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„Limes-Shuffle“ für alle - Volkshochschule des Landkreises und Lebenshilfe Gießen bieten gemeinsam inklusive Kurse an

VHS-Kursleiter Oliver Neundorf (links) mit seinen TanzschülerInnen in der Tagesförderstätte Garbenteich.
VHS-Kursleiter Oliver Neundorf (links) mit seinen TanzschülerInnen in der Tagesförderstätte Garbenteich.
Gießen | Pohlheim/Giessen (-). „Side, close, side, close, side, close, side, touch“, tönt es durch die Turnhalle der Tagesförderstätte Garbenteich. Die Stimme zu dieser rhythmischen Bewegungsvorgabe für den „Limes-Shuffle“ gehört Oliver Neundorf, passionierter Country-Musiker, Mitglied der Lion-Dancer und ehrenamtlicher Linedance-Trainer. Durch den Raum bewegen sich sechs Frauen und zwei Männer, denen es sichtlich Freude bereitet, ihre Schritte nach den Vorgaben des Trainers zu lenken. Linedance ist eine choreographierte Tanzform, bei der sich einzelne TänzerInnen zu Country-Musik in Reihen und Linien vor- und nebeneinander rhythmisch bewegen.

Immer montags um 16:30 Uhr trifft sich in der Tagesförderstätte der Lebenshilfe Gießen eine bunt gemischte Gruppe von Menschen, die Spaß an Bewegung haben. Neu für diesen Volkshochschulkurs ist der Ort. Die Tagesförderstätte befindet sich direkt gegenüber der Limeswerkstatt. Die „Limes“, wie sie hier fast zärtlich genannt wird, ist die größte Werkstatt für Menschen mit Behinderungen der Lebenshilfe Gießen.

Die weltweite Linedance-Szene kennt rund 12.000 Tänze. Und viele sind ziemlich anspruchsvoll. Deswegen hat Neundorf die Schrittfolge des Cupid Shuffle kurzerhand vereinfacht und den Shuffle in „Limes-Shuffle“ umbenannt. Jetzt können auch alle TeilnehmerInnen mit körperlichen Einschränkungen mittanzen. Unterstützt werden sie dabei von Karine Dittbrenner, der Assistentin von Neundorf.

Gisela Knecht, seit 2013 Mitarbeiterin der Lebenshilfe, findet es äußerst praktisch, dass der Linedance-Kurs von Oliver Neundorf nur zwei Minuten entfernt von ihrem Arbeitsplatz in der Zentralküche stattfindet: „Da kann ich nach der Arbeit direkt hierbleiben und zum Tanzen gehen.“ Gefragt, wie sie denn auf den Kurs aufmerksam geworden sei, berichtet Gisela Knecht, dass sie bei einer inklusiven MitarbeiterInnen-Party der Lebenshilfe im Sommer letzten Jahres eine Vorführung der Lion-Dancer miterlebt habe. Der Auftritt hat ihr so gut gefallen, dass sie auch mittanzen wollte. Mittlerweile besucht Gisela Knecht den Linedance-Kurs regelmäßig. Auch beim dritten Durchgang, der am 9. März beginnt, wird sie wieder dabei sein.

Der Tanzkurs resultiert aus einer Kooperation zwischen der Volkshochschule des Landkreises Gießen mit der Lebenshilfe Gießen. Eric Mootz, pädagogischer Mitarbeiter für Inklusion und Barrierefreiheit bei
Lindedance fördert das Rhythmusgefühl. Getanzt wird gemeinsam - ein Partner ist nicht erforderlich.
Lindedance fördert das Rhythmusgefühl. Getanzt wird gemeinsam - ein Partner ist nicht erforderlich.
der Volkshochschule des Landkreises, zeichnet sich zusammen mit Stefan Bolz, Leiter des Berufsbildungsbereichs der Lebenshilfe, verantwortlich für die inklusiven Kursangebote der Volkshochschule. Mootz hospitierte sogar bei der Lebenshilfe. Dieser Umstand sowie der intensive Austausch mit Stefan Bolz trugen schnell Früchte: Herausgekommen sind seit Februar 2019 vier neue Kursangebote, die sich explizit an Menschen mit und ohne Behinderungen richten. Neben Linedance gehören ein Holzwerkstatt-Kurs, ein Kurs zum Selbstmachen von Kerzen und ein Kurs für progressive Muskelentspannung dazu.

Die Stelle von Eric Mootz besteht seit März 2018 und wird bis Ende 2020 über den Weiterbildungspakt des hessischen Kultusministeriums finanziert. Eric Mootz versteht sich als Bindeglied zwischen Öffentlichkeit, Volkshochschule und Kooperationspartnern: „Ich sehe meine Aufgabe darin, Menschen mit Beeinträchtigungen Zugänge zu unseren Bildungsangeboten zu schaffen, indem ich Hemmschwellen reduziere und Barrieren absenke. Konkret heißt das zum Beispiel, dass wir neben den inklusiven Kursen eine spezielle Höranlage angeschafft haben, die es hörbeeinträchtigten Menschen ermöglicht, Kursgespräche direkt auf das Hörgerät übermittelt zu bekommen.“ Nach zwei Jahren Aufbauarbeit sei es jetzt soweit, dass seine Unterstützungsangebote in der Zielgruppe bekannter werden und die Kursinteressierten auf ihn zukommen.

Durch das gemeinsame inklusive Kursangebot von Lebenshilfe und Volkshochschule werden in beide Richtungen Barrieren abgesenkt. Nicht nur Gisela Knecht kommt jetzt direkt nach der Arbeit auf dem Gelände der Limeswerkstatt zum Tanzen. Sie trifft dort auch auf eine bewegungsfreudige Seniorin aus Garbenteich, die sehr froh darüber ist, dass die Volkshochschule des Landkreises auch bei ihr vor der Haustür einen Linedance-Kurs anbietet. Da kann sie zu Fuß hingehen. Dass der Kurs inklusiv angeboten wird, findet sie gut. Schließlich gehört die Limeswerkstatt für sie fest zur Nachbarschaft dazu.

Weitere Informationen zum inklusiven Kursangebot: Eric Mootz, Volkshochschule des Landkreises Gießen, Tel: 0641 93 90–5702, E-Mail: eric.mootz@lkgi.de.

VHS-Kursleiter Oliver Neundorf (links) mit seinen TanzschülerInnen in der Tagesförderstätte Garbenteich.
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