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Von der Riester- über die Rürup- zur Söderrente

Gießen | Von der Riester- über die Rürup- zur Söderrente

Geht es nach dem Willen der CSU Bundestagsfraktion wird es mit der in den 1990er Jahren begonnene Teilprivatisierung der Rente weitergehen. Unter dem vermeintlich sozial klingenden Slogan „Weg vom Generationenkonflikt hin zu mehr Generationengerechtigkeit“ sollen die Versicherungskonzernen jährlich mit weiteren 18 Milliarden Euro Steuergelder bedacht werden. Konkret sieht das CSU-Konzept vor, die drei bestehenden Säulen der Altersvorsorge um eine vierte Säule, den sogenanten „Renten-Starterkit“, zu ergänzen.

Der Staat soll ab Geburt bis zum 18. Lebensjahr für jedes Kind einen Beitrag von 100 Euro pro Monat in einen Generationen-Pensionsfond einzahlen, der das Geld renditeorientiert anlegt. Mit dem Eintritt in das Rentenalter würde die Starterrente zusätzlich zu bestehenden Rentenansprüchen ausgezahlt. Soweit die neoliberale Theorie und der unerschütterliche Glaube an dauerhafte Renditen am Kapitalmarkt.

Der letzte große Finanzmarktcrash von 2008 scheint vergessen und eine große Wette auf Zinsdifferenzen wird uns nun als seriöse Altersvorsorge verkauft.
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Damit reiht sich die „Starter-Rente“ mit den Riester- und Rüruprenten sowie Renten- und Kapitallebensversicherungen in eine Reihe kapitalmarktbasierter Versicherungsprodukte ein. Diese dienen alle nur dem einen Zweck, dass Versicherungskonzerne mit dem Geld der Sparer auf den Kapitalmärkten munter spekulieren können. Im Interesse der arbeitenden Menschen wären diese Gelder in eine Stabilisierung der gesetzlichen Rente sicher besser angelegt.

Alterssicherung ist also eine Klassenfrage und kein Generationenkonflikt, wie von interessierter Seite immer wieder gerne behauptet wird. Dies zeigt auch ein Blick in die Geschichte. Schon als Bismarck die Rentenversicherung einführte, war diese, in Verbindung mit den Sozialistengesezten als wirksame Waffe gegen die aufstrebende Arbeiterbewegung gedacht. Das Prinzip „Zuckerbrot und Peitsche“ wurde von Konrad Adenauer im Rahmen der Restauration des Kapitalismus in der jungen BRD wieder aufgegriffen. Zeitnah zum KPD Verbot wurde die staatliche Rentenversicherung 1957 grundlegend reformiert. Die Renten sollten nun nicht mehr nur ein minimales Alterseinkommen garantieren, sondern den Lebensstandard sichern. Dazu wurden sie an die Entwicklung der Löhne gekoppelt. Außerdem wurde auf das Umlageverfahren
umgestellt. Dies war eine Lehre daraus, dass am Kapitalmarkt angelegte Altersvorsorge-Gelder zuvor mehrfach durch Krisen vernichtet worden waren. Mit dem Wegfall des Sozialismus in der DDR entfiel auch die Notwendigkeit für das Kapital in der BRD soziale und demokratische Standards aufrecht zu halten. In der Konsequenz begann ab den 1990er Jahren der Angriff auf die Sozialsysteme. Im Jahr 2000 nahm sich die Schröder-Fischer-Regierung die Erwerbsminderungsrente vor. Wer aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten konnte, musste fortan empfindliche finanzielle Einbußen in Kauf nehmen, oder sich rechtzeitig zusätzlich privat absichern. Nicht zufällig machte die Versicherungswirtschaft in jener Zeit massiv Werbung für ihre privaten Berufsunfähigkeitsversicherungen.
Im Jahr 2001 war dann die gesetzliche Rentenversicherung an der Reihe. Zum einen wurden das Rentenniveau und die Renten gesenkt, zum anderen wurde die private Altersvorsorge durch staatliche Zuschüsse attraktiver gemacht. Die Versicherungskonzerne haben mit diesen Riesterrenten Milliarden verdient. 2007 hob eine Große Koalition das Renteneintrittsalter auf 67 Jahre an, was faktisch eine weitere Rentenkürzung bedeutete. Indirekt wurde so wieder teure private Vorsorge befördert. Die jahrelange Lobbyarbeit von Kapitalverbänden und Finanzwirtschaft hat sich für diese ausgezahlt. Die Zeit, in der eine positive Lohnentwicklung in gleichem Umfang zu Rentenerhöhungen führte, ist vorbei. Die Renten bleiben immer mehr hinter der Lohnentwicklung zurück. Das Rentenniveau sinkt. Die Sicherung des Lebensstandards wird Geschichte. Altersarmut kehrt zurück. Darüber kann man klagen oder aber, wie zur Zeit in Frankreich, auf die Strasse gehen und sich dagegen wehren.


