die fallen Fußgänger gut auf). Der Ort wird auch im Netz angegeben. Der Entdecker kann dann das Buch als gefunden melden, lesen und wieder irgendwo ablegen (wird aber nicht kontrolliert), damit ein neuer Leser gefunden wird. Das ganze macht etwas Arbeit. Unmengen von Gebrauchtbücher sind so nicht zu verschenken. Aber über die vielen Jahren bin ich jetzt bei 2500 „frei gelassenen“ Büchern angelangt.


Bewerbung der abzugebenden Bücher per Internet
Beliebt sind Plattformen auf denen gezielt Verschenke – Artikel (nicht nur Bücher) angeboten werden. (Gerne auch als Nebenprodukt von Plattformen auf denen normalerweise Artikel „vertickt“ werden.) Großer Vorteil ist, dass da - in der Regel kein - Postversand erfolgt, sondern dass die „angepriesenen Bücher“ beim Abgeber abgeholt werden muss. Es können „nahe Angebot“ per diesbezügliche Suchanfragen gefunden werden. Für den „Verschenker“ geht es dabei kaum komfortabler, denn nach Kontaktaufnahme mit dem Gebrauchtbücher - Abholer muss die Kiste oft nicht mal an die Straße getragen werden, sondern kann bis zur Abholung in der Wohnung gelagert werden. (6)
Es muss aber nicht nur eine Verschenke-Plattform sein. Ich habe auch schon „elektronische Verschenke-Angebote“ in Nachbarschaftsnetzwerken gesehen. (6)
Ob es so etwas in den so genannten Sozialen Netzwerken gibt ist mir nicht bekannt, da ich diese nicht nutze. (6)

Zweitbücher verkaufen

Klassische Zweitverwertung per Verkauf ist über einen Flohmarkt oder über ein Antiquariat. Beide „funktionieren“ wohl nur noch bei sehr seltenen Büchern. Ist ja auch logisch, wenn der Gebrauchtbüchermarkt mit Büchern überschwemmt wird und gleichzeitig die potentiellen Leser weniger werden (wegen der leseunwilligeren jüngeren Bevölkerungsteilen bzw. den wachsenden Lesern auf den elektronischen Spielzeugen) so kommen die Preise eben von zwei Seiten unter Druck; zu hohes Angebot und zu wenig Interessenten.

Bis vor 2 oder 3 Jahren gab es in der Gießener Innenstadt noch ein modernes Antiquariat. Zu Flohmärkten kann ich aus eigener Ansicht nichts sagen, Flohmarkt - Besucher erzählten mir aber, dass da immer weniger läuft.

Was bleibt ist der private Verkauf über das Internet. Habe vor ein paar Tagen darüber mit jemand gesprochen, der davon Ahnung hat. Er meinte es gäbe prinzipiell drei Abgabe- / Vertriebswege dafür.

Erstens; in elektronischen Schwarzen Brettern (ähnlichen den Aushängen im Lebensmittelmarkt, … um die Ecke) von Nachbarschaftsnetzwerken bzw. so genannten Sozialen Netzwerken Verkaufsangebot hinterlassen. (6)

Zweitens; (wohl nur bei größerem Bestand interessant) sich im Internet bei einem Dienstleister ein Art eigener „Verkaufsstand“ zu errichten und darüber „auf eigener Kappe“ die Gebrauchtbücher zu vertreiben. Vorteil: solche spezialisierten Plattformen werden gezielt von Buchinteressenten besucht. Nachteil: Die Errichtung „deiner Angebotsseiten“ ist arbeitsintensiv. Dazu kommt noch der durch den Abgeber zu tätigende Postversand. (6)

Drittens; bei allgemeinen Verkaufsplattformen (nicht nur bei den Marktführer) Bücher zum Verkauf einstellen. (6)

Zum Schluss eine kurze Abschweifung ……

Wie geschrieben das „Aufräumen“ des Bücherschrankes in der Plockstraße kostet mich viel Zeit. Das sind in der Regel zwischen 15 bis 30 Minuten; kann – ab und zu – aber bis zu einer Stunde Zeit kosten. In diesen Zeiten werde ich des öfters von Passanten, aber auch Bücherbringern bzw. Bücherabholern angesprochen. Ich lerne andere Nutzer (Abgeber und / oder Abholer) kennen, da ich diese immer „vor lasse“ und darauf warte bis diese am Schrank fertig sind. Es entwickeln sich interessante Gespräche zu vielen Aspekten des Bücherschrankes.

