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Internationaler Frauenkampftag in Gießen war erfolgreich

Gießen | Auch in diesem Jahr gingen unzählige Frauen weltweit am 8.März.- dem internationalen Frauentag- für ihre Rechte, für ihre sexuelle Selbstbestimmung, für das Recht über ihren Körper selbst zu entscheiden auf die Straße.

In Gießen rief das „Bündnis 8. März“ zu einer Demo mit Aktionen auf, an der gut 400 Demonstrantinnen und Demonstranten teilnahmen. Der Aufruf lautete in diesem Jahr „Keine Kompromisse – Weg mit den §§218 & 219“.

Der Auftakt war auf dem Kirchenplatz, die Demo verlief am Berliner Platz vorbei, durch das Selterstor und durch den Seltersweg zurück.

An einzelnen Stationen gab es von Bündnisteilnehmern Redebeiträge.

Den Start machte auf dem Kirchenplatz das Bündnis 8. März, dem folgte ein Redebeitrag der DKP. In diesem hieß es: Für die Kommunistin Alexandra Kollontai war eins klar: „Ohne Sozialismus keine Befreiung der Frau - ohne Befreiung der Frau kein Sozialismus!"

Die vielen bunten Transparente und Plakate, die zum Teil am 5.3 im gemeinsam veranstalteten Kreativ Workshop entstanden, wurden verteilt und machten die Demonstration zu einer aussagekräftigen und bunten Veranstaltung.

An der Praxis von Kristina Hänel hielt der SDS den Redebeitrag in dem es über feministische Proteste in vielen Ländern ging, deren gedacht wurde. An der Löwengasse folgte die ARAG mit einem Beitrag und der damit verbundenen symbolischen Umbenennung der Gasse in „Ivanna Hoffmann Straße“. Die kommunistische junge Kämpferin, die sich gegen Rassismus und Sexismus engagierte, kam 2015 beim Kampf um Kobane ums Leben.

Am Kugelbrunnen sprach „Bercem“ vom kurdischen Kulturzentrum von kurdischen Frauen im Widerstand und der Situation heute.

Mit aufgerufen hatten auch Pro Choice, Alarm-gegen Sexkauf und das Autonome Frauenhaus.
Alle waren sich einig, dass das kapitalistische System den Frauentag als „Weltfrauentag“ integriert und entpolitisiert hat. Dieser Tag steht in einer kämpferischen Tradition und er ist nicht geschenkt worden. Frauenrechte, so wie das Wahlrecht, mussten erkämpft werden.

Im Mittelpunkt stand in diesem Jahr die Diskussion um Schwangerschaftsabbrüche, die nach § 218 des deutschen Strafgesetzbuches sind Schwangerschaftsabbrüche immer noch rechtswidrig sind. Es drohen Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren oder Geldstrafen. Die Aufrufenden waren sich einig, dass das Thema Schwangerschaftsabbrüche im Strafgesetzbuch nichts verloren hat und dass die Paragraphen 218 und 219a abgeschafft werden müssen!

Bevölkerungspolitik ist ein weiteres Macht- und Kontrollinteresse. Bei Raubbau an der Natur, Lohnarbeit zu Billiglöhnen, Krieg, unbezahlte Pflege- und Hausarbeit, Kinderarbeit, Ausbeutung von Migrantinnen und Migranten geht es immer darum Profit zu maximieren.

Und dieses System der Ausbeutung heißt Kapitalismus und Patriarchat, was überwunden werden muss.




Der komplette Aufruf ist hier zu lesen:
http://www.giessener-zeitung.de/giessen/beitrag/127968/aufruf-des-buendnisses-8-maerz-zum-internationalen-frauentag/

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Raus zum internationalen Frauentag

Kommentare zum Beitrag

Bernd Zeun
10.993
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 09.03.2019 um 22:46 Uhr
Erfolgreich wäre er meiner Meinung nach erst dann, wenn ein paar der Ziele, für die demonstriert wurde, auch erreicht würden.
Stefan Walther
4.425
Stefan Walther aus Linden schrieb am 10.03.2019 um 11:22 Uhr
Ich verstehe nicht ganz was du uns damit sagen willst Bernd.

