Bürgerreporter berichten aus: Gießen | Überall | Ort wählen...

Feurio! Funkensonntag, Hutzelfeuer, Burgbrennen, Hüttenbrennen...

von Kurt Wirtham 25.02.20201651 mal gelesen14 Kommentare
Funkenfeuer in Buchenberg/Oberallgäu
Funkenfeuer in Buchenberg/Oberallgäu

Mehr über

Brauchtum (20)Allgäu (142)
Stöbern Sie in den Stichworten (Hilfe), um verwandte und ähnliche Beiträge zu entdecken:

Dies könnte Sie zum Thema auch interessieren

Die Marktstände wurden wegen Corona "entzerrt"
Wochenmarkt vor idyllischer Kulisse - selbst zu Coronazeiten
Heute vormittag fand wieder der regelmäßige Wochenmarkt auf dem...
am Nebelhorn/Gipfelhang
Statt eines Osterurlaubs ...
ein paar Impressionen von einem solchen im Jahre 2013. Die Fotos...
im Adelegg-Gebiet im Allgäuer Alpenvorland zwischen Kempten und Isny
Riesenfichte - 53 m
Krokusse am Hauchenberg (Allgäu)
Der Schnee ist weg - die Wiese bleibt weiß!
Frauenschuhblüte
Frauenschuh und andere Orchideen in freier Wildbahn
Entstanden sind die Fotos in und um den Rohrbachtobel im Allgäuer...
am Eschacher Weiher bei Buchenberg/Oberallgäu
Eigentlich ein ganz normaler ausgehender Winter im Allgäu

Kommentare zum Beitrag

Kurt Wirth
3.004
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 25.02.2020 um 20:59 Uhr
Am Sonntag nach dem Aschermittwoch (Beginn der Fastenzeit) werden im schwäbisch-alemannischen Sprachraum Funkenfeuer abgebrannt. Dazu wird ein großer Haufen aufgeschichtet, bestehend großenteils aus den ausrangierten Christbäumen sowie anderen brennbaren Materialien wie alte Möbel und hölzerner Bauschutt. Heutzutage muß da allerhand in Richtung Umweltschutz beachtet werden. In meiner Kindheit wurden da sorglos alte Autoreifen, Öl- und Chemikalienbehälter etc. mit verbrannt.

In der Mitte des Haufens steht ein Mast oder entasteter Baum (der Rest eines solchen ragt im Bild nach rechtsoben), an den eine als Hexe verkleidete Strohpuppe gekreuzigt ist. Die ist manchmal auch mit Feuerwerkskörpern ausgestopft und wenn das Feuer bis zu ihr hochschlägt und sie zu brennen anfängt ertönt Freudengeschrei und Beifall bei den Zuschauern. Da schlägt der "barbarische" Ursprung dieses Brauchtums durch.

Das Funkenfeuer soll auf heidnisch-germanische Gepflogenheiten zurückgehen, die den Winter austreiben sollten. Heutzutage werden dabei Getränke- und Bratwurststände aufgebaut. Früher gab es im Anschluss zu Hause oder in der Gastwirtschaft Apfelküchle.

Da der Haufen schon vor dem Sonntag aufgeschichtet werden muß, wird eine Funkenwache installiert, die darauf zu achten hat, daß der Funken nicht vorzeitig angezündet wird. Die meisten Funken stehen auf Hügeln und Anhöhen und sind weit ins Land zu sehen.
H. Peter Herold
28.930
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 26.02.2020 um 14:27 Uhr
Schöne Tradition.
Andrea Mey
10.925
Andrea Mey aus Lollar schrieb am 28.02.2020 um 23:41 Uhr
Finde ich gar nicht!
Das erinnert doch alles sehr an die Hexenverbrennungen im Mittelalter!
Zitat "In der Mitte des Haufens steht ein Mast oder entasteter Baum (der Rest eines solchen ragt im Bild nach rechtsoben), an den eine als Hexe verkleidete Strohpuppe gekreuzigt ist."
Das war ein grausames Ritual im Mittelalter!!!
Das muß man nicht noch beschönigen!
Mal abgesehen davon, je nachdem wie lange dieser brennbare Haufen schon aufgeschichtet ist, suchen dort viele Tiere Unterschlupf und können dem Feuer möglicherweise nicht mehr entkommen...
Diese ganzen Feuer (Osterfeuer, Sonnwendfeuer oder wie hier beschrieben das Funkenfeuer) gehören verboten!
Kurt Wirth
3.004
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 29.02.2020 um 07:51 Uhr
Nicht nur im Mittelalter. Auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands wurde die letzte Hexe 1775(!) zum Tode verurteilt. da kannte man schon die Dampfmaschine und allerhand weiteren wissenschaftlichen Fortschritt:
http://de.wikipedia.org/wiki/Anna_Maria_Schwegelin

Wie da zu ersehen ist, weiß man erst seit 1995, daß der für das Urteil letztverantwortliche Fürstabt (selbst höchstwahrscheinlich durchaus aufgeklärt und gar nicht hexengläubig) die "Hexe"klammheimlich zu lebenslänglich begnadigt hat und diese 1781 im Gefängnis starb. Die übliche Böllersalve nach einer Hinrichtung hat man dennoch abgegeben und die Bevölkerung von Kempten war damit der Meinung, die Hinrichtung habe stattgefunden.

