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Wohin mit gelesenen Bücher? ODER Bücher im Hof

Bücher warten schon - rike - pixelio
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Gießen | 1 Versuch Bücher für 1 guten Zweck zu verkaufen - jetzt kostenlose Abgabe per privat-öffentlicher Bücherkiste

„Vorspann“

Im Frühsommer des letzten Jahres entwickelte ich in Zusammenarbeit mit einem Lehrer in einer im Kreis angesiedelten Schule ein Konzept, im Fach Ethik ein (praktisches) Projekt (Bereich des Umwelt-/Naturschutz bzw. Ernährung) durchzuführen. Dafür hätte eine gewisse Summe „Startgeld“ zur Verfügung gestellt werden müssen. Ich wollte das dadurch unterstützen, dass ich anbot, dass ich Gebrauchtbücher aus der Sparte Unterhaltsliteratur in großer Menge sammele, welche dann in einem Kur- bzw. Reha-Ort für geringen Beträge für das einzelne Buch verkauft werden könnten. Ich hatte nämlich davon gehört, dass so etwas funktioniert (wohl im Gegensatz zu anderen Verkaufsorten), weil diese Bücher - für die normalerweise kein massenhaftes Interesse da ist – an solchen Orten interessant sind. Eigentlich logisch, weil viele Gäste sich in diesen Orten langweilen und weil sie vergessen hatten, Bücher in den Koffer zu stecken.

Üblich ist der Verkauf von besonders begehrten Gebrauchtbücher, aber auch „Masse statt Klasse“ bringt Geld. Da Bücher der Unterhaltungsliteratur quasi nicht verkäuflich sind (wenn überhaupt sind die wenigen Interessenten höchsten bereit im Cent-Bereich Geld „locker zu machen“) sind solche Bücher nicht allzu schwer zu erhalten. Die Idee im Freundes- und Bekanntenkreis herum erzählt und ich bekam entsprechende Pappkisten, Tüten etc. vor die Haustüre gestellt. Innerhalb eines Vierteljahres stapelten sich so (geschätzt) 600 bis 800 Bücher bei mir. Und dann der „Gau“; der Lehrer sagte das geplante Projekt ab. (Lebensgefährtin tobte von wegen „Messi“ und so …!)

Ende Februar präsentierte ich dann an drei Wochenendterminen diese Bücher in dem Hof des Hauses; jetzt mit der Ansage „eingehendes Geld geht an die Bildungsarbeit des Trägervereins des Gießener Weltladens“ (1) Siehe dazu auch die eingestellten Fotos der erläuternden Plakate. Ich setzte dabei auf die Laufkundschaft, welche am Haus Richtung Innenstadt geht. „Sagenhafte“ 52,70 Euro kamen dabei zusammen. Bei der vielen Arbeit des Raus- und Reinschleppens und bei der stundenlangen Präsenzpflicht war das ein „Schuss in den Ofen“. Spontane Änderung: Ich „baute“ 2 bis 4 Bücher – Verschenke - Kisten im Hof bzw. im Vorraum der Gaststätte im Erdgeschoss auf. Unterschiedliche
Bücher im Hof - Ordnung sieht anders aus
Bücher im Hof - Ordnung sieht anders aus
Anzahl von Büchern gehen täglich weg; mal nur 3 oder 4, aber aucvh einmal an die 20 Bücher. Nach ein paar Wochen bekam ich raus, welche Art von Unterhaltungsliteratur „geht“ und welche nicht. Deswegen kann ich heute mehr zielgerichtet „nachfüttern“. Inzwischen legen Nachbarn zusätzlich von sich aus Bücher dort ab. Nachdem die gesammelten Bücher weg waren, fragte ich erneut in meinem sozialen Umfeld nach. Wenn ich heute den öffentlichen Schrank in der Plockstraße aufräume (s.u.) und dieser überquillt lagere ich den Überschuss (aber nur das was bei mir „läuft“) in den Hof um. (Herrscht Mangel in der Plockstraße - selten, aber es kommt vor - dann geht es umgekehrt; also ich schleppe Bücher von mir dorthin.) Übrigens die „Kistenwirtschaft“ macht im Gegensatz zu einem Bücherschrank richtig Arbeit (bei Regen sofort Kiste abdecken!).