Wie heißt es im Text = "Dieser Tag steht in einer kämpferischen Tradition und er ist nicht geschenkt worden. Frauenrechte, so wie das Wahlrecht, mussten erkämpft werden."

Und aus meiner Sicht ist es bereits ein großer Erfolg, dass wieder weltweit am 08. März Frauen ( und Männer ) gemeinsam für die Rechte der Frau, für die Befreiung der Frau, auf die Straße gehen... allein schon, dass die bürgerliche Regierung gezwungen ist über den § 219a öffentlich zu diskutieren, ist ein Erfolg der kämpferischen Frauenbewegung... und es gibt auch keine Alternative "zum Kampf, auch für die Befreiung der Frau", denn geschenkt wird gar nichts...
Michael Beltz
7.373
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 10.03.2019 um 19:23 Uhr
Die beiden Gießner Tageszeitungen haben über diese erflgreiche Demo und Kundgebungen nichts gebracht. Stattdessen ausführlich über das von der SPD organisierte Oma-Treffen.
Martina Lennartz
5.786
Martina Lennartz aus Gießen schrieb am 10.03.2019 um 19:42 Uhr
Ich habe gestern Abend noch mal den Tageszeitungen eine Pressemitteilung des Bündnis 8. März gesendet. Es wäre angemessen und auch journalistische Aufgabe davon zu berichten.
Stefan Walther
4.425
Stefan Walther aus Linden schrieb am 10.03.2019 um 20:14 Uhr
Ihr wundert euch? Ich glaube das war auch letztes Jahr schon so: kein Bericht über die Demo.
Vor einigen Tagen habe ich einen Leserbrief an eine Tageszeitung geschrieben ( "natürlich" bisher? nicht veröffentlicht ) über die merkwürdige Berichterstattung von Kreistagsausschuss-Sitzungen ( wichtige Themen werden ignoriert, Belangloses wird als "Top-Thema" dargestellt ). Ja, ein völlig anderes Thema, aber es gehört zusammen = "Meinung wird gemacht"!
Bernd Zeun
10.993
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 10.03.2019 um 20:17 Uhr
Hallo Stefan, es war ja keine Dankesprozession für in der Vergangenheit Erreichtes (Wahlrecht, geschäftliche Unabhängigkeit vom Ehemann etc.) sondern in der Überschrift wird explizit auf den erfolgreichen Frauenkampftag in Gießen hingewiesen. Und da kann ich als Erfolg nur sehen, 400 Leute auf die Beine gebracht zu haben (für die Einwohnerzahl Gießens durchaus noch eine überschaubare Menge). Die genannten Ziele liegen ja alle in der Zukunft und wollen noch erreicht werden. Für die meisten halte ich das ebenfalls für wünschenswert, aber ich fürchte, es werden noch ein paar Frauentage vergehen, bis es soweit ist.
Stefan Walther
4.425
Stefan Walther aus Linden schrieb am 10.03.2019 um 20:20 Uhr
Das mag sein, aber das wird die Frauen nicht davon abhalten weiter für ihre Befreiung zu kämpfen...
Nebenbei: "Ziele" liegen meist in der Zukunft :-)
Bernd Zeun
10.993
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 10.03.2019 um 20:28 Uhr
Stimmt, das war redundant ausgedrückt :-)
- und es würde auch nicht schaden, wenn mehr Männer für die Belange von Frauen einträten, vor allem in den nicht mehr so großen Volksparteien und Vorstandsetagen.
Stefan Walther
4.425
Stefan Walther aus Linden schrieb am 10.03.2019 um 21:06 Uhr
Nun, also gut, etwas ernsthafter:
