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Die unendliche Geschichte Villa Leutert, in den Hauptrollen OB Frau Grabe - Bolz und ich

Gießen | Es ist nun 5 Jahre und sieben Monate her, dass Frau Oberbürgermeisterin mit ihrem Schreiben versicherte das man in der Villa Leutert Abhilfe schaffen wolle, sie barrierefrei macht. Da ich heute in der Nähe war rollte ich hin um zu sehen was sich zum Thema barrierefreier Eingang getan hat. Von außen war nichts sichtbar und ich schaute ob man sich als Mensch mit Handicap durch eine Klingel bemerkbar machen kann. Ich fand sie dann ganz unscheinbar und ohne Schutzdach für den dort Sitzenden. Ich klingelte und dachte mal sehen was passiert. Nach einiger Zeit wurde oben in 10 Stufen Höhe die Tür geöffnet. Ich fragte die Bedienstete ob das Haus einen barrierefreien Eingang hätte, was sie verneinte. Wie stellt man sich das dort vor ? Es wird geklingelt, die Schriftlichkeiten werden draußen ausgetauscht, Anträge gestellt ob es stürmt oder schneit ? Das erinnert mich doch sehr an die Zustände 1968 als ich vom Fußgänger zum Rollstuhlfahrer wurde, man außerhalb wie ein Bettler abgefertigt wurde.
Da hatte sich also nichts geändert. Ob man das Ja-Wort geben möchte, als Trauzeuge, oder andere Dinge im Standesamt zu erledigen sind, oder zum Ortsgericht um vielleicht unter anderem einen Erbschein zu beantragen, oder ein Gespräch mit dem Schiedsmann/Frau, all das ist nicht möglich. Was ich sehr enttäuschend finde ist die Tatsache, dass sich in all den vielen Jahren nichts getan hat. Das Schreiben von Frau Grabe-Bolz vom 18.2.2014 nur heiße Luft ? Man kann nicht sagen das ich keine abwartende Haltung eingenommen habe, immerhin 5 Jahre und 7 Monate lang.

Ich möchte da die Behindertenrechtskonvention ins Spiel bringen, welche 2008 verabschiedet wurde, da heißt es in

Artikel 9 — Zugänglichkeit
1.Um Menschen mit Behinderungen eine unabhängige Lebensführung und die volle Teilhabe in allen Lebensbereichen zu ermöglichen, treffen die Vertragsstaaten geeignete Maßnahmen mit dem Ziel, für Menschen mit Behinderungen den gleichberechtigten Zugang zur physischen Umwelt, zu Transportmitteln, Information und Kommunikation, einschließlich Informations- und Kommunikationstechnologien und Systemen, sowie zu anderen Einrichtungen und Diensten, die der Öffentlichkeit in städtischen und ländlichen Gebieten offenstehen oder für sie bereitgestellt werden, zu gewährleisten.

Die Angebote der VHS sind alle sehr interessant, jedoch steht man als Mensch mit Handicap
da auch draußen. Die Schulungsorte haben meist entweder am Eingang oder spätestens im Inneren um in die Schulungsräume zu kommen Stufen. Ich erzähle nichts neues wenn ich sage, dass Gießen im Gegensatz zu anderen Städten nicht gerade behindertenfreundlich ist.
Mir ist auch unverständlich warum der Behindertenbeauftrage, welcher auch im Seniorenbeirat ist kein Auge auf die hier genannten Beispiele hat. Vielleicht ist dort nicht klar, dass Senioren andere Bedürfnisse haben als jüngere Menschen mit Handicap im Rollstuhl. Das was er zum Thema machte, die Toiletten am Friedhof waren das letzte was ich da aus der Presse vor vielen Monaten erfuhr. Am Friedhof gibt es Toiletten, und in der Kapelle ist unweit vom Personenaufzug eine Behindertentoilette. Es wäre wunderbar würde es in der Innenstadt auch eine geben mit dem Euroschlüssel, so wie zum Beispiel in Marburg, da könnte ich gleich vier auf die Stadt verteilt nennen. Natürlich werde ich der Oberbürgermeisterin den Link von diesem Bericht zukommen lassen.

