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Mehr Übernachtungsplätze für obdachlose Frauen vom Parlament abgelehnt

Gießen | Hier die Rede zu meinem Antrag für die Gießener Linke:

Sehr geehrter Herr Vorsitzender, sehr geehrte Damen und Herren,

für unsere Fraktion stelle ich den jetzt leicht geänderten folgenden Antrag:

Die Stadtverordnetenversammlung fordert den Magistrat auf, umgehend zusätzliche Schlafgelegenheiten in geschütztem Raum für mindestens 5 obdachlose Frauen zu schaffen und wegen der winterlichen Wetterverhältnisse mit Bodenfrost, der früh einsetzenden Dunkelheit für die nächsten vier Monate – auch spontan- bereitzuhalten.


Begründung:

Auch wenn der Antrag bisher abgelehnt wurde, reichen wir ihn leicht verändert noch mal ein, da wir immer noch nicht davon überzeugt sind, dass ausreichend Schlafplätze für obdachlose Frauen oder für Frauen, die von Obdachlosigkeit bedroht sind, in Gießen vorhanden sind.

Wir fangen vorne an:
Zum „Tag gegen Gewalt an Frauen“ haben Medien und vor allem viele Politiker erklärt, wie betroffen sie über ein lange- sehr lange- bekanntes Problem sind, das sie selbst verursacht haben.

Denn durch die „Operation sichere Zukunft“, die 2003 vom Ministerpräsidenten Koch (CDU) durchgesetzt wurde, wurden Frauenhäuser geschlossen, Zuschläge für soziale Beratungsstellen, Schuldnerberatungen, Opferberatungen, Erziehungsberatung, Frauenbildung gekürzt, manche mussten sogar schließen.

Mehr über...
Zitat aus der FR: (5.12.2018)
Nur zur Kenntnisnahme: „Zum zehnten Jahrestag geißelten SPD und Grüne gemeinsam die Einschnitte. Das war kurz vor der Landtagswahl 2013. „Eine Fülle von sozialen Einrichtungen wurde flächendeckend innerhalb von wenigen Wochen geschlossen oder existenziell gefährdet. Diese Sparaktion war ein Ausdruck fehlender Kompetenz der schwarz-gelben Landesregierung in der Sozialpolitik“, klagte damals der Grünen-Sozialpolitiker Marcus Bocklet.“ (http://www.fr.de/rhein-main/landespolitik/sozialpolitik-hessen-regierung-macht-kochs-kahlschlag-rueckgaengig-a-439376) Zitatende


Hier haben wir Tatsache Nr. 1:
Trotz des Wissens um die Notlage änderte sich nichts.

Die Notlagen blieben, bleiben und werden mehr.
Frauenhäuser Hessens sind ständig belegt. Diese nehmen nur Frauen – auch mit Kindern- auf, die von Gewalt bedroht sind.

Tatsache Nr. 2:
An diesem „Tag gegen Gewalt an Frauen“ wurde allerdings der Frauen ohne Wohnsitz nicht gedacht.
Auch diese erleben täglich Gewalt. Auch diese Zahlen steigen.

In Gießen gibt es bei der OASE nur 8 Betten für wohnsitzlose Frauen. (Alle belegt) und ein Zimmer mit 2-3 Notfallmatratzen.
Es gibt auch die Aktion Perspektive. Diese kann sich nur um junge Frauen kümmern, die 11 Betten sind belegt. Junge Frauen wohnen dort und werden betreut. Es gibt dort keine Notfallbetten für niemanden.

Die Anzahl obdachloser Frauen konnte bisher nicht erfasst werden,
(Zwischenfrage: warum wurde dies noch nie gemacht? ) es existiert dennoch eine hohe verdeckte Obdachlosigkeit (was alle bekannten Beratungsstellen bestätigen). Es sind immer mal wieder Frauen von Obdachlosigkeit bedroht, wohin sollen diese sich wenden? Wohin soll sich spontan eine Frau wenden, wenn sie von Obdachlosigkeit bedroht ist?

Es ist erfreulich und an der Zeit, dass sich die beiden Frauenbeauftragten Frau Kemmler (Landkreis) und Frau Stibane für die Stadt bemühen und die Einrichtungen und Beratungsstellen anschreiben um den Bedarf zu erfassen.

Tatsache Nr. 3: Trotzdem ist es aktuell besonders nachts verdammt kalt und nass. Wir haben nicht viel Zeit eine mögliche Analyse und dessen Ergebnis abzuwarten. Für die Frauen ist das Leben auf der Straße lebensgefährlich.

Selbst die Frauen, die in Frauenhäuser untergekommen sind, finden keine bezahlbare Sozialwohnung, weil keine gebaut und/oder zur Verfügung gestellt werden.

Das ist Tatsache Nr. 4.
So sind auch sie z.T. zu den Wohnsitzlosen zu zählen. Die Frauenhäuser bestätigen, dass die betroffenen Frauen immer längere Zeiten in den Häusern wohnen müssen, weil sie keine Alternativen finden.
Diese haben wenigstens aktuell ein Dach über dem Kopf.

ABER:
Wie viele Frauen in Gießen suchen denn eine Unterkunft?
Warum trauen sich viele Frauen nicht an die Öffentlichkeit zu gehen?
Wie viele kommen bei irgendwelchen Männern unter, um dort übernachten zu können. (Wir wollen hier nicht diskutieren, welcher Gewalt und Hilflosigkeit diese dort ausgesetzt sein können) Wohin sollen sie sich wenden, wenn die Oase geschlossen hat und auch keine Beratungsstelle geöffnet hat? An die Polizei? Welcher Frau soll man das zumuten?

Dazu kommt Tatsache Nr. 5, die noch gar nicht bedacht wurde:

Völlig hilflos sind obdachlose Frauen mit Kindern, wenn sie eine Notunterkunft suchen.
Genauso hilflos sind Frauen mit Hunden.

Denn für diese Frauen gibt es überhaupt keine Gelegenheit in Gießen und Umgebung einen Schlafplatz zu finden, es ist nicht mal ein einziger vorgesehen.

Tatsache Nr. 6: Nach der hessischen Gesetzeslage sind die Kommunen für die Unterbringung obdachloser Personen zuständig. Jeder und jede Wohnsitzlose hat gegenüber der Stadt einen entsprechenden Anspruch.