- von den so genannten Volksparteien ( egal ob deren Männer oder Frauen ) haben die Frauen, die für ihre Rechte kämpfen gar nichts zu erwarten. Deren Aufgabe ist u.a. die bürgerliche Moral, die Stellung der Frau in der (kapitalistischen)Gesellschaft so zu belassen wie sie ist
- was das Engagement von Männern betrifft, so vertreten wir ( aber nicht nur wir ) als Internationalistisches Bündnis die Meinung, dass sich die kämpferische Frauenbewegung mit der Arbeiterbewegung zusammen tun muss, damit Frauen und Männer gemeinsam - und auch im Endeffekt nur so erfolgreich - für die Befreiung der Frau kämpfen
Bernd Zeun
10.993
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 10.03.2019 um 22:16 Uhr
Ach, Stefan, die Arbeiterbewegung wird wohl, auf die Zukunft bezogen, die Roboter in ihre Reihen aufnehmen müssen, wenn sie schlagkräftig sein will. Laut Bundeszentrale für Politische Bildung sind doch von den Erwerbstätigen nur noch 26% Arbeiter gegenüber 57% Angestellten, 11% Selbstständigen und 5% Beamten.
Stefan Walther
4.425
Stefan Walther aus Linden schrieb am 11.03.2019 um 07:08 Uhr
Ach Bernd, und dies soll wieder mal als Beweis dafür herhalten, dass es angeblich keine Arbeiterklasse mehr gibt oder dass sie aussterben wird?
Lächerliche Versuche der herrschenden Klasse und ihrer Regierung, die kein einziges Grundprinzip im Kapitalismus ausser Kraft setzen können, genauso wenig wie wenn man zig Arbeiter zu Angestellten macht...
Selbst die modernste Technik ändert nichts daran, dass der Profit durch Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft ( und der Natur ) entsteht, dass die Kapitalisten mit den Proletariern ihre Totengräber selbst geschaffen haben...
zum Thema: ein Transparent bringt es treffend auf den Punkt:
( auch der ) "Frauenkampf ist Klassenkampf"
Bernd Zeun
10.993
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 11.03.2019 um 20:42 Uhr
Das ist doch nur ein griffiger Slogan, der sich gut auf einem Transparent macht, aber was heißt das denn? Wenn mir nur mal jemand erklären könnte, wo die Klasse der Proletarier aufhört und die der Kapitalisten anfängt. Das ist doch heutzutage ein Kontinuum ineinander übergehender Gruppierungen mit unterschiedlichen Interessen und Ansprüchen, die kriegst du nie alle unter einen Hut. Eine Zeit lang vielleicht, wenn es einem genügend großen Teil so schlecht geht, dass das passiert, was jetzt passiert (Schwund bei den Volksparteien, Gelbwesten, AfD etc.) evtl. noch eindrucksvoller, reagiert die Politik gerade so sehr, dass erst mal wieder Ruhe einkehrt, dann hocken sich die "Aufrührer" wieder vor ihren Flachbildfernseher und gucken Bundesliga oder sonstigen Scheiß, den die Fernsehsender zur Hauptsendezeit ausstrahlen. War natürlich überspitzt gesagt, aber in der Tendenz läuft es so.
Stefan Walther
4.425
Stefan Walther aus Linden schrieb am 11.03.2019 um 21:17 Uhr
Du meinst das ernst was du hier schreibst Bernd?
Ich werde noch antworten ( u.a. "wer gehört zu welcher Klasse usw."), will aber jetzt doch erstmal abwarten ob nicht auch andere etwas dazu beitragen wollen / etwas dazu beizutragen haben...