Vor ein paar Tagen habe ich die Ende Februar gesammelten 52,79 € offiziell einer Vertreterin des Trägerverein des Gießener Weltladens für deren Bildungsarbeit übergeben. Mehr zur Arbeit des gemeinnützigen Vereins im Internet (1). ((Warum dieser Verein? – Weil der gut ist / weil ich den vor 41 Jahren mitgegründet habe.))

„Wohin mit gelesenen Bücher?“ lautet der Artikel. Das Thema verleitet
Spende für die Bildungsarbeit
Spende für die Bildungsarbeit
schnell zu ausufernden Erzählungen. Aber ich sollte die aufgeworfene Frage auch nicht allzu kleinteilig beantworten. Ich versuche mich auf die Gießener Situation zu beschränken. Manches schreibe ich aus eigenem Erleben - über anders habe ich mich „fit gemacht“.

Ist - Zustandsbeschreibung

Es gab - und das ist gar nicht so lange her – Bücher, welche nur zur Dekoration diente. Berühmt sind die Blindschatullen (vorwiegend) deutscher Klassiker für den Bücherschrank im Wohnzimmer. Bis vor ein paar Jahren wurde in der Regel ein geschenktes oder gekauftes Buch einmal gelesen und dann in den Schrank bzw. auf das Bord gestellt. Da kamen im Laufe der Jahre eine ganze Latte zusammen, vor allen Dingen, weil in der BRD sich die Bücherclubs - kommerzielle aber auch solche mit Bildungsauftrag (z.B. Büchergilde von den Gewerkschaften) - mit einem Abo-Wesen etabliert hatte (was für einen festen Jahresbeitrag so-und-so-viele vergünstigte Bücher anboten), welche für ständigen Nachschub sorgte.

Heute werden nicht nur Wohnungen kleiner und / oder Häuser / Wohnungen haben zwecks „Zwischenlagerung“ keinen Keller mehr. Warum? - Das Wohnen wird (egal ob im Eigenbesitz oder zur Miete überprozentual) teurer und immer größere Bevölkerungsschichten
Beispiel - Bildungsarbeit des Weltladens
Beispiel - Bildungsarbeit des Weltladens
können sich größere Wohnungen nicht mehr leisten. D.h. der Platz für Bücherschränken und Bücherbords wird anderweitig gebraucht bzw. „Ausweichquartiere“ für Bücher zuhause gibt es nicht mehr. Dazu kommt; der Markt für Zweitnutzung schmilz, denn Bücher werden verstärkt digital gelesen und nicht zu vergessen die leserfreundliche Bevölkerungsteile sind im Pflegeheim- oder Altersheimalter (können dort die Bücher nicht mitnehmen) oder liegen schon auf dem Friedhof. Kurz: Es fallen Unmengen von einmal gelesenen Büchern an, welche nicht mehr (wie bisher) einen der vielen Wegen einer Zweitverwertung zugeführt werden bzw. werden können (abgesehen von den Altpapiercontainer als nicht sinnvolle Zweitverwertung).

Altpapier - Entsorgung

Einfach die Papiertonne auf und rein damit? Davor schrecken zumindest die Jahrgänge zurück, denen noch klar ist, dass so ein Buch neu gekauft eine Stange Geld gekostet hat, sondern auch so etwas wie ein Kulturgut darstellt. Die heutige Jugend mit ihrer ständigem Eventgehabe mit Videoclips, TV - Schrott und angesagten Liveveranstaltungen dürfte das am Allerwertesten vorbei gehen, die dürften das wirklich machen. Aber die etwas Älteren machen sich darüber Gedanken, wie – gerne mit wenig Aufwand – eine Zweitverwertung möglich ist.

Zweitbücher verschenken

Unter diesem Stichwort lassen sich verschiedene Möglichkeiten zusammenfassen. Empfehlenswert ist auch dazu ein neuerer Artikel in einer der Gießener Lokalzeitungen. (2)

>> öffentliche Bücherschränke sind weit verbreitet – siehe dazu eine Liste im Internet (3)

Bücher warten schon - rike - pixelio
Bücher im Hof - Ordnung sieht anders aus
Spende für die Bildungsarbeit
Beispiel - Bildungsarbeit des Weltladens
Plockstraßen - Bücherschrank mit Hinweisschild
1
Gaststätten - Schild - Bücher im Hof daneben
Bücherschrank in der Plockstraße
Bücherschrank in Andernach
Freiluft - Bücherschrank in Leverkusen - rike - pixelio
Bücherschrank in Erlangen - rike - pixelio
Bücher im Hof - Gesamtansicht
fff - Aktionstag 2019 - Weltladenbeitrag
Bücher im Hof - Verkauf für die Bildungsarbeit
Bücher machen Freude - S. Hofschlaeger - pixelio

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Kommentare zum Beitrag

Martin Wagner
2.697
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 10.07.2020 um 23:08 Uhr
Sorry, hatte technische Probleme. Artikel ist leider "zweigeteilt".

