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Einladung zur Kundgebung: 75. Jahrestag der Befreiung vom deutschen Faschismus

Gießen | Einladung zur Kundgebung am 8. Mai 2020
um 17 Uhr am Kugelbrunnen im Seltersweg Gießen



Dieses Jahr jährt sich der Tag der Befreiung vom deutschen Faschismus zum 75. Mal. Der deutsche Faschismus war verantwortlich für den industrialisierten Massenmord und das Leiden von hundert Millionen Menschen in ganz Europa. Die Befreiung vom deutschen Faschismus bedeutete den Sieg über die brutalste Form der kapitalistischen Gesellschaftsordnung, die auf Antikommunismus, Rassismus/Antisemitismus und offenem Terror aufgebaut war.

Der Holocaust, die Verfolgung und Ermordung von mehr als sechs Millionen Juden und Jüdinnen, zeigt auf schrecklichste Weise das mörderische Wesen des deutschen Faschismus. Deutschland hat sich von der Terrorherrschaft jedoch nicht selbst befreit. Der Sieg wurde durch die Anti-Hitler Koalition und Widerstandskämpferlnnen aus ganz Europa errungen und beendete die zwölfjährige faschistische Herrschaft in Deutschland. Der größte Verdienst gebührt hierbei der Roten Armee, die an der Ostfront den Faschisten entscheidende Niederlagen beibrachten (z.B Stalingrad), obwohl dort allein 70% der faschistischen deutschen Divisionen gebunden waren.

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Am 8. Mai wollen wir diesen Sieg mit einer Kundgebung feiern und darauf aufmerksam machen, dass die faschistische Gefahr gerade heute nicht mehr nur abstrakt ist. In Deutschland ist rechter Terror Alltag geworden und er trifft mittlerweile auch Repräsentanten des bürgerlichen Staates. Teile des Staatsapparats unterstützen faschistische Terrornetzwerke. Die Verstrickung des Inlandsgeheimdiensts mit dem NSU und die anschließende Vertuschung dessen, lässt sich nicht mehr leugnen. 2017 wurde ein rechtes Netzwerk in der Bundeswehr aufgedeckt, das Waffendepots anlegt, Feindeslisten anfertigt und sich auf die Ermordung politischer Gegnerinnen und Gegner an einem »Tag X« vorbereitet. Auch Angehörige von Polizei und Geheimdienst gehören zu diesem Netzwerk. Im Kampf gegen Faschismus ist der bürgerliche Staat kein Partner, sondern Gegner des antifaschistischen Widerstands.

Die Gefahr, dass eine bürgerliche Demokratie zu einer faschistischen Diktatur wird, wohnt diesem System inne. Die bürgerliche Vorstellung, Faschismus sei eine vom Kapitalismus getrennte Herrschaftsform, ist nicht haltbar. Historisch waren die Produktionsverhältnisse im Faschismus immer kapitalistische. Faschismus ist die autoritärste Form der Diktatur des Kapitals. Deshalb heißt für uns Kampf dem Faschismus auch immer Kampf dem Imperialismus. Wir kämpfen gegen das kapitalistische Wirtschaftssystem, das soziale Ungleichheit erzeugt und deshalb ein Nährboden für Faschismus ist. Wir kämpfen für eine klassenlose Gesellschaft. Eine Gesellschaft, die alle Menschen am Reichtum dieser Welt teilhaben lässt. Wir kämpfen für ein gleichberechtigtes und friedliches Miteinander.
75 Jahre Befreiung – wer nicht feiert, hat verloren.

Kommt zur Abstands-Kundgebung um 17 Uhr am Kugelbrunnen. Unser aller Gesundheit muss geschützt werden. Bitte tragt Masken und haltet Abstand zueinander.

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Kommentare zum Beitrag

47
Jonas Seiler aus Staufenberg schrieb am 06.05.2020 um 12:22 Uhr
Sehr wichtiger Anlass und ein guter Aufruf, das einzige, was ich anmerken könnte ist, dass man den antifaschistischen Widerstand in Deutschland selbst in einem Satz hätte erwähnen können.

Ich denke nicht, dass wir in der momentanen Situation wirklich unmittelbar vor der Gefahr stehen, dass der Faschismus in Deutschland wieder eingesetzt wird, aber diese Gefahr besteht im Kapitalismus längerfristig natürlich immer.

Deshalb ist es um so wichtiger, dass wir Lehren ziehen und heute schon mit dem Aufbau der notwendigen antifaschistischen Einheitsfront anfangen!