Nur eins vorab: du scheinst weder Vertrauen in die ( Kraft der ) Arbeiter zu haben noch die organisierten Kämpfe der Arbeiterschaft zu verfolgen, z.B. auch heute wieder ganz aktuell die Stahlarbeiter... und eine gewisse Überheblichkeit ärgert mich sogar, wenn die Menschen als dumme, jederzeit manipulierbare abgestumpfte Masse bezeichnet werden.
Bernd Zeun
10.993
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 11.03.2019 um 23:32 Uhr
Da warte ich mit.

Dumm und abgestumpft habe ich weder gesagt noch gemeint, aber eine gewisse natürliche Trägheit sehe ich schon, werte es nicht ab und nehme mich selbst nicht davon aus, auch wenn mich die Bundesliga oder Krimis nicht interessieren, da halten mich halt andere Interessen vom Klassenkampf ab.
Kurt Wirth
1.769
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 12.03.2019 um 19:04 Uhr
Aus meiner Sicht wurde ja der gesellschaftliche Rahmen der Frauentagsaktion (Arbeiterklasse, Frauenkampf ist Klassenkampf) in der gz schon fast bis zum Überdruss in Kommentaren abgehandelt und durch den Fleischwolf gedreht.

Martina Lennartz bezeichnete im Beitrag die Aktion als erfolgreich. Bernd Zeun stellte das in Frage. Michael Beltz wiederholte das "erfolgreich" ohne nähere Begründung. Stefan Walther äusserte seine Meinung, warum er sie als erfolgreich betrachtet.

Somit fehlt nach wie vor die Antwort von Martina Lennartz
Stefan Walther
4.425
Stefan Walther aus Linden schrieb am 12.03.2019 um 20:13 Uhr
Kurt, du musst doch auch feststellen, dass es immer noch - immer wieder - Fragen gibt, und dass die Sache darum gerade noch nicht "zum Überdruss durch den Fleischwolf gedreht wurde".

Das hast du treffend formuliert "Somit fehlt nach wie vor die Antwort von Martina Lennartz" und "Michael Beltz wiederholte das "erfolgreich" ohne nähere Begründung". Na vielleicht kommt ja noch was....
Martina Lennartz
5.786
Martina Lennartz aus Gießen schrieb am 13.03.2019 um 17:56 Uhr
Liebe ungeduldige Herren, da will ich doch mal antworten, da es so sehr erwünscht wird.

Zuerst möchte ich festhalten, dass man das Wort "erfolgreich" auf die unterschiedlichsten Varianten mit den unterschiedlichsten Maßstäben interpretieren und werten kann.

Erfolg - Was ist Erfolg eigentlich und was nicht?

Teilerfolg, Achtungserfolg, Lernerfolg, Heilerfolg, Scheinerfolg, persönlicher Erfolg, Erfolgsliteratur, Erfolgsmensch, Erfolgsdenken … der DUDEN definiert Erfolg als "positives Ergebnis einer Bemühung oder Eintreten einer beabsichtigten, erstrebten Wirkung".

Wir hatten gestern unser Auswertungstreffen und ich teile hier unsere Meinung mit.
Wir halten die Demo aus folgenden Gründen für erfolgreich:

1. Wir haben ein großes Bündnis organisieren können
2. Wir haben gut mobilisiert
3. Wir haben gute Inhalte auf die Straße gebracht- laut und kämpferisch
4. Wir hatten einen super tollen Kreativ Wortshop mit neuen Gesichtern, die in Zukunft mit uns weiter zusammen arbeiten wollen
5. Wir hatten eine perfekte Kosten-Nutzen Abrechnung
6. Wir haben neue Aktionen mit Erfolg druchgeführt
7. Wir haben Ideen fürs nächste Mal
8. Wir haben Ideen für Aktionen im laufenden Jahr- nicht nur am 8. März
9. Wir sehen den Weg als Ziel- >die Demo motiviert zum Weitermachen
10. Wir hatten eine Unmenge Spaß
11. Wir hatten sogar mit dem Wetter Glück (was natürlich nicht beeinflussbar oder gar planbar ist- aber das war super)
12. Die Anmeldung der Demo und Begleitung der Polizei war sehr kooperativ und freundlich.
13. Wir hatten einzelne persönliche Erfolge, denn eine hat zum ersten Mal eine öffentliche Rede gehalten....

das solte genug sein :D
Kurt Wirth
1.769
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 13.03.2019 um 18:16 Uhr
Meinerseits alles klar. Besten Dank.
Stefan Walther
4.425
Stefan Walther aus Linden schrieb am 14.03.2019 um 10:03 Uhr
Ja, etliche Punkte die belegen = es war eine "erfolgreiche" Demo!