 
 
 
 
 
 
 

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Kommentare zum Beitrag

Martin Wagner
2.569
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 02.10.2019 um 09:42 Uhr
Danke Frau Stapf für den sehr ausführlichen und informativen Beitrag.

Ich denke die Leser werden spätestens bei der nächsten OB - Direktwahl Frau Grabe - Bolz (falls sie noch einmal antritt; ich bezweifele das, die Frau hat sich ihre Taschen ja schon voll gemacht ....) die Antwort geben.

Und überhaupt, die Partei der sie angehört ist so im Tiefflug, die kann sich freuen, wenn sie demnächst noch 20 Prozent bekommt. Das tröstet mich und läßt mich zuvesichtlich in die Zukunft schauen.

Neue politische Kräfte (jenseits des bürgerlichen Blockes) wachsen nach und die werden wirklich was für Behinderte tun.
Bernd Zeun
11.346
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 02.10.2019 um 10:05 Uhr
Sitzt da nicht auch eine Beratungsstelle des DGB, die könnten das Thema doch auch aktuell halten.
Christine Stapf
7.641
Christine Stapf aus Gießen schrieb am 02.10.2019 um 10:29 Uhr
Danke Herr Wagner für Ihren Kommentar. Ich denke einmal das es nicht alleine an der Partei liegt, es gehört auch Empathie und ein Auge für ALLE Einwohner dazu.

Hatte ich 2015 auch schon von einem großen Unterschied zwischen Gießen und Marburg berichtet.

http://www.giessener-zeitung.de/giessen/beitrag/103015/was-die-damen-im-giessener-rathaus-nicht-wollten-setzten-die-herren-in-marburg-gleich-in-die-tat-um/


