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PRO BAHN Hessen kritisiert den ADAC wegen der Studie zu unterschiedlichen Fahrpreisen in Großstädten

Gießen | Als eine auf mangelhafter Grundlage basierende Studie bezeichnet der PRO BAHN Landesverband Hessen die Veröffentlichung des Allgemeinen Deutschen Automobil Clubs ADAC über den Vergleich verschiedener Tickets in ausgewählten deutschen Großstädten.

Der Eindruck, als sei der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) teuer, könne ohne eine eingehende Differenzierung nicht so stehen bleiben und müsse als vorschnelle pauschale Wertung bezeichnet werden. PRO BAHN Hessen ist mit den Gegebenheiten auch nicht vollumfänglich zufrieden, fällt jedoch nicht solch pauschale Urteile wie der ADAC.

Das Problem, weswegen die Tickets in einer Stadt bzw. einem Verkehrsverbund verhältnismäßig günstig oder teuer sind, hänge in wesentlichem davon ab, wie stark sich die Aufgabenträger, ob die Bundesländer für den Schienenpersonennahverkehr oder die Städte und Landkreise für lokale Netze an der Mitfinanzierung des laufenden Betriebs durch öffentliche Gelder beteiligten. Durch eine verfehlte Verkehrspolitik in Hessen seit Ende der 1990er Jahre bis 2014 musste der RMV 56% seines erforderlichen Gesamtbudgets zur Abwicklung von laufendem Betrieb und Administration aus Fahrgeldeinnahmen aufbringen, nur 44% sind über Jahre somit aus öffentlichen Haushaltsmitteln gedeckt worden. Ganz anders in Sachsen-Anhalt bei der „NaSA – Nahverkehr Sachsen-Anhalt“, in deren Geschäftsbereich nur 18% aus Fahrgeldeinnahmen und 82% aus Steuermitteln finanziert werden.

Auch bei Angeboten wie der Tageskarte und der Monatskarte werden Äpfel mit Birnen verglichen, so der Fahrgastverband weiter. Es gebe unterschiedliche Voraussetzungen, in welchen Fällen überhaupt noch das Lösen eines Einzeltickets notwendig ist.

Monatskarte ist nicht gleich Monatskarte, wenn man die Verkehrsverbünde miteinander vergleicht. So kann man z.B. bei der Monatskarte des RMV ab 19:00 Uhr sowie am Wochenende ganztägig eine zweite Person kostenlos mitnehmen. Zudem ist die Monatskarte und die Jahreskarte, wenn es sich um die klassische Form beim RMV handelt, auf jede andere Person übertragbar, also nicht nur Familienmitglieder. Das ist in anderen Städten, in anderen Verkehrsverbünden so nicht gegeben. Dort gibt es wieder andere Sonderregelungen. Daher kann man das nicht miteinander vergleichen und wir stellen solch einen Vergleich so platt und pauschal nicht an.

Es gibt schon bei der einzelnen Nutzung bzw. Hin- und Rückfahrt Unterschiede. Im RMV lohnt sich schon eine Tageskarte, wenn man eine Hin- und Rückfahrt auf gleicher Strecke bzw. in den gleichen Tarifwaben unternimmt. Da sind zwei Einzelfahrscheine schon teurer und mit der Tageskarte kann man noch mehr unternehmen. Bei der Gruppentageskarte lohnt es sich schon diese zu lösen, wenn man mit zwei Personen unterwegs ist. Also auch hier eine deutliche Ersparnis bereits bei Alltagsangelegenheiten, welche es so in anderen Städten, in anderen Verkehrsverbünden nicht gibt.

Die Beispiele, dass der pauschale Vergleich zwischen den Großstädten deutlich hinkt, diese lassen sich noch weiter fortsetzen.

Ungeachtet dessen sieht der PRO BAHN Landesverband Hessen schon die Situation, dass aus Sicht des Fahrgastes seit Bestehen des RMV jedes Jahr die Tickets um durchschnittlich 3% teurer geworden sind. Der Anteil der Finanzierung aus öffentlichen Haushalten muss in den nächsten Jahren auch in Hessen schrittweise angehoben werden, der Anteil der Fahrgeldeinnahmen sinken, um so nicht in eine weitere Aufwärtsspirale zu geraten, dass öffentliche Mobilität immer teurer wird. Seit 2014 habe sich der Trend in Hessen auch umgekehrt, so PRO BAHN Landesverband Hessen. Flatratetickets wie das Landesschülerticket, das Landesbedienstetenticket und das Landesseniorenticket und auch die bessere Absicherung der Jobtickets seien richtige Entscheidungen hin zu einer besseren Akzeptanz des Öffentlichen Personennahverkehrs im Bundesland. Man sei aber erst am Anfang der Wegstrecke.

Fazit ist, ein Automobilclub, der sich ja dadurch auszeichnet, als Zweck niedergeschrieben zu haben, die Interessen der Autofahrer zu vertreten, hätte besser nicht alleine eine solche Studie in Auftrag zu geben und sich der Mitwirkung von Fachverbänden aus der Mitte der Gesellschaft zu bedient, wie dies beim Fahrgastverband PRO BAHN der Fall ist. Vielleicht solle aber auch nur suggeriert werden, dass ÖPNV teuer und das billigste weiterhin das Auto ist und bleibt, so die Fahrgastvertreter.

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