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Hochvogel - kommt dieses Jahr der Bergsturz infolge Klimawandel?

ganz links unten der Container des Bergwachtstützpunktes Laufbacher Eck
ganz links unten der Container des Bergwachtstützpunktes Laufbacher Eck
Gießen | Der Hochvogel in den Allgäuer Alpen (2.592 m) wird vom Gipfel aus seit 2014 immer mehr gespalten. Zu der Zeit war der Riß über 2 m breit und ca. 100 m tief. Er hat sich bis Herbst 2018 um 30 cm verbreitert und geht derzeit um etwa 10 cm pro Monat auseinander. Der Aufstieg vom österreichischen Hornbachtal (einem Seitental des Lechtals) wurde von den Tiroler Behörden 2014 gesperrt. Nach Prognosen der Geologen werden in Kürze ca. 260.000 Kubikmeter Fels und Geröll ins Hornbachtal donnern. Zum Glück liegen die nächsten Ansiedlungen außerhalb der Gefahrenzone.

Geologen der TU München haben vergangenen herbst die Messgeräte in der Spalte erneuert und komplettiert, so dass man hofft, das dramatische Ereignis rechtzeitig vorhersagen zu können. Siehe den Bericht des Bayrischen Fernsehens auf youtube:

http://www.youtube.com/watch?v=6qangap-8Mw

Nun gab es am Hochvogel schon immer Felsabgänge: 1935, 2005, 2007, 2016. Aber nur in der Größenordnung von in paar Tausend Kubikmetern. Wie auf den beigefügten Fotos zu ersehen, haben sich bei der
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Auffaltung der Alpen verschieden harte Sedimentablagerungen der Urmeere senkrecht gestellt, was den Erosionsprozess begünstigt. Die Fotos entstanden vor ein paar Jahren bei einer Wanderung vom Nebelhorn aus am Laufbacher Eck bzw. am Fusse der Ostwand des des Schneck. Die Fotos zeigen den Gipfel des Hochvogels von Westen. Man muss schon genau hinsehen, um zu erkennen, daß der jeweils quer durch die Bilder verlaufende Grat ca. 700 m vor dem Hochvogel verläuft. Auf einem Foto erkennt man ganz links unten in der Ecke den Container des Bergwachtbiwaks, das den ganzen Sommer und Herbst über mit zwei Rettungskräften besetzt ist.

Die erste bekannte Ersteigung des Hochvogels ist dessen Überschreitung durch Hermann von Barth (einer der bedeutendsten Erforscher der Allgäuer Alpen, wie auch später Afrikas) im Jahre 1869. Er übernachtete auf dem Gipfel.

Im Dezember 1945 zerschellte ein amerikanischer B17-Bomber an der Nord-Westseite des Hochvogel. Nach Bergung der Leichen durch Bergwacht und das US-Militär überließ man die Verwertung der Flugzeugreste einem Einheimischen. Doch noch immer liegen kleinere Überreste am sog. "Kalten Winkel" herum, einem meist ganzjährig bestehenden Schneefeld.

Zur Zeit (jetzt im Winter natürlich nur für alpinistische Experten) ist der Aufstieg vom nordseitig gelegenen Prinz-Luitpoldhaus gestattet. Es ist dieses eine der ältesten Alpenvereinshütten und gehört der Sektion Allgäu-Immenstadt.

Es sei noch auf zwei andere gravierende tektonische Ereignisse in der Geschichte der Allgäuer Alpen hingewiesen:
Im Jahr 2006 rutschte am Immenstädter Horn nach langem Dauerregen mit Überschwemmungen ein Steilhang mit ca. 250.000 Kubikmeter in den Steigbachtobel und bedrohte den südlichen Stadtrand von Immenstadt. Der Zugang zum Steigbachtal und damit etliche Alpen und Unterkunftshäusern war versperrt. In mehrjährigen komplizierten Bauarbeiten wurde das Gelände wieder stabilisiert.
Ebenfalls am Immenstädter Horn donnerten im Jahre 1348 jede Menge Nagelfluh-Felsbrocken verschiedensten Ausmasses in den Talkessel bei der Alpe Wildengund. Dies war eine Folge eines gewaltigen Erdbebens mit dem Zentrum in Kärnten. Dort zerstörte der Einsturz des Dobratsch zwei Marktorte und 17 Dörfer unter Felsmassen.

