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Bewusstsein für die Behindertenhilfe schärfen - Corona-Krise auch für Menschen mit Behinderung eine große Herausforderung / Lebenshilfe Gießen reagiert schnell und entschlossen

Auch Menschen mit Behinderung sind von den Auswirkungen der Corona-Krise betroffen. Viele gewohnte Tagesabläufe sind weggebrochen. In den Wohnstätten der Lebenshilfe Gießen werden BewohnerInnen aktuell rund um die Uhr betreut. (D. Maurer/Lebenshilfe)
Auch Menschen mit Behinderung sind von den Auswirkungen der Corona-Krise betroffen. Viele gewohnte Tagesabläufe sind weggebrochen. In den Wohnstätten der Lebenshilfe Gießen werden BewohnerInnen aktuell rund um die Uhr betreut. (D. Maurer/Lebenshilfe)
Gießen | Pohlheim (-). Die Lebenshilfe Gießen begleitet über 2800 Menschen mit und ohne Behinderung beispielsweise in Wohnstätten, in Werkstätten und auf dem ersten Arbeitsmarkt. Sie verfügt über ein großes Beratungsangebot und betreibt in vielen Kommunen Kindergärten, zudem - über eine Tochtergesellschaft - die Sophie-Scholl-Schulen Gießen und Wetterau. Diese und viele weitere Einrichtungen der Lebenshilfe bekommen die Auswirkungen der Corona-Situation merklich zu spüren. Dennoch sieht sich das Unternehmen, das zu den größten Arbeitgebern der Region zählt, gut aufgestellt und gibt sich optimistisch - auch wenn man das Bewusstsein der Öffentlichkeit und offiziellen Stellen gerne noch etwas mehr für die Belange von Menschen mit Behinderung und das entsprechende Betreuungspersonal schärfen möchte.

„Es ist wichtig zu sehen, dass diese Zeit insbesondere für viele Menschen mit Behinderung keine einfache ist. Wichtige und gewohnte Strukturen sowie Arbeits- und Tagesabläufe, Betreuungs- oder Beratungsangebote in gewohnter Form fallen in beträchtlichem Umfang weg. Die Welt erscheint manchen bedrohlicher, zumal einige Menschen
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mit Behinderung in gesundheitlicher Hinsicht zum besonders gefährdeten Personenkreis in der Corona-Zeit zählen. Es ist von Bedeutung, dass Verantwortliche und Politik die Menschen mit Behinderung im aktuellen Diskurs nicht vergessen, sie mitnehmen und in bei ihren Entscheidungsprozessen stets im Sinn behalten“, wünscht sich Maren Müller-Erichsen, Aufsichtsratsvorsitzende der Lebenshilfe Gießen.

Ein Zwischenfazit für die Lebenshilfe Gießen in Anbetracht der aktuellen Lage formuliert ihr Vorstand Dirk Oßwald: „Wir haben relativ früh auf die Corona-Gefahr reagiert, zügig einen Krisenstab mit allen Leitungskräften, Betriebsrat und Betriebsärztin ins Leben gerufen und unter anderem in unseren Wohnstätten ein weitreichendes Besuchsverbot ausgesprochen, noch ehe behördliche Verordnungen diese Maßnahme vorsah.“

Bewohnerinnen und Bewohner blieben bislang von einer nachgewiesenen Corona-Infektion verschont, auch wenn es durchaus schon einen Fall beim Wohnstätten-Pflegepersonal gab. Die Sicherheitsmechanismen griffen hier jedoch schnell, nachfolgende Tests von Personen, die mit dem betroffenen Personal in Kontakt waren, fielen negativ aus.

„Wir sind im regen Austausch mit anderen Lebenshilfen, aber auch mit den Behörden, dem Gesundheitsamt, der Politik und weiteren Institutionen. Auch wenn wir bislang relativ viel Glück in Sachen Corona hatten, optimieren wir unentwegt unsere Maßnahmen für den Notfall – die Gesundheit unseres Personals und der Menschen mit Behinderung stehen im Fokus all unserer Überlegungen“, versichert Dirk Oßwald, der jedoch auch zu bedenken gibt: „Eine Garantie, dass die Lebenshilfe Gießen und die Menschen, die sie betreut, weitestgehend verschont bleiben, gibt es leider nicht. Gemeinsam mit unseren vielen hervorragenden Mitarbeiter mit und ohne Behinderung versuchen wir aber, dass wir bestmöglich durch dieses Corona-Kapitel gelangen.“

