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„Wie in den Fernsehserien, die man so kennt“ - Lebenshilfe-MitarbeiterInnen und PolizeianwärterInnen wechseln die Perspektiven

Auch in der Lollarer Wäscherei erhielten Lebenshilfe-MitarbeiterInnen und PolizeianwärterInnen die Möglichkeit, miteinander in Kontakt zu treten.
Auch in der Lollarer Wäscherei erhielten Lebenshilfe-MitarbeiterInnen und PolizeianwärterInnen die Möglichkeit, miteinander in Kontakt zu treten.
Gießen | Pohlheim (-). Sechs sogenannte „Seitenwechsel“ veranstaltet die Lebenshilfe Gießen anlässlich ihres 60. Geburtstages in diesem Jahr. Menschen mit Behinderung tauschen hierbei ihren Arbeitsplatz mit bekannten Personen oder Institutionen aus Stadt und Landkreis Gießen.

Zu einem besonders großflächigen Seitenwechsel kam es nun zwischen rund 60 PolizeianwärterInnen, die den praktischen Teil ihrer Ausbildung bei der Bereitschaftspolizei in Lich absolvieren, sowie insgesamt sieben Lebenshilfe-Werkstätten. Die Werkstatt-Standorte in Pohlheim-Garbenteich (Limeswerkstatt/Tagesförderstätte), Lollar (Werkstatt Lollar, Tagesförderstätte), Gießen (Reha West/Reha Mitte/Kompetenzzentrum berufliche Bildung), Klein-Linden (Tagesförderstätte) und Reiskirchen (Integ Mechanik) erhielten gleichzeitigen Besuch von den angehenden Polizistinnen und Polizisten.

Die beiden Polizeitrainer Stefan Bernhardt und Jens Reisewitz begleiteten eine größere Gruppe Studierender, die den Vormittag in Lollar verbrachten. „Die Aktion ist für unsere Studierenden auch Teil eines Lehrmoduls. Es ist durchaus auch ein Aspekt der Ausbildung, dass man zukünftige Polizistinnen und Polizisten im Umgang mit Menschen mit Behinderung schult“, erläuterte Stefan Bernhardt. Jens Reisewitz, der darauf hinwies, dass Polizisten häufig mit Menschen mit einer psychischen Behinderung zu tun haben, ergänzte: „Es geht auch darum, dass man Hemmnisse und eventuelle Bedenken abbaut. Dadurch soll eine gewisse Handlungssicherheit entstehen, von der alle Beteiligten im Fall der Fälle profitieren.“

Natürlich wurden die verschiedenen Polizeianwärter-Gruppen, die Klassen der Schutz- oder der Kriminalpolizei entstammten, an den verschiedenen Lebenshilfe-Standorten persönlich begrüßt. In Lollar übernahm das unter anderem Tagesförderstätten-Teamleiterin Danja Moldenhauer, die sich im Vorfeld auch für die Organisation der Veranstaltung mitverantwortlich gezeichnet hatte. „Ein ähnliche Aktion mit der Polizei haben wir vor wenigen Jahren schon einmal durchgeführt – und diese kam beidseitig gut an, weshalb wir uns nun über eine Wiederholung freuen“, sagte Moldenhauer.

Im Rahmen des Seitenwechsels arbeiteten die angehenden Polizistinnen in diversen Bereichen der verschiedenen Werkstätten mit, beispielsweise in der Wäscherei, in der Schreinerei, in der Aktenvernichtung oder bei den Montage- oder Gartengruppen.
Vom Glas aufs Papier: Auch Jens B. ließ sich in der Lebenshilfe-Werkstatt in Lollar die Fingerabdrücke nehmen. Jeder Abdruck wurde von den PolizeianwärterInnen mit einer Widmung versehen.
Vom Glas aufs Papier: Auch Jens B. ließ sich in der Lebenshilfe-Werkstatt in Lollar die Fingerabdrücke nehmen. Jeder Abdruck wurde von den PolizeianwärterInnen mit einer Widmung versehen.
Im Gegenzug erhielten die Lebenshilfe-MitarbeiterInnen die Gelegenheiten, einmal im Streifenwagen mitzufahren, die eigenen Fingerabdrücke abnehmen zu lassen – zu der man auch noch eine persönliche Widmung erhielt - oder zum Beispiel spezielle Polizeischutzkleidung anzuprobieren.

„Wir sind für 19 Wochen auf unserem Gelände – das hier ist wirklich mal eine willkommene Abwechslung“, freute sich ein junger Polizeianwärter, der in Lollar beim Sichtbarmachen der Fingerabdrücke mithalf. Auch Ali Mansour, ebenfalls angehender Polizist, schilderte seine Eindrücke: „Die meisten wussten nicht so recht, was sie erwartet. Ich freue mich nun aber sehr, hier den Kontakt zu haben. Das ist sehr wichtig.“ Polizeianwärter Stefan Moser schätzte derweil „den Blick über den Tellerrand hinaus“ und erklärte: „Wenn man Menschen mit Behinderung im persönlichen Umfeld nicht hat, dann kennt man das nicht so. Daher ist eine solche Veranstaltung sehr wichtig.“

Positive Resonanzen ergaben sich aber auch auf der Gegenseite. Christian, ein Mitarbeiter mit Behinderung aus Lollar, zeigte sich besonders von der Möglichkeit, mit einem Polizeiwagen eine Runde zu drehen, angetan: „Das ist ja wie in diversen Fernsehserien, die man so kennt.“

Nach einem gemeinsamen Mittagessen an den verschiedenen Schauplätzen dieses Seitenwechsel-Tages, trennten sich die Wege von Lebenshilfe-MitarbeiterInnen und Polizeianwärterinnen wieder. Eine Neuauflage in der Zukunft konnten sich alle Beteiligten sehr gut vorstellen.

Auch in der Lollarer Wäscherei erhielten Lebenshilfe-MitarbeiterInnen und PolizeianwärterInnen die Möglichkeit, miteinander in Kontakt zu treten.
Auch in der Lollarer... 
Vom Glas aufs Papier: Auch Jens B. ließ sich in der Lebenshilfe-Werkstatt in Lollar die Fingerabdrücke nehmen. Jeder Abdruck wurde von den PolizeianwärterInnen mit einer Widmung versehen.
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Lebenshilfe-Mitarbeiterin Katja R. zeigt einem Studierenden der Polizei ihren Arbeitsplatz in der Lollarer Montage-Gruppe.
Lebenshilfe-Mitarbeiterin... 

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