(Ulf Immelt)

 
 

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Kommentare zum Beitrag

Christian Momberger
11.226
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 24.01.2020 um 17:51 Uhr
Ein sehr guter Artikel von Ulf!
Martin Wagner
2.607
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 25.01.2020 um 10:16 Uhr
Richtig Christian der Artikel gibt gut fundierte Basisinformationen weiter.

Hätte so auch anderswo stehen können.

Hoppla, wäre da nicht folgender Satz:

(....) " Mit dem Wegfall des Sozialismus in der DDR entfiel auch die Notwendigkeit für das Kapital in der BRD soziale und demokratische Standards aufrecht zu halten." (.....)

Aha, da schreibt ein DDR-Nostalgiker.

I.
Ob der Urgroßvater "Charly" mit seinem Urenkel "DDR" zufrieden gewesen wäre (so von wegen Umsetzung seiner Gedanken) bezweifele ich.

II.
Die Kapitalisten hatten Ende der 80er überhaupt nicht mehr auf dem Schirm, dass die unzufriedenen "Massen" in der BRD ein DDR-System in der BRD aufrichten wollten. Dazu war das Experiment DDR schon zu alt (40 Jahre) um behaupten zu können die Anfangsfehler werden ausgebügelt und es hatte den Arbeitern in der DDR zu wenig (ich sage nicht garnichts) gebracht.

Randbemerkung: Übrigens, von wegen Herrschaft der Arbeiter; die bürgerlichen Bürokraten - falls sie sich mit dem System arrangierten - kamen im DDR-System voll auf ihre Kosten. Die hatten so das eineinhalb bis zweifache an Geld in der Tasche. (Da es aber dafür nicht so viel Konsumgüter gab war das eher nur eine prinzipielle Frage.) Für mich heisst aber Arbeiterherrschaft das völlige Zurückdrängen der Bürgerlichen, auch beim Geldbeutel (= maximal das selbe wie der Arbeiter).
Kurt Wirth
2.562
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 25.01.2020 um 15:20 Uhr
Ich finde es schon O.K., daß diese Darstellung nicht nur "anderswo", sondern hier steht.

"Mit dem Wegfall des Sozialismus...": Über den Satz kann man natürlich diskutieren und spekulieren, da es ja keinerlei schriftliche Äußerung aus Politik und Wirtschaft der BRD gab/gibt, die das so feststellt/e. Aber all die an diesen Satz geknüpften nachfolgenden Ausführungen treffen m.E. voll zu. Es muß schon seinen Grund gehabt haben, daß der Rückbau der bis dahin erkämpften sozialstaatlichen Standards just ab 1990 einsetzte.

Die Renten der ehem. DDR-Bevölkerung wurden ja bei der Eingliederung insgesamt niedriger angesetzt, als die aus der BRD resultierenden. Allerdings haben die Frauen wiederum durch deren viel höhere Berufstätigkeit in der DDR dort die Nase vorn.

Was die ganz allgemeine Diskussion über den realen Sozialismus und die DDR angeht: Mittlerweile tendiere ich zu der Auffassung, daß sich keine "sozialistische Inseln" neben den kapitalistischen Hochburgen entwickeln konnten und können, auch wenn es zeitweise schon eine größere Anzahl von Staaten waren. Aber eben zu den Zentren des Kapitalismus nicht im Gesamten konkurrenzfähig - wenn auch in Teilbereichen wie Gesundheitswesen (Kuba) oder Bildung (China, und über Jahre kauften BRD-Lehrer gerne die Schul- und Didaktikbücher aus der DDR).
Bernt Nehmer
2.121
Bernt Nehmer aus Hungen schrieb am 25.01.2020 um 17:23 Uhr
Bei meiner Rente möchte ich weiter zur Tafel gehen.
Stefan Walther
4.613
Stefan Walther aus Linden schrieb am 25.01.2020 um 19:19 Uhr
So ist das nunmal im Kapitalismus, egal ob nun Gesundheitswesen oder auch Versicherungen... es wird "gefördert, unterstützt, gesponsert..." und im Interesse der Großkonzerne verteilt und umverteilt. Der Staat, der größte Kapitalist im Kapitalismus, die Lösung? Bestenfalls Träumereien "linker" Sozialdemokraten...

