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"Ein Glas Sake auf den Kieferninseln": Ein Literaturgespräch über Marion Poschmanns japanophilen Roman

Gießen | Lollar. Zahlreiche Gäste säumten die Stuhlreihen im Lesesaal der Mediothek. Die Deutsch-Japanische Gesellschaft Linden-Warabi und die Mediothek der Clemens Brentano Europaschule luden anlässlich ihrer Kooperation zu einem interkulturellen Abend ein. Schwerpunkt der Veranstaltung war Peter Ihrings Einführung in den 2017 erschienenen Roman "Die Kieferninseln" von Marion Poschmann. Das Buch der Autorin, die selbst mehrere Monate in der Villa Kamogava in Kyoto zu Gast war, schaffte es 2018 auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises. Ihring, Professor an der Universität in Frankfurt, ist auch für seine Literaturgespräche in der Licher Stadtbücherei bekannt. Der Experte für Romanische Literaturen betrachtete das Werk als "zarte Satire", die die westliche Ignoranz der Hauptfigur entlarvt.
In dem Buch bricht Gilbert Silvester, ein Drittmittel-Akademiker, als Kaffeetrinker Hals über Kopf nach Japan auf. Der Grund - ein abstruser nächtlicher Ehe-Alptraum. Panikhaft flieht er vor dem Gedanken, dass ihn seine erfolgreiche Frau Mathilda betrogen haben könnte. Für den Leser beginnt ein erzählerisches Schattenspiel von Traum und Realität.
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Gilbert begibt sich auf eine Pilgerfahrt auf den Spuren des japanischen Dichters Basho, wo der geisteswissenschaftliche Experte für Bärte auf einen suizidalen jungen Japaner namens Yosa Tamagotchi trifft. Um diesen von seinem tödlichen Vorhaben abzubringen, reist Gilbert mit dem lebensmüden jungen Mann durch Japan. Das Handbuch des Suizids liefert fortan den roten Faden für den kurzen Roman, in dem Marion Poschmann all ihre Sprachkunst entfaltet.
Gilbert scheitert in dem Bestreben, sich japanischer Lebensphilosophie und fernöstlicher Mentalität zu öffnen. Er kann den Zeitlupenbewegungen eines Schauspielers im traditionellen Kabuki-Theater nichts abgewinnen. Und genauso wenig gelingt es ihm, sich in die philosophisch aufgeladene Naturdichtung Bashos einzufühlen. Gilberts Haiku-Schreiben ist der leere Reflex eines ignoranten Westeuropäers auf die hohe japanische Wortkunst. Für das Publikum stellte sich hier die Frage, können und dürfen wir überhaupt Haikus schreiben? Die Antwort aus dem Publikum: Ja wir dürfen, denn über die produktive Auseinandersetzung mit dieser strengen Kurzform japanischer Dichtung gewinnen wir einen ersten Zugang zu ihr und bestenfalls hieraus ein Verständnis für die in Teilen so fremde Kultur. Und das war ja dann auch das gemeinsame Ziel der DJG und der Mediothek, Menschen unterschiedlichen Hintergrunds zusammenzuführen und sie für das so ferne Japan zu begeistern. Alles in Allem war dies ein überaus geselliger Abend, bei dem sich die Gäste bei einem Glas Sake über viele Dinge noch lange nach dem Vortrag austauschten.

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von:  Christiane Süßel

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Interessensgebiet: Gießen
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