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Aufruf des Bündnisses 8. März zum internationalen Frauentag

Gießen | Demo zum internationalen Frauenkampftag 8. März 2019 –
Keine Kompromisse – Weg mit den §§218 & 219

Die Freiheit der Frau bestimmt die Freiheit einer Gesellschaft

Der internationale Frauenkampftag fand zum ersten Mal am 8. März 1911 statt. Mit der Novemberrevolution 1918 wurde hierzulande das Wahlrecht für Frauen erkämpft. Seit über 100 Jahren setzen sich Frauen auf der ganzen Welt für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen ein – gegen Gewalt, Ausbeutung, Entmündigung und Armut. Lebensbedingungen von Frauen haben sich nicht von alleine verbessert – diese Verbesserungen mussten erkämpft werden. Das gilt bis heute:

Im patriarchalen und kapitalistischen Wirtschaftssystem erfahren Frauen eine doppelte Ausbeutung: zum einen durch Lohnarbeit, zum anderen durch unbezahlte Reproduktionsarbeit (Erziehungs-, Haus- und Betreuungsarbeit). Auf diese Sorgearbeit ist der Kapitalismus nach wie vor angewiesen, um eine Gesellschaft aufrecht zu erhalten, die sich der Profitlogik verschrieben hat. Sexistische Abwertung und Diskriminierung sind in dieser Gesellschaftsform alltäglich. Dazu kommt die Verschränkung mit weiteren Unterdrückungsformen wie Rassismus, Lesbenfeindlichkeit oder die Abwertung von Frauen mit geistiger und/oder körperlicher Behinderung.

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In den letzten Jahren werden feministische Errungenschaften immer mehr in Frage gestellt. Nicht zuletzt durch einen rechten Backlash, der im Bundestag durch die nationalkonservative, neoliberale AfD vertreten wird, die zudem einen faschistischen Flügel hat. Wenn die (extreme) Rechte feministische Themen aufgreift, dann besetzt sie diese rassistisch um gegen Geflüchtete und Migranten zu hetzen. Das wird z.B. dann deutlich, wenn sie Gewalt gegen Frauen thematisiert. Gewalt gegen Frauen ist aber nichts was von „außen“ in diese Gesellschaft getragen wird. In über 70% der Fälle von körperlicher und/oder sexueller Gewalt gegen Frauen sind die Täter aus dem direkten sozialen Umfeld.

Weg mit den Paragraphen 218 und 219

Die Paragrafen 218 und 219 haben eine lange Tradition in Deutschland.Bereits 1872 wurden Schwangerschaftsabbrüche mittels des §218 unter Gefängnisstrafe gestellt. Kaum ein Arzt wollte daraufhin das Risiko eingehen einen Abbruch durchzuführen. Im deutschen Faschismus wurde zusätzlich die „Werbung“ für Schwangerschaftsabbrüche und die Hilfe beim Abbruch einer Schwangerschaft unter Strafe gestellt. In den darauffolgenden Jahrzehnten wurden beide Paragrafen in der BRD nur unwesentlich verändert, eine ersatzlose Streichung der Paragraphen 218 und 219 wurde und wird durch Politiker(Innen) und Kirche verhindert.

Im Gegensatz dazu wurde 1950 in der DDR mit dem Gesetz für „Mutter- und Kinderschutz und die Rechte der Frau“ ein Schwangerschaftsabbruch ermöglicht, in den 1970er Jahren dann auch die Pflichtberatung aufgehoben. Nach der sogenannten „Wiedervereinigung“ wurden diese Errungenschaften nicht übernommen. Frauen wird das Recht auf Information, medizinische Versorgung, gesundheitliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung bei Schwangerschaftsabbrüchen verwehrt.
Die Kontrolle über weibliche Körper haben im Fall eines Schwangerschaftsabbruchs, staatliche Akteure und Ärztinnen und Ärzte. Das Recht auf freien Zugang zu medizinischen Informationen zu Schwangerschaftsabbrüchen ist aufgrund §219a nicht gegeben. Die Gießener Gynäkologin Kristina Hänel wurde 2018 zu einer Geldstrafe verurteilt, weil sie Frauen diese Informationen auf ihrer Homepage zur Verfügung stellte.
Der Zugang zu einer Beratung und Abtreibung ist von vielen Faktoren abhängig: Stadt/Land; Konfession der Länder, Finanzierung unabhängiger Beratungsstellen.
Ärmere und alleinerziehende Frauen haben einen erschwerten Zugang, da die finanzielle Belastung und die bürokratischen Hürden hoch sind. Medizinische und eine eugenische Indikation zu erhalten ist immer noch weitaus leichter als eine soziale.