Zweiter Teil:

http://www.giessener-zeitung.de/giessen/beitrag/134218/teil-2-wohin-mit-gelesenen-buecher-oder-buecher-im-hof/
Bernd Zeun
11.619
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 11.07.2020 um 09:05 Uhr
Insgesamt guter und nützlicher Beitrag, sieht man einmal von unzulässigen - und auch insgesamt nicht zutreffenden - abwertenden (die heutige Jugend) oder wohlwollenden (die Älteren) Verallgemeinerungen ab.
Bernd Zeun
11.619
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 11.07.2020 um 10:15 Uhr
Sorry, hatte Aufmerksamkeitsprobleme. Kommentar sollte eigentlich erst unter den zweiten Teil :-)
Jutta Skroch
13.680
Jutta Skroch aus Buseck schrieb am 11.07.2020 um 11:40 Uhr
Hallo Martin, das deine Lebensgefährtin die Notbremse gezogen hat, ist verständlich. Es ist nicht so einfach, gelesene Bücher an den Mann oder Frau zu bringen. Ich stehe vor dem gleichen Problem. Ich war an den Samstagen, wo wir in der Stadt waren, regelmäßig in der Plockstraße, um nach Lesefutter Ausschau zu halten, meist wurde ich auch im Unterhaltungsbereich fündig, ist auch mein bevorzugtes Lesefutter. Wenn ich sie gelesen habe, gebe ich sie auch weiter. Ich würde sie auch wieder hinbringen, mir ist das aber zuviel Schlepperei und wenn ich sie dann auch noch wieder mitnehmen müsste, weil der Schrank voll ist, das tu ich mir nicht an. Es ist sehr schwierig für Unterhaltungsbücher noch ein paar Cent zu bekommen. Noch schwieriger ist es, für einstmal teure Bildbände oder Sachbücher einen halbwegs angemessenen Preis zu erzielen, da verschenke ich sie lieber an jemand, den es interessiert. Es gibt im Internet auch Ankaufstellen, aber die Erlöse sind so minimal, wenn sie überhaupt angenommen werden, das sich das nur selten lohnt.
Ich habe hier in Buseck auch schon angeregt, einen Bücherschrank aufzustellen, das dauert aber noch.
Man kann es auch über Ebay Kleinanzeigen versuchen.

@Bernd, auch wenn du es als Verallgemeinerung abtust, das Konsumverhalten, bzw. die Wegwerfmentalität ist bei den Jüngeren meist ausgeprägter. Manchmal beneide ich sie darum.
Ich versuche immer, etwas bis zuletzt irgendwie zu verwerten.
Man kann Bücher ja auch zweckentfremden, falls sie niemand mehr lesen will. Da gibt es genug Ideen. Wegwerfen ist die allerletzte Option.
Martin Wagner
2.697
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 11.07.2020 um 14:16 Uhr
Danke Jutta für Deine zusätzlichen Informationen.

Ja, ich werde älter und das mit dem "merken" wird schwieriger.

Was ich vergessen habe ist zum Beispiel die Möglichkeit mit Büchern ein Kunstwerk oder ein Gebrauchsgegenstand zu machen.

Kunstwerk:

mittels Bücher aus einem thematisch passenden Bild eine 3 - dimensionale Installation

Gebrauchsgegenstand:

