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Kubanische "Henry Reeve"- Medizinbrigaden für Friedensnobelpreis vorgeschlagen

Rückansicht eines T-Shirts, gekauft beim UZ-Pressefest in Dortmund-Wischlingen 2016
Rückansicht eines T-Shirts, gekauft beim UZ-Pressefest in Dortmund-Wischlingen 2016
Gießen | Die "Henry Reeve International Medical Brigades" (benannt nach einem amerikanischstämmigen kubanischen Freiheitskämpfer 1850-1876) waren bereits vor Coronaausbruch mit ca. 28.000 medizinischen Kräften in 59 Länden im Einsatz. Nach dem Ausbruch von Corona kamen weitere 1.500 Personen in 26 Ländern zum Einsatz. Im karibischen Raum in Venezuela, Nicaragua, Surinam, Grenada, Belize, St.Vincent, Grenadinen, Antigua und Barbuda. In Haiti, wo sie seit dem Erdbeben stationiert waren, sollte der Einsatz eigentlich beendet werden, wurde aber jetzt verlängert. In Afrika sind sie coronabedingt in Togo eingeflogen und auf Kap Verde im Einsatz.

In Europa sind sie in Andorra aktiv und waren in Norditalien seit Mitte März im Einsatz und wurden am 29.5. auf dem zentralen Platz der Stadt Crema feierlich verabschiedet:

http://kommunisten.de/news/europapolitik/7890-italien-verabschiedet-cubanische-mediziner-innen

Zu dem Einsatz in Haiti nach dem Erdbeben siehe auch.

http://www.giessener-zeitung.de/giessen/beitrag/76006/hilfe-fuer-haiti-aus-kuba/

Mehr über...
Kuba (38)
Zum Einsatz gegen Ebola in Afrika siehe:

http://www.giessener-zeitung.de/giessen/beitrag/97231/wie-die-internationale-gemeinschaft-gegen-ebola-kaempft/

Kurz vor der Fußball-WM in Brasilien in 2014 reisten über 11.000 kubanische Mediziner in das Land, um den Ärztemangel auszugleichen. Der Vertrag wurde von Bolsonaro kurz nach Amtsantritt gekündigt.

http://www.giessener-zeitung.de/giessen/beitrag/92665/im-schatten-der-fussball-wm-11430-kubanische-aerzte-gegen-notorischen-aerztemangel-in-brasilien/

Nun hat Kuba allerdings auch selbst gegen Corona zu kämpfen: 2.173 bestätigte Infektionen per 7.6. und 83 Todesfälle. Trotz des hohen wissenschaftlichen und Ausbildungsniveaus leidet Kuba unter Mangel an medizinischem Gerät und auch bestimmten Medikamenten. Ursache ist hauptsächlich der US-Handelsboykott (Helms-Burton-Gesetz), zu dem die USA auch weltweit alle Firmen zwingen, mit denen sie in Verbindung stehen. So kauften die USA just jetzt in der Pandemie die Firmen IMT Medical AG (Schweiz) und Acutronic (Schweiz/Deutschland), welche bisher Beatmungsgeräte nach Kuba lieferten. Sie stellten die Lieferungen prompt ein.

Das kubanische Unternehmen Bio Cuba Farma selbst hat 22 Medikamente (auch im Zusammenhang mit früheren, anderen Krankheiten) entwickelt, welche die Infektion zwar nicht verhindern, aber schwere Verläufe abmildern. Dazu zählen "monoklonaler Antikörper Itolizumab" und Interferon Alfa 2 B, das von 45 Ländern aus Kuba angefordert wird.

Erwähnt sei noch, daß dem britischen Kreuzfahrtschiff "Braemar" mit 682 Passagieren und 381 Besatzungsmitgliedern von mehreren Karibikanrainern (u.a. den USA) das Anlaufen eines Hafens verweigert wurde, als Coronafälle auf dem Schiff auftraten. In dem neuen Hafen Mariel bei Havanna durfte das Schiff festmachen und die Betroffenen konnten in einer komplizierten infektionssicheren Aktion ausfliegen.

An die 40 europäische (Kuba-Solidaritäts-) Organisationen wollen nun die Internationale Brigade Henry Reeve für den Friedensnobelpreis vorschlagen.

(Die Informationen stammen größtenteils aus der deutschsprachigen "Granma")

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Kommentare zum Beitrag

Christian Momberger
11.267
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 14.06.2020 um 18:32 Uhr
Finde ich gut, die Idee!
Stefan Walther
4.798
Stefan Walther aus Linden schrieb am 14.06.2020 um 19:38 Uhr
Die internationale Hilfe ist vorbildlich!
Ob das dann reicht für den Friedensnobelpreis? Ich mag mich da nicht festlegen, man müsste wissen wer sonst noch alles "nominiert" wird... das soll aber keinesfalls jetzt die hervorragende internationale Unterstützung schmälern.

