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Kleine Tarifreform beim RMV - aber nicht der erwartet große Wurf

Gießen | Zum 09. Dezember 2018, also gleichzeitig mit dem Fahrplanwechsel, treten die von vielen Fahrgästen seit Jahren sehnsüchtig erwarteten „preislichen Vergünstigungen für Fahrten im Nahbereich bei eingeschränkter räumlicher Gültigkeit in Frankfurt“, im Arbeitstitel als „Nachbarschaft Tickets“ bezeichnet, in Kraft. Die zusätzlichen Preisstufen (PS) vergünstigen Fahrten aus dem unmittelbaren Umland in genau definierte zentrumferne Stadtgebiete um 16 bis maximal 34 Prozent. Hierzu musste das Tarifgebiet (TG) 50 (Stadtgebiet Frankfurt am Main) in zehn Waben (5001-5010) aufgeteilt werden. Die Grenzen der neuen TG stellen einmal der Main und die Nid-da und zum anderen die Bezirksgrenzen dar.

Dass Kurzstreckenfahrten im RMV über die Tarifgrenze Frankfurt deutlich zu teuer sind, war ein Dauerbrenner der Diskussionen der letzten Jahrzehnte. Die jetzt ge-fundene Lösung kann man, so Wilfried Staub, Pressereferent des Fahrgastverban-des PRO BAHN, aber nicht unbedingt als den großen Wurf bezeichnen. Vom Lösungsansatz her ist die Initiative aber durchaus zu begrüßen, erleichtert sie das Portemonnaie einer Gruppe von Pendlern um den stattlichen Betrag von 25 € im Monat (bezogen auf die Differenz zwischen den PS 4 und 30). Staub begründet seinen Einwand damit, dass die Zerstückelung des im internationalen Vergleich ohnehin nicht besonders großen TG Frankfurt den weltweiten Trend zur Schaffung möglichst größerer und klar definierter Tarifzonen, ähnlich der gerade für München beschlossenen Vereinfachung, konterkariert.

PRO BAHN hatte bereits vor Jahren einen Vorschlag zur Diskussion gestellt, der das gewünschte Ziel von der anderen Seite anpackt. Einzelfahrscheine aus den in der Grafik 3 des RMV grün und blau markierten (und seit 1995 etablierten) Tarifgebieten in das gesamte Stadtgebiet von Frankfurt könnten sich auf 3,60 € (Vorschlag) verbilligen. Das Einnahmeergebnis würde dabei, was die durchschnittlich zurückgelegte Strecke betrifft, in etwa mit der Stadtpreisstufe Frankfurt korrelieren.

Das Lösen eines korrekten Fahrscheins von den Randbezirken Frankfurts in die angrenzenden TG dürfte sich bei dem RMV-Vorschlag relativ problemlos gestalten. In der umgekehrten Richtung wird es maßgeblich darauf ankommen, wie intensiv die Busfahrer geschult werden und welche Geographiekenntnisse die Fahrgäste aufweisen.

Die jetzt in Kraft tretende kleine Tarifreform betrifft zudem nur Fahrten von und nach Frankfurt. Die im Umland bekannten Tarifungereimtheiten und das TG Wiesbaden/Mainz werden zunächst leider nicht angepackt (Ausnahme Marburg), ergänzt PRO BAHN Landesvorsitzender Thomas Kraft.

Leider wirft die vorgestellte Reform nach flüchtigem Studium bereits erste Fragen auf. So ist nicht nachvollziehbar, warum Eschborn einen Sonderstatus genießt aber das neu geschaffene Tarifgebiet 6639 (Sulzbach/Liederbach) nicht, obwohl das Main-Taunus-Zentrum (MTZ) und der Ortsteil Unterliederbach nur einen Steinwurf voneinander getrennt sind. Eine fünfminütige Fahrt in das MTZ über zwei Busstationen ermäßigt sich zwar von 4,90 € auf 4,10 €, bleibt jedoch deutlich unter dem Preis einer um eine Minute längeren Fahrt mit der S-Bahn von Eschborn Mitte nach Rödelheim für 3,20 €.

Nicht nachvollziehbar ist auch, warum für eine Fahrt von Eschborn Mitte mit der S3 und der Tram 12 zu den Unikliniken in Frankfurt die PS 4 fällig wird, während bei einer Weiterfahrt bis zur Endhaltestelle der Linie 12 nur die um 0,85 € günsti-gere Preisstufe 30 berechnet wird.

Der im vergangenen Jahr eingeführte Härtefall bei bestimmten Fahrten von Frankfurt zum Großen Feldberg oder nach Schmitten wurde dadurch entschärft, dass anstelle der PS 5 (Einzelfahrt 8,50 €/8,60 €) nunmehr die PS 40 (6,80 €) gilt. Stückelt man die Fahrt jedoch in zwei zulässige Einzelfahrscheine (Frankfurt – Grenzhaltestelle Niederursel – Großer Feldberg fallen nur 5,40 €/5,45 € an. Gleiches gilt für die Relation Hanau – Kaiserlei – Frankfurt. Weiterhin fällt auf, dass die Nidda, zum Beispiel bei der Haltestelle Tillystraße, nicht die verbindliche Grenze darstellt.

Erfreulich ist, dass man sich nicht, wie bei RMVsmart, auf eine bestimmte Route festlegen muss. Von Offenbach zur Frankfurter Hauptwache kann man zum gleiche verbilligten Preis den direkten Weg mit der S-Bahn als auch mit der Bahn den Umweg über den Südbahnhof durch die TG 5009 und 5010 nehmen. Zeitkartenbesitzer der PS 30 aus Offenbach dürfen entsprechend der Aufstellung der
freigegebenen TG sogar bis zu den drei südlich des Mains gelegenen Haltestellen des Industrieparks Höchst fahren, allerdings nur unzulässiger Weise mit Umstieg in Höchst oder Flughafen.

Es bleibt also noch etwas Korrekturbedarf und viel Aufklärungsarbeit, damit sich der von den Machern erhoffte Effekt auch tatsächlich einstellt. Die meisten Zeitkarteninhaber werden bei Fahrten nach Frankfurt wohl doch die unproblematischere und bewährte PS 4 beibehalten.

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