z.B. aus einem größeren Schwung Bücher einen Sitzwürfel
Jutta Skroch
13.680
Jutta Skroch aus Buseck schrieb am 11.07.2020 um 17:50 Uhr
Messerblock geht auch. ;-))) Mehrere alte Bücher zusammenbinden. Der Sitzwürfel dürfte zu schwer werden.
Stefan Walther
4.796
Stefan Walther aus Linden schrieb am 11.07.2020 um 22:16 Uhr
Stimme dir zu Bernd: hätte Martin Wagner diese unzulässigen Verallgemeinerungen über die heutige Jugend und die Älteren weggelassen, dann hätte der gute Beitrag keinen faden Beigeschmack.
Wäre mal interessant zu wissen welche Statistik(en) Martin zu Grunde gelegt hat für sein Urteil wer zur "lesefreundlichen" Bevölkerung gehört und wer angeblich nicht.
Jutta Skroch
13.680
Jutta Skroch aus Buseck schrieb am 13.07.2020 um 20:12 Uhr
Interessanter Link zum Thema Lesen, die Statistik gibt leider keinen Aufschluss über das Leseverhalten vom Alter her, bevorzugt wird aber immer noch das handfeste Buch zum Lesen und nicht das E-Book, damit kann ich mich persönlich überhaupt nicht anfreunden.

https://de.statista.com/themen/257/lesen/

Martin geht es auch eher um das Wegwerfverhalten (Martin, korrigiere mich, falls ich schief liege) und da sind die Jüngeren wohl eher bereit dazu.
Das Thema galt im Übrigen den Büchern und nicht Jugend gegen Alter. ;-)
Stefan Walther
4.796
Stefan Walther aus Linden schrieb am 13.07.2020 um 22:34 Uhr
Sehe ich genauso = das "handfeste Buch" ist immer noch das beste...
Nun, mag sein dass es Martin vor allem um das Wegwerfverhalten geht, aber die Reaktionen von Bernd und mir beruhen auf Inhalte seines Beitrags. Und damit hat Martin selbst einen Widerspruch "jung / alt" benannt, der erstens vom eigentlichen Thema ablenkt und zweitens Wasser auf die Mühlen von Spaltern ist.
Apropos Wegwerfverhalten: auch da mag ich keine Verallgemeinerungen, gerade viele Jugendliche stehen in vorderster Reihe wenn es um den schonenden Umgang mit Ressourcen geht...
Jutta Skroch
13.680
Jutta Skroch aus Buseck schrieb am 14.07.2020 um 00:38 Uhr
Stefan, ich denke, da macht jeder sehr unterschiedliche Erfahrungen, wenn ich sehe, wieviel Brauchbares an den Altglascontainern zu finden ist, da gibt es schon eine Wegwerfmentalität. Manches wird auch mit der guten Absicht hingestellt, damit es von jemand anders wieder mitgenommen werden kann.
Stefan Walther
4.796
Stefan Walther aus Linden schrieb am 14.07.2020 um 06:53 Uhr
Da gebe ich dir Recht Jutta. Nur alles kein Grund das Eine auf die Jugend und das Andere auf die Älteren zu beziehen.
Vieles wird heute auch so produziert dass es keine lange Lebensdauer hat, die Wegwerfmentalität bewusst gefördert... es muss ja wieder "Neues" verkauft werden...
Martin Wagner
2.697
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 14.07.2020 um 18:04 Uhr
Liebe Jutta - grüß Dich Genosse Stefan

Ich schrieb: (....) "Die heutige Jugend mit ihrer ständigem Eventgehabe mit Videoclips, TV - Schrott und angesagten Liveveranstaltungen dürfte das am Allerwertesten vorbei gehen, die dürften das ((gemeint war "Bücher im Container entsorgen)) wirklich machen. Aber die etwas Älteren machen sich darüber Gedanken, wie – gerne mit wenig Aufwand – eine Zweitverwertung möglich ist." (.....) *

Dazu stehe ich auch weiterhin. Wer darin nicht eine belegbare Tatsachenbehauptung sieht, sondern eine Fake-News der ........!

Stefan - in anderem Zusammenhang - wirfst Du mir vor ich würde Altersdikriminierung betreiben. Deine Einwürfe hier gehen wohl in Richtung Jugenddiskriminierung. Könntest Du Dich einmal festlegen oder glaubst Du ich wäre ballaballa und würde heute so reden und morgen so?

Ich schleime mich bei keiner Bevökerungsgruppe ein. Wenn mir was nicht passt, dann sage ich das offen und ehrlich. Dieses "Friede, Freude und Eierkuchen - Getue" geht mir so etwas auf den Sack, das kann ich kaum in Worten fassen. Das Leben ist kein Kindergeburtstag; sondern alltäglicher Kampf gegen die Kapitalisten.

