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Alles Gute zum 6tel Geburtstag liebe Ausgangssperre

Gießen | Ja, seit 2 Monaten dürfen wir nicht mehr so richtig vor die Tür. Was haben wir in dieser Zeit für Erfahrungen gemacht?
Zunächst haben wir einmal festgestellt wie sich viele unserer Alten fühlen wenn sie allein zu Hause sind, weil sie keiner mehr besucht.
Dann haben wir bemerkt das es einem großen Teil unserer Bevölkerung gar nicht so gut geht, wie wir immer dachten. Wir kommen mit unseren Finanzen geradeso von Monat zu Monat, egal ob Selbständig oder Arbeitnehmer.
Wir mussten feststellen das wir eine Familie haben um die man sich auch noch kümmern muss. Das war gar nicht so einfach, konnte man doch bisher zum größten Teil an Andere delegieren. Und Schule war ja Früher einfacher.
Wir haben bemerkt, das das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit in Pandemiezeiten wichtiger ist als Abstand halten. Dazu musste extra das Bundesverfassungsgericht im Rahmen einer Einzelfallentscheidung bemüht werden.
Es hat sich ein neuer Volkssport entwickelt. Wer verpetzt die meisten Nichtabstandshalter. Der Absatz von Ferngläsern hat stark zugenommen. Auch das Denunzieren von Eistörtchenverkäufern zählt dazu.
TOILETTENPAPIER.
Und seit wir wieder etwas mehr vor die Tür dürfen, die Extremirung des Meinungsbildes, sei es nun nach Links, Rechts oder Verschwörungstheorie. Man kann ja jetzt wieder etwas sagen, wo es so scheint als wäre die Krise beherrschbar.
Zusammengefasst, wir sind auf dem Boden des richtigen Lebens angekommen. Jetzt müssen wir nachdenken, was wir daraus machen wollen. Ggf. sollten wir mal über unsere Lebensmuster nachdenken und das WIR mehr in den Vordergrund stellen als das ICH.

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Kommentare zum Beitrag

Nicole Freeman
10.603
Nicole Freeman aus Heuchelheim schrieb am 18.05.2020 um 12:17 Uhr
das unterschreibe ich!
Florian Schmidt
4.808
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 18.05.2020 um 12:59 Uhr
Wann hatten wir denn eine Ausgangssperre?
Martin Wagner
2.650
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 20.05.2020 um 15:41 Uhr
Kurz zu dem Satz:

(.......) "Wir kommen mit unseren Finanzen geradeso von Monat zu Monat, egal ob Selbständig oder Arbeitnehmer." (.......)

Ja das hat mich auch gewundert. Jedes Volk hat so seine Tabuthemen. Den Deutschen wird nachgesagt, dass sie über ihr monatlichen Einkünften (und wie diese aufgeteilt werden) nicht einmal im engsten Familienkreis reden.

Offensichtlich gibt es größere Bevölkerungskreise, welche dem Satz frönen müssen: Ohh, noch so viel Tage vor Monatsende und Null euro im Geldbeutel!

Vielleicht bin ich konservativer als ich selber denke, denn ich habe mein ganzes Leben (naja da waren ausnahmsweise ein halbes Dutzend Monate nicht dabei ....) immer nach der Devise gehandelt: Als eiserne Reserve braucht jeder Mensch (ersatzweise ein Haushalt) mindestens drei Monatseinkünfte (bzw. Monatsverbräuche). Das habe ich nicht stur gehandhabt, aber es waren immer 2 1/2 bis 3 1/2 Monatsbeträge. Ruschte ich einmal unter die 2 1/2 Grenze musste mehr Verdienst her / der Konsum gedrosselt werden und kamen mal mehr als 3 1/2 zusammen konnte ich mir überlegen, welchen Luxus ich mir leisten konnte.

Also wir haben jetzt 2 Monate Krise; wie kommt da ein Mensch mit dem 3-Monatsgrundsatz finanziell ins schleudern?

Vielleicht darf ich eine Vermutung äußern: Die Kapitalisten haben es im Laufe der letzten Jahrzehnten geschafft so den Konsumwahn anzuheizen, dass eben der normalerweise logisch denkende Mensch diese sinnvolle Regel "einfach vergisst".

Angeblich - ich persönlich kenne aber keinen Menschen bei dem das zutrifft - soll es Menschen geben, welche ohne mit der Wimper zu zucken ihren Jahresurlaub voll auf Kredit finanzieren. Was ist das für ein Wahnsinn?
Stefan Walther
4.742
Stefan Walther aus Linden schrieb am 20.05.2020 um 19:10 Uhr
Martin: hast du das schonmal den Menschen bei der Montagsdemo erzählt die mit Hartz IV über die Runden kommen müssen? Oder Rentnern die gerade so über dem Hartz IV Satz liegen, Studenten die ihr Studium mit Jobs finanzierten die es für sie jetzt nicht mehr gibt? Die Liste lässt sich beliebig verlängern...
Ich weiß nicht ob sie auf dich losgehen würden oder einfach nur etwas ungläubig schauen würden...
Martin Wagner
2.650
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 21.05.2020 um 16:51 Uhr
Ja Stefan das mit dem 3-Monats-Reserve erzähle ich natürlich immer, wenn es thematisch passt.

