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Anmerkungen zum Klimastreik in Gießen am 29.11.2019

Gießen | Die gelungenen Redebeiträge seitens der FFF-Bewegung am 29.11. anlässlich des Globalen Klimastreiks vor dem Gießener Rathaus machten eindrucksvoll deutlich:
1.) Das im September beschlossene “Klimapäckchen“ der Bundesregierung, welches wohl noch zum “Klimaatömchen“ schrumpfen wird, nachdem es vom Bundesrat durch die Mangel gedreht worden ist, nimmt die äußerst ernste Bedrohung durch den Klimawandel weder ernst, noch trägt es in irgendeiner Form Sorge für die Existenz kommender Generationen.
2.) Ohne einen Systemwechsel, weg vom Kapitalismus, wird weder die Ausbeutung der Natur noch des Menschen zu stoppen sein.
3.) Solidarität mit den Waldbesetzern, welche ohne Hilfe mit großer Zivilcourage das Habitat Wald vor dem kapitalistischen Raubbau zu retten versuchen, ist dringend geboten.

Hut ab vor den mutigen und fundierten Redebeiträgen dieser jungen Menschen!

Aber dann kam die Stadträtin Gerda Weigel-Greilich (Grüne) zu Wort. Nachdem sie die FFF-Bewegung bauchpinselte und gönnerhaft die “Weiter so!“ Parole ausgab, mahnte sie anschließend umgehend, dass die Gegenbewegung immer stärker würde, und forderte allen Ernstes, dass die FFF-Bewegung mit den Bauern, welche gerade in Berlin ihre „berechtigten Forderungen“ vortrügen, den Dialog aufnehmen müsse: “Berechtigte“ Forderungen zur Aufhebung des Glyphosatverbots und für verminderten Insektenschutz, vorgetragen mit schwerem, satt CO2-ausstoßendem Gerät, offenbar in der Annahme, dass dieses die Argumente gewichtiger mache?
Dies fordert eine grüne Gießener Stadträtin anlässlich des 4. Globalen Klimastreiks!?!

Abgesehen vom Inhaltlichen: Welche unglaubliche Dreistigkeit von einer Bewegung Engagement einzufordern, welche aufgrund der eigenen Untätigkeit erst entstanden ist! Leider ist Weigel-Greilich damit nicht allein, sondern diese zeichnet viele Parlamentarier jeglicher Couleur aus. Um es mit Horst Eberhard Richter, Ehrenbürger der Stadt Gießen, zu formulieren: „Wenn man nicht macht, was man als notwendig, wenn auch mit persönlichen Unannehmlichkeiten behaftet, erkannt hat, dann kann man irgendwann auch nicht mehr erkennen, was zu machen ist. [...]“ (Horst-Eberhard Richter, Psychoanalyse und Politik 2003, Vorwort).
Wie wahr, wie wahr, offenbar!

"Hört auf die Wissenschaft!" wird weder Greta Thunberg noch die FFF-Bewegung zu fordern müde, wofür diejenigen Wissenschaftler, welche sich seriös mit dem Klimawandel beschäftigen, äußerst dankbar sind. Anlässlich des Klimastreiks vom 29.11. will die Gießener “universitäre Elite“ jedoch leider offenkundig nichts davon hören, sondern feiert sich anlässlich des akademischen Festaktes lieber selbst. Ein Sprecher der “Students for future“, welcher vor dem Uni-Hauptgebäude “stärkeren Rückhalt“ einforderte, wurde Lügen gestraft: Zwei FFF-Aktivistinnen, welchen es offenkundig gelungen war durch den martialischen Riegel an Security-Personal vor dem Uni-Hauptportal bis auf den Balkon des Gebäudes zu gelangen, wurden in Sekundenschnelle entfernt, noch bevor sie ihr Transparent „Für ein besseres Klima ...“ vollständig entfalten konnten. Just in diesem Moment kam mir Georg Büchner in den Sinn, welcher Gießen eine „hohle Mittelmäßigkeit in allem“ konstatiert (Brief an Wilhelmine Jaeglé Januar 1834) und der Mehrheit der Gießener Studentenschaft vorgeworfen hatte politisch angepasst zu sein, nur darauf bedacht, sich „ein Aemtchen zu erkriechen“. (Brief an die Eltern vom 15. März 1836). [Quelle: http://buechnerportal.de/aufsaetze/giessen-zur-zeit-georg-buechners ; Aufsätze, 4.3. Gießen zur Zeit Georg Büchners]

Einige Anmerkungen zum Polizeieinsatz:
Wieder einmal konnte ich während der Demonstration keinen einzigen Fall erkennen, in welchem die Ordnungswidrigkeit, den Motor im Stand laufen zu lassen (§30 StVO), seitens der Polizei geahndet worden wäre. Im Gegenteil wurde diese selbst seitens der Polizei begangen, als Polizeifahrzeuge mit laufendem Motor abgestellt wurden.
Die Sicherung des Demonstrationszuges wurde zum Teil schlampig ausgeführt, so dass Gefahren entstanden, als ein Fahrzeug aus der Brandgasse in den Demonstrationszug, welcher sich in der Walltorstraße befand, gelangen konnte.
Demonstrationsteilnehmer bemühten sich minutenlang den Fahrer samt PKW rückwärts aus dem Demonstrationszug zu geleiten, ohne dass ein Ordnungshüter erschienen wäre.
Die zunächst völlig friedliche Blockade am Berliner Platz wurde, entgegen der entspannten Atmosphäre bei der Blockade im vergangenen Sommer, sehr schnell und aggressiv beendet. So wurden Blockierer gestoßen, mit dem Mannschaftswagen aufs Korn genommen und äußerst barsch verbal attackiert.

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von:  Christoph Schäfer

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Interessensgebiet: Gießen
Christoph Schäfer
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