Was den DDR-Vergleich betrifft Martin, mal unabhängig vom Zeitpunkt der aggressiven Offensive der Versicherungskonzerne im wieder vereinten Deutschland = über deine Aussage "die Bürokraten ( die neue herrschende Klasse in der ehemaligen DDR ) verdienten etwa das eineinhalb bis zweifache an Geld wie die Arbeiter", da musste ich laut lachen. Bei Gelegenheit kann ich dir mal 2 Broschüren "DDR Aktuell 1+2", erschienen bei "people to people" ausleihen, du würdest staunen... Der Titel "Wie der Sozialismus verraten wurde" hält was er verspricht!
Christian Momberger
11.226
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 25.01.2020 um 20:26 Uhr
Hallo Zusammen,

zu Punkt I. gebe ich Dir recht Martin, ich bin sicher wäre nicht zufrieden gewesen.

Des Weiteren teile ich die Auffassung von Kurt, das einzelne sozialistische Inseln in einer insgesamt kapitalistischen Welt auf Dauer nicht wirklich (gut) existieren können.
Stefan Walther
4.613
Stefan Walther aus Linden schrieb am 25.01.2020 um 20:52 Uhr
Interessant Kurt und Christian: also ist das dann eure Begründung dafür dass der Sozialismus von innen zerstört wurde? Von Trotzkisten und anderen war ja man gewohnt dass sie von der Unmöglichkeit des Aufbaus des Sozialismus in einem Land faselten...
Sicher, heute haben wir eine andere Situation, aber ihr habt geschrieben "dass sich keine sozialistischen Inseln entwickeln konnten". Und wie beurteilt ihr dann den jahrzehntelangen erfolgreichen Aufbau, die erfolgreiche Entwicklung einiger sozialistischer Länder ( z.B. Sowjetunion oder China )?
Wahrscheinlich werdet ihr es nie zugeben und/oder auch nie verstehen: der Niedergang war kein Niedergang sozialistischer Länder, die gab es zu diesem Zeitpunkt lange nicht mehr...
Christian Momberger
11.226
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 25.01.2020 um 21:12 Uhr
Hallo Stefan,

das ist falsch, habe ich so nicht gesagt. Doch sie konnten Sie entwickeln, die gab es und die waren teilweise auch nicht schlecht und haben lange überlebt. Aber eben nicht auf Dauer. Natürlich gab es viele eigene Fehler, auch im inneren, das will ich gar nicht bestreiten. Aber auch die äußeren Umstände, die Wirtschaftsembargos und anderen konterrevolutionären und militaristischen Aktionen (z.B. Wettrüsten) der kapitalistischen Machtzentren des Westens haben eine m.E. nicht unerhebliche Rolle gespielt.
Stefan Walther
4.613
Stefan Walther aus Linden schrieb am 25.01.2020 um 22:04 Uhr
Hallo Christian,

