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„Großer Zugewinn für die Jugendlichen“ - Berufsorientierungsstufe „Startbahn“ der Sophie-Scholl-Schule zieht Bilanz

Die SchülerInnen der Startbahn u.a. mit Pädagogin Peristera Giannikos (hinten, Zweite v.r.), Leiterin Katrin Arbeiter (h.v.l.) und der pädagogischen Mitarbeiterin Alida Beul (Zweite v.r.).
Die SchülerInnen der Startbahn u.a. mit Pädagogin Peristera Giannikos (hinten, Zweite v.r.), Leiterin Katrin Arbeiter (h.v.l.) und der pädagogischen Mitarbeiterin Alida Beul (Zweite v.r.).
Gießen | Seit dem Sommer 2018 ist die Startbahn fester Bestandteil der Sophie-Scholl-Schule in der Rödgener Straße 72 in Gießen. Schülerinnen und Schüler mit einem Anspruch auf sonderpädagogische Förderung, die ihre Schulpflicht erfüllt haben, erhalten hier die Möglichkeit zur beruflichen Orientierung. Derzeit nehmen 13 SchülerInnen das Angebot der Startbahn in Anspruch. Nun, nach rund anderthalb Jahren, ziehen die Hauptverantwortlichen und Beteiligten eine Zwischenbilanz.

„Man hatte damals, bevor es die Startbahn gab, gemerkt, dass manche SchülerInnen nach ihrem Abschluss noch mehr Orientierung und Hilfe benötigen, um sich hinsichtlich der Berufswahl zurechtzufinden“, blickt Diplom-Psychologin Katrin Arbeiter auf die Anfänge zurück: „So entstand die Idee, dass die Schülerinnen und Schüler weitere Entwicklungszeit erhalten und sich noch zweimal in der Woche praktisch erproben – auf dem Arbeitsmarkt.“

Hieraus wiederum resultierte das Konzept der Startbahn, die als Kooperationsprojekt der Sophie-Scholl-Schule Gießen und proLiberi gGmbH, einer Tochtergesellschaft der Lebenshilfe Gießen, realisiert wurde. Katrin Arbeiter betont allerdings: „Wir sind keine reine Maßnahme zur Berufsvorbereitung, wir sind Schule. Wir bieten eine Möglichkeit der Schulzeitverlängerung für SchülerInnen, die nochmal eine besondere berufliche Orientierung und persönliche Reifezeit brauchen.“

Die Startbahn, die für jede(n) SchülerIn auf zwei Jahre ausgelegt ist, verbindet theoretische Inhalte mit praktischen Erfahrungen und verfügt über ein breites Spektrum an qualifiziertem Fachpersonal. Die Praxis erfolgt im Rahmen des fachpraktischen Unterrichts, der sich an sechs Berufsfeldern orientiert. Diese umfassen Metall/Technik, Hauswirtschaft, Gartenbau, Holzbearbeitung, Dienstleistung und Soziales/Gesundheit – die Themen werden nacheinander und zyklisch behandelt. Hierdurch können Schülerinnen und Schüler zu nahezu jedem Zeitpunkt in die Startbahn einsteigen.

Für den fachpraktischen Unterricht zeichnen sich auch externe DozentInnen verantwortlich, in Zusammenarbeit mit Pädagogin Peristera Giannikos (Sohpie-Scholl-Schule). Individuelle Unterstützung, bei Bedarf, erfolgt für die SchülerInnen durch TeilhabeassistentInnen.

Ferner begeben sich die SchülerInnen an zwei Tagen pro Woche für ihr Berufspraktikum in einen Betrieb – bestenfalls in einen, der dem aktuell thematisierten Berufsfeld entspricht. Das jeweilige Praktikum dauert rund vier Monate.
Die Klasse von Peristera Giannikos tauscht sich aus. Selbstständigkeit und Selbstsicherheit steigern sich bei den SchülerInnen binnen der beiden Startbahn-Jahre.
Die Klasse von Peristera Giannikos tauscht sich aus. Selbstständigkeit und Selbstsicherheit steigern sich bei den SchülerInnen binnen der beiden Startbahn-Jahre.
An einem anderen Wochentag erhalten die Startbahn-SchülerInnen Unterricht in den Hauptfächern Deutsch und Mathe und werden in allgemeinen Kompetenzen, die für den Alltag wichtig sind, angeleitet. An jedem Freitag indes bietet die Startbahn Raum für allgemeine Reflexionen – man spricht über Praktikumserfahrungen und es werden arbeitsmarktrelevante und persönliche Themen behandelt, neue Kompetenzen eingeübt sowie eine berufliche Perspektive entwickelt.