Ob nun Bernd Zeun mit der Antwort zufrieden ist, das kann ich natürlich nicht beurteilen.
Was mir allerdings fehlt, was ich schon von Martina Lennartz als Beitragseinstellerin ( und auch von Michael Beltz ) erwartet hätte, dass sie sich in die inhaltliche Diskussion mit einschalten.
Zum Beispiel eine konkrete Reaktion auf die Kommentare von Bernd Zeun, vor allem auf den vom 11.03. - 20.42 Uhr.
Bernd Zeun
10.993
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 14.03.2019 um 22:44 Uhr
Man kann es mir ja vielleicht als Wortklauberei auslegen, was Martina jetzt zum Erfolg erklärt hat, bezieht sich aber alles nur auf Organisation, Durchführung und persönliches Erleben der Demonstration, während ich ja von den Zielen gesprochen habe, und die sollen ja erst noch erreicht werden. Bei einem Streik spricht man ja auch dann erst von Erfolg, wenn Ziele erreicht werden, sei es Lohnerhöhung oder Sicherung von Arbeitsplätzen, und nicht wenn er ordnungsgemäß nach den Regeln des Arbeitskampfgesetzes durchgeführt wurde, aber kein Ergebnis im Sinne der Streikziele zustande kam.
Martina Lennartz
5.786
Martina Lennartz aus Gießen schrieb am 15.03.2019 um 18:14 Uhr
Ich werde erst am Montag dazu kommen eine Stellungnahme bezüglich des Klassenkampfes zu formulieren. ( tipp: Lenin Werke 29, S 410)
Kurt Wirth
1.769
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 15.03.2019 um 19:44 Uhr
Leider habe ich nur die dreibändige Ausgabe, die bei den Dreimonatslehrgängen der DKP im Jahr 1986 üblich waren.
Martina Lennartz
5.786
Martina Lennartz aus Gießen schrieb am 15.03.2019 um 19:50 Uhr
Kann man ändern, lieber Kurt.

Lenin Werke 29, S.410:
"Als Klassen bezeichnet man große Menschengruppen, die sich voneinander unterscheiden nach ihrem Platz in einem geschichtlich bestimmten System der gesellschaftlichen Produktion, nach ihrem (größtenteils in Gesetzen fixierten und formulierten) Verhältnis zu den Produktionsmitteln, nach ihrer Rolle in der gesellschaftlichen Organisation der Arbeit und folglich nach der Art der Erlangung und der Größe des Anteils am gesellschaftlichen Reichtum, über den sie verfügen. Klassen sind Gruppen von Menschen, von denen die eine sich die Arbeit der andern aneignen kann infolge der Verschiedenheit ihres Platzes in einem bestimmten System der gesellschaftlichen Wirtschaft."
Rest am Montag;)
Kurt Wirth
1.769
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 15.03.2019 um 19:55 Uhr
Vielen Dank. Gehört zu meinem Repertoire. Habe ich hier in der gz auch schon mindestens bei zwei Beiträgen in Kommentaren zum Besten gegeben.
Bernd Zeun
10.993
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 15.03.2019 um 20:59 Uhr
Martina, bin auf den Rest gespannt, welcher Klasse würdest du dich denn als gut verdienende Beamtin (nehme ich an) zurechnen?
Stefan Walther
4.425
Stefan Walther aus Linden schrieb am 15.03.2019 um 23:26 Uhr
Jetzt warte doch mal ab bis Montag Bernd, so viel Geduld solltest du / sollten wir schon haben :-)

Zu deinem Kommentar vom 14.03. - 22.44 Uhr:
den Vergleich mit den Streiks finde ich gar nicht so schlecht. Worum geht es im allgemeinen bei ökonomischen Streiks = um Lohnerhöhung, Verkürzung der Arbeitszeit usw. ( Streiks zur Sicherung von Arbeitsplätzen verlangen schon mehr, das ist aber jetzt nebensächlich ). Also, es geht um Reformen, genauso wie es um Reformen geht bei den Forderungen auf der Frauentagsdemo ( weg mit den §§ 218, 219 usw. ). Ein Erfolg kann vieles sein, Martina hat bereits einiges aufgeführt. So ist auch bei einem Streik der "Kampf" um die Reformen das Entscheidende, denn die Reform an sich ( z.B. Durchsetzung einer bestimmten Lohnerhöhung ändert nichts an der weiterhin bestehenden Ausbeutung der Beschäftigten, sie müssen immer und immer wieder diese Kämpfe führen und werden es doch nie schaffen einen "gerechten" Lohn zu erhalten ). Nicht umsonst hat bereits Marx gesagt "Nieder mit dem Lohnsystem - das ist die richtige Forderung". Worin bestehen nun die "Erfolge" im Kampf um Reformen? = das Erkennen der eigenen Kraft durch organisierte ( u.a. auch gewerkschaftliche, vor allem aber selbständige ) Kämpfe / Streiks; die gemachten Erfahrungen "wer steht an unserer Seite und wer nicht", "wer ist der Gegner" usw. usf.
Daraus folgt u.a. = ein zäher langer Arbeitskampf ( Streik ) der nicht die volle Durchsetzung der (Lohn-)Forderung zum Ergebnis hatte, ist trotzdem ein wesentlich größerer "Erfolg" als ein Abschluss am Verhandlungstisch ( Reformen "von oben" ), der bei vielen Beschäftigten Illusionen hervorruft z.B. über die Möglichkeit einer so genannten sozialen Marktwirtschaft ( u.a. Erfahrungen aus den 1950er und 1960er Jahren als die Wirtschaft brummte... )
Um es auf den Punkt zu bringen = der Kampf um Reformen ist in erster Linie von Bedeutung als Schule im Klassenkampf, die Reform an sich ist nicht das Wesentliche, es sei denn man ist ein Reformist und spielt den Arzt am Krankenbett des Kapitalismus....
Kurt Wirth
1.769
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 15.03.2019 um 23:37 Uhr
Es sei der angesprochenen Martina vorbehalten, darauf zu antworten.

