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Die Lahn

von Bernd Giezekam 14.08.2019145 mal gelesen1 Kommentar
Gießen | Für uns Mittelhessen ist die Lahn ein Fluss. In Bremerhaven ist die Lahn ein Schiff mit zwei Schornsteinen, vier Masten und Platz für 224 1.Klasse-, 104 2.Klasse- und 600 sogenannte Zwischendeckspassagiere oder einfacher 3. Klasse-Passagiere. Deren Schicksal auf dem Weg von Bremerhaven nach New York wird eindrucksvoll im Museum „Deutsches Auswandererhaus“ erzählt. Mehr als sieben Millionen Menschen verließen ab dem Jahr 1830 Bremerhaven in Richtung Neue Welt. Zunächst erfolgte die Reise mit Segelschiffen und dauerte bis zu drei Monaten. Mit der Lahn und anderen Schiffen der sogenannten Flüsse-Klasse mit Namen wie Fulda oder Werra begann die Zeit der Dampfschiffe. Am 1.Februar 1888 startete die Lahn in Bremerhaven ihre Jungfernfahrt nach New York. Die Fahrzeit verkürzte sich auf acht bis fünfzehn Tage und die Zwischendeckpassagiere hatten sogar ein eigenes Bett und sanitäre Anlagen, die viele Auswanderer von zuhause damals noch nicht kannten.

Luxus sieht aber anders aus und in diesem Museum wird das Leben während der Überfahrt originalgetreu und faszinierend nachgestellt. Über eine Gangway geht es an Bord der
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Lahn und in die engen, oft dunklen Kabinen mit 16 Betten, die auf zwei Etagen ohne Zwischenräume nebeneinander liegen. Der Besucher taucht spätestens dann in die Rolle eines Aussiedlers ein. Durch kleine Gucklöcher sieht der Passagier die Welt der ersten Klasse mit schönen Kabinen und großen Sälen. Gespeist wurde standesgemäß am Tisch des Kapitäns oder im Rokoko-Speisesaal. Im Zwischendeck war das Ambiente nicht ganz so einladend, aber durch die kürzere Reisezeit gab es zumindest mehr zu essen als nur Schiffszwieback.

In New York angekommen geht auf die Insel der Hoffnung, Ellis Island. Der Besucher erlebt in einem Nachbau der Einwanderungsstation das Gefühl der Aussiedler bei der Ankunft in New York und der vor sich liegenden ungewissen Zukunft. Jeder Gast hier die Möglichkeit, selbst die damaligen Fragen zur Einreise zu beantworten und erfährt sofort, ob er auch hätte einreisen dürfen.

Die Weiterreise z. B. in der Mittleren Westen der USA erfolgt dann per Bahn vom Grand Central Terminal. Die Fahrkarten gibt es an exakt rekonstruierten Fahrkartenschalter mit ihren bronzenen Verzierungen. Das Gepäck übernimmt der Bahnmitarbeiter in schicker roter Uniform.

Das Museum endet wieder da, wo es begonnen hat, in Deutschland; allerdings nicht mehr in der Zeit der Dampfschiffe, sondern mitten in den Siebzigern. Für meine Generation ist das die Zeit der Jugend, in der es Ravioli aus der Dose oder Miracoli zum Essen gab und die Haare mit dem orangen Braun-Fön getrocknet worden. Alles dies findet der Besucher in einer nachgebauten Ladenpassage.

Die Neuzeit hat uns dann wieder in Form von Computern im letzten Raum des Museums. Hier kann kostenfrei nach Ahnen geforscht werden. Leider fehlte mir dafür heute die Zeit, denn ich hatte nicht erwartet, dass das Museum mich die zwei Stunden davor so fesseln würde.

Kommentare zum Beitrag

Kurt Wirth
2.149
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 14.08.2019 um 20:49 Uhr
Auch im Hinblick auf die heutige Flucht und Migration nach Europa, die vielfach als Bedrohung empfunden wird: Zwischen 1820 bis 1930 wanderten 6 Millionen Deutsche in die USA aus. 5 Millionen Menschen aus Europa verliessen dieses zwischen 1850 und 1934 allein über den Hamburger Hafen. Von 1876 bis 1910 verliessen 3 Mio Menschen Österreich-Ungarn in Richtung USA.
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von:  Bernd Giezek

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Bernd Giezek
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