Aus diesen vielen genannten Gründen und Tatsachen, die Sie, liebe Kollegen und Kolleginnen, sicher verstehen, bitten wir um sofortige Bereitstellung von Schlafmöglichkeiten für obdachlose Frauen (mit Kind und/oder Hund)

Wir wissen, dass Notunterkünfte keine Dauerlösung sein können, auch hier stellen wir Gießener Linke fest, es gibt zu viel zu wenige Sozialwohnungen in Gießen!!!

Von dem Gedanken der Container sind wir abgegangen, auch weil die Situation in Hamburg mit Gießen nicht zu vergleichen ist.

Die betroffenen Frauen brauchen einen sicheren und vor allem geschützten Raum, um ohne Männer in ihrer Nähe Körperhygiene betreiben zu können, um in Ruhe schlafen zu können, einen sicheren Platz zu haben, wo sie ihre persönlichen Habseligkeiten sichern können, um zur Ruhe zu kommen und um ihre Situation neu zu sortieren. Sie brauchen einen Platz, wo sie ihren Hund mitnehmen können, der vor allem für Frauen oft noch eine wichtige beschützende Funktion hat.

Es gibt freistehende Wohnungen, leerstehende Häuser, Unterkünfte, in denen Flüchtlinge zwischenzeitlich untergebracht worden und bestimmt noch mehr.

Man könnte die OASE um Organisation gewinnen, diese müsste dann selbstverständlich finanziell unterstützt werden:

• unterstützt werden bei der Erstellung einer Infrastruktur
• sie benötigen zusätzliche persönliche Mittel
• sie benötigen weitere Möglichkeiten Beratung für die Frauen anbieten zu können.

Was aber nicht sein kann, ist die Tatsache, dass in einem Land wie Deutschland – hier in Gießen- Frauen auf Straßen leben müssen, bzw. es keinen Raum gibt wo sie geschützt leben können.

Wo es keinen Raum gibt, an den Frauen sich wenden können wenn sie von Obdachlosigkeit bedroht sind.
Wo es keinen Raum gibt, an den sie sich nachts wenden können.

Der Tag gegen Gewalt an Frauen sollte eigentlich jeden Tag gelten- nicht nur am 25.11. und dort eine Alibifunktion erfüllen.
Wir bitten um Ihre Zustimmung!

Anmerkung: am 27.11.ist bereits der dritte wohnsitzlose Mensch in Deutschland erfroren.

Der Antrag wurde abgelehnt.


Foto: picture alliance / Arco Images

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Kommentare zum Beitrag

H. Peter Herold
27.969
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 18.01.2019 um 21:59 Uhr
Gießen hat kein Herz für Frauen könnte man glauben.
Oder die Verantwortlichen kommen der ihnen gestellten Aufgabe nicht nach.
Martina Lennartz
5.896
Martina Lennartz aus Gießen schrieb am 18.01.2019 um 22:08 Uhr
Eigentlich haben sie ein Herz. Aber vielleicht nicht ausreichend Verantwortungsgefühl?
Einige Frauen sind vor der Abstimmung aus dem Raum, um nicht mit abstimmen zu müssen (Fraktionszwang?!)

Hier ein passender Auszug aus der Jungen Welt vom 27.11.2018:

„Dass die Unterbringung Obdachloser kein Gnadenakt ist, sondern eine gesetzliche Pflicht der Kommunen, betonte Werena Rosenke, Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW), am Montag gegenüber jW. Jeder »unfreiwillig wohnungslose Mensch« habe Anrecht auf eine ordnungsrechtliche Unterbringung durch die Kommune, in der er sich aufhalte. Das gelte auch für Obdachlose aus osteuropäischen Ländern wie Polen oder Rumänien. Nach den letzten Schätzungen der BAGW stieg die Zahl der Obdachlosen in der BRD allein von 2014 bis 2016 von 39.000 auf 52.000, die Zahl der Wohnungslosen in derselben Zeit um 150 Prozent auf rund 860.000. Grund für diesen Anstieg ist vor allem die desaströse Lage auf dem Wohnungsmarkt.
Das Leben auf der Straße sei »schon immer schlimm« gewesen, so Rosenke, die Zahl der Kältetoten schwanke: »Wir hatten Winter, da waren es fünf, und welche, da waren es 15.« Die Kommunen müssten einen am Bedarf ausgerichteten Bestand »menschenwürdiger, möglichst dezentraler Unterbringungsmöglichkeiten« bereitstellen. Dazu gehörten auch Übernachtungsplätze für Obdachlose mit Hund. Viele schliefen nur deshalb auf der Straße, weil sie ihren Hund nicht mitnehmen dürften.“
H. Peter Herold
27.969
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 18.01.2019 um 22:15 Uhr
Das ist wieder sowas was mich wütend macht. Fraktionszwang. Der Abgeordnete ist nur dem der ihn gewählt hat und seinem Gewissen verpflichtet.
Warum bleiben die Frauen nicht im Saal. Sie könnten sich zumindest offen zu dem Vorgang äußern.
Florian Schmidt
4.693
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 18.01.2019 um 22:16 Uhr
Der Zyniker in mir würde natürlich jetzt sagen:... ach scheiß drauf. der lst genauso wortlos schockiert und traurig.
Marcus Link
452
Marcus Link aus Gießen schrieb am 19.01.2019 um 08:58 Uhr
Es ist, egal wie man zur Obdachlosigkeit steht ein Unding, dass in einem so reichen Land, nicht ordentlicher Wohnraum für alle Menschen zur Verfügung steht und das unabhängig von finanziellen oder gesundheitlichen Rahmenbedingungen. Alleine schon Grundrecht auf Menschenwürde wird hier mit den Füßen getreten, vom gesundheitlichen Aspekt ganz zu schweigen. Lieber lässt die Bundes- und Landespolitik das Geld dort wo es sich zunehmend anhäuft, als Menschen zu helfen. Diese Berufspoliker an der Regierungmacht sind offensichtlich nicht an die Grundfesten unseres Staates gebunden, es hat für sie keine Konsequenzen, wenn sie diese mit Füßen treten.

Es wird sich in Folge des Antrages zeigen, ob sich unsere gießener Regierung den Grundrechten der Menschen verpflichtet fühlt, oder sie Argumente findet, um dies nicht zu verfolgen.

