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1. Dokufilmreihe „Cinema della Memoria“ mit italienischen Regisseuren zeigte Migration von und nach Italien gestern und heute

V.l.: Edgar Langer (Betreiber Kino Traumstern in Lich), Regisseurin Elena Peloso (Associazione Memoria Immagine Verona), DIG-Vorsitzende Rita Schneider-Cartocci und DIG-Vorstandsmitglied Francesco Vizzarri (Historisches Institut der JLU).
V.l.: Edgar Langer (Betreiber Kino Traumstern in Lich), Regisseurin Elena Peloso (Associazione Memoria Immagine Verona), DIG-Vorsitzende Rita Schneider-Cartocci und DIG-Vorstandsmitglied Francesco Vizzarri (Historisches Institut der JLU).
Gießen | Zum ersten Mal veranstaltete die Deutsch-Italienische Gesellschaft Mittelhessen e.V. in Zusammenarbeit mit mehreren Partnern eine Erinnerungskinoreihe „Cinema della Memoria“ zum Thema „Italiener in Deutschland“ und „Migration“ in zwei Terminen am Dienstag, 12. November, in Gießen und am Donnerstag, 14. November 2019, in Lich. In Kooperation mit dem Historischen Institut der Justus-Liebig-Universität Gießen, dank des Engagements des DIG-Vorstandsmitglieds Francesco Vizzarri, wurden die italienischen Regisseuren Elena Peloso und Dario Dalla Mura (leider abwesend aus gesundheitlichen Gründen) aus Verona eingeladen, die Gründer der Non-Profit-Vereinigung Associazione Memoria Immagine in ihrer Heimatstadt sind. Kooperationsprojektpartner waren das Kinocenter Gießen sowie das Kino Traumstern in Lich. Ein weiterer Dank gilt der Firma Behringer Touristik GmbH für ihre freundliche Unterstützung.
Die Associazione Memoria Immagine fördert die historische Forschung und die Erinnerungskultur der Zeitgeschichte, indem Dokumentarfilme realisiert und verbreitet werden, und arbeitet mit örtlichen Behörden, Schulen und Kulturvereinen
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zusammen. Dieses Projekt über die Migration und die italienischen Gastarbeiter in Deutschland ist mit der Stadt Verona eng verbunden, da es dort in den fünfziger Jahren ein wichtiges Auswanderungszentrum gab, wo die italienischen Arbeitskräfte nach dem Anwerbeabkommen mit Deutschland ärztlich untersucht und in den verschiedenen deutschen Städten und Fabriken zugeteilt wurden. Die damalige Existenz dieses Auswanderungszentrums ist den meisten Einwohnern heutzutage unbekannt; an seiner Stelle steht jetzt eine Schule.
Im Kinocenter wurde die Filmreihe mit einem Kurzfilm von Peloso und Dalla Mura über die italienischen Gastarbeiter in Deutschland mit dem Titel „Lassù in Germania – Dort oben in Deutschland“ (2012) eröffnet. Der Abend wurde von Anja Horstmann (Fachjournalismus Geschichte) moderiert. Prof. Dr. Bettina Severin-Barboutie (Neuere und Neueste Geschichte) stellte die Regisseurin und deren Arbeit vor, die auch durch die 1. Vorsitzende der DIG Mittelhessen e.V. Rita Schneider-Cartocci mit einem Blumenstrauß geehrt wurde. Im Dokufilm wurden einige italienische Frauen und Männer interviewt, die in den sechziger Jahren ihr Glück in Deutschland gesucht haben. Die meisten von ihnen sind in Deutschland geblieben, nur wenige sind nach Italien zurückgekehrt. Sie erzählen von ihrer Entscheidung, ihrer Ankunft und ihren Erfahrungen mit den Deutschen. Sie haben u.a. in Lübeck, Wolfsburg, Travemünde, Hamburg gelebt und gearbeitet. In Italien habe es keine Arbeit oder einen niedrigeren Lohn gegeben, in Deutschland seien sie gut bezahlt worden und sie haben sich im Großen und Ganzen wohl gefühlt, obwohl sie auch von einigen diskriminierenden Episoden und Beleidigungen berichten. Die Diskussion mit dem Publikum lieferte weitere Beispiele von persönlichen Erfahrungen und Freundschaften mit italienischen Gastarbeitern oder aus eigenen Familien.