nun, du hast Kurt zugestimmt, und das hatte Kurt so geschrieben.
Zum Thema = wie erklärst du dir dann, dass ausgerechnet dann als die Bedrohung ( von außen und innen ) am größten war, dass sich zu dieser Zeit die ehemals sozialistischen Länder am erfolgreichsten entwickeln konnten?
Es geht, vielmehr ging, auch nicht um ( historisch bedingte ) Fehler die gemacht wurden, es ging einzig darum welcher Weg gegangen wurde: weiter auf dem sozialistischen oder aber wieder den kapitalistischen einschlagen ( es lohnt sich, sich damit genau zu beschäftigen )
Die Machtzentren des Westens? Sicherlich hatten diese Einfluss auf einen Chruschtschow, Deng Xiaoping oder ähnliche Konsorten die der Restauration des Kapitalismus den Weg bereiteten, aber entscheidend waren sie für diese Entwicklung nicht...
Kurt Wirth
2.562
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 25.01.2020 um 22:04 Uhr
Lieber Stefan, jetzt haben wir wieder die Diskussion, die uns schon bald 10 Jahre hier in der gz nicht weitergebracht hat. Was meinst Du mit "erfolgreicher Entwicklung" z.B. in der Sowjetunion und China? Sie war eben nicht erfolgreich. China ist nach einigem Zick-Zack zu der Überzeugung gelangt, daß nur der Kapitalismus die Produktivkräfte so entwickeln kann, daß danach der Sozialismus aufgebaut werden kann und die Sowjetunion wurde von der ökonomischen (und damit militärischen) Übermacht der kapitalistischen Welt ausgemergelt. Marx, Engels und auch die russischen Revolutionäre von 1917 wußten schon, warum sie von einer "Weltrevolution" sprachen und im Manifest schrieben:"Proletarier aller Länder vereinigt Euch".

Aber viel interessanter als 200-jährige Historie wäre ja: wo gibt es denn gegenwärtig Ansätze, die auf eine erfolgreiche Entwicklung von so etwas wie Sozialismus hindeuten?
Christian Momberger
11.226
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 25.01.2020 um 22:15 Uhr
Ja, ich gebe zu ich bin da theoretisch zu wenig bewandert. Und mag sein dass Kurt da so geschrieben hatte und ich nicht genau genug gelesen hatte. Natürlich hast Du nicht unrecht, die DDR hat z.B. in den 60ern, nach dem Bau der Mauer und der neuen ökonomischen Planung und Leitung oder wie das genau hieß, große Fortschritte gemacht.
Aber dennoch, das Totrüsten, auf dass sich Kurt in seinem letzetn Kommentar bezieht ist ein Punkt, den ich auch so sehe. Ebenso die Kritik an China teile ich grundsätzlich, auch wenn ich - das gebe ich zu - mich viel zu wenig im Detail auskenne.

Was erstaunlich ist, dass Kuba so lange überlebt, trotz der Blocklade der USA.
Stefan Walther
4.613
Stefan Walther aus Linden schrieb am 25.01.2020 um 22:21 Uhr
Ich habe nicht angefangen Kurt, aber reagieren darf ich schon :-)) - aber gut, dann lassen wir es halt Kurt, kein Problem!
Nur eine Anmerkung = deine Thesen sind absurd, mit der Entwicklung Chinas hast du dich anscheinend wenig beschäftigt und was die Entwicklung der Sowjetunion betrifft, die "sozialistische" Sowjetunion wäre niemals ( da gab es unzählige gescheiterte Versuche der kapitalistischen Länder! ) "ausgemergelt" worden...
... und trotzdem hatten sich die russischen Revolutionäre an den ( erfolgreichen ) Aufbau des Sozialismus in einem Land gemacht! Das ist doch kein Widerspruch...