Meinetwegen sollen sie in neumodischer Manier den Antrag verändern und dadurch sich als die Retter darstellen, das können se gut. Aber helft dieser Personengruppe!
Dieter Petersen
1.446
Dieter Petersen aus Gießen schrieb am 19.01.2019 um 12:19 Uhr
Vielleicht ist es irgendwann wieder erlaubt, offen an die Menschen in diesem Land zu denken und nicht nur rund um den Globus, sicher teilweise sinnvoll, Gelder zu verteilen oder zuzusagen. Der Schutz der Menschen, insbesondere der Frauen und Kinder hat unbedingt und diskussionslos Vorrang zu haben. Selbstverständlich denken wir auch an ECHTE Bedürftige. Wenn sie ihre Helfer nicht angreifen und beklauen, werden sie integriert und ein Teil von uns. Es kann aber nicht sein, dass MENSCHEN in dem beschriebenen reichen Land mit einer Wolldecke in einer Ecke im freien liegen und "Andere" mit bis zur Straße durchhängenden Tüten und Taschen aus dem Supermarkt direkt in ein warmes Hotel gehen. Natürlich in Designerklamotten mit dem Blick auf das I-Phone für 800 Euro.
H. Peter Herold
27.969
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 19.01.2019 um 22:13 Uhr
Die beiden letzten Kommentare treffen ins Schwarze
Dieter Petersen
1.446
Dieter Petersen aus Gießen schrieb am 19.01.2019 um 23:20 Uhr
Grüß Dich Peter, alter Seebär.
H. Peter Herold
27.969
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 19.01.2019 um 23:22 Uhr
Gruß zurück. Traust dich mal wieder
Karl-Ludwig Büttel
3.718
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 21.01.2019 um 10:16 Uhr
Wie Kommunisten doch in der Lage sind Nazisprech unter ihrem Beitrag zu dulden ist schon erstaunlich. Vielleicht haben Sie es ja auch noch nicht gelesen, dann bin ich mal gespannt auf eine Reaktion.
In dem was Herr Petersen von sich gibt, hätte er sich mal besser nicht trauen sollen Herr Herold. Solche Kommentare haben hier nichts zu suchen.
Das den Frauen geholfen werden muss steht dabei außer Frage, wenn es so ist wie hier berichtet, dass die Plätze nicht reichen.
Helfen bedeutet, aber nicht indem man hetzt und die schwächsten der Gesellschaft gegeneinander auszuspielen versucht, das ist brauner primitiverer Populismus.
Dieter Petersen
1.446
Dieter Petersen aus Gießen schrieb am 21.01.2019 um 13:54 Uhr
Der Petersen gibt hier seine Meinung von sich, die er mit vielen Tausend Bürgern teilt. Sind für Sie alles Nazis? Wir wollen aber das Thema hier nicht vertiefen. Hier reden wir über den Rest der Recourcen, der unseren Bürgern zugute kommen könnte.
Dieter Petersen
1.446
Dieter Petersen aus Gießen schrieb am 21.01.2019 um 14:01 Uhr
Sie würden im übrigen erschrecken oder zumindest erstaunt sein, wenn Sie wüssten, in welcher Tätigkeit ich etwas für die Bevölkerung tue, ich kann natürlich auch mal weggucken, wenn es Sie betrifft. So, nun aber gut. In Frankfurt fahren Kleinbusse mit Decken und Tee herum. Sind das jetzt Kommunisten oder Nazis?
Karl-Ludwig Büttel
3.718
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 21.01.2019 um 14:24 Uhr
Ich arbeite mit diesen Kleinbussen (Kälte Bus und Straßenambulanzen) in Frankfurt und arbeite aber auch mit Flüchtlingen und mit Drogenabhängigen. Ihre Aussage ist Hetze sonst nichts und die von der billigen Art. Ich weiß dass noch mehr so ein Zeug reden auch in meinem privaten Umfeld. Nur weil Tausende von Bürgern dummes Zeug von sich geben ist es noch lange nicht richtig. Pauschalisierungen und die von Ihnen angebrachten Beispiele fallen unter rechten Populismus nicht mehr und nicht weniger. Ob Sie deshalb ein Nazi sind weiß ich nicht, wo da die Grenze verläuft ich hoffe nicht. Wehret den Anfängen.
Dieter Petersen
1.446
Dieter Petersen aus Gießen schrieb am 21.01.2019 um 17:03 Uhr
Dann macht also jeder von uns beiden eine sehr sinnvolle Arbeit. Jetzt wissen wir aber immer noch nicht, wie wir mehr Schlafplätze für Obdachlose bekommen, die warm und sicher sind. Für Männer und Frauen. Ich hatte mal jemanden, der wollte nicht in das Männerwohnheim am Philosphenwald, weil er da beklaut wird. Es gibt doch diese festen Minibehausungen(leider Hundehütten ähnlich), aber vielleicht gut. Wirklich bezahlbarer Wohnraum in größerer Menge scheitert ja meist an den Spekulanten, da es hier nicht um Kostendeckung und etwas Gewinn geht und schon gar nicht um Menschen, sondern rein um Steuergründe.
Martina Lennartz
5.896
Martina Lennartz aus Gießen schrieb am 21.01.2019 um 19:21 Uhr
Die Zahl der nach Deutschland eingereisten Asylsuchenden ist 2018 nach dem außerordentlichen Zuzug 2015/16 deutlich gesunken, obwohl die Zahl der Flüchtlinge weltweit steigt. Fast 60 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht! Man muss sich fragen, was die Fluchtursachen sind. Krieg und Gewalt sind Fluchtursache NR. 1. Jedes Jahr verkauft Deutschland für mehrere Milliarden Euro Waffen und Rüstungsgüter in alle Welt. Viele Menschen, die mit deutschen Waffen ihr Zuhause verloren haben, sind also auf der Flucht.

Die Asylsuchenden in Deutschland nehmen ab. (vergleiche auch hier: http://www.bpb.de/gesellschaft/migration/flucht/218788/zahlen-zu-asyl-in-deutschland )
Gibt es jetzt mehr Wohnungen, mehr Arbeitsplätze, mehr Kindergeld, mehr Kindergartenplätze, eine bessere ärztliche Versorgung? Nimmt die Armut ab?

Man könnte mit den 30 Milliarden, die für weitere Rüstungsausgaben geplant sind (die weitere Flüchtlinge hervorbringen werden), alternativ folgendes tun:

30.000.000.000 € sind 557.631 Lehrstellen
30.000.000.000 € sind 1.200.000 ganzjährige Notschlafplätze für Obdachlose
30.000.000.000 € sind 13.043 neugebaute Jugendzentren.
…lässt sich fortsetzen.

