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Sein als Sollen. Aporien und Terror im Historischen Materialismus

Gießen | Inhalt des Essays "Sein als Sollen - zu den Aporien im historischen Materialismus"
(den Essay, ca. 40 Seiten, sende ich kostenfrei zu via Mail oder analog)

Der historische Materialismus in seiner historischen Form, die auf gesellschaftliche Transition angelegt ist, gehört der Vergangenheit an. Zum einen weil das gesellschaftliche Subjekt, das den Wandel vollziehen sollte, das Proletariat, selbst dem Wandel unterlegen ist: Gegenwärtig sind nur noch 1/5 der Erwerbsbevölkerung Arbeiter im klassischen Sinne. Sie sind zudem verbürgerlicht und driften vielfach nach rechts. Zum anderen ist in den Ansätzen der sozialistischen Praxis der Terror unverhüllt hervorgetreten. Er gründet seit Lenin in der Theorie selbst. Nach Marx sollte sich das revolutionäre Sollen dialektisch aus dem historischen Sein herauskatapultieren. Das ist nirgendwo im Kapitalismus passiert. Das historische Sein ging andere, reformistische Wege. So setzte die nach-Marxsche Theorie nicht mehr auf das Proletariat, sondern auf Konstrukte, die im Terror mündeten: auf die Partei, die zu einem stählernen Koloß des Terrors wurde. Die DDR ist eine der letzten Gestalten dieser
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Theorie (3)Marx (2)
Unfreiheit.
Das alles wird von der neudeutschen Linken, die sich unreflektiert in den alten Fußstapfen bewegt, nicht reflektiert und so ergibt sich eine diffus-sprachlose Situation, die durch kurzatmiges Sozialarbeiter-Pathos ersetzt wird. Im Grunde steht die Linke theoretisch nackt da.
So sind die Theoriedebatten längst verstummt. Der Letzte, der sich noch theoretisch auf der Höhe des Problems äußerte, war ein Studentenrevoluzzer namens Hans-Jürgen Krahl.

Diesen Aufsatz schrieb ich in den späten 70er Jahren. Er legt den Finger auf die Wunde, die Differenz von Sein und Sollen, im Zusammenhang einer normativ konzipierten Geschichtsphilosophie und Gesellschaftskritik, die damit verbundenen Aporien und den Terror der Vernunft. Darum war auf den späten Hegel zurückzugehen, der die Identität von Sein und Sollen proklamierte. Die kritische Theorie hatte sich mittels verschlungener Formulierungen um dieses Problem herumgewunden.

Durch diese Kritik muß jede Überlegung hindurch, die das Bestehende überschreiten, transzendieren will. Das, was Marx auf dem Hintergrund einer deterministischen Vorstellung von Geschichte am meisten bekämpfte: den ethischen, moralischen, voluntaristischen Charakter des Sozialismus (an dessen Stelle sollte bekanntlich der "wissen-schaftliche" Sozialismus treten) - das ist das größte Kapital des Sozialismus in toto. Der Sozialismus als freie moralische Tat ist als Humanismus das Erbe und Vermächtnis der ganzen Aufklärung. Aber es wird kein revolutionäres Subjekt im Sinne des Proletariats und seiner ausgebliebenen Klassenkämpfe mehr geben. Das revolutionäre Subjekt ist gegenwärtig und zukünftig das Volk, nicht das "völkische" Volk, sondern das republikanische Volk, das soziale (nicht biologische!) Volk der Straße und der Erde. Noch wendet es sich gegen die erkennbaren Diktaturen, aber es ist nur einer Frage der Zeit, daß es den universalen menschenverachtenden Kapitalismus zwar nicht wegfegen, aber doch empfindlich angreifen wird.

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von:  Bruno W. Reimann

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Bruno W. Reimann
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