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Der (Markt-)Oberdorfer Pestfriedhof

von Kurt Wirtham 02.06.2020447 mal gelesen4 Kommentare
Gießen | Marktoberdorf (Landkreis Ostallgäu) ist heutzutage hauptsächlich bekannt durch sein Traktorenwerk Fendt (zum US-Konzern AGCO gehörig). Es liegt an der B 16 von Kaufbeuren nach Füssen. Verläßt man die B 16 kurz nach dem Ortsausgang in Richtung Seeg/Pfronten/Nesselwang, liegt nach ein paar Kilometern bei Kohlhunden auf der linken Seite der "Oberdorfer Pestfriedhof".

Angelegt wurde dieser vermutlich schon während der ersten europäischen Pestwelle 1348, nachgewiesen aber 1634. In den beiden Jahren 1634 und 1635 starben von 1.200 Einwohnern etwa 400 (richtig gezählt wurden damals nur die erwachsenen Toten, nicht die Kinder). Trotz Unkenntnis der Ursachen der Pest und oft nur religiöser Erklärung als "Strafe Gottes", wußte man sehr bald, daß Isolation der Kranken und distanzierter Umgang mit den Toten (jeder Erkrankte starb praktisch auch) das einzige Mittel war, um die weitere Verbreitung einzudämmen. Im Zuge der Pest bildete sich in Frankreich und in Venedig sowie anderen italienischen Stadtrepubliken der Begriff "quarantena´" und "quarantaine de jours" für die Isolation von vierzig Tagen heraus, obgleich sie anfangs oft nur 10 Tage dauerte.

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Auch in Oberdorf wurden die Hausbesitzer verpflichtet, das Haus regelmäßig zu reinigen und es morgens und abends mit Wacholder zu räuchern. Ist in der Familie jemand verstorben, mußte diese 4 Wochen im Haus bleiben. Der "Abdecker" mußte sich von allen Menschen fernhalten und die Toten in einer bestimmten Tiefe begraben. Der Transport erfolgte in einer einfachen, vierwändigen oben offenen Truhe, später mit einem Tuch überspannt, aus der der Tote am Friedhof herausgenommen wurde und in ein Massengrab gelegt wurde. Die Truhe wurde dann wiederverwendet. Später wurden die Toten auch in Säcke eingenäht. Die Bezahlung des Abdeckers war genau geregelt und war durch die Familien zu leisten.

Die Ursache der Pest ist bekanntlich ein Bakterium, das von Ratten über Flöhe durch deren Bisse auf Menschen übertragen wird, aber auch, wenn sie sich mal bei den Menschen eingenistet hat, durch Tröpfcheninfektion. Sie kann durch Antibiotika, Einhaltung von Hygiene und Impfungen heutzutage in Schach gehalten werden, kommt aber immer noch vor (siehe wikipedia zu Pest).

Die Umfassungsmauer des Oberdorfer Pestfriedhofs mußte von Zeit zu Zeit erneuert werden. Ursprünglich befand sich nur ein größeres hölzernes Kreuz auf dem Friedhof. Die heute dort befindlichen eisernen Kreuze stammen aus dem 19.Jahrhundert und wurden aus den umliegenden Friedhöfen zusammengetragen.

Siehe hierzu auch:
http://heimatverein-marktoberdorf.de/index.php/aufgaben/pestfriedhof

1
darin befindet sich eine ausführliche Beschreibung

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Kommentare zum Beitrag

H. Peter Herold
28.848
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 03.06.2020 um 09:08 Uhr
Ob wohl irgendwann an die Corona gedacht wird?
Kurt Wirth
2.927
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 03.06.2020 um 13:12 Uhr
Da und dort haben Museen bereits darum gebeten, besonders charakteristische Corona-Merkmale abzuliefern, sei es als Objekte, Fotos, Videos oder Texte.
H. Peter Herold
28.848
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 03.06.2020 um 16:10 Uhr
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