Vor 10 Jahren hatten wir einen großen Banken Crash und die Regierenden haben mit unseren Steuern die Milliardenschulden der Banken bezahlt.
Die Vermögensteuer wurde abgeschafft. Die Schere zwischen arm und reich geht täglich weiter auseinander. Ob es da einen Zusammenhang gibt? Wer hat denn da die vollen Taschen auf Kosten der Armen? Auch Hartz IV schafft Armut in Deutschland!!
Wenn sich die Armen gegeneinander ausspielen lassen, lachen sich die, die das Geld haben ins Fäustchen und werden weiter reicher.


Da hat Herr Büttel Recht: Helfen bedeutet, aber nicht indem man hetzt und die schwächsten der Gesellschaft gegeneinander auszuspielen versucht, das ist brauner primitiverer Populismus.

@Herr Büttel, wehret den Anfängen? Der Anfang läuft bereits- umso wichtiger ist der Widerstand!
Dieter Petersen
1.446
Dieter Petersen aus Gießen schrieb am 21.01.2019 um 19:37 Uhr
Theoretisch haben wir weltweit nur einen Feind, den es zu besiegen gilt, undzwar haben alle den gleichen. Den Terrorismus. Wenn wir ALLE es geschafft haben, diesen zu besiegen oder wenigstens zumutbar einzudämmen, könnten wir wiederum theoretisch alle Armeen, auch die Bundeswehr abschaffen. Ich würde nur eine Spezialtruppe in kleinerem Umfang erhalten und ausstatten, die als Pioniere bei Katastrophen, auch im Ausland, Brücken bauen, Wasserleitungen reparieren usw. Natürlich die Sani-Verbände würde ich behalten, um bei schwersten Unfällen helfen zu können. Der Rest kann eingestampft werden. Aufstockungen unseres Militärbudgets, nur weil es mal vereinbahrt wurde, sind unsinnig. Die Welt ändert sich, die Verhältnisse änderns sich. Warum nicht auch solche Vereinbahrungen. Allerdings im ersten Moment blöd, wenn wir es unterschrieben haben. Man muss drüber reden. Die Waffenindustrie erpresst(genau wie die Autoindustrie) die Regierung mit dem massenweisen Verlust von Arbeitsplätzen.
Kein Russland, kein China, kein Korea würde über uns herfallen. Aber die Hersteller von G36, Leopard und Eurofighter. Geld ist die schlimmste Erfindung der Menschheit.
H. Peter Herold
27.969
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 21.01.2019 um 20:17 Uhr
Das Harz IV Armut ist Populismus.
Von was würden die Menschen die diese Leistung erhalten sonst Leben? Bedingungsloses Grundeinkommen? Das muss auch bezahlt werden. Von den Steuern die der Staat der arbeitenden Bevölkerung abnimmt!
Martina Lennartz
5.896
Martina Lennartz aus Gießen schrieb am 21.01.2019 um 20:27 Uhr
Populismus??
Das ist böse und - sorry- da hast du leider keine Ahnung:

https://www.zeit.de/wirtschaft/2019-01/bundesverfassungsgericht-hartz-iv-sanktionen-strafen-verfassungswidrigkeit-faq

Recherchier mal Hartz IV und "Menschenrecht" oder
Hartz IV und "Verfassung" oder
HartzIV und "Gerecht".

Ein guter Bekannter von mir ist obdachlos. Sicher nicht, weil er faul, dumm oder was weiß ich ist. Das "soziale Netz" hat sehr sehr große Lücken. Das streitet auch keiner mehr ab.

Auch hier wieder die Fragen, die bei allen politischen Entscheidungen zu stellen sind:

Wem nutzt es?
Wer verdient daran?
Wo ist das Geld?
Karl-Ludwig Büttel
3.718
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 21.01.2019 um 21:00 Uhr
Was schreiben Sie da für einen Quatsch zusammen Herr Herold. Schämen Sie sich. Ich bin sicherlich kein Freund linker Ideologien aber bei Menschen die unsere Hilfe benötigen die der Gesellschaft benötigen, da hört bei mir das Verständnis von solchen unterirdischen Kommentaren auf.
Schon mal etwas von der Solidargemeinschaft gehört?
Stefan Walther
4.467
Stefan Walther aus Linden schrieb am 21.01.2019 um 21:33 Uhr
Es ist schon hart an der Schmerzgrenze was man hier von den Herren Petersen und Herold vorgesetzt bekommt.
Wer sind denn "unsere" Bürger Herr Petersen? Und Sie denken "tausende" haben die gleiche Meinung wie Sie? Selbst wenn es so wäre, was sagt das aus? Zig-tausende gehen auf die Straße und sagen "wir sind mehr"! Es ist dann auch nicht mehr weit zu der absurden Aussage "wir sind das Volk", oder glauben Sie evt. wirklich mit ihren Ansichten die Mehrheit der Bevölkerung hinter sich zu haben?

Peter, wie kann man nur solch einen Blödsinn schreiben bezüglich Hartz IV? Entweder hast du keinen blassen Schimmer was das für die Betroffenen bedeutet oder du denkst tatsächlich, dass sie auf Kosten der "steuerzahlenden Beschäftigten" leben würden.

Es ist immer wieder erstaunlich wie es gelingt, dass manche Menschen sich vor den Karren derer spannen lassen, die die eigentlichen Profiteure von Niedrigstlöhnen, Arbeitslosigkeit und auch Hartz IV sind... die lachen sich ins Fäustchen wenn hier eine Gruppe gegen die andere ausgespielt wird. Nie vergessen = es geht immer um "oben und unten", das ist das Entscheidende.
Martina Lennartz
5.896
Martina Lennartz aus Gießen schrieb am 21.01.2019 um 21:52 Uhr
@Peter ...und wir schmeißen Äpfel, Birnen, Hackfleisch, ne prise "Geschichtswissen", einen Hauch Sahne und würzen mit Egoismus und Narzissmus, mischen das ganze mit populistischen Headlines, schmecken ab mit Unwissenheit und servieren in der Hoffnung gesehen und verstanden zu werden mit einem löchrigen sozialen Netz, wundern uns, dass deshalb nichts auf dem Tisch landet, derer, die ich bedienen wollte....das kann ganz schön versalzen werden und sein..in jeder Hinsicht
Kurt Wirth
2.060
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 21.01.2019 um 22:30 Uhr
Die Diskussion nahm ja nun doch noch einen erfreulichen Verlauf. Ich kann Herrn Büttel, Stefan Walther und Martina Lennartz nur beipflichten.