Ich hoffe wir sehen uns dann am Freitag.
Klaus Stadler
539
Klaus Stadler aus Reiskirchen schrieb am 06.05.2020 um 13:41 Uhr
Die Rote Armee, die zusammen mit der Wehrmacht in Polen eingefallen ist und danach Letland, Litauen und Estland überfallen hat, sollte man sie Feiern?
Stefan Walther
4.777
Stefan Walther aus Linden schrieb am 06.05.2020 um 15:19 Uhr
Herr Stadler, meinen Sie etwa die Sommeroffensive der Roten Armee 1944, die zur Befreiung vom Faschismus in den baltischen Staaten und großer Teile Polens führte? = ja, das ist mit Sicherheit auch ein Grund die Rote Armee gebührend zu feiern!
"zusammen mit der Wehrmacht in Polen eingefallen"? Wie kann man sich nur solch eine Geschichtsverdrehung zu eigen machen?
Kurt Wirth
2.935
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 06.05.2020 um 17:59 Uhr
Von einer ganz anderen Flanke her habe ich rein emotional meine Probleme, diesen Tag zu feiern. 27 Millionen Tote der Sowjetunion, 70 Millionen im 2.Weltkrieg insgesamt, Schätzungen mit allen Kriegsfolgen gehen bis 80 Millionen (über die genauen Zahlen werden sich die Wissenschaftler ewig streiten). Dabei habe ich auch durchaus die getöteten geschätzten 5 bis 7 Millionen deutschen Kriegsopfer (5,3 Mio deutsche Soldaten) im Blick. Wenn ich da ins familiäre Umfeld blicke, vertraten die beiden "gefallenen" Onkel zwei diametral entgegengesetzte politische Lager. Bei dem einen könnte ich sagen "selber Schuld". Bei dem anderen würde ich sagen "Ermordet".

Ich habe volles Verständnis, wenn in Berlin nach dem Ruhen der Waffen die sowjetischen Armeeangehörigen auf den Strassen tanzten und sangen und in Paris die befreiten Franzosen ebenso. Dennoch würde ich den 8.Mai lieber als "Gedenktag" sehen.
Stefan Walther
4.777
Stefan Walther aus Linden schrieb am 06.05.2020 um 19:22 Uhr
Für mich ganz einfach zu beantworten Kurt = was wäre alles noch geschehen, wie viele Tote noch usw., wenn der Faschismus nicht besiegt worden wäre?
Ja, gedenken auf jeden Fall, und nicht nur ( aber auch ) feiern... und das Wichtigste = die richtigen Lehren daraus ziehen...
Thorsten Lux
908
Thorsten Lux aus Buseck schrieb am 07.05.2020 um 09:05 Uhr
Danke ein feiner Text. Dennoch möchte ich Formulierungen wie etwa "75. Jahrestag der Befreiung vom deutschen Faschismus" in Frage stellen. Das klingt für mich so, wie man das in manchen Lexika zu lesen bekommt: demnach sei irgendwann in den 1920ern der Faschismus aus dem Nichts entstanden und 1945 spurlos verschwunden. Dass dem nicht so ist, lässt sich ja unter anderem im obigen Text nachlesen - es gab ein Davor und es gab und gibt ein Danach.
Mir ist bewusst, dass ich eine trefflichere Formulierung schuldig bleibe, aber das sollte kein Grund sein, die Gedanken unausgesprochen bleiben zu lassen, dass da was anders klingt als es ist.
Kurt Wirth
2.935
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 07.05.2020 um 09:35 Uhr
@Stefan Walther
Auch diese Einfachheit reißt mich nicht in Freudentaumel. Und über "wenn-dann-hätte" zu diskutieren halte ich nicht für sehr sinnvoll. Dann wäre der Faschismus vielleicht auch nicht so stark geworden? Oder er wäre vielleicht schon früher (militärisch) besiegt worden?
Michael Beltz
7.740
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 07.05.2020 um 13:20 Uhr
Thomas Mann sagte in einer Rede am 10. Mai in BBC
"Das deutsche Volk vermochte es nicht sich selbst zu befreien...." Dennoch sei die Stunde auch für Deutschland groß. Die Zerschlagung des Faschismus als Befreiung müsse als historische Leistung anerkannt werden, als Chance für die "Rückkehr zur Menschlichkeit".

Mit Herrn Seiler stimme ich darin überein, dass es auch ein besseres Deutschland gab: den antifaschistischen Widerstand.
Stefan Walther
4.777
Stefan Walther aus Linden schrieb am 07.05.2020 um 16:26 Uhr
@ Kurt: muss ich das verstehen? Die beiden letzten Sätze deines letzten Kommentars kapiere ich jedenfalls nicht.

@ Thorsten: freut mich Thorsten dass du hier noch mitliest und auch mal wieder kommentierst! Ich finde du interpretierst hier etwas zu viel in die Überschrift rein "klingt so als wäre der Faschismus aus dem Nichts entstanden...". Es geht meiner Ansicht nach um ein bestimmtes historisches Datum und Ereignis, das es zu würdigen und zu feiern gilt. Zusätzlich, und das gibt der Text des Aufrufs auch her, muss die weitere Entwicklung immer im Blick bleiben usw. usf.

