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Saisonrückblick des BC Marburg

Patrick Unger hat nach mehr als sieben Jahren seine Trainertätigkeit beim BC Marburg beendet. Foto: Laackman/PSL
Patrick Unger hat nach mehr als sieben Jahren seine Trainertätigkeit beim BC Marburg beendet. Foto: Laackman/PSL
Gießen | Oft fehlten nur Kleinigkeiten

Wegen der Corona-Krise kam das Ende der Spielzeit 2019/20 so daher wie sie für das Pharmaserv-Team verlaufen war: turbulent. Dabei waren die ersten Wochen der Saison vielversprechend: Nach einem Dämpfer am ersten Spieltag folgten fünf Siege in Folge: drei in der Liga, einer im Pokal und einer in der Central Europe Women League.

Beim Deutschen Meister in Herne führte der BC nach 30 Vierteln. Und dann wurde es düster. Dass der Ausfall eines Teils der Deckenbeleuchtung in der Herner H2K-Arena den Wendepunkt der kompletten Marburger Saison einläutete, war nicht zu ahnen. Die Partie ging 65:74 verloren.

Aber es kam noch heftiger: Eine Woche drauf im Heimspiel gegen Top-Favorit Keltern schied BC-Kapitänin Marie Bertholdt in der zweiten Minute mit einem Kreuzbandriss bis Saisonende aus. Das Pharmaserv-Team bot eine seiner besten Saisonleistungen und unterlag erst in den Schlusssekunden gegen den späteren Hauptrunden-Sieger mit 85:88.

Dann stellte sich heraus, dass sich Marburgs Topscorerin Alex Kiss-Rusk eine schwere Schulterverletzung zugezogen hatte: Saisonaus. Das nächste Ligaspiel ging nach Verlängerung verloren. Sieben Bundesliga-Partien in Folge blieb Marburg ohne Sieg. Im CEWL-Spiel in Ostrava zog sich Kim Winterhoff einen Kreuzbandriss zu.

Zwar kam Dreier-Königin Katie Yohn zurück. Doch weitere Verletzungen – allein Johanna Klug und Mali Sola fielen mehrfach aus – sorgten für schwankende Leistungen. Oft fehlten nur Kleinigkeiten. Wie im Pokalviertelfinale, das in Wasserburg durch einen Dreier in letzter Sekunde verlorenging. Sechs der 16 Niederlagen in Liga und Pokal endeten mit sieben Punkten oder weniger.

Im Januar stieß Maryna Ivashchanka zum Team und sorgte unter dem Korb für Entlastung. Das Pharmaserv-Team qualifizierte sich für das Final Four in der CEWL und gewann die direkten Duelle gegen die Konkurrenz im Kampf um den Klassenerhalt: 68:64 und 77:74 gegen Halle, 66:60 gegen Saarlouis.

Die geplante Partie am letzten Spieltag der Hauptrunde gegen Hannover hätte für den BC nur noch statistischen Wert gehabt. Vor allem aber hätten sich die Mannschaft und ihr scheidender Trainer Patrick Unger von den Fans verabschieden können. Doch Corona verhinderte selbst das.

Das Pharmaserv-Team beendete die abgebrochene Erstliga-Saison auf dem neunten Platz mit einer Bilanz von 6 Siegen bei 15 Niederlage und einem Korbverhältnis von 1488:1576 – offensiv Platz 8, defensiv Platz 9.

Den besten Punkteschnitt in der Liga erreichte Kiss-Rusk (13,8), die allerdings nur in den ersten sechs Spielen eingesetzt wurde. Dahinter folgen Nationalspielerin Alex Wilke (13,6 / 20 Spiele) vor Tonisha Baker (12 / 21) und Yohn (9,5 / 13).

Trainer Unger setzte in den 32 Saisonspielen 18 Spielerinnen ein, darunter vier Debütantinnen, die in der Jugend des BC ausgebildet wurden: Lisa Kiefer, Lisa Bonacker, Luzie Hegele und Annika Krusche. Diese vier standen in den letzten 75 Sekunden des CEWL-Heimspiels gegen Brno (72:88) gemeinsam auf dem Feld. Ergänzt durch Hanna Reeh, die mit 19 Jahren und 340 Tagen die Älteste der fünf Marburgerinnen waren. Altersschnitt des Quintetts: 18 Jahren und 168 Tage.

Fazit des Trainers Patrick Unger, der nach mehr als sieben Jahren als Head-Coach des Pharmaserv-Teams nun als Koordinator an die Basketball-Akademie der Giessen 46ers wechselt:
Der Tiefpunkt war das Keltern-Spiel. Bei Marie war mir relativ schnell klar, dass die Verletzung ihr Saisonende bedeuten würde. Und bei Alex Kiss-Rusk hab ich Schlimmes befürchtet, auch wenn nicht gleich klar war, was los war. Aber so hatte ich sie noch nie gesehen. Das tat mir so Leid für die beiden, weil ich so gern mit ihnen zusammengearbeitet habe. Und auch für die Mannschaft. Der Einzug ins CEWL-Final-Four war eine Top-Sache für uns. In der Liga waren wir oft nur ganz nah dran, das war schon enttäuschend. Aber wir haben immer gesagt: Wir messen Erfolg nicht nur an Sieg oder Niederlage. Wir wollten die Spielerinnen weiterentwickeln. Wenn man sieht, was Alex Wilke für eine Saison gespielt hat, dann ist das schön. Joey Klug hat sich stark verbessert und uns durch eine ganz schwere Zeit getragen. Wenn Joey gut gespielt hat, haben wir es auch. Theresa Simon hat sich super weiterentwickelt. Mit Lisa Kiefer haben wir unsere internen Ziele erreicht. Leider mussten wir unserer Situation allerdings einen heftigen Spagat zwischen Siegen und Weiterentwicklung machen.


O-Ton des BC-Präsidenten Oliver Pohland:
Wir alle können auf der Ebene der Bundesliga die Saison nicht so zu Ende führen, wie wir uns das gewünscht haben. Die aktuelle Situation führt dazu, dass wir – also Vorstand und Bundesligateam – uns nicht einmal wie gewohnt bei Helfern, Fans, Sponsoren und Besuchern für die Unterstützung bedanken können. Es führt sogar dazu, dass der Vorstand sich von Teilen des Teams nicht mehr verabschieden konnte. Vor allem bedauere ich aber, dass wir nach einer schwierigen und vielen erfolgreichen Saisons unseren Headcoach Patrick Unger nicht angemessen verabschieden konnten. Besonders Letzteres wollen und werden wir zu einem späteren Zeitpunkt mit Ihnen allen gerne nachholen. Mir bleibt daher heute nur, im Namen des gesamten BC Danke an Patrick Unger für die vielen Jahre als Head Coach des BC zu sagen. Er hat mit Fleiß, Disziplin, Mühe und stetem Willen nach Verbesserung dem Damen-Basketball in Marburg und in Deutschland nachhaltig geprägt und hat sich um den BC verdient gemacht. Ich danke Patrick Unger, seiner Frau Jenny sowie der gesamten Familie, die ihn stets unterstützt haben, und wünsche ihm für seine private wie berufliche Zukunft nur das Beste.

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von:  Marcus Richter

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