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PRO BAHN Regionalverbände Nordhessen, Osthessen und Mittelhessen üben Kritik an einseitiger Bahnpolitik von Landesverkehrsminister Al-Wazir

Gießen | Regionalverbände des Fahrgastverbandes PRO BAHN werfen Landesverkehrs-minister Al-Wazir einseitige Politik und falsches Zahlenspiel bei den Schieneninvestitionen vor, da nur in und um Frankfurt investiert werden soll

Die PRO BAHN Regionalverbände Mittelhessen, Nordhessen und Osthessen üben deutlichen Protest angesichts der am 06.02.2020 verlautbaren Mitteilung des Hess. Verkehrsministers Al-Wazir, dass 20 Milliarden Euro als Rekordinvestition in die Schiene gesteckt werden. Dies sei durch und durch eine verklärende Mogelpackung mit medialer Irreführung.

Al-Wazir offenbare deutlich, dass er für das Flächenland Hessen wenig empfinde. Anders kann man es nicht deuten, dass fast alle von ihm aufgezählten Projekte in und um die Metropole Frankfurt und im Rhein-Main-Gebiet zu finden seien. Lediglich die Güterverkehrskurve Kassel und eine rudimentäre Ertüchtigung von einzelnen wenigen Bahnsteigen und Bahnübergängen auf der Strecke Marburg-Frankenberg-Korbach seien in der Liste außerhalb des Frankfurter Speckgürtels zu finden. Al-Wazir setze damit sein zentralistisches einseitiges Augenmerk fort, welches er mit dem
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Stichwort „Frankfurter Bogen“ auch vor wenigen Monaten geäußert habe. „Für ihn gelten nur die Menschen in der Entfernung von 30 Zugfahrtminuten zum Frankfurter Hauptbahnhof etwas“, so der Fahrgastverband PRO BAHN während der Regionalversammlung in Gießen.

Die schwarz-grüne Landesregierung offenbart damit ihre einseitige Ausrichtung, welche nicht mehr auf einem breiten gesellschaftlichen Konsens der verschiedenen Regionen in Urbanität und Land beruhe. Anscheinend sei es in der Landespolitik nicht angekommen, dass man im „Frankfurter Bogen“ keine bezahlbare Wohnung mehr finde und der Wohnungsbau nicht soweit gesteigert werden könne, dass sich in absehbarer Zeit die Lage entspanne. 60-90 Minuten pendeln zum Arbeitsplatz werde es auch in Zukunft massenhaft geben. Es können nicht alle Hessen in und um Frankfurt wohnen.

Die PRO BAHN Regionalverbände Mittelhessen, Nordhessen und Osthessen vermissen in der Liste Projekte wie viele Bahnstationsausbauten in den drei hessischen Regionen aber auch z.B. die Lumdatalbahn im Landkreis Gießen, die Herkulesbahn in Kassel, die Naumburger Bahn bzw. den Abschnitt der Lossetalbahn im Süden Kassels. Die in Gießen zusammengekommenen PRO BAHN-Vertreter suchen aber auch vergeblich Akzente zur überlasteten Odenwaldbahn im Süden Hessens. Eine Liste von früheren Bahnstrecken, welche entweder reaktiviert bzw. wiederaufgebaut werden können, biete beste Möglichkeiten, nun endlich die Verkehrswende umzusetzen. Das Argument, dass in der Liste nur baureifere Projekte enthalten sind, greife nicht, weil z.B. die Horlofftalbahn in keinem besseren Prüfungsstatus sei als die Lumdatalbahn. Zudem liege die Machbarkeitsstudie für den Frankfurter Fernbahntunnel erst Mitte 2021 vor.

