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Wohnbau: Der Fisch stinkt vom Kopf her

von Michael Beltzam 06.01.20192756 mal gelesen4 Kommentare
Gießen | Seit Reinhard Thies vor fünf Jahren die Geschäftsführung der Wohnbau Gießen GmbH übernommen hat, sieht er sich gern als Lichtgestalt im Dienste des sozialen Wohnungsbaus.

Da folgen ihm nicht alle.
* Die Mieter, die zum Beispiel mit seiner Sanierungswut aus ihren Wohnungen vertrieben wurden oder sie danach sehr viel teurer wieder beziehen durften, sehen das zum großen Teil anders.
* Die Mietsuchenden, die oft jahrelang auf der Warteliste stehen, weil so gut wie keine Sozialwohnungen gebaut werden, ebenso.
* Und bei den Mietern, die aufgrundfehlerhafter Nebenkostenabrechnung bis vors Gericht ziehen mussten, ist der Wohnbau-Chef eh unten durch.

Aber jetzt ist auch in den oberen Geschäftsetagen die Kacke am Dampfen. Das Betriebsklima war wohl nie harmonisch, man spricht inzwischen von Angst vor Repressalien, und jetzt soll das Arbeitsgericht Recht sprechen. Sind seine Stellvertreter, die sich bei Entscheidungen übergangen fühlen, „leitende Angestellte“ oder nicht, will z.B. heißen: dürfen sie zum Betriebsrat kandidieren oder nicht. Die amtierende Richterin hat es nicht leicht und versucht ein Mediationsverfahren – und den Beschäftigten wurde ein generelles Redeverbot zum Thema erteilt.

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Dazu ist einiges Grundsätzliche zu sagen:
Es heißt: Die „energetische Sanierung“ müsse sein, weil sie von Berlin beschlossen sei. Das ist kein Gesetz, sondern Humbug. So etwas sollte von Fall zu Fall in Rücksprache mit den Mietern vor Ort entschieden werden und nicht „weil Berlin das so will“.
Vorrangige Aufgabe einer sozialen Wohnbaugesellschaft soll es sein, ausreichenden preiswerten Wohnraum zu schaffen und zu erhalten und nicht bei Wegfall der Preisbindung die Miete zu erhöhen (oder sich dafür bezahlen zu lassen, dass sie die Miete nicht erhöht).

Sozialer Wohnungsbau gehört in die Hände und in die Verantwortung der Kommunen und der gewählten Abgeordneten, die öffentlich über ihre Wohnungspolitik Rede und Antwort stehen müssen – so, wie es vor der Privatisierung war.

Damit darf keinesfalls Gewinn erwirtschaftet werden, wie es eine GmbH vorschreibt, auch wenn ein Teil davon an die Stadt fließt. Warum sollen die Mieter die Stadtkasse füllen?
Und dann braucht man auch keinen Geschäftsführer mit einem Gehalt von 120.000 Euro im Jahr.

Nötig ist die Rekommunalisierung der Wohnbau – wie der anderen kommunalen Betriebe auch.
Nur dann können Entscheidungen im Interesse der Menschen und nicht der Profite getroffen werden. Und das gilt für jeden anderen Bereich des öffentlichen Lebens – wie der gesamten Gesellschaft. Erika Beltz
(aus Gießener Echo Januar 2019)

Kommentare zum Beitrag

Martin Wagner
2.511
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 07.01.2019 um 15:43 Uhr
Michael B. - sicherlich ein gut recherchierter Beitrag.

Was mir dabei fehlt ist aber ein Absatz, warum gerade dieser Herr (und kein Anderer) den sehr gut bezahlten Job bekommen hat.

Frage an den Stadtverordneten Beltz (ich denke als solcher hat er das auf den Fluren des Parlaments sicher schon einmal bei den "Kollegen" erfragt ...): Stimmt es, dass Herr Thies das Parteibuch der Partei der Arbeiterveräter in der Tasche hat?

Falls ja, so erübrigen sich ganze Passagen des obigen Artikels, denn von solche Leuten ist nun einmal wenig bis garnichts zu erwarten.

Ich bedanke mich schon einmal für die Antwort im voraus.
Michael Beltz
7.380
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 08.01.2019 um 17:09 Uhr
Ob Herr Thies das Mitgliedsbuch einer Partei besitzt, spielt für mich keine Rolle.
Mit Arbeiterverräter ist sicher die SPD gemeint. Ich sehe SPD/CDU/CSU/FDP/GRÜNE/AfD als Parteien, die mit unterschiedlichen Rollen dem Kapital dienen.
Martin Wagner
2.511
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 14.01.2019 um 17:10 Uhr
Mir wird ja ab und zu der Vorwurf gemacht ich bleibe bei meinem Kommentar nicht beim Artikel.

Aber die Ausage meines Vorkommentators (...) "Ich sehe SPD/CDU/CSU/FDP/GRÜNE/AfD als Parteien, die mit unterschiedlichen Rollen dem Kapital dienen." (...) reizt mich doch zu einem ganz kurzen Widerspruch.

Wie kann ein Mann der "Moskau-Partei" zu so einer Einchätzung kommen?

Morgen jährt sich z.B. die Ermordung von Liebknecht /Luxemburg zum 100 mal. Umgebracht wurden sie von Freicorpsleuten, aber wie kann ein Kommunist vergessen, dass die Partei der Arbeiterverräter tagelang davor auf das Übelste gegen die Arbeiter und deren Anführer gehetzt hatte?
Und Michal B., Du bist gut belesen und Dir dürfte schon die Rolle der Herren Ebert, Scheidemann, Noske und Zörgiebel in diesen Jahren bekannt sein.

Deine Partei hat doch vor wenigen Monaten den hundertsten Geburtstag der Novemberrevolution feierlich begangen. Gehört da nicht auch dazu den tausenden (kein Schreibfehler) ermordeten Arbeitern zu gedenken, welche von den Spezialdemokraten nicht nur schändlichst verraten wurden, sondern deren Führer tatkräftigst die legalen Mörderbanden aufgebaut und unterstützt hatten.

Michal B. kann mann / frau das je vergessen?

Sind da nicht noch ein paar alte Rechnungen offen?

Für mich gilt: Die genannten Parteien sind alle politisch zu bekämpfen, aber in erster Linie die Partei der Arbeiterverräter. Und gottlob, die Zeiten ändern sich. Die "S"PD ist auf 15 bis 20 Prozent gefallen. Da ist noch Luft nach unten drin. Alle linken Strömungen sollten sich einig darin sein; jetzt ist die Zeit endlich gekommen dieser Partei den Todesstoss zu versetzen.
Michael Beltz
7.380
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 16.01.2019 um 20:00 Uhr
Kein Vergeben! Kein Vergessen!" Das war die Überschrift in der jw (junge welt) am Dienstag, 15.01.2019.
Du hast die Verbrechen mit Namen richtig genannt. Es gab noch mehr: Die Bombadierung der Arbeiter in einem heutigen Ortsteil von Berlin.
.........Wiederaufrüstung, Notstandsgesetze, Hartz IV, erstmalig Krieg seit Hitler gemeinsam mit den Grünen - - im Auftrag des Kapitals.

Anlässlich des Gedenkens an Rosa und Karl waren wir in Berlin.
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Michael Beltz
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