Aktuell betreut die Lebenshilfe Gießen etwa 135 Menschen mit Behinderung in ihren Wohnstätten in Stadt und Landkreis Gießen, zum Bereich Wohnen zählen zudem 110 Personen, die der Dienst des Unterstützten Wohnens (UWO) ambulant begleitet. Wie in vielen anderen medizinischen und pflegerischen Berufssektoren ist auch das Personal der Lebenshilfe Gießen auf eine ausreichende Bereitstellung von Schutzausrüstung angewiesen, dazu zählen etwa Einweg-Kittel, Nase-Mund-Schutz oder Atemschutzmasken. „Noch sind wir gut versorgt, dennoch würden wir uns in dieser Sache wünschen, dass tatsächlich von allen Stellen realisiert wird, dass auch die Behindertenhilfe von der Corona-Krise betroffen ist und bei den Verteilungen von Materialien entsprechend zuverlässig bedacht werden muss“, wünscht sich Jan Hillgärtner, Stellvertretende Bereichsleitung Wohnen, der die engagierte Arbeit des Personals in den Wohnstätten, das auf die Ausrüstung angewiesen ist, hervorhebt: „Wir wissen, dass die Situation immer flüchtig ist und jederzeit auch Fälle vor Ort eintreten können. Die MitarbeiterInnen sind hierbei unser wesentliches Standbein.“

In den Wohnstätten der Lebenshilfe Gießen ist man aktuell rund um die Uhr im Einsatz, zumal die Aktivitäten in den tagesstrukturierenden Werkstätten und Tagesförderstätten in Garbenteich, Lollar, Reiskirchen und Gießen weitestgehend heruntergefahren wurden. Einige Angestellte der Werkstätten und Tagesförderstätten unterstützen aus diesem Anlass den Betrieb innerhalb der Wohnstätten.
Das Personal der LiLo-Küchen und der Tochtergesellschaft proLiLo Gastrowelt gGmbH befindet sich vorerst in Kurzarbeit. Zwar gibt es bei Bedarf eine Notbetreuung in den Werkstätten und auch die Sozialdienste und Gruppenleitungen stehen den MitarbeiterInnen mit Behinderung telefonisch zur Verfügung, vom gewohnten Alltag ist man an den Standorten aktuell aber weit entfernt. Auch wenn Lebenshilfe-Angestellte in einigen Bereichen - beispielsweise in der Wäscherei Lollar – den Betrieb für externe Kunden nach wie vor zuverlässig aufrechterhalten.

In den zehn Kindertagesstätten sowie Kinder- und Familienzentren, die die Lebenshilfe Gießen betreibt, werden ebenfalls Notbetreuungsgruppen angeboten. „Wir arbeiten hier in wirklich sehr kleinen Gruppen und versuchen unsere Kitas und unser Personal so zu strukturieren, dass wir die Notbetreuung auch dann weiterführen können, sollte mal irgendwo ein Corona-Fall auftreten“, erläutert Dr. Rebecca Neuburger-Hees (Bereichsleitung Kindertagesstätten/Kinder- und Familienzentren).

Vorerst bis zum 19. April nicht mehr vor Ort besuchbar sind indes die Beratungsstellen der Ambulanten Hilfen der Lebenshilfe Gießen – wie es ab Montag weitergehen wird, gilt es aktuell noch abzuwarten. Die telefonische Erreichbarkeit des Beratungspersonals ist jedoch gewährleistet, die offiziellen Sprechzeiten und Kontaktdaten für den Familienunterstützenden Dienst, die Frühförder- und Beratungsstelle, die Beratungsstelle Unterstützte Kommunikation, die Familienberatungsstelle sowie die Koordinierungsstelle Migration und Behinderung finden Sie im „Corona-Ticker“ der Lebenshilfe Gießen auf www.lebenshilfe-giessen.de.

„Über die offiziellen Telefonzeiten hinaus“, so Gabi Mehmet (Stellvertretende Bereichsleitung Ambulante Hilfen), „können Klienten ihre persönlichen BegleiterInnen auch über die ihnen bekannten Möglichkeiten erreichen.“

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