Dein Hinweis mit der Montagsdemonstration finde ich etwas lustig. Diesen oder den nächsten Monat gehe ich seit 15 Jahren sehr regelmäßig (im Moment ist aber Coronapause) zur Giessener MoDe. Die allgemeine Ausbreitung von Massenarmut bzw. das "abrutschen" der unteren Mittelschicht in die oberen Etagen der Unterschicht ist über diesen Zeitraum deutlich zu erkennen.

Hartz-IV bzw. Grundsicherung sind in meinen Augen verfassungswidrig, weil sie den Beziehern unter das Mindesteinkomen für ein ordentliches Leben drücken.

Aber was hat das mir der Reserve zu tun? Es geht darum, dass irgendwann einmal bei älteren Menschen die Reserve abgebaut wurden bzw. Jüngere vielleicht diese Reserve garnicht aufgebaut haben.

Es stimmt "einmal weg" ist es für den von dir beschriebenen Personenkreis in Ihrer misslichen Situation sehr schwer / unmöglich sie wieder aufzubauen.

Ich denke ich kann den Hartz-IV-lern bzw. Beziehern von Grundsicherung diese Tatsache vermitteln ohne mich den Verdacht auszusetzen ich "hätte nicht alle Tassen im Schrank" bzw. "so einem Spinner gehört eines in die Fresse".

Was aber für mich viel wichtiger ist; ist klar zu machen, dass mit Menschen, welchem dem Konsumterror sich bedingungslos hingeben, dass diese Mitbürger nicht einen ausreichenden Freiheitsgrad gegenüber dem Kapital bzw. deren Handlanger dem Staat erlangen, da sie immer erpressbar bleiben. Volkstümlich formuliert: Reisst Du die Klappe zu weit auf, drehen wir dein Einkommen schlicht und einfach ab und du kannst dir dann überlegen, wie du überleben kannst.

Ich halte es mit Janis Joplin: Freiheit ist nur ein anderes Wort für
"Du hast Nichts zu verlieren"!

Oder in die hier dargestellten Zusammenhang übersetzt: Du (Kapitalist oder Vertreter des Staates) kannst mir nicht mit Entzug von Mitteln drohen, denn mein Konsum ist so weit runter gefahren, dass ich auch ohne Kapitalisten / dem Staat mein Überleben sichern kann. Ich bin von diesen Machtkartellen also nicht erpressbar.

Stefan, ich denke ich wertschätze deinen Kampf gegen die Kapitalisten. Du machst das aus anderen Gründen, wie ich. Ich hoffe du kannst auch meinen - in deinen Augen "vielleicht sehr schwach auf der Brust" seienden - Ansatz (Kapitalisten sind wegen ihreres "verordenten" Konsums Terroristen) nicht nur nachvollziehen, sondern auf dieser Basis auch mit mir zusammen arbeiten.

Denn wichtig ist doch heutzutage nicht "die Welt die wir anstreben" genauesten zu beschreiben, sondern die Kapitalisten in ihrem schändlichen Wirken im "hier und jetzt" zu stoppen.
Stefan Walther
4.742
Stefan Walther aus Linden schrieb am 21.05.2020 um 22:26 Uhr
Gut Martin, dann bleiben wir bei deinem wichtigen Punkt ( aber das andere wollte ich schon erwähnt haben ):
Ich bezweifle auch beim "Otto-Normal-Verdiener", dass er realistisch gesehen die Möglichkeit hat 2-3 Monatseinkommen auf der hohen Kante zu haben, dies ist aber nur Spekulation...
Vom Grundsatz her stimme ich dir zu, dass es Sinn macht eine Reserve zu haben. Ob die anderen, die diese nicht haben, lediglich einem Konsumterror unterliegen, halte ich aber ebenfalls für reine Spekulation. Man müsste sich die Sache schon genau ansehen = wie hoch ist das Einkommen, wie viel geht da für Miete, Lebensmittel, Kleidung usw. monatlich drauf... und was heißt schon "Konsumterror", auch das müsste erst genauer definiert werden. Ja klar, grundsätzlich gilt: Produktion nicht ausgerichtet nach den Bedürfnissen sondern allein nach dem Motto was bringt es an Profit...

Bist schon clever Martin, wie du das immer wieder einbaust, da werden wir uns auch so schnell nicht einig "ist es wichtig auch eine Lösung aufzuzeigen wie die Welt zukünftig aussehen soll - oder genügt es das hier und jetzt zu überwinden"?
Ist diese Meinungsverschiedenheit ein Grund nicht politisch zusammen zu arbeiten? Natürlich nicht, aber man sollte sich auf diese - aus meiner Sicht wichtige - Frage einlassen und ggf. auch solidarisch und offen darüber streiten...
Hallo Lieber Leser
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Herzlichst, Ihr(e) Rainer A. Lingner

von:  Rainer A. Lingner

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Rainer A. Lingner
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