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75.000 Stolpersteine

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Gießen | Update 30.12.19:

Einen ausführlichen Bericht über die gestern erfolgte Verlegung des 75.000-sten Stolpersteins findet man unter:

http://allgaeu-rechtsaussen.de/2019/12/30/memmingen-stolpersteine-fuer-benno-und-martha-rosenbaum/


Am 29. Dezember 2019 wird Gunter Demnig seinen 75.000-sten Stolperstein verlegen, und zwar in Memmingen im Allgäu. Siehe hierzu auch (neben weiteren Google-ergebnissen):

http://www.memmingen.de/aktuell/nachrichten-und-termine/aktuelle-nachrichten/singlenews-aktuelles/news/detail/News/sechste-verlegung-von-stolpersteinen-in-memmingen.html

In Memmingen gibt es bereits 113 Stolpersteine, die meisten zur Erinnerung an ehemalige jüdische Mitbürger, wie auch Martha und Benno Rosenbaum, an die jetzt erinnert werden soll. Siehe hierzu auch:

http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Memmingen

Mehr über...
Die relativ große Zahl dieser Gedenksteine in der 43.500-Einwohnerstadt ist zum einen der rührigen Stolpersteininitiative zu danken, hat aber andererseits auch zu tun mit der damals für Allgäuer Verhältnisse zahlreichen jüdischen Bevölkerung: 1895 waren es 231 Personen, 1933 noch 131 Personen. Die Synagoge am Schweizerberg wurde nach ihrer Zerstörung in der Reichspogromnacht abgetragen. An ihrer Stelle steht seit 1988 ein Mahnmal, in dem die Namen von 106 jüdischen Opfern des Faschismus eingemeißelt sind.

Daneben gibt es auch in Memmingen Stolpersteine für Opfer der sog. Euthanasie und auch politischen Opfern.

Zu letzteren seien erwähnt:

Josef Diefenthaler:
er kam als KPD-Mitglied 1933 zunächst in Schutzhaft und dann in das neu eröffnete KZ Dachau. Wegen "Anstiftung zum Hochverrat" wurde er zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt, die er unter Folter und Zwangsarbeit im Gefängnis und Steinbruch Amberg ableistete. Nach der Entlassung dort kam er wieder ins KZ Dachau, später ins KZ Mauthausen, wo er nach ein paar Monaten verstarb. Ironie der Geschichte: Beim Googeln stieß ich auf einen SS-Sturmbannführer Josef Diefenthaler. Siehe auch:
http://www.stolpersteine-mm.de/index_htm_files/Biografie-Josef-Diefenthaler.pdf

Fritz Bürk:
Kam ebenfalls als KPD-Mitglied 1933 ins KZ Dachau. Dort wurde er bereits 1933 bei einem Kohlenhofkommando von dem aus Memmingen kommenden SS-Scharführer Wilhelm Bürzle ausgesondert und auf der Lagerlatrine erschossen. Der Fall kam auch in den von der US-amerikanischen Verwaltung 1945-48 durchgeführten "Dachauer Prozesse" zur Verhandlung.

Martin Mayrock:
Die deutsche katholische Bischofskonferenz hat ihn als "Märtyrer des 20.Jahrhunderts" aufgenommen. Der Schirmmacher heiratete eine 11 Jahre ältere Witwe mit 4 Kindern und hatte zu guter letzt insgesamt 16 Kinder. In der Weimarer Republik Mitglied der Bayerischen Volkspartei und deren Stadtratsmitglied. Er kam 1933 für zwei Wochen in Schutzhaft und lebte dann zurückgezogen. 1937 bekam er ein Verfahren wegen negativer Äußerungen gegen den Bund deutscher Mädel, das aber im Sande verlief. 1943 prophezeite er auf Grund der Entwicklung in Italien ein baldiges Ende des Faschismus. Daraufhin ließ ihn der NSDAP-Kreisleiter verhaften und er wurde wegen Wehrkraftzersetzung zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Als seine Frau im Mai 1944 starb, wurde er zu deren Beerdigung beurlaubt und kam als ein "Häuflein Elend" in Memmingen an und mußte zum Friedhof geschleppt werden. Ein Memminger Arzt stellte dann bei ihm eine Arsenvergiftung fest und bewirkte eine weitere Beurlaubung. Er starb im Juni 1944. Siehe auch:
http://www.stolpersteine-mm.de/index_htm_files/Martin%20Mayrock_AW_Web.pdf

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Kommentare zum Beitrag

H. Peter Herold
28.375
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 12.12.2019 um 09:44 Uhr
Danke Kurt für den Bericht
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) Kurt Wirth

von:  Kurt Wirth

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Kurt Wirth
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