Der zweite Termin fand im Kino Traumstern in Lich statt, wo die Besucher mit einem Sekt anlässlich des 35. Jubiläums der DIG Mittelhessen e.V. empfangen wurden. Der Dokufilm „Noi, cittadini del mondo – Wir, Weltbürger/innen“ (2015) stellte eine Fortsetzung des Diskurses dar. Dieses Mal wurde unsere Gegenwart in Italien in Interviews mit jungen Menschen gezeigt, die vor circa 15-20 Jahren angekommen sind. Der Film sei in Verona gedreht worden und habe weder den Anspruch, die allgemeine Realität in ganz Italien darzustellen noch wertend zu sein, wie Regisseurin Peloso erklärte. Verona sei in den letzten Jahren eine schwierige Stadt geworden, da es einerseits fremdenfeindliche Tendenzen auf politischer Ebene gebe, andererseits aber auch mehr als 70 gemeinnützige Vereine in Solidaritätsbereich aktiv seien. Auch Francesco Vizzarri, der das Thema der Migration in seiner Doktorarbeit erforscht, merkte an, dass die ständigen politischen Schwankungen in Italien nicht förderlich für eine gelungene Integration von Migranten seien. Die Grenzen Italiens im Mittelmeer stellen gleichzeitig auch die Grenzen Europas dar. Von daher erwarte Italien, auch in Sachen Migrationspolitik, Unterstützung von Europa, wie die Regisseurin erklärte. Gerade in dieser Woche war die Bundeskanzlerin zu Besuch bei Ministerpräsident Conte in Italien, um an verträglicheren Lösungen zu arbeiten, merkte Rita Schneider-Cartocci an. Man müsse bedenken, dass wir alle Weltenbürger seien und es eine weitaus massivere Migration nach dem Zweiten Weltkrieg gab, so das Schlusswort der Regisseurin.
Dieser weitere Dokumentarfilm wurde nach gleicher Struktur wie „Dort oben in Deutschland“ gedreht: Den Interviewten aus u.a. Albanien, Südamerika, China, Ghana, Eritrea wurden die gleichen Fragen gestellt, die die Italiener im ersten Film beantwortet haben. Der Kontext war natürlich ein anderer, da die Gründe, aus denen diese jungen Menschen nach Italien ausgewandert sind, oft Krieg und Diktatur im eigenen Herkunftsland waren. Sie sprechen von ihrer Entscheidung, nach Italien zu kommen, von ihrer Reise, von den ersten Zeiten in einem fremden Land und ihrem aktuellen Leben. Fast alle haben bereits als Kind ihre Heimat verlassen und konnten in Italien ein besseres Leben durch Schule, Studium, Beruf oder die Gründung einer eigenen Familie aufbauen. Mittlerweile haben die meisten von ihnen auch die italienische Staatsangehörigkeit bekommen, was ein sehr langwieriger und bürokratischer Prozess ist. Die Reaktionen und Emotionen, die diese Menschen genauso wie die italienischen Gastarbeiter ausgedrückt haben, waren authentisch und spontan, da sie die Fragen nicht vorab kannten. Das hat das Licher Publikum sehr berührt, das sich auch in der Diskussion sehr interessiert an der Situation in Italien gezeigt hat.
Ähnlich interessante Diskussionen gab es mit der Regisseurin in Seminaren der Universität, sowie in Italienischkursen an der Oberstufenschule Goetheschule in Wetzlar, wo Elena Peloso ebenfalls zu Gast war.
Ein weiteres Thema, das die jungen Einwanderer im Film und auch die Anwesenden im Kino angesprochen haben, ist die sogenannte „fuga dei cervelli“ – Braindrain, die Auswanderung der Landeselite. Über dieses Thema könnten Peloso und Dalla Mura einen weiteren Dokufilm drehen, damit aus der Themenreihe eine vollständige Trilogie wird. Die DIG Mittelhessen e.V. und die anderen Kooperationspartner würden sich freuen, die beiden italienischen Regisseuren noch einmal zu Gast zu haben und eine Fortsetzung der Dokufilmreihe in Mittelhessen stattfinden zu lassen.

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