Die deutsche und europäische Politik pocht ja immer sehr auf "Menschenrechte", vor allem gegenüber Russland und China. Zu den Menschenrechten gehört auch (Art. 11) das Recht auf angemessene Wohnung. Es macht nicht viel Sinn, die zusehends weniger werdenden Flüchtlinge und Asylsuchenden (die man auch hemmungslos im Mittelmeer ertrinken läßt) auszuspielen gegen die "einheimischen" Obdachlosen. Denen ging es vor dem grossen Ansturm der Flüchtlinge in 2015/16 nicht viel besser.

Und nicht zuletzt: Ohne Zuwanderung von aussen würde die Bevölkerung hierzulande immer weiter zurückgehen, überaltern. Die Wirtschaft würde schrumpfen. Deutschland ging es seit langem nicht mehr so gut, als seit dem Massenansturm von Flüchtlingen.
Karl-Ludwig Büttel
3.718
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 22.01.2019 um 11:24 Uhr
Herr Wirth genau so ist. Ich arbeite seit 1998 in diesem Bereich wie oben beschrieben. Durch die Flüchtlinge wurde es nicht schlechter für die Obdachlosen in Ausnahmefälle konnten sogar Einrichtungen genutzt werden für Obdachlose die nicht mehr genutzt wurden. Was aber besser wurde viele jungen Menschen die in sozialen Berufen plötzlich neue Aufgabenfelder gefunden haben, ein blühendes Handwerk, das am Bau oder der Einrichtung der Unterkünfte beteiligt war. Was aber völlig auf der Strecke geblieben ist, dass ist die Schaffung von bezahlbaren Wohnraum. Von meinen zu Betreuenden Patienten ist das die häufig gestellte Frage können sie mir helfen eine Wohnung zu finden. Meine Antwort ist immer die Gleiche, es tut mir Leid in Frankfurt fehlen ca. 30.000 bezahlbare Wohnungen. Warten wir mal ab , was passiert wenn tatsächlich durch den Brexit noch mehr Menschen mit guten Verdienst nach Frankfurt ziehen, der Wohnungsmarkt wird Hochpreisig bleiben. Es liegt also nicht an den Flüchtlingen sondern an der Politik und an der Wirtschaftlichen guten Situation in Deutschland.- Wie widersprüchlich die Situation zur eigentlichen hier beschriebenen Problematik ist stellt man beim Lesen fest. Die Wirtschaft brummt, es geht den Leuten gut und schon bleiben einige aus purem Egoismus des Einzelnen auf der Strecke. Ja und ohne Zuwanderung würde vieles was zu unserem Wohlstand beiträgt nicht mehr funktionieren, dass wollen aber die rechten Schreihälse nicht begreifen.
H. Peter Herold
27.969
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 24.01.2019 um 13:35 Uhr
Danke für die Kommenztare, aber ichngebe einfach zu bedenken, dass der Sozialstaaat ja von uns Bürgern bezahlt werden muss.
Der Staat, das sind wir. Nicht die Parteien und Politiker, das sin auch nur Bürger mit den gleichen Pflichten wie wir alle.
Bei den Diskussionen habe ich einfach manchmal das Gefühl,
"Ist doch egal was es kostet, wir haben es ja."
Es kann sein dass ich egoistisch bin, nur ich habe nicht 47 Jahren gearbeitet und gespart und jetzt geht alles zum Staat, damit der(wir Büger) für alles das bezahlen und da gebe ich einigen der Kommentierenenden in ander Sache recht, dass wir für Armee, Kriegsmittel etc. Zahlungen in Kriegsgebiet etc. dem Staat, jetzt nicht Bürger sondern Politikern, all das bezahlen was diese anschaffen.
Kurt Wirth
2.060
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 24.01.2019 um 13:47 Uhr
"...wir haben es ja." Ja wir haben es wohl. Es ist nur falsch verteilt. Die Schere zwischen arm und reich geht immer weiter auseinander - das kann inzwischen kaum mehr jemand in Frage stellen. Die oberen 1% haben... usw., dazu gibt es gerade auch einen anderen Beitrag von Michael Beltz. Dazu gehört auch die gerade laufende Diskussion über das Steuergebaren der Großkonzerne. Nicht nur die Verteilung der Gelder in den öffentlichen Haushalten.
Dieter Petersen
1.446
Dieter Petersen aus Gießen schrieb am 24.01.2019 um 14:24 Uhr
Die Punkte sind richtig. Die Großkonzerne zahlen Witzbeträge, was wiederum ihre extreme Macht(wegen Arbeitsplätzen) wiederspiegelt. Wenn der Bund der Steuerzahler mal wieder erschreckende Fakten aufdeckt, geht kurz ein Raunen durch die Gesellschaft und das wars schon wieder. Weil der Bürger nur schuften und zahlen soll, aber in der Realität fast nichts mehr zu sagen hat, auch nicht bei Wahlen. Die Schere hat auch sicher etwas mit den Steuerparadiesen der einzelnen Schwerreichen zu tun. Uns läuft man wegen 50 Euro bis aufs Klo nach. Denen tut man in Milliarden nichts. Peters 47 Jahre Arbeit landet, wenn er nicht aufpasst, mit ca. 500 Euro Hartz unter der Lahnbrücke, wo er dann weggejagt wird, weil er das öffentliche Ansehen der Stadt stört. Schon mal über die zahlreichen Subentionen in Millionenhöhe für ungelegte Eier und ungeschälte Kartoffeln nachgedacht, die wir zu 90 % gar nicht kennen und das ist der Trick. Die Gelder versickern in riesigen Hosentaschen von Verbänden und Einrichtungen, die schon lange nicht mehr existieren. Da nachzuforschen, traut sich keiner "da oben", verdient vielleicht selber mit. Auf den Parteitagen heißt es dann nur: "Nach vorne schauen", gegen die Toilettenscheibe und alle zusammenhalten, was ja ganz gut klappt, um Macht und Geld für jeden zu sichern. Das gilt natürlich für alle Parteien.
Martina Lennartz
5.896
Martina Lennartz aus Gießen schrieb am 28.01.2019 um 13:53 Uhr
Das ist richtig.