Erschreckend sei, dass in dieser 20 Milliarden-Präsentation des Verkehrsministeriums alles in einem Topf geworfen werde. Da liste man die U2 in Bad Homburg, eine rein kommunale Investition, neben der Reaktivierung der Horlofftalbahn, der Elektrifizierung der Taunusbahn, beides Regionalverkehr als Landesaufgabe. Dazu geselle sich in der Liste der Fernbahntunnel sowie eine geplante Güterverkehrsstrecke als Aufgabe des Bundes. Wenn die Bürgerinnen und Bürger gegenüber Politik und Wirtschaft so argumentierten, werde man in die unfachmännische Schmuddelecke gestellt. Von ministerieller Seite dürfe man aber seltsamer Weise diese „Vermischung von Fakten“ ausrufen.

Fazit sei, Minister Al-Wazir und mit ihm der RMV, sie produzieren immer öfters nur eigenwirksame Schlagzeilen für die Medien, anstatt wirklich eine flächendeckende Umwelt- und Verkehrspolitik gegen den Klimawandel und gegen die Entvölkerung hunderter Ortschaften und kreisweiter Landstriche auszugestalten.

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Kommentare zum Beitrag

Bernt Nehmer
2.174
Bernt Nehmer aus Hungen schrieb am 27.02.2020 um 09:46 Uhr
Ein ausführlicher Bericht, der hoffentlich nicht tatenlos im Cloud Netzwerk landet. Für eine Aktion bin ich zu haben.
116
Julius Epstein aus Gießen schrieb am 28.02.2020 um 08:41 Uhr
Im Rhein-Main-Gebiet wohnen und arbeiten die meisten Menschen, also bringen die Investitionen dort die meisten Effekte. Das ist doch absolut sinnvoll. Zumal erst dort die Nadelöhre beseitigt werden müssen, damit andere Projekte vollen Nutzen bringen können.
Abgesehen davon ist die Kritik ja auch inhaltlich falsch, es werden ja diverse Projekte genannt, die außerhalb Rhein Main liegen.
Endlich erhält der Bahnverkehr mal einen etwas höheren Stellenwert, aber von pro Bahn kommt als Antwort nur Kritik. Das die dann auch noch mit solchen Pöbeleien verbunden ist, ist völlig daneben.
PRO BAHN Landesverband Hessen
259
PRO BAHN Landesverband Hessen aus Gießen schrieb am 28.02.2020 um 09:02 Uhr
Herr Epstein, es werden außerhalb des Zulaufs auf Frankfurt, dazu zählt nun mal auch die Horlofftalbahn in der Wetterau, nur die rudimentäre Ertüchtigung zwischen Marburg und Frankenberg als Notagel sowie die Kasseler Güterverkehrskurve genannt. Es fehlt die Lumdatalbahn, der Ausbau vorhandener Strecken in Mittelhessen und alle Sachen in und um Kassel. Das ist ein Offenbarungseid des Verkehrsministers. Wenn er weiter so macht, nur nach den Worten der Wirtschaft und des Kapitals zu sprechen, dann ist er kein Minister der Bürgerinnen und Bürgern mehr. Gerade dass die Lumdatalbahn fehlt, das ist ein Skandal ersten Ranges.
Martin Wagner
2.622
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 01.03.2020 um 19:21 Uhr
Herr Epstein; ich erkenne in dem Artikel von diesem Fahrgastverband (es gibt auch andere) keine Pöbeleien, sondern eher in weiten Teilen eine weichgewaschene Version einer korrekten Beschreibung des flächendeckenden Versagens der Parteien des herrschenden Blockes im OEPNV-Bereich.

Zum Beispiel hätte ich in diesem Zusammenhang ganz deutlich geschrieben (und diese Damen und Herren verstehen eben nur unmissverständliche Worte): ... die Zeit ist mehr als überfällig, dass sich die Damen und Herren der Politik aus "dem Enddarm der Autokapitalisten" raus bewegen und (auch) auf die Interessen der nicht autofahrenden Bevölkerung Rücksicht nehmen.

Wenn ich mich nicht am Riemen reissen und mich selber bremsen würde und dabei das Wort vom A..... eingesetzt hätte; ja dann - und nur dann - Herr Epstein könnte mann / frau eventuell von Pöbelei sprechen.
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