So wird man vielleicht dieses Jahr beim Einsturz des Hochvogels wieder trefflich darüber diskutieren, ob dies eine Folge des Klimawandels ist. Aber auch hier läßt sich eine Zunahme solcher Ereignisse im Alpenraum in jüngerer Zeit feststellen. Einen Zusammenhang mit Permafrost gibt es am Hochvogel nicht, dazu ist er zu niedrig.

ganz links unten der Container des Bergwachtstützpunktes Laufbacher Eck
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Kommentare zum Beitrag

Michael Beltz
7.277
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 06.01.2019 um 15:43 Uhr
Wir bleiben dieses Jahr im flachen Land. Die höchste Erhebung ist hier in unserer Nähe der Vogelsberg.
Kurt Wirth
1.602
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 06.01.2019 um 15:49 Uhr
Aber die Dinge scheinen sich so zu entwickeln, dass Ihr nächstes Jahr vielleicht mit dem Auto auf den Hochvogel fahren könnt:-)
H. Peter Herold
27.353
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 06.01.2019 um 15:57 Uhr
Ist der nicht vulkanischer Ursprung? Dann Vorsicht"
:-)
Beim Hochvogel ist die Frage woher kommt der Riss?
Untergrund nivht fest genug. Bewegung im Berg? Oder fiert die Spalte im Winter und das Eis drückt?
Stefan Walther
4.389
Stefan Walther aus Linden schrieb am 06.01.2019 um 16:01 Uhr
Guter Bericht Kurt.
Ja, die entscheidende Aussage ist am Schluss deines Beitrages:
" Aber auch hier läßt sich eine Zunahme solcher Ereignisse im Alpenraum in jüngerer Zeit feststellen."
Und das trifft nicht nur auf die Alpen zu. Zum Beispiel gab es auch "schon immer" Überschwemmungen, verheerende Stürme, heiße und trockene Sommer usw. usf., aber noch nie in dieser Häufigkeit....
Kurt Wirth
1.602
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 06.01.2019 um 16:03 Uhr
@Peter: Es wechseln annähernd senkrecht stehende unterschiedlich harte Gesteinsschichten. Die weicheren werden mit der Zeit (der Frost spielt sicher eine wichtige Rolle) herausgewaschen und die so entstehenden Risse immer tiefer.
H. Peter Herold
27.353
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 06.01.2019 um 17:14 Uhr
Danke für die Info
Christian Momberger
11.119
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 06.01.2019 um 17:19 Uhr
Ich mag mich nur anschließen. Interessanter, guter Bericht.
Friedel Steinmueller
3.434
Friedel Steinmueller aus Heuchelheim schrieb am 13.01.2019 um 19:29 Uhr
Ob gerade dieser anstehende Bergsturz von Klimafaktoren herrührt, ist zu hinterfragen, zumal ein auftauender Permafrostboden auszuschliessen ist, weil nicht vorhanden.
Es handelt sich in der Region um ein hochdynamisches Ereignis, das eher aus den tiefen Gesteinsschichten kommt.
So wie das hier dargestellt wird, kommt das im Eintrittsfalle schon einem kleinen geologischen Supergau nahe.
Wichtig vor allem das dann keine Menschen in akute Gefahr kommen.
Ich werde das ab jetzt aufmerksam verfolgen.
Kurt Wirth
1.602
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 13.01.2019 um 20:12 Uhr
Man findet im Netz Äußerungen, die einen Zusammenhang zwischen Starkregen und verstärkter Erosion sehen:
Dieser war auch die Hauptursache beim Hangrutsch 2006 bei Immenstadt. Und Starkregenereignisse nehmen nachweislich zu.
Und - das ist nun eine These von mir: Generell laufen chemische Prozesse um so schneller ab, je höher die Temperatur.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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von:  Kurt Wirth

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