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Gute Arbeitsmarktzahlen im Juni, kein Hinweis auf überwundene Corona-Krise

Gießen | Bei der Zahl der Arbeitslosen, die im Bezirk der Arbeitsagentur Gießen gemeldet sind, zeigte sich bei den verschiedenen Personengruppen ein sehr uneinheitliches Bild. Unter dem Strich waren im Juni zehn Personen mehr gemeldet als im Mai, genau 19729. Dies entspricht einer unveränderten Arbeitslosenquote von 5,3 Prozent. Im Juni des Vorjahres waren noch 3580 Arbeitslose weniger registriert. Damals lag die Arbeitslosenquote bei 4,4 Prozent.

„Die nahezu unveränderte Zahl der Arbeitslosen ist kein Hinweis dafür, dass der Arbeitsmarkt die Corona-Krise überwunden hat“, kommentiert Eckart Schäfer, Leiter der Arbeitsagentur Gießen. „Nach wie vor wird durch die Kurzarbeit ein Anstieg der Arbeitslosenzahl abgefedert. Zudem ist noch nicht absehbar, in welchem Umfang Insolvenzen drohen und Entlassungen bevorstehen.“ Positiv sei jedoch, dass bei beispielsweise den Jugendlichen die Zahl der Arbeitslosen gesunken ist, so Schäfer. „Und die Anzahl der Menschen, die eine Arbeitsstelle aufgenommen haben, ist gestiegen. Nun gilt es die weiteren Entwicklungen aufmerksam zu beobachten und sich auf effektive Arbeit in verschiedenen Szenarien vorzubereiten.“

Kurzarbeit
Eine Anzeige auf Kurzarbeit haben im Juni im Bezirk der Gießener Arbeitsagentur 209 Betriebe gestellt. Damit ist die Zahl der Anzeigen erneut weiter deutlich zurückgegangen.
Seit Beginn der Corona-Krise haben insgesamt 6128 Betriebe eine entsprechende Anzeige gestellt. Bis zu 66994 sozialversicherungspflichtig beschäftigte Menschen* sind oder waren davon betroffen.

Unterbeschäftigung
Die Zahl der Menschen in der sogenannten Unterbeschäftigung im engeren Sinne ist ganz leicht gesunken. 25700 Menschen waren registriert, sieben weniger als noch einen Monat zuvor. Ein Jahr zuvor waren noch 2336 Personen weniger verzeichnet.

Gemeldete Stellen
Dass Arbeitgeber bei der Meldung neuer Arbeitsstellen seit Beginn der Corona-Krise zurückhaltend sind, hat sich auch im nun abgelaufenen Monat bestätigt. Dies zeichnete sich auch beim derzeitigen Stellenbestand ab.
Im Juni ist die Zahl der neu gemeldeten Arbeitsstellen gegenüber dem Vormonat Mai etwas gestiegen, liegt jedoch nach wie vor deutlich unter dem Wert des Vorjahresmonats Juni. Den Arbeitsagenturen sowie den Jobcentern des Kreises Gießen und der Wetterau meldeten Arbeitgeber im abgelaufenen Monat insgesamt 947 neue Stellen. Dies waren 456 Stellen oder gut 32 Prozent weniger als im Juni des Vorjahres.
Eckart Schäfer, Leiter der Arbeitsagentur Gießen
Eckart Schäfer, Leiter der Arbeitsagentur Gießen
Der Stellenbestand hat im gleichen Zeitraum die Marke von fünftausend offenen, sozialversicherungspflichtigen Arbeitsstellen unterschritten. Aktuell liegt der Bestand an Arbeitsstellen bei 4987, gut 24 Prozent oder 1597 Stellen unter dem Vorjahreswert.

Männer und Frauen
Geschlechtsspezifisch betrachtet gab es im Juni wenig Bewegung. Eine Stagnation sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen.
Im Gießener Bezirk waren im Juni 11518 Männer erwerbslos gemeldeten. Ein Mann weniger als im Vormonat. Die Arbeitslosenquote verharrte bei 5,8 Prozent. Im Vorjahresmonat waren 2252 Männer weniger gemeldet. Die Quote lag damals bei 4,7 Prozent.
8210 Frauen waren im Juni bei der Arbeitsagentur Gießen arbeitslos gemeldet. Einen Monat zuvor waren es noch elf weniger. Die aktuelle Quote lag unverändert zum Vormonat bei 4,7 Prozent. Im Vorjahresvergleich waren damals 1327 Frauen weniger arbeitslos gemeldet. Die Quote betrug seinerzeit 3,9 Prozent.

Besondere Personengruppen
Bei der Zahl der arbeitslosen Jugendlichen unter 25 Jahren und der Älteren war eine unterschiedliche Entwicklung zu beobachten. Während die Zahl der jungen Menschen in der Statistik sank, hat sich die der Älteren erhöht.
Im abgelaufenen Monat waren insgesamt 2045 junge Menschen, die auf der Suche nach einer Ausbildungs- oder Arbeitsstelle waren, registriert. Dies entspricht einem Rückgang gegenüber Mai um 50 Personen. Die Arbeitslosenquote sank um 0,1 Prozentpunkte auf nun 5,0 Prozent. Im Juni des Vorjahres waren 374 junge Menschen weniger gemeldet. Damals lag die Arbeitslosenquote bei 4,1 Prozent.
Im Gießener Agenturbezirk waren im jetzt abgelaufenen Monat insgesamt 5929 Ältere gemeldet, 52 mehr als noch im Vormonat Mai. Die Arbeitslosenquote verharrte einen weiteren Monat bei 4,5 Prozent. Im Vorjahresmonat waren 697 ältere Menschen weniger arbeitslos gemeldet. Damals lag die Quote bei 4,1 Prozent.