Davon unabhängig: Inzwischen ist es nicht mehr zwangsläufig, dass Lehrer Beamte sein müssen. Es ist auch inzwischen nicht mehr zwangsläufig, dass kommunistische Beamte Berufsverbot erhalten (siehe Martina). Beamte sind seit langem in der marxistischen Theorie entsprechend verortet: ähnlich wie Militär, Polizei, Regierungsapparat als unmittelbare "Büttel" des Staates.

In dem wikipedia-Artikel zu Kleinbürger
http://de.wikipedia.org/wiki/Kleinb%C3%BCrger
werden die Volksschullehrer zu diesen gezählt.

Nichtsdestotrotz ist es jedem Kleinbürger unbenommen, vernünftig zu denken. Marx, Lenin (und die meisten Koryphäen der Oktoberrevolution), Liebknecht, Luxemburg waren alle kleinbürgerliche Intellektuelle. Engels sogar Bourgeois. Ausnahmen, wie August Bebel waren selbständige Handwerker (und damit auch schon fast Kleinbürger). Erst später kamen "richtige Arbeiter" in Führungspositionen der Arbeiterbewegung: Ernst Thälmann, Walter Ulbricht, Erich Honecker.

Da die Klassenstruktur mit der Entwicklung der Produktivkräfte einer stetigen Änderung unterliegt (mit der Tendenz von immer weniger in der unmittelbaren Industrieproduktion Beschäftigten), gehört deren Analyse seit eh und je zur ständigen Aufgabe von Marxisten. Im Kern unverändert bleibt die Aneignung des Mehrwerts durch die Besitzer der Produktionsmittel. Das würde sich nur mit der Vergesellschaftung der Produktionsmittel ändern.
Stefan Walther
4.425
Stefan Walther aus Linden schrieb am 16.03.2019 um 07:17 Uhr
Lieber Kurt, bitte nicht Wikipedia zitieren, das erweckt immer den Eindruck als sei dies eine unabhängige Quelle...