Einige Ergänzungen ( von Dr. Mast, veröffentlicht auf rf-news ) zur Entwicklung des Medikaments Heberon Alpha R:

Das kubanische Interferon-Präparat Interferon Alpha 2b wurde 1986 in Kuba entwickelt und als Heberon Alpha R vermarktet.

Es stärkt die Immunabwehr gegen Viren und wurde bislang angewendet bei den Viruserkrankungen AIDS/HIV, Hepatitis B, Hepatitis C, Zoster, Dengue-Fieber sowie bei verschiedenen Tumorkrankheiten. In China wird es seit Januar in einer joint-venture-Kooperation von Changchun Heber Biologica Technology in der Provinz Jilin produziert. Das Präparat habe sich in China bei 1500 Corona-Patienten als wirksam erwiesen. Inzwischen wird es auch in anderen Ländern eingesetzt. In Südkorea seien durch das Präparat "tausende Tote verhindert worden"....
Thorsten Lux
908
Thorsten Lux aus Buseck schrieb am 15.06.2020 um 09:00 Uhr
Da sind schon Vorschläge für den Friedensnobelpreis gemacht worden, die ich weniger nachvollziehen konnte. Insofern ist das vermutlich eine gute Idee.
Dennoch muss ich eingestehen, dass mir nicht ganz klar ist, was man mit einem Friedensnobelpreis soll - also was das einen Preisträger "nutzt". Sieht gut aus im Briefkopf klar. Aber gerade wenn ich oben lese, dass es teilweise an medizinischem Gerät fehlt und da noch trotz gesundheitlicher Bedrohung boykottiert wird, dann frage ich mich, ob und inwiefern daran ein Nobelpreis etwas ändern würde.
Davon abgesehen halte ich Boykottmaßnahmen gerade in Coronazeiten für äußerst bedenklich: nehmen sie doch in Kauf, dass eine unabsehbare Zahl von Menschen erkrankt und stirbt.
Bernt Nehmer
2.404
Bernt Nehmer aus Hungen schrieb am 15.06.2020 um 09:13 Uhr
Bei einem solidarischen Beitrag wäre ich dabei.
Michael Beltz
7.748
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 15.06.2020 um 16:57 Uhr
Hallo Thorsten, die Verleihung an die kubanischen Brigaden wäre mal ein Zeichen der Anerkennung für die medizinischen Hilfsleistungen Kubas, die Kurt oben genannt hat. Ob die Amis das verhindern können...?
Kurt Wirth
2.995
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 15.06.2020 um 22:26 Uhr
Allzu hoch sollte man die Ansprüche an den Wert des Friedensnobelpreises natürlich auch nicht setzen. Wenn man sich die Liste aller bisherigen Preisträger ansieht - da runzelt man verschiedentlich schon die Stirn. Wie so oft, bringt aber die Diskussion darüber doch einiges.

Einer der Preisträger ist ja auch Obama: Der hat bei der Trauerfeier für Nelson Mandela Raul Castro die Hand gereicht. Er besuchte als erster US-Präsident seit 1928 Kuba. Diplomatische Beziehungen wurden aufgenommen und Botschaften eingerichtet. Die USA nahmen Kuba von der Liste der Terrorunterstützer. Das Reiseverbot für US-Bürger nach Kuba wurde gelockert - das diente aber zunächst nur den in die USA emigrierten Kubanern, nur wenige Touristen konnten das in Anspruch nehmen. Die "Miami Five" wurden freigelassen und Geldüberweisungen von USA nach Kuba erleichtert, was aber zunächst auch wieder nur dem "privaten" Sektor der kubanischen Emigranten in den USA dienen sollte, die ihren Verwandten in Kuba etwas zukommen lassen wollten.

Zu einem Abbau des seit 1962 bestehenden Handels- und Wirtschaftsembargos kam es nicht. Und Trump hat alle Vereinbarungen von 2017 wieder storniert. Die Begründung für Obamas Nobelpreis war aber auch nicht explizit seine Kuba-Politik.
Kurt Wirth
2.995
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 16.06.2020 um 07:18 Uhr
Und auch die US-Folterkammer in Guantanamo auf Kuba existiert immer noch, wenn auch mit offensichtlich inzwischen nur mehr 40 Häftlingen von ursprünglich 779.
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