In was für eine beschissenen Welt leben wir eigentlich. Überall geht alles Mögliche "über den Jordan", da muss dringend handfest angepackt" werden. Aber bitte, bitte, bitte .... auf die ganz sanfte Tour. Nur nicht "die Jungen" oder "die Alten" (die .....) zu hart anfassen. Die könnten ja als Bündnispartnern im Kampf gegen das Kapital dann ausfallen. Geht es noch?

Natürlich sind nicht "die Jungen" oder "die Alten" oder ..... unsere Gegner. Das sind die Kapitalisten, deren Handlanger bzw. die Handlanger der Handlanger.

Stefan ich kenne mich bei "Charly" ja nicht so aus, aber hat der nicht irgendwann so etwas wie "Kritik und Selbstkritik gehören zusammen" geschrieben.

* Und sage keiner das wäre aus heiterem Himmel gekommen. Das war vor cirka 40 Jahre schon klar, als in den Kinderprogrammen der Öffentlich Rechtlichen dieser US-Kindersendung "Sesamstraße" groß rausgestellt wurde.

Lauter einzelne Unterhaltungssschnippsel fast im Minutentakt. Da wurde - zumindest in den Originalbeiträgen aus Amiland - so getan, als wäre es möglich Kindern etwas im Minutenrythmus bei zu bringen.
Stefan Walther
4.796
Stefan Walther aus Linden schrieb am 14.07.2020 um 20:08 Uhr
Zitat Martin: "Dazu kommt; der Markt für Zweitnutzung schmilz, denn Bücher werden verstärkt digital gelesen und nicht zu vergessen die leserfreundliche Bevölkerungsteile sind im Pflegeheim- oder Altersheimalter (können dort die Bücher nicht mitnehmen) oder liegen schon auf dem Friedhof."

Dazu bedarf es keines neuen Kommentars mehr, es wurde bereits alles gesagt!

Nur ein Tipp Martin = es gibt weder "die" Jugend noch "die" Alten. Da geht es auch nicht um Gegner, da geht es ganz einfach um unzulässige Verallgemeinerungen.

Also ich soll mich festlegen auf Alters- oder Jugenddiskriminierung? Was schreibst du nur für ein Zeugs Martin, differenzierte Betrachtung bedeutet keineswegs "Friede, Freude, Eierkuchen" - Pauschalurteile dagegen nutzen niemandem und führen auch zu nix, ausser ein bisschen Geschrei was keinen interessiert...
Martin Wagner
2.697
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 15.07.2020 um 09:45 Uhr
Ja, Stefan, ich verallgemeinere. Aber ist das wirklich "unzulässig". (Nicht jedes Pauschalurteil ist falsch.) Gut es gibt in den angesprochenen Bevölkerungsgruppen nicht nur solche, sondern auch andere. Aber es geht um die breite Massen in den Gruppen, welche ja für die jeweilige Gruppe federführend sind. Zugegeben mein über die ganze Gruppe gespanntes Urteil mag für den kleinen Teil der Gruppe ungerecht sein. Darauf kommt es mir aber nicht an, sondern darum, dass nicht mit Blick auf diese Minderheiten der Mehrheiten Alles durchgehen gelassen wird.

"Klare Kante" ist also keine Diffamierung, sondern der Versuch einen richtige Politikansätze zu entwicklen. (Und nicht wie du das darstellst "bisschen Geschrei was keinem interessiert".)

Indem Du die Wirklichkeit nicht ädäquat versuchst abzubilden, trägst Du - vielleicht unbewusst - zu einem Friede-Freude-Eierkuchen bei. Ich kenne dich ja seit Jahren und versteige mich nicht zu dem Satz "das Selbstbelügen kommt deinen politischen Intensionen nahe". Aber ich sehe da schon eine gewissen Anfangsgeschichte bei dir laufen.

(Damit es nicht langweilig wird - hier ein anderer Beleg meiner These!)

Ich gehe auf meinem Weg öfters durch den Theaterpark. Glaubst du da sehe ich (bei schönem Wetter natürlich nur) irgendeinen "U40"er mit einem Buch auf der Parkbank sitzen bzw. auf dem Rasen lagern? Nein - nicht einen. (Dafür ab und zu ein "Ü40"er.)

Nein 3 von 2 dieser Bevölkerungsgruppe starrt auf seinen Dattelkasten und wischt wie bekloppt darauf rum. (Die meisten der übrig gebliebenen 1/3 unterhält sich oder spielt miteinander - ein Rest säuft in aller Öffentlichkeit Alkohol!)

