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Akute psychische Krisen zu Hause überwinden

Das Home-Treatment-Team der Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Marburg. (Foto: Vitos Gießen-Marburg)
Das Home-Treatment-Team der Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Marburg. (Foto: Vitos Gießen-Marburg)
Gießen | Vitos Gießen-Marburg startet Therapiekonzept „Home Treatment“

Gießen, 5. Februar 2019. Eine stationäre Behandlung ist bei schweren psychischen Krisen oft der richtige Weg. Doch es geht auch anders. Die Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Marburg bietet ein neues Therapiekonzept an, das den Klinikaufenthalt verkürzen oder sogar ersetzen kann: Home Treatment – die intensivpsychiatrische Behandlung zu Hause.

In der Praxis heißt das: Ein fachübergreifendes Team aus Fachärzten, Psychologen, Pflegefachkräften und Mitarbeitern des Sozialdienstes besucht die Patienten auf Wunsch in ihren eigenen vier Wänden. So können die Betroffenen während einer Krise weiter in der gewohnten Umgebung leben und trotzdem intensiv betreut werden. Seit dem Start im Dezember wurden und werden bei Vitos bereits drei Patienten auf diese Art und Weise begleitet. Auch am Vitos-Standort Gießen sind die Planungen zur Aufnahme der ersten Patienten ins Home Treatment weit fortgeschritten.

Tägliche Hausbesuche

Zwar sind Hausbesuche für die Fachärzte und Pflegefachkräfte von Vitos nichts Neues. Doch das aktuelle Home Treatment
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geht noch einen Schritt weiter: Das Konzept orientiert sich streng an den gesetzlichen Vorgaben der sogenannten stationsäquivalenten psychiatrischen Behandlung (kurz: StäB). Im Gegensatz zu regulären Hausbesuchen bekommen Patienten hier deutlich öfter – sprich: täglich – Besuch von einem Vertreter ihres Behandlungsteams. Das gilt auch für die Wochenenden. Darüber hinaus gibt es eine noch engere Abstimmung und Zusammenarbeit zwischen den Fachgruppen und Kooperationspartnern. Als Letztere sind in Marburg der Verein Soziale Hilfe sowie die BI Sozialpsychiatrie mit im Boot.

„Eine stationsäquivalente psychiatrische Behandlung kann den Aufenthalt in der Klinik verkürzen oder sogar ganz ersetzen“, sagt Prof. Dr. Michael Franz, Ärztlicher Direktor am Vitos Klinikum Gießen-Marburg. „Wenn Patienten aus der Klinik entlassen werden, ist der Wechsel vom geschützten Raum in den selbstbestimmten Alltag oft sehr abrupt. Mit Home Treatment schaffen wir hier einen sanfteren Übergang. Das bedeutet, dass Patienten, die eigentlich noch stationär behandlungsbedürftig sind, gegebenenfalls früher nach Hause gehen können.“

Gute Alternative bei Demenz

„Unser StäB-Konzept kann für viele eine gute Alternative sein“, ergänzt Frank Dannhoff, stellvertretender Klinikdirektor der Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Marburg. „Zum Beispiel für ältere Menschen oder Demenzpatienten, für die ein Ortswechsel oft schwierig ist. Oder aber für psychisch Kranke mit kleinen Kindern, bei denen eine räumliche Trennung nicht sinnvoll ist. Hier ist natürlich der Blick auf das Wohl der Kinder sehr wichtig. Auch bei Patienten mit Schizophrenie oder einer Depression kann ich es mir gut vorstellen.“

Ob die Behandlungsmethode geeignet ist, muss jedoch immer im Einzelfall entschieden werden, denn nicht für jeden ist sie die richtige Wahl. „Es kommt darauf an, wo der Patient steht und wie sein Umfeld aussieht“, erläutert der Psychiater. „In manchen Fällen ist eine kurzfristige räumliche Trennung für die Betroffenen und ihre Familie tatsächlich der bessere Weg.“


Info: Stationsäquivalente psychiatrische Behandlung – StäB
Die Möglichkeit, stationsäquivalente psychiatrische Behandlungen (StäB) zu Hause anzubieten, ist relativ neu. Psychiatrische Kliniken können dies seit 2018 tun und so Menschen, die schwer psychisch krank sind, im Home Treatment behandeln. Die gesetzliche Grundlage ist § 115d SGB V. Die Voraussetzungen dafür, dass eine Behandlung als StäB gilt, haben der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung, der Verband der Privaten Krankenversicherung und die Deutsche Krankenhausgesellschaft gemeinsam festgelegt. So muss der Patient zum Beispiel die Indikation für eine stationäre Aufnahme haben. Außerdem sollte klar sein, dass das Therapieziel am ehesten im häuslichen Umfeld erreicht werden kann.

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