Deine Frage soll ich ernst nehmen Kurt? Noch zu keinem Zeitpunkt war der Kapitalismus/Imperialismus so verfault und überholt wie heute, und noch zu keinem Zeitpunkt waren die ökonomischen Bedingungen so ausgereift für eine sozialistische Gesellschaft.
Christian Momberger
11.226
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 26.01.2020 um 00:56 Uhr
Zu Deinem letzten Absatz Stefan, ökonomisch vielleicht ja. Aber das Bewusstsein der großen Masse der (arbeitenden) Menschen war m. E. schon mal besser. Von und das ist auch ein entscheidender Faktor.
Bernt Nehmer
2.121
Bernt Nehmer aus Hungen schrieb am 26.01.2020 um 07:34 Uhr
Der clash trifft China hart. An der Lösung wird gearbeitet, egal wieviel Menschen sterben. Der sichere Westen trinkt Corona Bier.
Kurt Wirth
2.562
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 26.01.2020 um 09:32 Uhr
Dem letzten Kommentar von Christian kann ich nur beipflichten. Stefan, Du zitierst immer wieder Lehrbücher, vergißt aber das wichtigste: die Menschen. So lange die "Theorie nicht die Massen ergreift..." und die "Massen" nicht die Macht ergreifen, nutzt alles nichts. Da kann der Kapitalismus noch so morbid sein. Das zweifle ich gar nicht an. Aber 70 Jahre Sowjetunion und 40 Jahre DDR haben zu wenig die "Köpfe und Herzen" der Menschen ergriffen.
Stefan Walther
4.613
Stefan Walther aus Linden schrieb am 26.01.2020 um 10:04 Uhr
Erstmal Christian finde ich es gut dass du dich mal wieder in eine Diskussion einklingst! Auch auf die Gefahr hin dass Kurt schreibt "das hatten wir alles schon...", antworte ich dir natürlich:
sicher hast du Recht, der subjektive Faktor ist mitentscheidend, ohne das notwendige Bewusstsein wird es keine Veränderung geben, denn freiwillig werden die Herrschenden nicht "zurücktreten", alles bekannt...
Und wie sieht das nun aus mit dem Bewusstsein, vor allem der Arbeiterklasse? Sind die Arbeiter zu "dumm" um zu begreifen? Wer redet heute noch von "sozialer Marktwirtschaft" und ähnlichen Begriffen die die Arbeiter für dumm verkaufen wollen? Reden nicht alle - selbst die Herrschenden - mittlerweile vom Kapitalismus? Erkennen nicht immer mehr Menschen, dass der Kapitalismus die Ursache für Ausbeutung und Unterdrückung, für Umweltzerstörung und drohende Klimakatastrophe usw. ist? Richtig, die Erkenntnis, dass eine zukünftige Gesellschaft - ohne Ausbeutung und Unterdrückung - nur der Sozialismus sein kann, diese Erkenntnis hat sich noch(!) nicht in den Massen durchgesetzt/verankert...

Kurt, ich verstehe dich nicht: wo zitiere ich immer wieder Lehrbücher? Es geht doch nicht in erster Linie um Theorie, es geht wie immer vor allem um die Praxis! Klar, wenn man sich nicht darauf einlassen will, und evt. auch noch in 10 Jahren behauptet, dass die Sowjetunion angeblich 70 Jahre lang und die DDR 40 Jahre lang sozialistisch gewesen sein soll ( wie lange war da dann deiner Meinung nach China sozialistisch? ), dann ist es schwer konkret sich mit der praktischen Entwicklung auseinanderzusetzen...
Ja, und wenn man dies - auch theoretisch - nicht tut, dann wird die Theorie nie die Massen ergreifen können, denn der so genannte real existierende Sozialismus wird sie eher abschrecken als begeistern...
Theorie und Praxis gehören zusammen, das eine kann ohne das andere nicht zum Erfolg führen...
Christian Momberger
11.226
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 26.01.2020 um 11:43 Uhr
Hallo Stefan,

> Richtig, die Erkenntnis, dass eine zukünftige Gesellschaft - ohne Ausbeutung und Unterdrückung - nur der Sozialismus sein kann, diese Erkenntnis hat sich noch(!) nicht in den Massen durchgesetzt/verankert...

genau das meinte ich.

Warum gab es denn früher erfolgreiche Revolutionen und deutlich größere Zahlen an Mitgliedern, Anhängern, Wählern, etc. von kommunistischen/sozialistischen/radikal Linken Parteien wie heute. Warum war früher die Unterstützung für solche Positionen z. B. Anfang/Mitte des 20. Jh. deutlich größer und das fast überall in der Welt.

Natürlich die real existierende DDR schreckt viele ab, aber daran ist nicht nur die DDR bzw. ihre Nomenklatur schuld, sondern sehr viel auch die durch die herrschenden Medien und die herrschende Justiz betriebene Delegitimiation jeglichen Versuchs des Aufbaus eines anderen Deutschlands. Und natürlich weiß ich, dass viele einstmals große linke/kommunistische/sozialistische Parteien (in den westlichen Ländern) viele Fehler gemacht haben und sich an links-bürgerlichen Regierungen beteiligt haben und sich von ihren ursprünglichen Positionen entfernt haben und damit ihre Wähler enttäuscht haben.

Aber das allein kann es doch nicht sein als Ursache, warum die Linke heute so schwach ist und so wenige Menschen eine andere Wirtschfts- und Gesellschaftsordnung fordern bzw. dafür Kämpfen.
Martin Wagner
2.607
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 26.01.2020 um 12:42 Uhr
Ich versuche zum Artikel zurück zukommen.