Welche Qualität von Kommunikation (ich traue mich das Wort kaum zu schreiben) haben diese (überspitzt gesagt) manchen Menschen an die Hand gewachsene technischen Geräte? Da werden bunte Bildchen oder kurze Filmchen versendet oder frau / mann verabredete sich zu ... was auch immer. Glaubst du Stefan allen Ernstes, dass diese (dein Sprachgebrauch) Produkt der Entwicklung der Produktivkräfte irgendetwas positives für den Kampf gegen das Kapital beigetragen hat bzw. auch nur beitragen könnte. Einmal davon abgesehen, dass der Nutzer damit freiwillig die Möglichkeit sich total ausspionieren zu lassen zulässt besteht der Zweck dieser Apparate doch darin Mensch kurzatmig mit irgendwelchen scheinbaren Informationen und teilweise unterirdisch niveaulosen Unterhaltskram von morgens bis abends vollzustoppen. Und das mit einer kaum vorstellbaren Totalität * (Es soll Mitbürger geben, welche noch auf dem Klo auf dem Kasten rumwischen.)

Da lob ich mir die Bevölkerungskreise, welche noch nicht (wieder überspitzt) das eigene Denken aufgegeben haben und sich durch lesen von Büchern zum Nachdenken anregen lassen bzw. fundierte - das heisst ausführlich dargestellten - Informationen nachlesen. (Gut Bücher regen nicht nur an oder informieren, sondern unterhalten auch.)

Stefan, ich habe sicher keine Chance bei dir die Hoffnung - nicht zu rauben, aber - abzuschwächen, dass die so in Jahrzehnten erzogenen (um nicht zu sagen manipulierten) Menschen irgendwann gegen das kapitlistische System rebellieren werden. Ich glaube du unterschätzt bei weitem die Manipulationsmöglichkeiten des Kapitals. Die sind unheimlich zielgenau differenziert und dadurch effektiv.

((noch ein Beispiel))

Ja - ein Blick nach Stuttgart zeigt das doch - ist genug Alkohol im Spiel wird für eine Nacht "Randale gespielt" und neuer Suffstoff organisiert oder Geschäfte geplündert. Ist ja irgendwie auch ein unheimlicher Kick und einmal etwas anders. Oder wie ich es im Artikel schrieb: ..... ständigem Eventgehabe mit Videoclips, TV - Schrott und angesagten Liveveranstaltungen ....!

Aber politisch springt da nix raus, eher im Gegenteil das ist Wasser auf den Mühlen aller Spielarten der Reaktionären.

* Ich war "damals" bei dem Volkszählungsbykott mit dabei. Das ist rund 40 Jahre her. Was damals zu Nutzen der Kapitalisten an Informationen gesammelt werden sollte ist im Vergleich zu den gesammelten Informationen der US-Internetfirmen (nicht nur über Handys) regelrecht in seinem Umfang lächerlich. Ich frage mich - das ist nicht rethorisch gemeint, sondern ich weiss es wirklich nicht - wie konnte in so kurzen Zeitspanne so viel Bewusstsein (zu Erinnernung der herrschende Block bekam so viel Kontra, dass er die Zählung absagte) "versickern"?
Karl-Ludwig Büttel
3.842
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 15.07.2020 um 15:48 Uhr
Meine Kinder ebenso wie ich lesen viele Bücher, aber eben nicht mehr in der gedruckten Form. Zeiten ändern sich und sind wohl wie man hier lesen kann nicht bei jedem angekommen. Viele junge Menschen aller Generationen nutzen E-Books: Ich hatte früher alles voll mit Bücher und Platz hatte ich auch aber irgendwann habe ich die Bücher an Heime und Organsiationen gespendet. Jetzt nutze ich den vielen Platz den ich gewonnen habe für andere Dinge. 2019 waren bereits 32,4 Millionen Bücher die über E-Books gelesen wurden. Der Anteil der 14-29 jährigen beträgt fast 50% die anstatt ein gedrucktes Buch ein E-Book lesen. Ich lese gar Bücher auf dem Handy.....Bevor man ein solche unqualfizierte Schelte von sich gibt sollte man sich besser informieren. Es wird heute mehr gelesen als in unserer Jugend und ich gehörte zu den Leseratten. Nicht das Buch ist out, sondern bei vielen nur das die gedruckte Aúsgabe.....
Stefan Walther
4.796
Stefan Walther aus Linden schrieb am 15.07.2020 um 22:33 Uhr
Lieber Martin,
im ersten Teil deines letzten Kommentars kann ich keinen einzigen Beleg für deine These finden, für mich spricht hier lediglich die Frustration eines Enttäuschten. Auch wenn du versuchst das zu kaschieren indem du sagst "die richtigen Politikansätze" durch klare Kante entwickeln, wo bleiben hier deine konkreten Vorschläge / Ansätze? Beschimpfung bzw. Diffamierung ganzer Bevölkerungsteile können nun ja wirklich keine ernstgemeinten produktiven Ansätze sein!?
Was du mir mit deinem Vorwurf "Friede, Freude, Eierkuchen" unterstellen / sagen willst, entschuldigung davon kapiere ich kein Wort!
Die Beeinflussung durch die bürgerlichen Medien? Niemand wird das ernsthaft bestreiten der fortschrittliche Politik machen will. Nur, hat diese Beeinflussung nicht auch ihre Grenzen, Grenzen die durch das reale Leben gesetzt werden? Du kennst sicher den Satz "Das Sein bestimmt das Bewusstsein", aktueller denn je, gerade die Jugend macht damit ihre Erfahrungen....
Und was du völlig unterschlägst, ist die gesetzmäßige geschichtliche Entwicklung...

