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Fuß, Fahrrad und Straßenbahn statt Autos

Werbeplakat für den Aktionssamstag
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Gießen | Verkehrswende-Initiativen wollen wieder verstärkt öffentlich aktiv werden

„Wir wollen die Verkehrswende-Debatte wieder in Gang bringen“, begründen Aktive aus Gießener Verkehrswende-Initiativen ihr Vorhaben, am kommenden Samstag, den 25.4., entlang der Grünberger Straße für den Bau einer Straßenbahn zu demonstrieren. Das geschähe allerdings nur in kleinen Schritten, um bei allem den Schutz vor einer Infektion mit Corona-Viren in den Vordergrund zu stellen. So sollen die Aktionen so gestaltet werden, dass das Anliegen erkennbar wird, aber trotzdem alle vorgeschriebenen Abstände eingehalten, Atemmasken aufgesetzt werden usw. „Wir wollen nicht warten, bis sich alles wieder normalisiert hat, denn diese Normalität heißt dann wieder Unfalltote durch Autos, Luft- und Lärmbelastung und bedrohliche Enge für Fußgänger*innen und Radfahrer*innen“. Ohnehin sprächen die überdurchschnittlichen Todeszahlen durch die von Corona ausgelöste Lungen-krankheit in stark mit Feinstaub belasteten Städten und Regionen für einen Zusammenhang von Luftverschmut-zung und Pandemie-Wirkungen. „Einen umweltfreundlichen Verkehr zu fordern, ist ein Beitrag zur Gesundheit nicht nur für die Nach-Corona-Zeit, sondern schützt zusätzlich auch direkt vor den Folgen des Virus.“
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Dass die Aktivist*innen überhaupt wieder öffentlich für ihre Anliegen eintreten können, haben sie selbst in den vergangenen Wochen vor dem Verfassungsgericht erkämpft. „Die Erleichterung ist groß – bundesweit“, berichten sie von viel Zustimmung auch aus anderen Städten.
Im Mittelpunkt der ersten Verkehrswendeaktion nach dem Ende des totalen Demonstrationsverbots soll die For-derung nach einer Straßenbahn für Gießen stehen. Denn Straßenbahnen seien die leistungsfähigsten Verkehrs-mittel überhaupt – Autos weit überlegen und auch leistungsfähiger als Busse. Zudem böten sie effiziente E-Mobilität und Schutz vor Feinstaub, da es kaum Abrieb an den Rädern gäbe. Straßenbahnen könnten durch eigene Trassen oder schlaue Ampelschaltungen staufrei und damit schneller verkehren als der motorisierte Individualver-kehr. Sie bräuchten keine Flächen in der Stadt für den ruhenden Verkehr und ihre Trassen könnten gepflastert oder begrünt sein, so dass der Anteil versiegelter Fläche sinkt. Außerdem seien Straßenbahnen deutlich besser mit Fußgänger*innenbereichen verbindbar, wie die Erfahrungen mit Straßenbahnen in autofreien Bereichen vieler Städte zeigen.
Für Gießen wünschen sich die Aktivist*innen eine besondere Form der Straßenbahn, die an den passenden Stellen auf dem vorhandenen, durch Reaktivierungen optimierbaren Gleisnetz auch in die Umgebung Gießens fährt und so, zusammen mit gut getakteten Buszubringerlinien, auch die Gemeinden mit ihren Ortskernen und Dörfern im Umland gut anbindet. Diese sogenannten „RegioTrams“ sind schon in einigen Städten Deutschlands im Einsatz und haben sich bewährt.
Demonstriert werden soll am Samstag auch für die weitere und schnellere Einrichtung von Fahrradstraßen, unter anderem kurzfristig einzurichten zu Schulen, um die coronaangst-bedingten Eltern-Taxis bei der bevorstehenden Wiederaufnahme des Schulbetriebs zu vermeiden. Um 12 Uhr treffen sich Radfahrer*innen und andere Menschen auf Rädern, aber ohne Motor, in der Neustadt nahe Oswaldsgarten, um dann zusammen und mit den nöti-gen Abständen auf den beiden inneren Spuren des Anlagenrings die Innenstadt zu umkreisen. Dort soll laut dem von Aktivist*innen vorgeschlagenen Verkehrswendeplan (siehe www.giessen-autofrei.tk) zukünftig die zentrale Fahrradachse entstehen. Die Demonstration für Straßenbahnen beginnt dann um 14 Uhr am Berliner Platz. Zusammen mit einer symbolischen Haltestelle werden die Teilnehmer*innen dann im Abstand einer Autolänge die Grünberger Straße entlang gehen. An den vorgeschlagenen Haltepunkten der Tram werden jeweils kurze Zwischenkundgebungen stattfinden. Umfang und Ablauf der angemeldeten Demonstration sind inzwischen von der Versammlungsbehörde bestätigt worden. „Wir freuen uns, nach dem Hickhack der vergangenen Wochen mit der Stadt wieder auf der Basis der garantierten Versammlungsfreiheit kooperieren zu können, um unser wichtiges Anliegen vorbringen zu können“, fügt der Anmelder der Versammlung, Jörg Bergstedt aus der Saasener Projekt-werkstatt, seiner Einladung zum Mitmachen an. Unterstützung für die Idee der RegioTram ist auch im Internet möglich. Unter www.openpetition.de/!hvqyf sammeln die Aktivist*innen nämlich seit zwei Wochen Unterschriften für einen entsprechenden Bürger*innenantrag. Es wäre der zweite nach dem Klimaschutzantrag „2035null“ aus dem letzten Jahr. Beides sei miteinander verbunden, denn ohne eine konsequente Verkehrswende, sei das Ziel einer klimaneutralen Stadt nicht zu erreichen.

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