Peristera Giannikos ist nach anderthalb Jahren von der umfangreichen Konzeption überzeugt: „Wir haben durch die Startbahn einen großen Zugewinn für die Jugendlichen geschaffen – vor allem was die Selbstständigkeit betrifft. Die SchülerInnen werden in den zwei Jahren viel selbstsicherer, fahren zum Beispiel allein mit dem Bus in die Stadt. Besonders gut gefällt mir, dass sich unsere Module am allgemeinen Arbeitsmarkt orientieren.“ Ihr ist mit Blick auf ihre SchülerInnen vor allem der individuelle Aspekt von Bedeutung: „Wichtig ist zu schauen, was für eine Person wichtig ist, welche Zielsetzung. Für manche macht nach der Startbahn die Arbeit in einer Werkstatt oder ein Außenarbeitsplatz Sinn – andere SchülerInnen besuchen eine berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme oder gehen direkt in Ausbildung.“

Nicht nur das Startbahn-Team zieht bis dato ein positives Fazit des bislang Erreichten, auch von anderen Stellen, etwa den Praktikumsbetrieben, kommen ermutigende Feedbacks. „Die Rückmeldungen sind wirklich positiv – das Konzept hat sich bewährt. Zumal sich im Zweifel immer auch individuelle Lösungen finden lassen.“ Startbahn-Pädagogin Alida Beul, die für die Akquirierung von Praktikumsplätzen in der Region zuständig ist, ergänzt: „Unsere Schüler kommen wirklich gerne hierher.“

Lobend äußerte sich kürzlich auch der Vater einer Startbahn-Schülerin, Klaus Krüger: „Das Konzept, drei Tage die Woche Schule und zwei Tage Praktikum in verschiedenen Betrieben, gefiel uns gut. Auch die Tatsache, dass die Kinder hier eng begleitet und so optimal auf das Berufsleben vorbereitet werden - das Ganze dann noch in einer kleinen Klasse, wo viel Platz für die individuelle Belange ist. Wir waren begeistert. Nun sind die zwei Jahre Startbahn für unsere Tochter bald zu Ende und ich muss sagen, es hat ihr in ihrer Entwicklung sehr viel gebracht. Nicht nur, dass sie in eine Vielzahl von Berufen reinschnuppern konnte, sondern auch viele praktische Dinge fürs Leben gelernt hat.“

Aber auch die Schülerinnen und Schüler selbst sind mit ihren Erfahrungen in der Startbahn zufrieden: „Ich finde die Startbahn als Klasse richtig gut. In Reflexion sprechen wir immer über das Praktikum. Ich kann die Startbahn anderen Schülern empfehlen“, sagt etwa Marleen. Ihr Mitschüler Jakob hält fest: „Ich gehe gerne in die Startbahn. Ich habe viele Freunde gefunden und es ist schön, dass wir uns alle akzeptieren.“

Ganz losgelöst vom weiteren Schulbetrieb an der Sophie-Scholl-Schule Gießen sind die Startbahn-TeilnehmerInnen übrigens nicht. „Unsere SchülerInnen nehmen an den allgemeinen Schulangeboten, wie AG-Angeboten oder Quartalsfeiern, teil. Natürlich zählen auch Pflichten dazu, etwa die Mensa-Dienste - das alles macht die Sache dann auch schon wieder inklusiv“, freut sich Katrin Arbeiter über die Erfolgsgeschichte der Startbahn.

Sie interessieren sich für weitere Informationen zur Startbahn an der Sophie-Scholl-Schule Gießen? Für Rückfragen steht Frau Dipl. Psych. Katrin Arbeiter (Leiterin Berufsorientierungsstufe) zur Verfügung (Telefon: 0641 4801077-600 / E-Mail: k.arbeiter@proliberi.de).

Die SchülerInnen der Startbahn u.a. mit Pädagogin Peristera Giannikos (hinten, Zweite v.r.), Leiterin Katrin Arbeiter (h.v.l.) und der pädagogischen Mitarbeiterin Alida Beul (Zweite v.r.).
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