Das Vermögen von...
... Beate Heister & Karl Albrecht Jr (besitzen ALDI): 33,5 Milliarden€
... Dieter Schwarz (besitzt LIDL): 21,8 Milliarden€
... Susanne Klatten (hat Anteile an BMW): 20,5 Milliarden€.


und die "Steuersünder" sucht man nicht. Auch richtig. Das wären zudem so viele Arbeitsplätze!!

Gleichzeitig müssen Menschen in Deutschland auf der Straße schlafen, Schulen sind marode, ..... Willkommen im Kapitalismus.
H. Peter Herold
27.969
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 28.01.2019 um 14:00 Uhr
Ich bin schon da. Ändern können wir ohnehin nichts und Neid kenne ich nicht.
Martina Lennartz
5.896
Martina Lennartz aus Gießen schrieb am 28.01.2019 um 14:23 Uhr
Daimler-Chef Zetsche erhält 4250 Euro Rente – pro Tag

Noch dieses Jahr wird Dieter Zetsche seinen Posten als Daimler-Vorstandsvorsitzender verlassen. Finanzielle Sorgen muss er sich auch im Ruhestand nicht machen. Auf den 65-Jährigen wartet ein Ruhegehalt in Millionenhöhe und mehrere Extrazahlungen.

(http://www.dnn.de/Nachrichten/Wirtschaft/Daimler-Chef-Zetsche-erhaelt-4250-Euro-Rente-pro-Tag)
Kurt Wirth
2.060
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 28.01.2019 um 14:24 Uhr
"Inschallah" Peter, Du bist schon zu sehr "islamisiert":-)
H. Peter Herold
27.969
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 29.01.2019 um 18:02 Uhr
Soll er doch. Ich habe 4 Renten nach 47 Jahren Arbeit und Verlust meiner Frau.
Karl-Ludwig Büttel
3.718
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 05.02.2019 um 14:50 Uhr
Auch ich gönne es Herrn Zetsche von Herzen die paar Euro. Ich dachte er bekommt mehr für das was er geleistet hat. Aber selbst bei Manager scheint sich Leistung kaum noch zu lohnen.
Im Vergleich zum Tageslohn von M. Özil ist das nur ein Almosen.....
Dieter Petersen
1.446
Dieter Petersen aus Gießen schrieb am 05.02.2019 um 16:03 Uhr
Tja, nachdem ja jetzt raus ist, dass aus der schwarzen Null etwas rotes wird, ist ja nur noch Geld für die ganze Welt da, egal ob berechtigt und Human oder nicht, natürlich auch die Todrestaurierung von unserem Vorzeigekutter der BW und vielen anderen Hobbies der Regierung. Die restlichen 3 Euro bekommen dann genannte Herren. Wir gehen mal auf das Sozialamt nach Kairo oder Tokio oder Johannesburg. Irgend eine faule Banane werden wir schon kriegen.
Kurt Wirth
2.060
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 05.02.2019 um 19:31 Uhr
@Herr Büttel: Ob Zetsche oder Özil oder Bezos: es ist nicht hinzunehmen, was sie - nicht verdienen - sondern sich aneignen. Ich glaube, aus Gewerkschaftskreisen stammt die Forderung: das 20-fache eines Facharbeiterlohns dürfte genug sein.

Josef Ackermann erhielt zeitweise 14 Mio Euro im Jahr. Dabei war er im Grunde verantwortlich für die heutige "Misere" der Deutschen Bank. Auch die Verantwortlichen der Autoindustrie kassierten in ihrer Zeit des schamlosen Abgasbetrugs die Autokäufer ab. Heute müssen andere an der Spitze das ausbaden. Aber sie gehen auch nicht mit leeren Händen nach Hause. Mit Leistung hat das bei den Spitzen der Konzerne alles nichts zu tun. Eher mit mehr oder weniger cleverer PR-Strategie.
Karl-Ludwig Büttel
3.718
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 05.02.2019 um 21:07 Uhr
Herr Wirth da bin ich ganz bei Ihnen. Vielleicht haben Sie meinen Unterton nicht herauslesen können🤗��😂
H. Peter Herold
27.969
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 06.02.2019 um 17:19 Uhr
Die genannten Herren brauchen keine Leistung erbringen, sie tragen ja die Verantwortung. Nur wenn es darauf ankommt ist das vergessen.
H. Peter Herold
27.969
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 06.02.2019 um 17:19 Uhr
Sie bekommen dann ja hohe Abfindungen.
Martin Wagner
2.539
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 12.02.2019 um 18:40 Uhr
Woh, da habe ich ja im Uraub wirklich was versäumt.

Hier in der Kommentarkolonne ging ja (wie das früher bei den Jungen so hiess) "der Punk ab".

Na klar, so manche harte Bemerkung zu den anderen Kommentatoren hätten mich auch gestört. Aber, wenn ich das unkommentiert lasse (dürften unter 20 Prozent des Gesamtumfanges sein) wurde hier schon am Thema hart gearbeitet.

Ich will ja nicht die in sich abgeschlossene Kontroverse neu befeuern, aber doch anmerken, dass solchen Ausenandersetzungen meines Erachtens die Zukunft gehört. Klare Absage an irgendwelche Parteien (welche aus unterschiedlichsten Gründen keine brauchbare Ideen mehr besteuern...) hin zu einem Protestpotential jenseits irgendwelcher Links-Rechts-Schemata. (Ich glaube dafür wurde auch das Wort "Crossover" erfunden.)

Der Mittelstand hat noch ein Gespür dafür, dass sie die nächsten Opfer der Kapitalisten sind und versucht sich rechtzeitig zu wehren. Mit welchen Mitteln und Zielsetzungen? Ein ganz dickes Fragezeichen dahinter. Aber die politische Relitäten in der jetzigen BRD sind halt so, dass das "Besser als Nichts ist". (Das heisst die bisherige organisierte Linke geht auf dem Zahnfleisch und kann diesen Protest nicht mehr beeinflussen und schon garnicht mehr anführen.)