Sexual-/Reproduktions- und Bevölkerungspolitik waren zu allen Zeiten eng miteinander verbunden: Welche Schwangerschaften erwünscht und welche unerwünscht sind, beruht auf auf politischem Interesse und Machtverhältnissen:
• Beispielsweise ist ein Schwangerschaftsabbruch, der auf "embryopathische Indikation" beruht, bis zur 22. Schwangerschaftswoche möglich. Menschen mit Beeinträchtigungen werden die Würde und das Recht auf Leben offensichtlich leichter abgesprochen.
• In Indien und China wurden und werden massenhaft weibliche Föten abgetrieben, weil es gesellschaftlich angesehener und finanziell attraktiver ist einen Jungen zu gebären.
• Weltweit wird es armen Frauen und Frauen aus kulturellen Minderheiten schwerer gemacht Kinder zu bekommen, als reichen und/oder zu herrschenden Schicht gehörenden. So wurde unter dem Vorwand der „Überbevölkerung“ oder „ frauenunabhängige sicher Verhütung“ in 58 Ländern das gesundheitsgefährdende Verhütungsmittel „Norplant“ in Frauenarme operiert. In den USA bekamen vor allen Dingen arme und schwarze Frauen das Mittel verabreicht, in den Ländern des globalen Südens wurde es flächendeckend eingesetzt. Wegen schwerer Nebenwirkungen und wachsendem Widerstand wurde das Mittel abgesetzt. Unter der Prämisse „Familienplanung“ setzte 2011die deutsche staatliche Entwicklungsagentur GIZ dieses Mittel unter anderem Namen, aber mit dem gleichen Wirkstoff, in Ruanda ein.
Verschleiert wird die gewalttätige Bevölkerungspolitik mit den Begriffen „Verbesserung des Status der Frau“ „Kampf gegen den Hunger“ „nachhaltige Entwicklung“ – egal wie es genannt wird, es bleibt der globale Zugriff auf Frauenkörper und Selbstbestimmung.

Für das Recht auf Selbstbestimmung zu kämpfen, bedeutet so für die einen, für das Recht zu kämpfen Kinder gebären zu dürfen und für die anderen für das Recht auf Abtreibung auf die Straße zu gehen.

„Wenn wir die Arbeit niederlegen, steht die Welt still“

Am 8. März 1994 streikten in der BRD mehr als eine halbe Million Frauen mit den Forderungen: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, für eine ersatzlose Streichung der Paragraphen 218 und 219, gegen ungleiche Arbeitsverteilung zwischen Frauen und Männern, gegen doppelte Ausbeutung durch prekäre Lohnarbeit und unbezahlter Reproduktionsarbeit. Diese Forderungen sind immer noch aktuell!
2018 streikten Frauen in Spanien, Argentinien und Polen gegen kapitalistische Ausbeutung, Unterdrückung und für mehr Selbstbestimmung. Dazu gehört auch das Recht auf Abtreibung.
Kurdische Freundinnen beschreiben ihren Kampf für das Recht auf Selbstbestimmung so: Frauen sollten sich nicht länger damit zufrieden geben, kleine Veränderungen zu erwirken, sondern sollten die Kraft erlangen, das gesamte patriarchale System zu bekämpfen und zu einem Gesellschaftssystem zu finden, das freies Leben, Selbstbestimmung, Fürsorge, Teilhabe und Teilnahme, Vielfältigkeit und Respekt zur Grundlage hat!


Heraus zur Demo!

Start: 17.30 Uhr am Kirchenplatz
morgen, am 8.3.2019
viele bunte Transparente, Redebeiträge ...

 
 
 

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Kommentare zum Beitrag

H. Peter Herold
27.990
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 07.03.2019 um 22:46 Uhr
Dann heraus ihr Frauen. Leider musste ich z. B. während meiner Tätigkeit in Gewerkschaft und als BR in einer der größten AG der BRD feststellen dass meist die Frauen im Betrieb bei Wahlen Mä er gewählt haben;-(
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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von:  Martina Lennartz

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Martina Lennartz
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