@ Jonas und Michael:
ja, das hatte ich beim ersten lesen nicht bemerkt, es fehlt schon der Hinweis des antifaschistischen Widerstands in Deutschland, und evt. auch dass es nicht nur die Ermordung ( mit dem Ziel der Vernichtung ) der Millionen Juden gab, sondern auch die systematische Verfolgung, Verhaftung... bis hin zur Liquidierung zahlreicher anderer Bevölkerungsgruppen und Gegner des Faschismus.
Kurt Wirth
2.935
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 07.05.2020 um 16:53 Uhr
Nun weiß ich nicht, Michael, wen Du mit dem Thomas-Mann-Zitat ansprechen wolltest. Aber ich stimme dem voll zu und sehe mich auch nicht im Widerspruch dazu. Auch den Aufruf/Beitrag unterstütze ich voll und ganz, bis auf den einen Satz: Wer nicht feiert, hat verloren. Den hätte ich weggelassen.
Bernt Nehmer
2.372
Bernt Nehmer aus Hungen schrieb am 08.05.2020 um 09:13 Uhr
Interessante Beiträge am 7.5.20: Doppelkopf in hr2 Kultur und bei scobel auf 3sat.
Wird die AfD das Treffen in Gießen instrumentalisieren? Ich werde auf jeden Fall keine Kamara haben! Vielleicht der offene Kanal?
Thorsten Lux
908
Thorsten Lux aus Buseck schrieb am 11.05.2020 um 10:19 Uhr
@Stefan
Ich lese immer mal wieder mit und schreibe immer dann, wenn mir das sinnvoll scheint. Ich stimme mit Dir überein, dass es um ein historisches Datum und Ereignis geht: nämlich dass der Krieg ein Ende fand und der deutsche Faschismus keine Regierungsgewalt mehr hatte (okay, einige Faschisten waren danach immer mal wieder in einer Regierung). Und der Artikeltext weißt ja erfreulicherweise sehr eindeutig darauf hin, dass es eben nicht das Ende des Faschismus war, sondern das Ende von dessen Regierungsgewalt in Deutschland.
Das ist nicht wenig und durchaus Dankbarkeit wert.

Dass "auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht", ist die Geschichte jedoch bisher schuldig geblieben, "die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln" und" den "Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit" hat es entsprechend nur teilweise gegeben.

Dass es noch und wieder Menschen gibt, die unter diesen Teil der Geschichte "einen Strich machen" wollen ohne die entsprechenden Lehren gezogen zu haben, weißt für mich deutlich darauf hin, dass das 1945 bei weitem noch nicht "fertig und ausgestanden" war.

Und du hast Recht:
unter Umständen interpretiere ich zu viel in eine Überschrift. Dennoch scheint mir die Diskussion des Themas richtig und wichtig: gerade als ein Mensch, der recht genau spürt, dass die Meinungsfreiheit von manchen Menschen wieder relativiert werden soll, dass manche Menschen glauben, dass die Erklärung der Menschenrechte lange genug existiert, um sie nun auszuhöhlen, dass manche Menschen gerne unter Zuhilfenahme von Angst versuchen das Grundgesetz zu untergraben, dass es Menschen gibt, denen die Bedrohung Andersdenkender längst wieder "normal" und Alltag sein soll.
Und ich glaube, dass wir an dieser Stelle gar nicht so weit auseinander sind.
Stefan Walther
4.777
Stefan Walther aus Linden schrieb am 11.05.2020 um 11:44 Uhr
@ Thorsten
prima dass du jetzt auch nochmal auf meinen Kommentar eingehst und antwortest ( so lange es noch einige wenige gibt, die so Meinungsaustausch führen, so lange werde ich mich hier auch noch in der GZ mit einklinken, die meisten - Beitragseinsteller und Kommentatoren - lassen ja Fragen und Kritiken fast immer einfach so "im Raum stehen", leider... )

Ja, ich denke auch, dass wir hier gar nicht so weit auseinander sind. Wobei ich etwas Probleme habe mit deiner Formulierung von "manchen Menschen", man sollte sie klar benennen = wessen Meinungsfreiheit wird eingeschränkt, wer versucht unter den derzeitigen Bedingungen Grundrechte abzubauen usw.
Ich denke dass es notwendig ist, einerseits den Widerstand gegen den Abbau demokratischer Rechte und Freiheiten klar aufzuzeigen und zu organisieren und andererseits aber auch aufzudecken wer versucht diesen berechtigten Widerstand zu missbrauchen, da ist Aufklärungsarbeit gefragt, ein paar radikal klingende Parolen werden da kaum weiterhelfen, damit isoliert man sich eher selbst... "Protest ist links!", das muss klar sein.

und richtig, und auch das geben der Aufruf und die verschiedenen Reden her, die Gefahr eines Faschismus wird so lange weiter bestehen so lange das kapitalistische Gesellschaftssystem nicht überwunden ist... und auch deswegen, auch da stimme ich dir zu, darf die Diskussion des Themas nicht aufhören...
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) Martina Lennartz

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