Übrigens so ähnlich läuft das auch in Frankreich mit den Gelbwesten ab. In den Elendsvierteln um die Großstädte rebellieren ab und an die Jugendlichen - die Gelbwesten kommen aus eher den ländlichen Gebieten. Aber beiden Gruppen ist gemeinsam - sie fallen nicht mehr auf die Werbeangeboten der Parteien rein, sondern organisieren sich jenseits dieser Kräfte (wohl mit Hilfe des Internets).

(Natürlich würde ich es besser finden, dass die Arbeiter noch mehr und verstärkt auf die Barrikaden gehen. Aber was noch nicht ist, kann ja noch eintreten.)
Stefan Walther
4.467
Stefan Walther aus Linden schrieb am 12.02.2019 um 20:12 Uhr
Martin, hilf mir mal weiter, ich verstehe den Zusammenhang nicht:
also Ausgangspunkt der Diskussion ist ein Antrag der Stadtfraktion Gießener Linke. Ja, ein überparteiliches Wahlbündnis, aber keines, dass sich gegen "alle" Parteien ausspricht. Im Gegenteil, es sind sowohl Parteilose als auch Mitglieder linker Parteien dort engagiert.

Was soll denn die Alternative sein, zu einem klaren "links-rechts-Schemata"? Hauptsache Action? Die spontane Bewegung - egal wer und wofür - wird`s schon richten? Die Perspektive, das Ziel, ist unwichtig - Hauptsache gegen etwas?
Die Geschichte hat zig-fach bewiesen, dass das nicht funktionieren kann, schon gar nicht kann man damit die Arbeiterschaft motivieren geschweige überzeugen....

Der oft kleinbürgerlich geprägte Protest, und wenn er noch so wortradikal daher kommt, verschwindet meist genauso schnell wie er entstanden ist... und die selbsternannten - meist intellektuellen Führer - werden sich dann früher oder später arrangieren... bestes Beispiel die "Alt-68er" der Studentenbewegung, wo sind sie gelandet?
Karl-Ludwig Büttel
3.718
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 12.02.2019 um 20:31 Uhr
Danke Herr Walther, mir geht es auch so, ich sehe weder einen Zusammenhang zu dem Beitrag noch zu den Kommentaren. Ich gehe davon aus der Kommentar gehört unter einen anderen Beitrag.
Kurt Wirth
2.060
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 12.02.2019 um 22:36 Uhr
@Stefan: Auch wenn es vom konkreten Thema des Beitrags wegführt: Es wäre dann natürlich interessant zu wissen, was sich in der Geschichte als funktionsfähig bewiesen hat und womit man die Arbeiterschaft überzeugen konnte.

Wo sind die Alt-68-er gelandet: Michael Beltz z.B. in der Giessener Stadtverordnetenversammlung und Reinhard Hamel z.B. im Kreistag :-)
Stefan Walther
4.467
Stefan Walther aus Linden schrieb am 12.02.2019 um 22:47 Uhr
Dass gerade du solch eine Frage stellst Kurt, das verwundert mich doch sehr!

Die meisten der 68er Studentenführer sind "enttäuscht" darüber, dass sie von der Arbeiterklasse ignoriert und angeblich nicht verstanden wurden, entweder in bürgerlichen Parteien ( z.B. bei den GRÜNEN ) gelandet und haben dort Parteikarriere gemacht, oder zogen sich als "Alternative" ins Privatleben zurück, einige Wenige wählten den Weg des individuellen kleinbürgerlichen Terrors... egal, zur Befreiung der Arbeiterklasse haben sie wenig beigetragen.

Ob ein Michael Beltz oder Reinhard Hamel zu dieser Bewegung gehörte, kann ich nicht beurteilen ( meines Wissens waren sie anders organisiert? ). Falsch finde ich auf jeden Fall, beide auf ihr politisches Engagement im bürgerlichen Parlament zu reduzieren.
Martin Wagner
2.539
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 13.02.2019 um 17:43 Uhr
Kurz zu Stefan. Deine Fragen sind eindeutig für die Galerie (was ja auch zulässig ist) und von mir dir gegenüber mindestens ein halbes Dutzend mal beantwortet.

Korrekt, ich habe mich in dem späten Kommentar nicht zur Sachfrage geäußert. Das habe ich aber kenntlich gemacht. Es ging mir bei der Randbemerkung nur darum zu verdeutlichen, dass die Krise des BRD-Kapitalismus offensichtlich bis weit in das Lager des Mittelstandes vorgedrungen ist. So "lese" ich manche durch eine sehr harte Verbitterung geprägte Beiträge von einigen Bürgerrepoertern, welcher ich dem Mittelstand zuordne, in der Kolonne.

1. Ja es gibt bei der Fraktionsgemeinschaft "Giessener Linke" (eine eigenständig agierende Gruppe ist es ja nicht) Parteilose. Die kannst du aber mit der Lupe suchen. Das sagen haben dort Menschen, welche in dogmatischen Parteien organisiert sind. Ausnahme vielleicht Hamel der meines Wissens nur früher in einer dogmatischen Partei Mitglied war.

2. Gegen alle Parteien - das ist mein Standpunkt der sich in dieser Radikalität heraus geschält hat, weil in Giessen undogmatische Linke bei den "überparteilichen Bündnissen" gerne einmal in den Kreis der Parteien gezogen werden sollen.
2a) In anderern Städten / Gebieten mag das anders aussehen.
2b) In der Geschichte hatten Parteien durchaus eine sinnvolle Aufgabe.
2c) Parteien sind nicht die einzigen politischen Kräfte.
2c) Der Wegfall der Struktur "Partei" schafft keinerlei Mangel an Organisationskraft. Heutzutage wird der Widerstand über die moderne Technick organisiert

3. Links - Rechts ---> Ich sage nicht dass es unerheblich ist, dass du bestimmte inhalltiche Positionen diesem Schemata zuordnest (also dafür bist oder bekämpfst). Was ich sage ist, dass die Gesamtzahl der antikapitalistischen Kräfte in der BRD so gering ist, dass all jenen, denen es Ernst ist diese Menschen zu bekämpfen am Anfang egal sein sollte, wer sich politisiert. Später wird sich schon zeigen, dass die Linken in diesem Kampf die Mehrheit haben.
Stefan Walther
4.467
Stefan Walther aus Linden schrieb am 13.02.2019 um 18:55 Uhr
Martin, man / ich muss wieder ganz genau lesen um auch Antworten auf konkrete Aussagen in deinem Kommentar zu finden.
Sind die Fragen wirklich nur "für die Galerie"? Oder unterschätzt du einfach nur die Bedeutung des Kampfes für ein bestimmtes Ziel?
Dass wir über die Gründe des ( voraussehbaren ) Scheiterns der kleinbürgerlichen Studentenbewegung diskutiert hätten, das habe ich nicht in Erinnerung, vielleicht habe ich es ja vergessen?