Beim ersten Lesen habe ich folgenden Satz zu hastig gelesen:

(...) "Der Staat soll ab Geburt bis zum 18. Lebensjahr für jedes Kind einen Beitrag von 100 Euro pro Monat in einen Generationen-Pensionsfond einzahlen, der das Geld renditeorientiert anlegt." (...)

Der Artikelschreiber schlussfolgert daraus: Riesengeschenk an die (Versicherungs)Kapitalisten.

Aber es geht ja auch anders. Staat nimmt Geld und baut eine eigene Firma; die dann irgendwann Rendite abwirft (oder auch nicht) damit auf. Das könnte sogar hier funktionieren, denn die Ausschüttungen müssen ja nicht gleich im Jahr der Firmengründung starten.

(Bitte verschont mich mit Kommentare, nur die Kapitalisten können gut wirtschaften. Gut, ob der Staat es besser kann, müßte er in der BRD erst einmal beweisen, aber den Kapitalisten traue ich nur "Verarsche vom Feinsten" zu. D.h. sie machen ihr Clique reich und das oft auf Kosten der Allgemeinheit. Gerne auch einmal in der Form, dass eine Firma ganz an die Wand gefahren wird.)
Stefan Walther
4.613
Stefan Walther aus Linden schrieb am 26.01.2020 um 14:21 Uhr
@ Martin
= du hast eigentlich diese ganze Debatte angestossen Martin mit der Bemerkung "DDR-Nostalgiker usw.", und dann nix mehr dazu, einfach nur "zurück zum Artikel"? Bisschen schwach, oder? Vielleicht gehe ich zu einem späteren Zeitpunkt trotzdem noch auf deinen letzten Kommentar ein. Jetzt nur so viel dazu: ich hatte es oben schonmal angedeutet, es ist der "Staat des Kapitals", das vergessen(?) viele wenn sie von staatlichen Investitionen, Verstaatlichungen usw. reden...

@ Christian = Fragen die stundenlange Diskussionen nach sich ziehen! Ich will mich keinesfalls drücken, aber das sprengt hier doch den Rahmen!? Einen Punkt habe ich genannt: ehrliche, schonungslose Aufarbeitung der Geschichte, ohne dies wird es unmöglich sein die Arbeiter zu gewinnen. Dazu kommt: u.a. dass wir heute eine völlig andere Situation haben, weder eine Weltwirtschaftskrise ( auch wenn sie absehbar ist ), noch Kriegsvorbereitungen für einen Weltkrieg ( auch wenn sich die Kriegsgefahr dramatisch erhöht hat ), noch haben wir eine revolutionäre Situation. Es gibt natürlich weitere wichtige Punkte, wie z.B. eine rechte Gewerkschaftsführung die sich als Ordnungsfaktor im System versteht, den Antikommunismus als "Staatsideologie" ( mit all seiner Medienmacht ) und vieles mehr was sich von der damaligen Lage unterscheidet...
Christian Momberger
11.226
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 26.01.2020 um 14:51 Uhr
Ja, sicher man könnte lange drüber reden/diskutieren. Aber ich mag Deinem letzten Kommentar an mich nur zustimmen. Es stimmt schon was Du schreibst von wegen Antikommunismus als Staatsdoktrin, rechte Gewerkschaftsführer, etc.
Martin Wagner
2.607
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 26.01.2020 um 19:45 Uhr
kurz zu Stefan:

Das mit dem "Anstossen" habe ich wirklich nicht gewollt.
Bin eben ein alter Sponti und schreibe was mir in einem bestimmten Moment in den Kopf kommt. (Das lasse ich mir auch nicht nehmen.)

Inhaltlich ging es mir bei der D"D"R - Geschichte auch weniger darum zu spekulieren, ob das System vom Anfang an oder zum Todeszeitpunkt oder irgendwann einmal für die Masse der BRD-Arbeiter (wie gesagt eine andere Ausgangslage als in der sowjetischen Zone) richtig oder falsch war oder sein wird.

Es gibt meiner festen Überzeugung eben kein Exportschlager "richtige Ideologie". Nicht in der Richtung West nach Ost und auch nicht umgekehrt.

Und entgegen der öfters geäußerten Ansicht, Karl Marx habe in seinen Schriften "den all überall und jederzeit richtigen "Weg" propagiert" ist schlicht und einfach falsch. Was er aber gesagt hat (und das sehe ich genauso) ist: Entweder wir schaffen die Kapitalisten ab oder diese schaffen uns ab (vereinfacht: Barbarei oder Sozialismus).