Dein Kommentar fordert jetzt aber doch einige Antworten heraus:
- geht es um "vernünftig denken"? Es geht doch darum, dass viele bewusst ihre Klasse verraten ( haben ) und sich mit der Arbeiterklasse verbunden haben / verbinden, nicht nur in der Theorie sondern auch und vor allem in der Praxis. Engels ist hierfür ein hervorragendes Beispiel, er war der "Sohn" eines Bourgeois, er selbst war nie ein Bourgeois. Mal wieder ein Literaturtipp, dazu passend:
http://www.people-to-people.de/buecher-medien/belletristik/224/der-flug-des-falken-die-rebellische-jugend-des-friedrich-engels/
- es gibt natürlich auch die andere Entwicklung, dafür stehen auch deine genannten Personen treffend: die "richtigen Arbeiter" können sehr wohl auch ihre eigene Klasse verraten, das sieht man an Ulbricht und Honecker geradezu beispielhaft. Gegen die kleinbürgerlichen Einflüsse und die kleinbürgerliche Denkweise muss ständig offensiv der Kampf geführt werden, gerade bei Leuten die Führungspositionen in der Arbeiterbewegung haben...
- stimmt das wirklich, dass immer weniger Arbeiter in der Industrieproduktion arbeiten? = weltweit wächst(!) das Industrieproletariat! Sicher ist es Aufgabe stets die Entwicklungen zu analysieren und entscheidend ist dein letzter Satz! Das bedeutet u.a. auch = Kleinbürger, früher vor allem die Bauern, heute in erster Linie die beschäftigten Intellektuellen, müssen als Verbündete gewonnen werden... aber klar muss auch immer sein = die einzig fortschrittliche Klasse ist und bleibt die Arbeiterklasse, das Kleinbürgertum ist schwankend, unzuverlässig... und hat im Grunde genommen weder eine Zukunft ( als Kleinbürger ) noch einen eigenen Klassenstandpunkt...
Kurt Wirth
1.769
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 16.03.2019 um 10:52 Uhr
Wovon bestritt Engels seinen Lebensunterhalt und den von Marx teilweise mit? Sicher hatte er als vielseitiger Autor und Redakteur Honorareinkünfte, die dürften aber nicht ausgereicht haben, wie auch bei Marx. Ich finde Hinweise, dass er ab 1850 in der väterlichen Firma in England arbeitet und daraus solide Einkünfte erzielt und 1869 seine Firmenanteile verkauft und dadurch wohlhabend wird.

Walter Baumert (Autor des gelinkten Buches) kannnte ich übrigens persönlich, von Autorenlesungen, die ich während meiner Buchhändlerzeit organisierte und von Auftritten und Besuchen bei 2 UZ-Pressefesten, wo ich ihn zu betreuen hatte.
Stefan Walther
4.425
Stefan Walther aus Linden schrieb am 16.03.2019 um 20:28 Uhr
Sicher eine besondere Erfahrung Walter Baumert kennen gelernt zu haben! Dann kennst du ja auch sicher sein Buch über den Werdegang von Engels...

Also, wenn jemand in der Firma seines Vaters ( vorübergehend! ) arbeitet(!), dann ist derjenige ein Bourgeois?
Was das "wohlhabend" betrifft, diese Diskussionen gibt es auch im Zusammenhang mit Arbeitern immer wieder = die Facharbeiter in der Industrie verdienen doch nicht schlecht, vielen geht es um einiges besser als z.B. kleinen Selbständigen und einigen anderen... was sagt das aus? Nichts, wenn es um die Beurteilung der verschiedenen Klassen geht...
Kurt Wirth
1.769
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 16.03.2019 um 21:55 Uhr
Er hat ja da offensichtlich nicht nur gearbeitet, sondern auch Kapitalanteile besessen. Das ist doch das Entscheidende. Im marxistischen Sinne hat er also ausgebeutet.

Aber das ist für mich nicht ein gravierendes Problem. Irgendwie muss man ja schauen wie man über die Runden kommt und die Revolution vorantreibt.
Stefan Walther
4.425
Stefan Walther aus Linden schrieb am 16.03.2019 um 22:01 Uhr
Ach Kurt, und was hat er damit gemacht? Welches Leben hat er geführt? Mit welcher Klasse hat er sich verbunden? usw. usf.
Das ist das Entscheidende!

Auf welcher Grundlage / welcher Analyse bewertest du das eigentlich?
Kurt Wirth
1.769
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 17.03.2019 um 10:50 Uhr
Ich habe das von Anfang an genau so gesehen.
Stefan Walther
4.425
Stefan Walther aus Linden schrieb am 21.03.2019 um 11:14 Uhr
Liebe Martina, vielleicht hast du es ja vergessen? Also ich würde es schon gut finden wenn du noch ne Antwort ( siehe auch den Kommentar von Bern Z. 15.03. ) geben würdest.
Es geht auch mir ( nicht nur Bernd ) nicht um weitere Lenin-Zitate sondern um deine persönlichen Ansichten / Meinung usw.
U.a. "warum geht es auch beim Frauenkampf um Klassenkampf und nicht um Geschlechterkampf"...
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) Martina Lennartz

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