zu 1.
es geht hier um das Wahlbündnis Gießener Linke, nicht lediglich darum wer nun im Parlament sitzt, und da gibt es u.a. auf den beiden Listen Stadt und Kreis eine ganze Reihe von Parteilosen. Wer hat das Sagen? Du weisst das? Urteile sollte man nur fällen wenn man sich auskennt...

zu 2.
es wäre langweilig jetzt wiederholt darzustellen, dass ich deinen Standpunkt "Partei bedeutet automatisch Dogmatismus" für grundfalsch halte. Was ich jedoch klarstellen will: die Parteilosen im Wahlbündnis Gießener Linke verstehen sich weder als Anhängsel der dort vertretenen Parteien noch üben diese Parteien irgendeinen Druck aus was Inhalte, Beschlüsse, Anträge usw. usf der beiden Fraktionen betrifft. Du behauptest einfach etwas um deine Meinung angeblich belegen zu können.
Nur weil sich die Technik weiterentwickelt hat sind Parteien überflüssig? Das ist Humbug, es geht um Inhalte und Ziele...

zu 3.
man muss immer klar sagen wofür und wogegen man ist, das schließt Bündnisse natürlich nicht aus, im Gegenteil sie sind notwendig.
Kurt Wirth
2.060
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 13.02.2019 um 19:50 Uhr
Ohne die Diskussion zurückdrehen zu wollen, aber doch noch zur Klarstellung:

Ich kenne keine Organisation, die die "68-er" zusammengeführt hätte. Es waren jede Menge Gruppen, Grüppchen und auch Individualisten, nach dem Motto:"Laßt 1000 Blumen blühen". Insofern hatte ich die beiden Genannten nicht "einsortiert", sondern meine Anerkennung geäussert, dass sie heute wie damals aktiv sind.

Wüßte jemand, wie die Arbeiterschaft zu motivieren und zu überzeugen ist, so hätte er den Stein der Weisen gefunden. In der bisherigen Geschichte ist es nicht gelungen, oder nur vorübergehend.
Karl-Ludwig Büttel
3.718
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 13.02.2019 um 20:48 Uhr
Eine große Menge motiviert man nur wenn die gleichen Ziele durch eine annährend gemeinsame Ausgangslage erreicht werden sollen. Davon ist man in der sogenannten Arbeiterschaft aber Meilenweit entfernt. Die Menschen sind viel zu Träge und hüpfen auf viel zu viele Themen und Interessen auf. Umweltschutz, Klima, Rente, Steuern, Frieden, Lohn. Tierschutz, Kinderrechte, Glauben usw. Selbst in den Parteien gibt es verschiedene Flügel so , das alles nur noch über Kompromisse geht. Daher ist alles schleppend und zum Teil immer in der Kritik steht, was dem einen Recht ist, dass ist es dem anderen noch lange nicht. Ein gemeinsamnes negatives Schlüsselerlebnis würde das vielleicht ändern....hoffen wir es nicht.
Stefan Walther
4.467
Stefan Walther aus Linden schrieb am 13.02.2019 um 21:21 Uhr
@ Kurt: gut, das hatte ich falsch verstanden wie du das gemeint hast mit den beiden Aktivisten. Trotzdem: auch wenn es unterschiedlichste Gruppen und Grüppchen waren, so war die 68er Bewegung in erster Linie intellektuell geprägt, weit weg vom praktischen Klassenkampf der Arbeiterschaft. Du gibst mir immer mehr Rätsel auf Kurt, die Arbeiterschaft ist nicht zu motivieren und zu überzeugen? Natürlich nicht von aussen mit teils arroganten phrasenhaft daherkommenden Intellektuellen, das ist klar... Die Arbeiterschaft wird ihre Sache selbst in die Hand nehmen, so wie sie es schon oft getan hat, auch in Deutschland. Verfolgst du eigentlich die - zugegeben meist ( noch ?) ökonomischen - Kämpfe der Arbeiter?
"Lasst 100 Blumen blühen", das kenne ich, hat aber nichts mit den 68er zu tun :-)

@ Herr Büttel: Sie haben ne ganze Menge wichtiger Themen genannt. Muss man sich deshalb in verschiedene Richtungen verzetteln / bewegen? Kommt es nicht gerade darauf an die Verbindungen herzustellen, die gemeinsamen Ursachen aufzuzeigen? So haben auch immer mehr Arbeiter erkannt "Kampf für Umweltschutz und Arbeitsplätze", das ist notwendig und kein Widerspruch. "Die" Menschen gibt es nicht, es gibt unterschiedliche Interessen und unterschiedliche Schichten, und was die Parteien betrifft, Kern jeder Partei ist, dass sie die Interessen einer bestimmten Klasse vertritt ( oft findet man in den verschiedenen bürgerlichen Parteien Überschneidungen, innerhalb Unstimmigkeiten usw., aber auch das ist kein Widerspruch zum Kernpunkt )
Karl-Ludwig Büttel
3.718
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 14.02.2019 um 09:30 Uhr
Herr Walther Sie haben natürlich in der Theorie vollkommen Recht. Natürlich wäre das Verknüpfen der Themen grundsätzlich möglich. In der Praxis sieht, dass aber ganz anders aus. Ales jemand er in einem medizinischen Beruf ausgebildet ist wird es immer die Menschen und den Menschen geben, aber das ist ja nur ein Nebenschauplatz wie man etwas bezeichnet. Zu den 68er kann ich nur sagen, in meiner Generation bezieht man sich da auf W. Langhans und die Kommune 1 und die sexuelle Befreiung. Beziehungsweise mit einem negativ besetzten Verhältnis. Wenn ein Lehrer oder Richter zu Lasch ist, heißt es häufig auch so ein verweichter 68er. Mit Arbeitskampf oder Aufstand gegen die Obrigkeit wird das nur sehr selten in Verbindung gebracht. Von daher kann man sich diesen Bezug mittlerweile schenken. Vergangenheit.......Ansonsten bin ich ganz bei Ihrem letzten Kommentar.
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