Ich habe mich in meinem Kommentar bewußt einer gewissen Distanzierung und Neutralität bemüht, um die Diskussion zu fördern. In jüngerer Zeit dient das alles der heutigen "Event"-Kultur: Feste um jeden Preis, den Touristen etwas bieten und jedes Dorf höher, größer und besser und die höchste Besucherzahl.
H. Peter Herold
28.930
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 29.02.2020 um 12:49 Uhr
Liebe Andrea, ich möchte deine Interpretation so nicht stehen lassen.
Siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Funkenfeuer

Daraus nur zwei Ausschnitte:

Der Ursprung dieses Brauches ist, obwohl er außergewöhnlich früh schon belegt ist, unklar. Frühe Überlegungen dazu gingen meist davon aus, dass es sich um Überreste eines heidnisch-germanischen Brauchtums zur Vertreibung des Winters sei.

Erst mit der Aufklärung wurde er zurückgedrängt. Die Verbrennung einer Hexenpuppe auf dem Funken ist nicht ein Rest der Hexenverbrennungen der frühen Neuzeit, sondern vermutlich erst im 19. Jahrhundert in Anlehnung an die Fastnacht entstanden.

Es darf hier nicht nur oberflächlich feministisch argumentiert werden.
Andrea Mey
10.925
Andrea Mey aus Lollar schrieb am 29.02.2020 um 13:54 Uhr
Herr Wirth, vielen Dank für Ihre Erläuterung.
Peter Herold, ich verbitte mir, meinen Kommentar als oberflächlich feministisch zu bezeichnen!
Der Gedanke der Hexenverbrennung kam mir als ich den oben zitierten Satz gelesen habe. Der Verfasser hat es ja nochmal gut erläutert.
Die angegebenen Links werde ich allerdings nicht öffnen das geht mir zu sehr ins Endlose.
Ich bin eben generell gegen diese ganzen traditionellen Feuer, aus Sicht des Tierschutzes habe ich das in meinem obigen Kommentar erwähnt.
Das ist weder oberflächlich noch feministisch!!!
Kurt Wirth
3.004
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 29.02.2020 um 19:47 Uhr
Es wäre noch anzumerken, daß im Gebiet des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation schätzungsweise ein Viertel aller wegen Hexerei Angeklagter Männer waren. Das soll auch damit zusammenhängen, daß die Hexenverfolgung aus der Verfolgung der Ketzer herauswuchs. Zwischenzeitlich nahm der Anteil der Männer dann ab, um gegen Ende wieder zuzunehmen. In Frankreich war der Anteil der Männer noch höher:
http://de.wikipedia.org/wiki/Hexer
H. Peter Herold
28.930
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 01.03.2020 um 01:51 Uhr
Ich weise aber nochmal darauf hin, dass de Funken auch Sonnwendfeuer mit Hexenverbrennungen m. E. nichts zu tun haben. Die Entstehung reicht weiter zurück.
Kurt Wirth
3.004
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 01.03.2020 um 18:49 Uhr
Prompt geriet gestern durch Funkenflug von einem Funkenfeuer ein 350 Jahre alter Bauernhof (strohgedeckt) im Bauernhofmuseum Illerbeuren in Brand. Schaden: 750.000 Euro
H. Peter Herold
28.930
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 01.03.2020 um 22:11 Uhr
Das hätte bedacht werden müssen. Wer hat es denn genehmigt?
Kurt Wirth
3.004
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 02.03.2020 um 07:58 Uhr
Die Genehmigungen für solche "Brauchtumsfeuer"erteilen die Ordnungsämter der zuständigen Gemeinden. Sie machen auch Vorgaben über die Verbrennungsmaterialien, Mindestabstände u.a. Aber der Wind und Funkenflug richten sich halt nicht immer nach den Vorschriften :-)

In der Praxis finden die Feuer eben dort statt, wo sie schon immer stattfinden.
H. Peter Herold
28.930
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 02.03.2020 um 08:49 Uhr
Ist doch meist nicht in der Nähe von Gebäuden.
Kurt Wirth
3.004
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 02.03.2020 um 13:11 Uhr
Nach näheren Informationen: Der Funken wurde in diesem Fall von der Gemeinde selbst durchgeführt. Er war 200 m von dem abgebrannten Bauernhof entfernt. Ein Trupp Feuerwehrleute war von Anfang an zugegen , wie immer.

In Amendingen fand der Funken übrigens in der Nähe des Feuerwehrhauses statt und die Feuerwehr hatte zu tun, ihr eigenes Gebäude vor einem Übergreifen des Brandes zu schützen. Das Problem soll das stürmische wetter gewesen sein.
H. Peter Herold
28.930
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 02.03.2020 um 22:49 Uhr
Danke für die Info
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) Kurt Wirth

von:  Kurt Wirth

offline
Interessensgebiet: Gießen
Kurt Wirth
3.004
Nachricht senden
Aktuellste Beiträge des Autors:
die Mädelegabel über dem Schwarzmilzferner
Ein Gletscher verschwindet - der Schwarzmilzferner in den Allgäuer Alpen
Bei den "deutschen" Gletschern (nördlicher und südlicher Schneeferner...
vom Besler (1.679 m) bei Obermaiselstein (Allgäu)
Das ist der Gipfel...

Weitere Beiträge aus der Region

Dem Sonnenaufgang entgegen
TSV Klein-Linden Lauftreff läuft dem Sonnenaufgang entgegen
Junge Rehe als Begleiter, die aufgehende Sonne im Gesicht, ein toller...
Eifriger LENNY
Dobermann-Mix Lenny (*Dez 18) ist ein energiegeladener und...
Zwei "Pechvögel" - LUPO und LOURDES
Diese beiden Katzen sind Lupo und Lourdes. Sie sind seit heute wieder...

Dieser Beitrag als Banner

Um diesen Beitrag als Banner auf deine eigene Homepage einzubinden, kopiere einfach folgenden Link und füge diesen Code in deiner Homepage ein.
Link:
Übrigens: unter "Meine Seite" findest du auch einen Banner zum Einbinden der letzten Beiträge, die du selbst verfasst hast.