Deine Urteile zur "lesefreudigkeit" wurden hier von verschiedenen Kommentatoren widerlegt, wo bleibt hier deine "Selbstkritik"?

Die Vorkommnisse in Stuttgart? Schon wieder solche unzulässigen, undifferenzierten Urteile: hast du dich tatsächlich damit beschäftigt, recherchiert... oder kommen auch deine Informationen lediglich aus den bürgerlichen Medien? Natürlich sind sinnlose Randale, Plünderungen von Geschäften usw. strikt abzulehnen, kein Widerspruch. Aber sind alle dort feiernden Jugendliche wirklich nur Krawallmacher, Säufer usw.? Gibt es dort keine Provokateure und Schikanen?

Und das "früher war alles besser" ( vor allem das "wir waren besser" ) das hängt mir so was von zum Hals raus. Nie die gröhlenden besoffenen Jugendlichen wahrgenommen, die auf jedem Volksfest die Sau raus liessen usw.? Und damals wie heute: Verallgemeinerungen sind unzulässig!
Martin Wagner
2.697
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 16.07.2020 um 19:43 Uhr
Nee Stefan bei allem Wohlwollen. Entweder Du willst mich nicht verstehen oder Du kannst es nicht.

Ich bringe mindestens in den verschiedenen Kommentare unter diesen Artikel ein halbes Dutzend ausformulierte weitere Beispiele und Du stellst Dich hin und posaunst raus: Martin höre mit Deinen "Frustration eines Enttäuschten" auf. Werde endlich produktiv, indem Du zu bestimmten Politikansätzen (das würdest Du so nicht formulieren, das ist meine Interpretation) durchstößt bzw. verharre nicht in "Beschimpfungen, Diffamierungen etc.".*

Was bei Dir offensichtlich dahinter steht, ist eine Grundstimmung Deines politischen Bewusstseins. Ich habe den Durchblick, der ist so gut,den empfehle ich auch anderen Menschen (irgendetwas was einer Lehre von / nach ..... entspricht). Ich mag nicht (schon wieder) darüber mit Dir diskutieren, ob dieser Ansatz richtig ist. Mir ist wichtig - auch den Lesern dieser Kommentare gegenüber - zu verdeutlichen: Nicht alle Linke arbeiten einen "bestimmten Plan ab", sondern es gibt eine Linke, die jenseits von irgendwelchen Vordenkern bzw. Vordenkerinnen bereit sind den Kapitalismus zu beseitigen.

Zugegeben, lehnt eine solche Linke die mehr oder weniger "reine Lehren" (ja Mehrzahl; es gibt wohl in diesemBereich mindestens 3 Dutzend "ismen") ab, hat er / sie es schwerer zu tagesaktuelle Politikansätzen zu kommen, aber das heisst nicht, dass sie sich selber handikapt. Ich finde genau umgekehrt ist. Neue Erkenntnisse aus diesem anderen Ansatz können (müssen aber nicht) näher an der sich mit sehr hohen Geschwindigkeit einwickelte Welt dran sein, als die Anpassung der in der Regel meist über 150 Jahre alten Lehren der linken Vorvätern.