Bernd wenn man als Betroffener nicht selber etwas in Gießen aktuell hält, passiert da leider nicht viel, obwohl ich an Änderungen da nicht mehr glaube, sie nicht mehr erleben werde :-)
H. Peter Herold
28.273
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 03.10.2019 um 14:35 Uhr
Ich habe schon vor Jahren zum Thema Behindertengerecht am E-Klo geschrieben. Da wurde dann von einem Mitglied der Stadtverordneten angeboten den etwa 50 Meter weiter befindlichen Fußgängerüberweg zu benutzen.
Christine Stapf
7.641
Christine Stapf aus Gießen schrieb am 03.10.2019 um 17:57 Uhr
Es ist schon traurig das aus dem Rathaus und von Stadtverordneten nichts brauchbares kommt, was das Leben von Behinderten erleichtert, und auch in der Un Behindertenrechtskonvension 2008 festgehalten wurde. Gießen scheint ein Eiland zu sein auf dem man von der großen weiten Welt nichts mitbekommt.
H. Peter Herold
28.273
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 03.10.2019 um 18:02 Uhr
So ganz spontan. Kann es sein dass im Gießen nicht so viele Gehbehinderte gibt? Ich war nicht so oft in der Stadt. Aber habe wenige bemerkt.
Christine Stapf
7.641
Christine Stapf aus Gießen schrieb am 03.10.2019 um 18:18 Uhr
Gehbehinderte kommen meist noch die Treppen hoch auch wenn es nur langsam geht, mit dem Rollstuhl klappt es gerade am Bürgersteig.
Sollte es an der Anzahl von einem Personenkreis festgemacht werden, fände ich es ....ok, das sage ich jetzt doch nicht :-))
H. Peter Herold
28.273
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 03.10.2019 um 18:21 Uhr
Ich versuche mir.zu erklären an was es liegt, dass in Gießen so wenih getan wird
Christine Stapf
7.641
Christine Stapf aus Gießen schrieb am 03.10.2019 um 18:28 Uhr
Jeder Einwohner hat das Recht ungehindert öffentliche Gebäude besuchen zu können, auch Menschen mit Handicap. Im Rathaus sehen es die Verantwortlichen anders. Mich würde es nicht wundern wenn man sich was die Villa Leutert betrifft jetzt plötzlich hinter einem Denkmalschutzgesetz verschanzen würde. Volkshochschulkurse können zum Großteil nur von Fußgängern wahrgenommen werden. Eine öffentliche Toilette mit dem Euroschlüssel für andere Städte Standrat, in Gießen feiert man sich dann für die "Nette Toilette", welche nur von Fußgängern genutzt werden kann.
Stefan Walther
4.538
Stefan Walther aus Linden schrieb am 03.10.2019 um 20:17 Uhr
So wie das hier berichtet wird grenzt das ganze "Schauspiel" an Ignoranz wenn nicht gar an einen Skandal...
Ich werde mich mal bei meinen GenossInnen der Stadtfraktion der Gießener Linke schlau machen was sie bisher getan ( nicht getan? ) haben bzw. ggf. zukünftig zu tun gedenken. Denn wenn der Beitrag - was ich nicht bezweifle - den Tatsachen entspricht, dann muss meiner Ansicht nach umgehend gehandelt werden.
H. Peter Herold
28.273
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 03.10.2019 um 20:21 Uhr
Die Kollegin die auf den Fußgängerüberweg verwisen hatte gehörte der CDU an.
Christine Stapf
7.641
Christine Stapf aus Gießen schrieb am 03.10.2019 um 21:18 Uhr
Grüß dich Stefan, ja leider entspricht es den Tatsachen und es wäre wunderbar könnte ich das Schreiben der OB aus meinem Archiv nehmen. Um dies zu unterstreichen knackten wir das PDF um die Email der OB hier zu zeigen. Was ist die Versicherung sich zu kümmern vor 5 Jahren und 7 Monaten noch wert ?
Martina Lennartz
6.028
Martina Lennartz aus Gießen schrieb am 21.10.2019 um 20:59 Uhr
Den Antrag für die nächste STVV hab ich eben gestellt!!!
H. Peter Herold
28.273
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 21.10.2019 um 21:01 Uhr
Mal schauen
Nicole Freeman
10.313
Nicole Freeman aus Heuchelheim schrieb am 22.10.2019 um 09:33 Uhr
es wäre toll wenn sich da was tut. auch wenn ein gebäude uinter denkmalschutz steht gibt es möglichkeiten!
Andere Städte schaffen das schon lange. Nur in Giessen hängt es wieder einmal.
Martina Lennartz
6.028
Martina Lennartz aus Gießen schrieb am 22.10.2019 um 16:12 Uhr
Ich habe einen Antrag gestellt, er wird am 29.10.2019 in der öffentlichen Sitzung ab 19 Uhr im Ausschuss "Planen, Bauen, Verkehr und Umwelt" besprochen!

Barrierefreier Zugang für die Villa Leutert
- Antrag der Fraktion Gießener LINKE vom 21.10.2019 -
H. Peter Herold
28.273
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 22.10.2019 um 16:53 Uhr
Danke. Bin gespannt. Es gibt da eine UN-Behindertenrechts-konvention
https://www.behindertenrechtskonvention.info/
Martina Lennartz
6.028
Martina Lennartz aus Gießen schrieb am 29.10.2019 um 22:36 Uhr
Dem Antrag wurde heute im Bauausschuss einstimmig zugestimmt.
H. Peter Herold
28.273
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 29.10.2019 um 22:38 Uhr
Super :-))
Christine Stapf
7.641
Christine Stapf aus Gießen schrieb am 30.10.2019 um 19:47 Uhr
Danke liebe Martina.

Seit dem Umzug in die Villa spreche ich die Barrierefreiheit im Rathaus an, denke nun positiv dass dies in absehbarer Zeit in die Tat umgesetzt wird.
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von:  Christine Stapf

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Christine Stapf
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