Und das Hauptargument für diese These (die Kapitalisten verpesten die Erde so, dass die Menschen darauf nicht mehr leben können) fehlt mir in Deiner sonst guten Zusammenstellung der Untergangsszenarien.

Ich bin mir sicher die Menschen werden sich - wenn die Katastrophe bei allem guten Willen nicht mehr zu übersehen ist - gegen die Kapitalisten und ihren Lakaien kräftig wehren. (Ob das dann eine "revolutionäre Situation" ist oder nicht, das sollen die Dogmatiker klären.)

Die Tragik wird aber sein - fragt einmal Physiker - dass der Verpestungsgrad soweit fortgeschritten ist, dass dann die Erde nicht mehr zu retten ist. Wenn wir in den nächsten 10 oder 20 Jahren (Experten geben da verschiedene Zahlen) den Wachstumswahnsinn (vorwiegend durch die Kapitalisten voran getrieben) nicht radikal stoppen und zu Negativwachstum umkehren wird auch die "schönste" Revolution nichts mehr ändern.

Traurig aber wahr: Dann hat "Charly" recht behalten - dann haben wir "Barbarei anstatt Sozialismus"
Stefan Walther
4.613
Stefan Walther aus Linden schrieb am 27.01.2020 um 08:56 Uhr
Richtig Martin, die Gefahr einer drohenden Umwelt- und Klimakatstrophe hätte ich in der beispielhaften Aufzählung mit aufnehmen müssen, die Kritik ist berechtigt! Auch hier hat sich die Erkenntnis in den breiten Massen - trotz aller Kritik an den weltweiten Umweltzerstörungen - noch nicht durchgesetzt, dass die Ursachen in der kapitalistischen Produktionsweise liegen und der Untergang bewusst(!) dabei in Kauf genommen wird ( Siemens ist dafür nur 1 Beispiel von vielen ). Deshalb geht es auch hier nicht nur um "Wachstumswahnsinn", sondern auch darum "wie" zukünftig produziert wird, gegen die oder im Einklang mit der Natur.
18
Jonas Seiler aus Staufenberg schrieb am 29.01.2020 um 01:32 Uhr
Ich würde sagen, dass sich schon ein immer größerer Teil der Massen auf die Suche nach einer gesellschaftlichen Alternative zum Kapitalismus gemacht hat. Sehr viele benennen auch immer öfter den Kapitalismus explizit als Ursache für etwa Altersarmut, die drohende globale Umweltkatastrophe, Mietenexplosion, etc.
Ich könnte jetzt viele Beispiele raussuchen aber ich finde das eindrücklichste ist doch, wie die Herrschenden selbst darauf reagieren, indem sie sich auch immer öfter geheuchelt als "kapitalismuskritisch" geben, wenn sie beispielsweise Spekulation und Umweltzerstörung von großen Konzernen (dabei natürlich eher nicht die eigenen) angeblich anprangern.
Das zeigt doch die Schwäche der Kapitalisten und die Stärke der bereits kämpfenden oder sich auch nur empörenden Massen.
Ich glaube, was bei vielen das Problem ist, ist dass einfach noch nicht an die eigenen Erfolgschancen geglaubt wird, aber wie ich die Zeichen der Zeit deute haben wir dafür allen Grund!
Thorsten Lux
906
Thorsten Lux aus Gießen schrieb am 31.01.2020 um 14:22 Uhr
Das stützt meine Thesen, dass die Regierung für unsere Bürger nichts tut und nichts tun wird, es leider aber auch keine Partei gibt, die das für uns klären kann, wir Bürger selbst da aber auch reichlich hilflos dastehen und wir wahrlich besseres zu tun hätten, als uns von interessierter Seite einreden zu lassen, auf wen wir Bürger gerade mal wieder sauer zu sein hätten, wenn wir hassen sollen, auf wen wir unseren Neid richten sollen. Schon bitter wie wirksam solche Feindbildkonstruktionen funktionieren und wie bereitwillig sich eigentlich intelligente Menschen dazu verhetzen lassen, sich mit ganz anderen Inhalten zu beschäftigen, als damit wie und wovon sie jetzt und in Zukunft mal leben können sollen.
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