Da bin ich wieder bei einer Deiner Aussagen: (....) "Und was du völlig unterschlägst, ist die gesetzmäßige geschichtliche Entwicklung..." (....) Für Dich mag sich dieses "Aktualisierungsprogramm alter Lehren" in sich schlüssig sein, da Du den Ansatz hast: Die Vorväter haben so zu sagen unabänderliche Gesetze heraus gefunden, Gesetze die immer und überall gelten. Also auch in der Zukunft mit der und diesem Ergebnis. Verkürzt: Der Sozialismus wird über früher oder später siegen.

Und genau da ziehe ich nicht mit: Ich will mich nicht lange an der Wahrscheinlichkeit, dass diese Vorväter recht hatten, aufhalten. Ich bin da aber sehr skeptisch - es ist zumindest genau so wahrscheinlich, das wir "im absoluten Chaos versinken".

Stefan, wir trefffen uns ja ab und zu nicht nur hier im Internet, sondern auch in der Realität. Lass uns diese Diskussion bei Gelegenheit bei einem Heissgetränk in der Gaststätte im Haus ausdiskutieren. Auch deswegen, weil ich den Eindruck habe, dass dieses Zwiegespräch andere Mitbürger hier in der Onlineausgabe weniger interessiert.



* Sich mit seinem eigenem Bewusstseinszustand zu beschäftigen ist doch eine höhere Form die von Dir angesprochenen "Kritik und Selbstkritik". Nur das schawadronieren über linke Lehrsätze vom "Das Sein bestimmt das Bewusstsein" läuft doch auf eine Entschuldigungsstrategie hinaus; so nach dem Motto "die Geschichte wird sich da und dort hin zu bewegen". Wird sie eben nicht zwangsläufig, sondern nur wenn einer immer größere werdende Zahl von Bürgern erkennen, wie (ich sage das einmal verkürzt) und vor allen Dingen von wem sie verarscht werden. Und nicht nur das erkennen, sondern dazu übergehen diese (nur oberfläschlich gesehen) unabwendbare Entwicklung erst zu stoppen (Beseitigung des Kapitalismus) um dann in die Offensive (Entwicklung eines zu einer jeder Nation passenden Sozialismus) überzugehen.
Stefan Walther
4.796
Stefan Walther aus Linden schrieb am 16.07.2020 um 22:21 Uhr
Es ist immer schwierig sich mit Menschen auseinanderzusetzen, die sich nur sehr wenig mit etwas beschäftigt haben, sich dann aber Urteile zu bestimmten Dingen einfach mal so erlauben:
- nichts ist dem historischen und dialektischen Materialismus fremder als Dogmatismus, es geht immer um Weiterentwicklung...
- völlig richtig, von selbst passiert gar nichts, ohne den subjektiven Faktor ( z.B. das Bewusstsein ) wird sich nichts ändern. Und gerade die "Vorväter" haben das sehr gut herausgestellt = die Alternative ist der Untergang in der kapitalistischen Barbarei.
Also, um es kurz zu machen: deine Kritik läuft völlig ins Leere und auf die zig-fache Wiederholung "wir brauchen keinen Plan und auch kein Ziel..." gehe ich nicht schon wieder ein. Einfach bei den Fakten und Erfahrungen bleiben: ohne Plan hat es noch nie eine grundsätzliche Veränderung gegeben... und wer sich alles so "links" nennt, na ja das wäre noch ein ganz anderes Thema...
Martin Wagner
2.697
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 17.07.2020 um 18:15 Uhr
Nachklapperei:


Ja, mach nur einen Plan
sei nur ein großes Licht
und mach dann noch 'nen zweiten Plan
gehn tun sie beide nicht.

– Bertolt Brecht, Dreigroschenoper
Stefan Walther
4.796
Stefan Walther aus Linden schrieb am 17.07.2020 um 23:32 Uhr
na gut, du hast das letzte Wort Martin, und ich werde zukünftig - sorry - unter deinen Beiträgen nicht mehr kommentieren. Nicht böse gemeint, aber wenn man keine konkreten Antworten erhält ( hier waren die Fragen vor allem "lesefreudigkeit"?, "Jugend / Alter"?, "früher / heute"? ) und stattdessen nur abgelenkt wird, dann verliert man halt irgendwann - zumindest ich - die Lust.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) Martin Wagner

von:  Martin Wagner

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Martin Wagner
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