Regionale Unterschiede
Wie bereits im Vormonat zeichnete sich auch im Juni ein uneinheitliches Bild bei der Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Landkreisen ab. Während in den Landkreisen Gießen und im Vogelsbergkreis ein Rückgang verzeichnet wurde, ist die Arbeitslosigkeit im Wetteraukreis weiter gestiegen.
Im Kreis Gießen waren im Juni insgesamt 9163 Menschen erwerbslos gemeldet, 43 Arbeitslose weniger als im Vormonat. Die Arbeitslosenquote verharrte bei 6,2 Prozent. Im Vorjahresmonat lag die Quote bei 5,2 Prozent. Damals waren 1584 Menschen weniger registriert. 81 Betriebe haben im Juni eine Anzeige auf Kurzarbeit eingereicht, von der insgesamt bis zu 1192 Beschäftigte* betroffen waren. Rechnet man die Anzeigen von März bis Mai hinzu, sind im Landkreis Gießen 2382 Betriebe und bis zu 28171 Personen* betroffen.
Im Wetteraukreis ist die Zahl der Arbeitslosen im Juni um 58 Personen auf jetzt 8161 gestiegen. Die Quote blieb unverändert bei 4,8 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren jetzt 1732 Erwerbslose mehr gemeldet. Seinerzeit lag die Arbeitslosenquote bei 3,8 Prozent. 95 Betriebe haben im Juni eine Anzeige auf Kurzarbeit eingereicht, von der bis zu insgesamt 888 Beschäftigte* betroffen waren. Rechnet man die Anzeigen von März bis Mai hinzu, sind im Wetteraukreis 2861 Betriebe und bis zu 29008 Personen* betroffen.
Im Vogelsbergkreis ist die Anzahl der Erwerbslosen im Juni gesunken. 2405 Personen waren arbeitslos gemeldet, fünf Personen weniger als noch im Mai. Die Arbeitslosenquote verharrte bei 4,1 Prozent. Im Vorjahresmonat waren 264 Erwerbslose weniger gemeldet. Die Quote lag damals bei 3,7 Prozent. 33 Betriebe haben im Juni eine Anzeige auf Kurzarbeit eingereicht, von der bis zu insgesamt 500 Beschäftigte* betroffen waren. Rechnet man die Anzeigen von März bis Mai hinzu, sind im Vogelsbergkreis 885 Betriebe und bis zu 9815 Personen* betroffen.

Die beiden Rechtskreise (nach dem Sozialgesetzbuch II und III)
Im Juni zeigte sich bei einer Betrachtung nach den Rechtskreisen (nach dem Sozialgesetzbuch III; Arbeitsagentur und nach dem Sozialgesetzbuch II; Jobcenter) ein uneinheitliches Bild. Während die Zahl der bei den Arbeitsagenturen gemeldeten Bewerber stieg, wurde bei den Jobcentern ein Rückgang verzeichnet. Damit ist der Anteil der im SGB III geführten Bewerber auf nun 42 Prozent angestiegen.
Bei der Arbeitsagentur Gießen (und den Geschäftsstellen in Bad Vilbel, Büdingen, Friedberg und Lauterbach) waren im Juni 8294 Personen gemeldet, 183 mehr als im Vormonat Mai. Im Vergleich zum Vorjahresmonat lag die Zahl derer damit heute um 2481 Personen höher.
Die Zahl der in den Jobcentern geführten Erwerbslosen sank um 173 Personen auf nun 11435. Ein Jahr zuvor wurden dort noch 1099 Personen weniger geführt.
Das Jobcenter Gießen betreute im Juni 6010 Arbeitslose, 130 Personen weniger gegenüber Mai.
Im Jobcenter Wetterau waren im abgelaufenen Monat 4193 Arbeitslose gemeldet, 84 Personen weniger als im Vormonat Mai.
Im Vogelsbergkreis wurden bei der Kommunalen Vermittlungsagentur (KVA) insgesamt 1232 Arbeitslose im Juni betreut, 41 mehr als im Mai.


* Betriebe müssen vor Beginn von Kurzarbeit eine schriftliche Anzeige bei der zuständigen Agentur für Arbeit (Betriebssitz) erstatten; dies hat spätestens bis zum Ende des Monats zu erfolgen, für den erstmalig Leistungen bezogen werden sollen. Die Statistik über angezeigte Kurzarbeit berichtet über elektronisch erfasste und geprüfte Anzeigen von Kurzarbeit sowie die in den Anzeigen enthaltene Anzahl der Beschäftigten, welche voraussichtlich von einem Arbeitsausfall betroffen sind.

 
Eckart Schäfer, Leiter der Arbeitsagentur Gießen
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