Ich werde auch angemacht, so von wegen „ …… schon wieder ein Rucksack nehmen sie / Du mit ( dass ich Bücher mitbringe wird dabei übersehen) ….. Du / Sie verkaufen wohl die Bücher? …. usw.“. Bisher konnte ich die - teilweise recht aggressiv vorgetragene - Anwürfe / Argumente mit Informationen kontern. Es bleibt aber ein virulentes Problem. Die Bücher aus einem öffentlichen Bücherschrank sind (trotz Verbotsanweisung an der Wand daneben) von Mitbürgern infach einzusacken und dann irgendwann oder irgendwo zu Geld zu machen. Das war übrigens schon das Problem zwischen 2013 und 2017. Was ja zur Errichtung des Bücherschrankes in der Plockstraße geführt hat. (Nachdem der Versuch eines Bücherschrankes in der frisch umgezogenen städtischen Bibliothek gescheitert war. Übrigens nachzulesen in älteren Artikeln dieser Onlineausgabe (7) und (8). Anekdote am Rand: Die damals „treibende Kraft“, der stadtbekannte Mitbürger mit dem S….., ist heute noch „aktiv“. Und das, obwohl er die Bücher nicht mehr in einem Antiquariat verkaufen kann.)

Dem „Spender“ von Büchern kann nicht garantiert werden, dass Mitbürger mitgenommene Bücher zu Gunsten der eigenen Tasche verkaufen. (Ausnahme, wenn die Bücher im Literarischen Zentrums abgegeben werden.) Vielen „Ablieferern“ ist das egal. Auch weil sie sich im Netz schlau gemacht haben, ob für das abgegebene Buch ein Verkaufserlös zu erzielen ist. Aber auch, weil das immer noch besser ist als das „ab in den Container“.

Ich habe den Eindruck (direkt fragen, das bringt ja nichts), dass gut ein halbes Dutzend Gießener Mitbürger mehr oder weniger regelmäßig den Schrank besuchen um dort gezielt nach eventuell verkaufbaren Büchern Ausschau halten; also bei bösartiger Auslegung zu dieser „Kategorie zu zählen sind. Mir stellen sich da zwei Fragen:

1.
Wenn es stimmt, dass für ein Gebrauchtbuch in der Regel nur Pfennigbeträge zu erzielen ist, wie arm muss so ein Mensch sein, der so sein Auskommen aufbessern muss bzw. glaubt aufbessern zu müssen.

2.
In welchen Zeiten leben wir eigentlich, wenn nicht nur in der Innenstadt (meine Schätzung) in den letzten Jahren die Zahl der Flaschensammler sich verdoppelt hat (½ auf mindestens 1 Dutzend), sondern darüber hinaus auch noch eingesammelte und dann verkaufte Zweitbücher für Mitbürger zum Lebensunterhalt her halten müssen.

Ich habe versucht die Informationen „nach besten Wissen und Gewissen“ zusammen zu stellen. Wenn ich etwas vergessen habe, bitte ich um dementsprechende Kommentierung.


(1) https://weltladen-giessen.de (dort auf die Seiten der Bildungsarbeit gehen)

(2) www.giessener-allgemeine.de/giessen/buecher-verschenken-aber-13783576.html

(3) https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_%C3%B6ffentlicher_B%C3%BCcherschr%C3%A4nke_in_Hessen )

(4) www.giessener-zeitung.de/giessen/beitrag/118583/eroeffnung-eines-staedtischen-oeffentlichen-buecherschrankes-in-der-plockstrasse-in-giessen-mitte-april-2017

(5) www.bookcrossing.com

(6) URLs nenne ich nicht – ich mache keine Schleichwerbung; Suchanfragen „liefern“ bestimmt Treffer.

(7) http://www.giessener-zeitung.de/giessen/beitrag/85878/ein-paar-ideen-zu-einem-neuen-verschenke-regal-fuer-gebrauchtbuecher-in-giessen/ (aus dem Jahr 2013)

(8) http://www.giessener-zeitung.de/giessen/beitrag/85400/giessen-braucht-endlich-mindestens-einen-echten-oeffentlichen-buecherschrank/ (aus dem Jahr 2013)

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Kommentare zum Beitrag

Martin Wagner
2.697
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 10.07.2020 um 23:05 Uhr
Sorry, hatte technische Probleme. Artikel ist leider "zweigeteilt".

Erster Teil:

http://www.giessener-zeitung.de/giessen/beitrag/134217/wohin-mit-gelesenen-buecher-oder-buecher-im-hof/
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

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Herzlichst, Ihr(e) Martin Wagner

von:  Martin Wagner

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Martin Wagner
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